Studentendorf Schlachtensee

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Studentendorf Schlachtensee: Im Vordergrund das Verwaltungsgebäude, in der Mitte das Gemeinschaftsgebäude und dahinter der Wohnblock Haus 26
Karte des Studentendorfes Schlachtensee
Flur im Doppelhaus 9/10, 1. Etage, links Küche, dahinter Gemeinschaftsraum und Treppe; Aufnahme von 1981 (vor allen Renovierungen – seinerzeit vom Studentenwerk verwaltet)
Das sanierte Haus 4

Das Studentendorf Schlachtensee liegt im Südwesten Berlins, im Ortsteil Nikolassee des Bezirkes Steglitz-Zehlendorf. Es entstand zwischen 1959 und 1964 als Teil der Freien Universität Berlin. Das Projekt wurde durch eine Schenkung der Regierung der USA finanziert.

Architektur und Geschichte[Bearbeiten]

Die Berliner Architekten Hermann Fehling, Daniel Gogel und Peter Pfankuch ordneten die studentischen Schlafplätze um einen Campus zu einer Komposition, die in Berlin einmalig ist. Die 27 Wohnhäuser gruppieren sich um einen zentralen Platz, den „Dorfkern“. Sie sind terrassenförmig in einer Grünanlage angeordnet, die Hermann Mattern gestaltete. Die Anlage ist sehr auf Gemeinschaft angelegt. Während die Zimmer eher klein sind, laden helle Hallen und Treppenhäuser und die Küchen der Wohngebäude zur Begegnung ein. Mit Erweiterungsbauten von 1977 bietet das Dorf Platz für mehr als 1000 Studenten.

Obwohl es seit 1990 unter Denkmalschutz steht, sollte das Studentendorf im Jahr 2001 bis auf fünf Gebäude abgerissen werden. Mit dem im März 2003 gefassten Beschluss des Berliner Senats, das Studentendorf an die Genossenschaft Studentendorf Berlin-Schlachtensee e. G. zu verkaufen, bleibt das Baudenkmal bis auf Weiteres vom Abriss verschont. Am 16. Juni 2004 stimmte das Berliner Abgeordnetenhaus nach langen Verhandlungen dem Verkauf zu.[1]

Im Jahr 2006 wurde mit der Sanierung der nach der Entmietung 2002 leerstehenden Gebäude begonnen.[2] Die Renovierung der Häuser 4 und 8 konnte 2009, deutlich später als geplant abgeschlossen werden, am 19. März 2009 wurden die Gebäude feierlich der Freien Universität Berlin übergeben.[3] Dabei wurden Zimmer vergrößert und Studentenappartements geschaffen, die Dämmung der beiden Häuser wurde auf einen aktuellen Stand gebracht. Aktuell sind alle Häuser bis auf die Gebäude 20 und 21 bewohnt, das Haus 19 wird seit 2007 an Künstlervereine zwischenvermietet.

Im Juni 2010 verkaufte die Genossenschaft das Dorf an eine Schweizer Pensionskasse und pachtete es für eine Laufzeit von 99 Jahren von dieser zurück. Der Kaufvertrag muss aber noch vom Abgeordnetenhaus genehmigt werden.[4]

Das Studentendorf im Roman[Bearbeiten]

Das Studentendorf Schlachtensee ist einer der Schauplätze des Romans Der schöne Vogel Phönix von Jochen Schimmang, der sich unter anderem mit der Zeit der Studentenbewegung auseinandersetzt. Eines der Kapitel des Romans trägt den Titel Die Höhlen von Schlachtensee.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ralf Zünder: Studentendorf Schlachtensee 1959 bis 1989. Eine Dokumentation. Studentenwerk Berlin, Berlin 1989
  • Jochen Schimmang: Der schöne Vogel Phönix, hier das Kapitel Die Höhlen von Schlachtensee. In: Suhrkamp, 1979
  • Konstantin von Freytag-Loringhoven: Erziehung im Kollegienhaus. Reformbestrebungen an den deutschen Universitäten der amerikanischen Besatzungszone 1945–1960, Stuttgart 2012, S.485–498.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Studentendorf Schlachtensee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Chronologie der Ereignisse der studentischen Selbstverwaltung
  2. Studentendorf wird Baustelle. In: Die Tageszeitung, 11. September 2006.
  3. Pressemitteilung zur Wiedereröffnung der Häuser 4 und 8
  4. Das Dorf gehört jetzt Schweizern. In: Berliner Zeitung, 17. Juni 2010

52.42888888888913.215555555556Koordinaten: 52° 25′ 44″ N, 13° 12′ 56″ O