Sturmschwalbe (Art)

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Sturmschwalbe
Hydrobates pelagicus.jpg

Sturmschwalbe (Hydrobates pelagicus)

Systematik
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Röhrennasen (Procellariiformes)
Familie: Sturmschwalben (Hydrobatidae)
Gattung: Hydrobates
Art: Sturmschwalbe
Wissenschaftlicher Name
Hydrobates pelagicus
(Linnaeus, 1758)

Die Sturmschwalbe (Hydrobates pelagicus) ist ein kleiner schwarzer Seevogel mit einem charakteristischen weißen Bürzel, der in erster Linie im Nordatlantik vorkommt.

Die zur Ordnung der Röhrennasen (Procellariiformes) zählenden Vögel sind Seevögel, die fast ihr ganzes Leben draußen auf dem offenen Meer leben, und nur an Land kommen, um zu brüten. Die Sturmschwalben verfügen über einen sehr gut entwickelten Geruchssinn, den sie benutzen, wenn sie Futter suchen und nachts ihren Nistplatz an Land aufsuchen. An Land sieht man sie nur während der Brutzeit in den Kolonien fliegen.

In Mitteleuropa ist sie an der Nordseeküste Belgiens, der Niederlande und Schleswig-Holsteins ein nahezu regelmäßiger Irrgast. An der Ostseeküste ist sie seltener und im Binnenland nur ausnahmsweise zu beobachten. So war nach einem Sturm im Jahre 1999 ein Trupp von vierzig Individuen beispielsweise in der Schweiz zu sehen.[1]

Aussehen[Bearbeiten]

Die Sturmschwalbe ist mit ihrem Gewicht von 27 g, ihrer Länge von 16 cm und ihrer Flügelspannweite von 37 cm einer der kleinsten Seevögel, die es gibt.

Die erste Silbe im deutschen Namen, Sturm, findet sich in vielen anderen Sprachen wieder. Grund dafür ist, dass man Sturmschwalben oft nach einem Sturm sah. Den Namen Schwalbe bekam sie aufgrund ihrer schmalen und spitzen Flügel, die die Sturmschwalbe auf den ersten Blick einer Schwalbe ähneln lassen. Aber mit ihrem besonderen Schnabel und ihren Schwimmfüßen kann man sie nicht mit gewöhnlichen Schwalben verwechseln.

Wegen ihres weißen Hinterteils heißt die Sturmschwalbe auf den Färöern Drunnhvíti. Ein drunnur ist ein Hinterteil und hvítur bezeichnet die Farbe Weiß.

Verbreitung[Bearbeiten]

Es wird angenommen, dass sich die weltweit größte Kolonie der Sturmschwalbe auf Nólsoy befindet. Die Sturmschwalbe brütet auch an anderen Orten auf den Färöern, aber nirgends in gleicher Zahl wie auf Nólsoy. Die Sturmschwalbe ist hauptsächlich im Gebiet zwischen Island, den Lofoten und Schottland verbreitet. Auf den Färöern wurden ca. 30.000 Sturmschwalben beringt. Dadurch lässt sich schließen, dass sie in Südafrika überwintern.

Lebensweise und Vermehrung[Bearbeiten]

Die Nahrung der Sturmschwalbe besteht u.a. aus Plankton (Krill), kleinen Fischen und Tintenfischen, die sie beim „Herüberlaufen“ über die Wasseroberfläche aufnimmt.

Die ersten Sturmschwalben aus Südafrika erreichen die Färöer Ende Mai. Ihre Nistplätze befinden sich oft unter Steinen. Zwischen Juli und August legen sie ein großes, weißes Ei mit einem Gewicht von ca. 7 Gramm, das sie ca. 40 Tage lang ausbrüten. Das Junge wird jede Nacht ca. 50 Tage lang gefüttert, bis es überfüttert ist. Danach wird es von den Altvögeln verlassen. Innerhalb von 8 bis 12 Tagen hat es so viel an Gewicht verloren, dass es abheben und seine lange Reise nach Südafrika antreten kann. Die Jungen kehren wieder nach Hause zurück, wenn sie 2 Jahre alt sind und fangen an, sich fortzupflanzen, wenn sie 3 bis 4 Jahre alt sind.

Natürliche Feinde[Bearbeiten]

Der schlimmste Feind der Sturmschwalben ist die Ratte. Auch die Silbermöwe (Larus argentatus) und die Schmarotzerraubmöwe (Stercorarius parasiticus) fressen einige der ausgewachsenen Vögel. Aber gegen diese Feinde versucht sich die Sturmschwalbe zu schützen, indem sie nur an Land fliegt, wenn es dunkel ist. Mancherorts stellen zahme Katzen auch eine große Gefahr für die Sturmschwalben dar.

Wenn die Sturmschwalbe gestört wird, verteidigt sie sich, indem sie Öl aus ihrem Magen spuckt. Die Sturmschwalbe hat einen sehr charakteristischen Geruch, den die meisten Seevögel haben.

Die Sturmschwalbe im menschlichen Volksglauben[Bearbeiten]

Historische Seefahrer bezeichneten die Sturmschwalbe als Unglücksvogel, der Stürme hervorbringt. In vielen Gegenden gab es Mythen, in denen Sturmschwalben als die Seelen von ertrunkenen Seemännern betrachtet wurden, mit denen man sich gut stellen sollte.

Der an Fischleber erinnernde Geruch der Vögel führte in Norwegen dazu, dass sie die Bezeichnung Lever-Lars (Leber-Lars) erhielten.[2]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Hans-Günther Bauer, Einhard Bezzel und Wolfgang Fiedler (Hrsg): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas: Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz. Band 1: Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel, Aula-Verlag Wiebelsheim, Wiesbaden 2005, ISBN 3-89104-647-2, S. 205
  2. Sven Nilsson, Foglarna, 1858

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sturmschwalbe – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien