Studzienice

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Studzienice
Wappen von Studzienice
Studzienice (Polen)
Studzienice
Studzienice
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Landkreis: Bytów
Geographische Lage: 54° 5′ N, 17° 34′ O54.08333333333317.566666666667Koordinaten: 54° 5′ 0″ N, 17° 34′ 0″ O
Einwohner: 740
Postleitzahl: 77-143
Telefonvorwahl: (+48) 59
Kfz-Kennzeichen: GBY
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Bytów - Sominy - Leśno
Schienenweg: PKP-Linie 212: Bahnstrecke Lipusz–Korzybie
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gemeinde
Gemeindeart: Landgemeinde
Fläche: 175,96 km²
Einwohner: 3583
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 20 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2201082
Verwaltung (Stand: 2007)
Gemeindevorsteher: Jerzy Szpakowski
Adresse: ul. Kaszubska 9
77-143 Studzienice
Webpräsenz: www.studzienice.pl

Studzienice (deutsch Stüdnitz) ist ein Dorf und Sitz der gleichnamigen Landgemeinde im Powiat Bytowski der polnischen Wojewodschaft Pommern (vor 1975 der inzwischen aufgelösten Wojewodschaft Słupsk).

Geographische Lage[Bearbeiten]

Studzienice liegt in Hinterpommern, etwa zehn Kilometer südöstlich der Stadt Bytów (Bütow) und 30 Kilometer östlich der Stadt Miastko in einer bergigen Landschaft am Nordufer des Stüdnitz-Sees. Durch den Ort führt die Verbindungsstraße Miastko - Danzig. Die Gehöfte des alten Kirchdorfs liegen an einem zum Seeufer abfallenden Südhang in unregelmäßiger Anordnung beidseitig der Dorfstraße, die sich zur Dorfmitte hin zu einem Platz erweitert, auf dem die evangelische Kirche steht, ein Backstein-Bau. Der Kirchplatz der römisch-katholischen Kirche liegt am östlichen Dorfausgang. Am westlichen Dorfausgang befindet sich eine Gruppe gut erhaltener Schurzholzbauten aus dem Zeitraum 1770–1900. Einige Gebäude des Dorfs haben Strohdächer.

Geschichte[Bearbeiten]

Stüdnitz südöstlich von Bütow (rechte Bildhälfte, durch Anklicken vergrößerbar), am Nordufer eines von Südwesten nach Nordosten langgestreckten großen Sees gelegen, auf einer Landkarte von 1910.

In einer lateinischen Urkunde des Deutschen Ordens von 1335 wird das Dorf als villa Studenicz in terra Butov situ Deutscher Orden bezeichnet (Dorf Stüdnitz im Lande Bütow auf dem Deutschordensgebiet). Das Dorf war nach dem See benannt worden, an dem es liegt; in einer Urkunde von 1387 trägt dieser See den Namen stagnum Studenitz (Stüdnitz-See).

Studzienice bestand in älterer Zeit aus zwei Wohnplätzen: Studenicz der herren, später Königlich Stüdnitz genannt, und Panen Studenicz, später Adlig Stüdnitz genannt. Zu Studenicz der herren gehörte ein Mühle.[2] Am 25. Juni 1335 verleiht Komtur Otto dem Ugest Hamann ein Viertel des Dorfes und der Güter Stüdnitz gegen acht im Gersdorfer Bezirk gelegene Hufen. Am 10. März 1412 belehnt Heinrich von Plauen den Bartken von Gustkow mit dem „vollen Gut“ Stüdnitz mit dreißig Hufen zu polnischem Recht. Im Zinsregister von 1438 wurden aufgelistet: 1) Studenitcz der herren mit 30 Zinshufen, davon 25 „wüst“, und eine Mühle, 2) Panen Studenitcz und 3) Cleyne Studenitcz mit neun Hufen. 1559/60 werden für Stüdnitz angegeben: ein Schulze, sieben Bauern und neun Freie mit 22,5 Hufen. Am 16. Mai 1607 erteilt Herzog Franz von Pommern Lehensbriefe für sieben Freie zu Stüdnitz.[2]

Um 1784 gab es in Kgl. Stüdnitz einen Freischulzen, drei Bauern, einen Schmied, eine Gastwirtschaft, einen Lehensmann, der die Fischereirechte für den Stüdnitz-See gepachtet hatte, und insgesamt neun Haushaltungen.[3] Zu diesem Zeitpunkt werden als Besitzer in Adlig Stüdnitz genannt: 1) Ignatius von Czirson-Stüdzienski, 2) Johann von Czirson-Stüdzienski, 3) Matthias von Kuyck-Stüdzienski, 4) Eva von Kostka-Stüdzienski, 5) Michael von Kuyck-Stüdzienski und 6) die beiden Geschwister Juliana und Mariana von Rekowski.[4] In der Vasallentabelle von 1804 werden Eva von Kota, geb. Schipper, und die beiden preußischen militärischen Hauptleute Albrecht und Michael Kuick von Studsinski als in Stüdnitz ansässig erwähnt.[5]

Stüdnitz mit seinen Holzbauten und Strohdächern wurde in der Vergangenheit wiederholt von Feuersbrünsten heimgesucht. Am 15. Februar 1826 brannte ein großer Teil des Dorfs mit dem Schulzenhof und 14 Gebäuden ab. Nachdem am Vormittag des 17. Januar 1937 in der katholischen Friedhofskapelle, einer Schrotholzkirche, ein Gottesdienst abgehalten worden war, brach dort ein Brand aus, dem auch drei Gehöfte in der Nachbarschaft und eine Scheune zum Opfer fielen.[2][6]

1925 wurden 407 Einwohner gezählt, die auf 83 Haushaltungen verteilt waren.[7] 1936 gab es in Stüdnitz sieben Erbhöfe.

Vor 1945 gehörte Stüdnitz zum Landkreis Bütow im Regierungsbezirk Köslin der Provinz Pommern. Die 13 km² große Gemeindefläche beherbergte insgesamt drei Wohnorte:[7]

  • Forsthaus Stüdnitz
  • Friedrichsburg
  • Stüdnitz

Hauptwohnort war Stüdnitz. In der Gemeinde standen insgesamt 57 Wohngebäude.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Stüdnitz Anfang März 1945 von der Roten Armee besetzt. Bald darauf wurde Stüdnitz unter polnische Verwaltung gestellt. Stüdnitz wurde von den Polen in Studzienice umbenannt.

Kirche[Bearbeiten]

Die vor 1945 in Stüdnitz anwesenden Dorfbewohner gehörten mehrheitlich der römisch-katholischen Konfession an. Unter den 407 Einwohnern des Jahres 1925 befanden sich 257 Katholiken, 149 Protestanten und ein Jude.[7] Das katholische Kirchspiel, das ursprünglich evangelisch gewesen war und dann 1637 im Rahmen der Gegenreformation zum Katholizismus konvertierte[2], war eine Filiale des Kirchspiels von Bernsdorf.

Das evangelische Kirchspiel von Stüdnitz war eine Filiale von Sommin. Der Gottesdienst wurde in der Kapelle inmitten des Dorfplatzes abgehalten, die 1890 aus Backstein erbaut worden war. Die Kapelle hat die Innenabmessungen 8,40 Meter mal 7,50 Meter. Der separate Glockenstuhl, der auf dem östlichen Teil des Kirchplatzes steht, war mit zwei Stahlglocken ausgerüstet worden. Die Glocken mit einem Durchmesser von 62 Zentimetern bzw. 57 Zentimetern waren vom Bochumer Verein gegossen worden.[2]

Landgemeinde[Bearbeiten]

Die heutige Landgemeinde umfasst 175,96 km². Folgende Ortschaften gehören ihr an:

polnischer Name kaschubischer Name deutscher Name
Bielawy Biélawë
Błotowo Błotowò
Bukówki Bùkòwki Forsthaus Offenberg (bis 1891Forsthaus Prondzonka)
Cechyny Cechënë Zechinen
Chabzewo Chôbzewò Friedrichsberg
Czarna Dąbrowa Czôrnô Dãbrowa Sonnenwalde (bis 1928 Czarndamerow)
Dzierżążnik Dzérzãznëk Hopfenkrug
Fiszewo Fëszewò
Imieni Jimiené
Jabłończ Wielka Wiôlgë Jabłończ Jabloncz
Kamionka Kamionka
Kłączno Kłończno Klonschen (1938-1945 Ulrichsdorf)
Kostki Kostki Forsthaus Grünhof
Koźlice Koźlice Koselitz
Łąkie Łãkié Lonken (1938–1945 Friedrichsee)
Lipuszki Lëpuszki Olbergshöhe
Łubieniec Łubénc Libienz
Małe Môłé
Ociaskowo Òciôskowò Helenenhof
Okuny Òkunë Schütte
Osława Dąbrowa Òsławô Dãbrowa Rudolfswalde (bis 1932 Oslawdamerow)
Osowo Małe Małé Òsowò Ossowo
Półczenko Małé Pôłczno
Półczno Pôłczno Polschen (1938–1945 Kniprode)
Prądzonka Prãdzonka
Przewóz Przéwòz Pschywors (1934-1845 Adolfsheide)
Rabacino Rabacëno Gröbenzin
Róg Rog Forsthaus Sonnenwalde
Róg-Osada Rog Zollhaus Sonnenwalde
Rynszt Rënszt Rinsch
Skwierawy Skwirawë Squirawen (1940–1945 Ollerau)
Sominki Sominczi Somminer Mühle
Sominy Sominë Sommin
Studzienice Stëdzińce Stüdnitz
Ugoszcz Ùgòszcz Bernsdorf
Widno Widno

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 10. Juli 2014.
  2. a b c d e Georg Sokollek: Pommern – Im Spiegel seiner über 2000jährigen Geschichte, insbesondere der Länder Lauenburg-Bütow. Bearbeitet von Gunter Sokollek und Michael Sokollek. Eigenverlag Georg Sokollek, Eberbach 1997; Druck: Druckhaus Darmstadt. Seiten 305-309.
  3. Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin S. 1059, Nr. 32.
  4. * Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 1089, Nr. 15.
  5. Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 490.
  6. Bütower Rundschau vom 19. Januar 1937.
  7. a b c Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Die Gemeinde Stüdnitz im ehemaligen Kreis Bütow in Pommern, 2011.