Stuck

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Stuck (Begriffsklärung) aufgeführt.
Deckenstuck
Stuckarbeiten in Schloss Rundāle
Stuckdecke über der Westapsis des Trierer Doms
Stuck im Eingangsbereich eines Berliner Gründerzeit-Mietshauses

Als Stuck (von ital. stucco) wird die plastische Ausformung von Mörteln aller Art auf meist verputzten Wänden, Gewölben und Decken bezeichnet. Seit der Antike war und ist Stuck eine wichtige Technik für die Gestaltung von Innenräumen und Fassaden. Eine besondere Stucktechnik ist das Sgraffito.[1].

Die Bezeichnung "Stuck" umfasst alle Arbeiten mit Mörteln, von einfacher Fassadengestaltung wie z.B. mit Gesimsen bis hin zu kompletten, plastischen Wand-und Deckengestaltungen wie mit den opulenten plastischen Formen des Barock und Rokoko. Seit der Wende zum 20. Jahrhundert werden Fertigstuckteile in Katalogen angeboten, die in Gießformen in Serie hergestellt werden.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Stuckmörtel

Stuckmörtel wird gewonnen durch das Vermengen von Zuschlagstoffen (vorwiegend Sand in der Körnung von 0-1 mm, 0-2mm und feineren Sieblinien), Wasser und ein oder zwei Bindemitteln wie Sumpfkalk, Weißkalk, Gips, in neuerer Zeit auch Hydraulkalke sowie verschiedene Kalk-Zement-Mischungen [2]. Die meisten Stuckateure haben ihre eigenen Spezialmischungen, vor allem für Antragsstuckarbeiten, die meist noch weitere Zusätze enthalten, um die Viskosität des Mörtels oder das Abbindeverhalten zu beeinflussen.

[Bearbeiten] Hauptgruppen der Stuckarbeiten[3]

  1. Putzarbeiten: Verkleidung von Innen- und Außenwandflächen, Decken, Gewölben mit Mörteln verschiedener Zusammensetzung. Eine Sonderform ist der so genannte Kratzputz, das Sgraffito.
  2. Zugarbeiten: mittels Schablonen werden plastische Schmuckelemente wie z.B. Stäbe, Bänder, Profile scharf abgezogen.
  3. Antragearbeiten: Antragsstuck - Ausarbeitung plastischer Stuckelemente an Ort und Stelle in die noch weiche Stuckmasse in einem meist raschen Arbeitsgang, was große Kunstfertigkeit erfordert (v.a. im Barock und Rokoko angewandt)
  4. Kunstmarmorarbeiten (Marmorstuck, Scagliola): Imitationen verschiedener Marmorarten
  5. Form-, Guss- und Versetzarbeiten: Herstellen von Negativformen aus Ton, Leim, Gips u.a. nach einem Modell. Die darin aus Gips, Hartgips oder Zement gegossenen Einzelteile werden an Wand-und Deckenflächen mit Schrauben oder Dübeln versetzt.
  6. Malstuck - Stucco lustro: ein der Freskotechnik verwandte Maltechnik mit großer Farbleuchtkraft , die durch Glätten mit heißen Eisen Glanz erhält

[Bearbeiten] Geschichte

Antike: Die Kunst des Stuckierens erlangte erstmals im Hellenismus besondere Bedeutung. In Imitation teurer Marmorsorten wurden die Wände mit farbigem Glanzstuck stucco lustro überzogen. Aufwändige Gesimse betonten vertikale Gliederung. Stuckdecken waren in öffentlichen Gebäuden und vornehmen Häusern üblich.

Mittelalter: Die Erfassung und Erforschung der Stuckplastik und Stuckdekorationen im Mittelalter ist noch ein vergleichsweise junges Thema der Kunstgeschichte[4]. Seit den 1990er Jahren liegen Erkenntnisse über die Herstellungstechnik und die Polychromie von Stuck in mittelalterlichen Sakralbauten des Harzvorlandes vor. So haben sich hier, in den heutigen Bundesländern Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, eine Reihe überaus bedeutender mittelalterliche Kunstwerke aus Stuck erhalten, besonders aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Zu nennen sind hier das Heilige Grab in der Stiftskirche in Gernrode, die Chorschranken in St. Michaelis in Hildesheim, der Liebfrauenkirche in Halberstadt sowie der Stiftskirche in Hamersleben, die Westempore in der Klosterkirche zu Gröningen (heute Berlin, Staatliche Museen, Bode-Museum), das Tympanon der Hildesheimer Godehardikirche, das Giebelrelief der Domvorhalle in Goslar oder den Apostelzyklus in der Ganderheimer Stiftskirche. Von großer Bedeutung sind auch die großen Stuckfußböden mit sehr individuellen Gestaltungen, wie z.B. im Hildesheimer Dom und der Helmstedter St. Ludgerikirche[5].

Renaissance: In der italienischen Renaissance kam es zu einer Wiederbelebung. Wände und Decken von Kirchen und Palästen wurden nun mit großen Stucksystemen überzogen, oft in enger Verbindung mit Wand- und Deckenmalereien.

Barock: Eine besondere Blüte erfuhr das Handwerk des Stuckierens im Barock und im Rokoko, für deren schwungvolle und verspielte Dekorationselemente die Technik des Stuckierens gut geeignet war. Während in dieser Zeit zunächst italienische Stuckateure in ganz Europa für hochwertige Stuckaturen sorgten, entwickelten sich alsbald die Stuckateure vor allem im süddeutschen Raum z.B. der Wessobrunner Schule zu bedeutenden Vertretern dieser Kunst. Im Barock wurde auch häufig der Stuckmarmor (Scagliola) zur Gestaltung eingesetzt, eine aufwändige Methode zur Nachahmung von Marmor, die zwar teurer als Marmor selbst war, aber sowohl größere einheitlich gefärbte Werkstücke als auch besonders dramatische künstlerische Effekte der Färbung ermöglichte.

19. Jahrhundert: Während der Gründerzeit und in der Epoche des Historismus war Stuck ein günstiges Gestaltungselement der Architektur. Auch im Jugendstil war er weit verbreitet.

Moderne: Mit Beginn der Moderne Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Stuck aus der Architektur verbannt. Im Deutschland der 1950er und 1960er Jahre verlor dekorativer Stuck weiter an Bedeutung und wurde vielfach als störend empfunden, da er nicht den modernen Architekturvorstellungen entsprach. Aus diesem Grund wurde der Stuck von vielen Altbauten entfernt, was als „Fassadenverödung“ oder Entstuckung bezeichnet wurde.

[Bearbeiten] Stuck heute

Standards für das Putz- und Stuckhandwerk sind in der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen, Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (VOB/C, ATV), DIN 18350 (Putz- und Stuckarbeiten) geregelt.

[Bearbeiten] Museum

Das derzeit einzige Museum Deutschlands, das sich ausschließlich mit Stuck befasst, ist das Kleine Stuckmuseum in Freiburg im Breisgau.[6]

[Bearbeiten] Literatur

  • G. I. Astachow, W. P. Iwanow: Putz- und Stuckarbeiten. Fachbuchverlag, Leipzig 1956.
  • Geoffrey Beard: Stuck. Die Entwicklung plastischer Dekoration. Edition Atlantis, Zürich 1988, ISBN 3-7611-0723-4.
  • Paul Binder, Fritz Schaumann, Meinrad Haas, Karl Läpple: Stukkateur-Handbuch. Die Gipserfibel. 3. Auflage. Schäfer, Hannover um 1955. Nachdruck: 1985, ISBN 3-88746-087-1.
  • Alfred Bonhagen: Der Stukkateur und Gipser. Voigt, Leipzig 1914. Nachdruck: Reprint-Verlag, Leipzig 2003, ISBN 3-8262-0211-2.
  • Deutscher Stuckgewerbebund im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (Hrsg.): Stuck – Putz – Trockenbau. Fachbuch für die Aus- und Weiterbildung im Stukkateur-Handwerk. 2. Auflage. Müller, Köln 1991, ISBN 3-481-00316-1.
  • Martin Hoernes (Hrsg.), Hoch- und spätmittelalterlicher Stuck: Material, Technik, Stil, Restaurierung; Kolloquium des Graduiertenkollegs "Kunstwissenschaft--Bauforschung--Denkmalpflege" der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und der Technischen Universität Berlin, Bamberg 16.-18. März 2000, Verlag Schnell und Steiner, 2002
  • Matthias Exner (Hrsg.), Stuck des frühen und hohen Mittelalters, Geschichte, Technologie, Konservierung, Eine Tagung des Deutschen Nationalkomitees von ICOMOS und des Dom- und Diözesanmuseums Hildesheim, 15.-18.6.1995, ICOMOS Hefte des Deutschen Nationalkomitees 19, München 1996. ISBN 3-87490-660-4
  • Fachgruppe Stuck-Putz-Trockenbau in der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg: Stuckmarmor und Stucco lustro. Neues Bauen in traditionellen Techniken. Knaak, Berlin 2001.
  • Siegfried Leixner, Adolf Raddatz: Der Stukkateur. Handbuch für das Gewerbe. 4. Auflage. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1998, ISBN 3-421-03096-0.
  • Lexikon der Kunst, Band 7, Leipzig, E. A. Seemann Verlag, 1994, Lexikonartikel "Stuck", S. 106 ff.
  • Katharina Medici-Mall: Lorenz Schmid. Ein Wessobrunner Altarbauer und Stuckateur. Thorbecke, Sigmaringen 1975, ISBN 3-7995-5021-6. (Bodensee-Bibliothek, Band 21.)
  • Jürgen Pursche (Hrg.), Stuck des 17. und 18. Jahrhunderts. Geschichte - Technik - Erhaltung, Ergebnisse einer internationalen Fachtagung des Deutschen Nationalkomitees von ICOMOS in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, Würzburg, 4.-6. Dezember 2008; ICOMOS Hefte des Deutschen Nationalkomitees 50, Berlin 2010, ISBN 978-3-930388-12-7
  • Peter Vierl: Putz und Stuck. Herstellen, Restaurieren. 2. Auflage. Callwey, München 1987, ISBN 3-7667-0873-2.
  • Horst Wilcke: Stuck- und Gipsarbeiten. 8. Auflage. Verlag für Bauwesen, Berlin 1986, ISBN 3-345-00152-7.


[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Kühn, Hermann, Was ist Stuck ? Arten - Zusammensetzung - Geschichtliches, in: Exner (Hrsg.), Stuck des frühen und hohen Mittelalters. Geschichte, Technologie, Konservierung. Eine Tagung des Deutschen Nationalkomitees von ICOMOS und des Dom- und Diözesanmuseums Hildesheim in Hildesheim, 15.-17. Juni 1995, ICOMOS Hefte des Deutschen Nationalkomitees 19, München 1996
  2. Lexikon der Kunst, Seemann, Leipzig, Bd. 7, 1994, Stuck, S.106
  3. Lexikon der Kunst, Seemann, Leipzig, Bd. 7, 1994, Stuck, S.106
  4. Martin Hoernes (Hrsg.), Hoch- und spätmittelalterlicher Stuck: Material, Technik, Stil, Restaurierung; Kolloquium des Graduiertenkollegs "Kunstwissenschaft--Bauforschung--Denkmalpflege" der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und der Technischen Universität Berlin, Bamberg 16.-18. März 2000, Verlag Schnell und Steiner, 2002
  5. Matthias Exner (Hrsg.), Stuck des frühen und hohen Mittelalters, Geschichte, Technologie, Konservierung, Eine Tagung des Deutschen Nationalkomitees von ICOMOS und des Dom- und Diözesanmuseums Hildesheim, 15.-18.6.1995, ICOMOS Hefte des Deutschen Nationalkomitees 19, München 1996
  6. Claudia Füßler: Freiburg: Auftakt: Rundgang über die Baden-Messe: Vom Liebeskäse bis zur Fischpraline, Badische Zeitung vom 14. September 2009, Zugriff am 12. Juli 2011

[Bearbeiten] Weblinks

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