Strunde
| Strunde | ||
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Der wieder freigelegte Umbach zur früheren Schnabelsmühle zwischen Gasthaus Paas und Villa Zanders in der Maria-Zanders-Anlage in Bergisch Gladbach |
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| Daten | ||
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| Gewässerkennzahl | DE: 273568 | |
| Lage | Nordrhein-Westfalen; Deutschland | |
| Flusssystem | Rhein | |
| Abfluss über | Rhein → Nordsee | |
| Quelle | im Bergisch Gladbacher Stadtteil Herrenstrunden 51° 0′ 28″ N, 7° 10′ 59″ O51.007797.18295155 |
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| Quellhöhe | 155 m ü. NN[1] | |
| Quellschüttung | MQ HHQ |
50 l/s 830 l/s |
| Mündung | im Kölner Stadtteil Holweide an der so genannten Bachkreuzung in den Faulbach[2]50.9626396.996835Koordinaten: 50° 57′ 46″ N, 6° 59′ 48″ O 50° 57′ 46″ N, 6° 59′ 48″ O50.9626396.996835 |
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| Mündungshöhe | 35 m ü. NN[1] | |
| Höhenunterschied | 120 m | |
| Länge | 18,5 km[3] (15 km bis zur Einleitung in den Faulbach) | |
| Einzugsgebiet | 81,21 km²[4] | |
Die Strunde oder der Strunder Bach ist ein rechter Nebenfluss des Rheins in Nordrhein-Westfalen. Die Quelle der Strunde liegt im Bergisch Gladbacher Stadtteil Herrenstrunden, für den sie auch Namensgebend ist. Die von ihr mitgeführten Wasser werden im Kölner Stadtteil Buchheim in die Kanalisation eingeleitet. Oberirdisch ist sie sichtbar bis zur Überbrückung des Bachlaufs durch die Stadtbahntrasse der Linie 3. Zur Zeit der Industrialisierung war sie eine wichtige Wasser- und Energiequelle für die Region.
Inhaltsverzeichnis |
Geographie [Bearbeiten]
Strundequelle [Bearbeiten]
Die Strunde entspringt – so ist es allgemein überliefert – einer Karstquelle etwa 100 Meter nordöstlich der Herrenstrundener Pfarrkirche. Das von unten austretende Wasser ist anhand der aufsteigenden Blasen zu erkennen. Ihre mittlere Schüttung beträgt etwa 50 Liter pro Sekunde, kann aber in Spitzenzeiten auf 830 l/s ansteigen. Aber nicht nur diese Quelle speist die Strunde. Vielmehr handelt es sich weiter östlich um ein großes Karstgebiet, das sich zwischen den Ortschaften Eikamp (Ortsteil von Odenthal) und Spitze (Kürten) erstreckt. In diesem Talkessel sprudeln an verschiedenen Stellen einzelne Quellen, deren Wasser je nach der Menge der Niederschläge unterschiedlich stark in kleinen Rinnsalen und Bächen der Hauptquelle zustrebt.[3]
Verlauf [Bearbeiten]
Die Strunde fließt in ost-westlicher Richtung dem Rhein zu. Eine Besonderheit stellt die mit einem Kreuzungsbauwerk verwirklichte Überquerung des Faulbachs in Köln-Holweide dar (Bachkreuzung). Der Strunderbach endete früher in den Rheinuferauen, ohne den Fluss selbst zu erreichen. An die Lage des Bachlaufs erinnert in Köln-Mülheim (unmittelbar südlich der Mülheimer Brücke) die Bachstraße, an der auch die Hausbrauerei Greven (heute: Gilden) das Wasser der Strunde nutzte.
Auf Grund der Begradigung des Rheines und des starken Anwachsens der Stadt Bergisch Gladbach wurde der Strunder Bach schließlich verrohrt und unterirdisch durchgeführt. Die Verrohrung beginnt kurz vor der Innenstadt von Bergisch Gladbach und wird nur an wenigen Stellen unterbrochen. Auch seinen Weg durch das rechtsrheinische Köln nimmt der Bach teilweise unterirdisch. Diese Ableitung des Baches ist mit dafür verantwortlich, dass nach mehreren Starkregenereignissen in den Jahren 2000 und 2001 weite Teile der Bergisch Gladbacher Innenstadt mehrfach kurzfristig überschwemmt wurden, da die Kanalisation die anfallenden Regenmengen nicht aufnehmen konnte. Hieraus entwickelten sich umfangreiche Baumaßnahmen in Form von Regenrückhaltebecken.
Ursprünglich erreichte die Strunde von Herrenstrunden kommend nicht den Rhein, sondern versickerte bereits vorher im Thielenbruch – einem Sumpfgebiet. Im 6. Jhd. wurde das Bachbett bis zum Rhein künstlich verlängert und das Sumpfgebiet dabei entwässert. Die verlängerte Strunde fließt nördlich des ehemaligen Sumpfgeländes, der ebenfalls künstlich angelegte Faulbach, ein Seitenarm der Strunde, im Süden. Die ehemaligen Entwässerungsgräben wurden nachfolgend von den Bauern bei Trockenheit zur Bewässerung ihrer Wiesen und Felder genutzt. Einige dieser Gräben und Schleusentore sind bis heute erhalten. So findet sich einer in Nähe der Wasserburg Isenburg, ein weiterer ganz in der Nähe der Wichheimer Mühle. Die angrenzende Straße Am Flutgraben überliefert namentlich die Erinnerung daran. Der Flutgraben an der Wichheimer Mühle wurde in den sechziger Jahren im Winter dazu genutzt, aus der angrenzenden Wiese eine Schlittschuhlaufbahn zu machen, heute steht auf diesem Gelände die Holweider Gesamtschule an der Burgwiesenstraße.
Zahlreiche hohle Weiden wachsen am Ufer der Strunde, hiervon leitet sich auch die Namensfindung des Kölner Stadtteils Holweide ab. Geflochtenes Weidwerk wurde dazu genutzt, die Uferwände zu stabilisieren, stellenweise ist das Weidwerk noch zu sehen. Um eine große Höhendifferenz zum Antrieb weiterer Mühlen zu erhalten, wurde die Strunde in der Nähe des Gut Schlagbaum über einen kleinen Aquädukt über den Faulbach geleitet. Das Gut Schlagbaum befindet sich in Nähe des Schlagbaumer Weges und war früher die Grenzstation zwischen der freien Reichsstadt Köln und der Grafschaft Berg.
Im Augenblick (Sommer 2012) fließt die Strunde mit starkem Gefälle in den Faulbach. Durch diesen Verbindungskanal entsteht eine kleine Halbinsel. In die Uferwände der Strunde haben sich an versteckten Orten seltene Flusskrebse Höhlen gegraben. Wenn der Aquädukt fertiggestellt ist (siehe Brückenbauwerk im Hintergrund des Bilds), soll die Strunde wieder in einer eigenen Kanalisation abfließen.
Im Oberlauf trägt der Faulbach den Namen Flehbach. Dort trieb er die Erker Mühle am Mauspfad und die Flehbachmühle in Refrath an.[5] Auch im Faulbach leben Flusskrebse. Als die KVB beim Bau ihres Stellwerkes in Merheim den Faulbach kurzzeitig trocken legten, sollen Merheimer Anwohner das Überleben der geschützten Art in ihren Badewannen gerettet haben.
Der im 19 Jhd. aus Ziegelsteinen gemauerte Aquädukt war in Rundbogenbauweise gemauert worden, er ersetzte den mittelalterlichen Vorgängerbau aus Holz. Ende der siebziger Jahre wurde dieses Kulturdenkmal durch eine Betonbrücke erneuert. In Nähe dieser Brücke befand sich zu diesem Zeitpunkt noch ein letztes Biotop der ehemaligen Sumpffauna. Heute ist dort der Sportplatz des S.C. Holweide von 1968 E.V. und eine Schrebergartensiedlung entstanden. Seit 1906 ist die Strunde von Köln Buchheim bis zum Rhein in einem Tunnel kanalisiert. Heute bestehen keine Absichten und auch keine Möglichkeiten, die Strunde im Bereich Mülheim wieder zu öffnen. Es soll aber über eine Grünverbindung die Durchgängigkeit der Strunde nachgezeichnet werden. Einen Baustein hierfür stellt die grüne Verbindung von der Rheinpromenade bis zum Wiener Platz dar.
Industrielle Nutzung [Bearbeiten]
Die Mühlen, zeitweise waren 36 gleichzeitig in Betrieb, und das Wasser selbst sorgten für wirtschaftlichen Wohlstand in Bergisch Gladbach und beförderten vor allem die Papierindustrie (siehe M-real Zanders), einen heute noch für diese Stadt wichtigen Industriezweig. Am östlichen Ortsausgang von Bergisch Gladbach zeigt das Papiermuseum Alte Dombach, wie man früher Papier an der Strunde hergestellt hat. Im Holweider Vorort Schweinheim gab es bis Anfang der 1980er Jahre eine Wollfärberei, die ihr Abwasser in die Strunde geleitet hat. Je nach Auftragslage wechselte dann auch die Farbe des Baches. Die Ergiebigkeit betrug 1,189 m³/s bei einer Höhendifferenz von 94 m bis zur Mündung (Strundequelle ca. 140 m über NN, Mündung ca. 46m über NN).[4]
Die Mühlen an der Strunde [Bearbeiten]
Umfangreich ist die Literatur über die Mühlen an der Strunde. Niemand kann genau sagen, wie viele es insgesamt gewesen sind. Um 1846 waren es 51 Mühlen, die aufgezählt wurden.[6] Vollständig erhalten ist heute nur noch die Iddelsfelder Mühle.
Siehe auch [Bearbeiten]
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ a b Google Earth
- ↑ Kölner Stadtanzeiger vom 29. Dezember 2011: Die Strunde geht nicht unter
- ↑ a b Ulrich Jux: Geologie und Landschaftsräume im Einzugsgebiet der Strunde in: Heimat zwischen Sülz und Dhünn, Geschichte und Volkskunde in Bergisch Gladbach und Umgebung, Bergischer Geschichtsverein Rhein-Berg e.V., Heft 4 1997, S. 22ff.
- ↑ a b Karl Hermes und Heinrich Müller-Miny: Die Landkreise in Nordrhein-Westfalen, Band 8, Der Rheinisch-Bergische Kreis, Wilhelm Stollfuß Verlag Bonn 1974, S. 44
- ↑ Herbert Nicke: Bergische Mühlen, Auf den Spuren der Wasserkraftnutzung im Land der tausend Mühlen zwischen Wupper und Sieg, Wiehl 1998, S. 246, ISBN 3-931251-36-5
- ↑ Vinzenz von Zuccalmaglio:Geschichte und Beschreibung der Stadt und des Kreises Mülheim a.R., Köln 1846 S. 203f.
Literatur [Bearbeiten]
- Ferdinand Schmitz: Die Papiermühlen und Papiermacher des bergischen Strundertals, Bergisch Gladbach 1921
- Feststellung und Ordnung für den Strunderbach, gedruckt bei Chr. Illinger, Bergisch Gladbach o.J., (es handelt sich um die Bachordnung und das Bachprotokoll von 1823 nach einer Kopie von 1854)
- Paul Rothäuser: Zwischen Faulbach und Strunde, Köln-Mülheim 1969
- Frank Schulte: „Die Mühlen an der Strunde", Verlag Dr. H. Wamper GmbH (Bergisch Gladbach, 1979), ISBN 3-932326-02-4
- Klara von Eyll: 400 Jahre Papiermühlen an der Strunde, Bergisch Gladbach 1982
- Herbert Stahl: „Die Wiesenwirtschaft an der Strunde“ in: Heimat zwischen Sülz und Dhünn, Heft 3, 1996 (BGV Bergischer Geschichtsverein Rhein-Berg, Bergisch Gladbach)
- Herbert Stahl (Redaktion) und andere: „Gronau“, Schriftenreihe des Bergischen Geschichtsvereins Rhein-Berg e.V., Band 51, Bergisch Gladbach 2007, ISBN 978-3-932326-51-6
- Hans Leonhard Brenner: Die Strunde und ihre Bergisch Gladbacher Mühlen, Hrsg. Bergischer Geschichtsverein Rhein-Berg e.V. in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Bergisch Gladbach, Bergisch Gladbach 2012, S. 94ff. ISBN 3-932326-67-9
- A. Görgens: Der Strunderbach gestern, heute, morgen , Heimatverein Köln-Dellbrück e. V. „Ahl Kohgässer“, Rheinland-Druck GmbH, Köln-Dellbrück o.J.
Weblinks [Bearbeiten]
- Rheinisches Industriemuseum Alte Dombach im Strundetal
- Broschüre (PDF; 1,9 MB) zur Bachpflege der Stadtentwässerungsbetriebe
- Karte mit eingezeichnetem Verlauf der Strunde (im Rahmen eines Projektes der Regionale 2010)
- Regio Grün – Projekte Ost
- Tag der Strunde 5. September 2010 (PDF; 1,5 MB) abgerufen am 13. Oktober 2011
- Der Strunderbach und seine Mühlen, Heimat-Verein Köln-Dellbrück e. V. abgerufen am 13. Oktober 2011
- Die Strunde geht nicht unter, Kölner Stadt-Anzeiger vom 29. Dezember 2011 abgerufen am 6. Januar 2013