Suchoi T-50

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Suchoi T-50
Sukhoi T-50 Maksimov.jpg
T-50-1 auf der MAKS 2011
Typ: Prototyp eines Mehrzweckjägers
Entwurfsland:
Hersteller:
Erstflug: 29. Januar 2010
Indienststellung: in der Flugerprobung
Produktionszeit: Serienproduktion ab 2015 geplant
Stückzahl: 5 (Stand: Oktober 2013)[1]

Als Suchoi T-50 werden die Prototypen des „PAK-FA-Programms“ (russisch Перспективный авиационный комплекс фронтовой авиации, Perspektiwny Awiazionny Kompleks Frontowoi Awiazii, deutsch Perspektivischer Flugkomplex der Frontfliegerkräfte) bezeichnet. Dieses Programm soll ein modernes Mehrzweckkampfflugzeug mit Tarnkappeneigenschaften für die russische Luftwaffe hervorbringen. Auf Basis des „FGFA-Programms“ wird auch eine zweisitzige Variante für die indische Luftwaffe entwickelt.

Geschichte[Bearbeiten]

Entwicklung[Bearbeiten]

Die Entwicklung der Suchoi T-50 geht auf die taktisch-technischen Vorgaben TTZ (Taktiko-Technitscheskoje Sadanije) der russischen Luftstreitkräfte von 1998 zurück, nachdem 1997 das MFI-Programm abgebrochen wurde. Ende 2000 wurden die Anforderungen für die Frontfliegerkräfte präzisiert und im April 2001 das „PAK-FA-Programm“ offiziell gestartet. Am 26. April 2002 übertrugen die staatlichen Stellen die Systemführerschaft für die Entwicklung des neuen Kampfflugzeugs an Suchoi, bei der auch die OKBs Mikojan-Gurewitsch und Jakowlew beteiligt sind. Nach Abschluss der Vorentwurfsphase Ende 2004 wurde das Programm als T-50 offiziell mit Chefkonstrukteur Alexander Dawidenko gestartet. 2007 ging die indische Hindustan Aeronautics (HAL) eine 50:50-Partnerschaft mit Suchoi ein, die die Entwicklung einer indischen Variante der T-50 zum Ziel hat, die bisher die Bezeichnung FGFA-Projekt trägt. Im Gegensatz zur russischen Version wird die indische Version ein Doppelsitzer sein, was einer spezifischen Vorgabe der indischen Luftwaffe entspricht.

Die russischen Luftstreitkräfte sollen die Suchoi T-50 vom Jahr 2013 an zugeteilt bekommen; der Beginn der Serienproduktion ist für 2015 geplant.

Der Tarnkappenjäger wurde erstmals im August 2011 auf der internationalen Luftfahrtmesse MAKS in Schukowski bei Moskau einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert.[2] Die beiden dort vorgeführten Prototypen zeigten dabei (zum Beispiel am Heckradar) konstruktive Unterschiede. Bei einem der Flüge der T-50-1 musste der Start wegen Triebwerksproblemen abgebrochen werden.[3]

Testprogramm[Bearbeiten]

Am 29. Januar 2010 startete die T-50-1 (taktische Nummer 51) vom Flugplatz Dsjomgi in Komsomolsk am Amur mit Suchoi-Testpilot Sergei Bogdan zu ihrem ursprünglich für 2006 geplanten Erstflug.[4] Neben dem Prototyp T-50-1 werden zu Boden- und Festigkeitserprobungen auch drei nichtfliegende Exemplare eingesetzt. Dies sind die Bruchzellen T-50-0 und T-50-KPO und die vollmaßstäbliche Attrappe T-50-KNS. Am 3. März 2011 hob der zweite Prototyp T-50-2 (52) bei KnAAPO in Komsomolsk am Amur zu seinem Erstflug ab.[5] Bei Tests in der Woche vor dem 14. März 2011 erreichte die T-50 Überschallgeschwindigkeit.[6] Am 22. November 2011 hob der dritte Prototyp T-50-3 (53) bei KnAAPO in Komsomolsk am Amur zu seinem Erstflug ab.[7] Am 12. Dezember 2012 folgte der vierte Prototyp T-50-4 (054).[8] Der fünfte Prototyp stieg am 28. Oktober 2013 zum ersten Mal in die Luft.[9] Am 21. Februar 2014 wurde ein Prototyp an das Staatliche Flugerprobungszentrum der Luftwaffe in Achtubinsk übergeben.[10]

Die Indian Air Force erwartet 2014 die Auslieferung der ersten Maschine zu Erprobungen bei HAL auf dem Flugplatz Ozar nordöstlich Nashiks im Westen des Landes.

Konstruktion[Bearbeiten]

Das AESA-N050-Radar auf der MAKS 2009
AL-41F1

Da es bisher keine zuverlässigen Informationen über die Spezifikationen der Suchoi T-50 gibt, sind nur bestimmte Anforderungen bekannt. Im Gegensatz zur MiG 1.44 wurde auf Canards verzichtet und stattdessen eine klassische Konfiguration aus Deltaflügeln mit Höhenrudern gewählt. In den vorgezogenen Tragflächenwurzeln sind bewegliche Vorderkantenklappen integriert, um den maximalen Anstellwinkel des auftriebserzeugenden Rumpfes zu erhöhen. Die Seitenruder stehen in V-Stellung und sind als Pendelseitenleitwerk analog zu denen der F-117 ausgeführt, wie aus den bisher veröffentlichten Aufnahmen zweifelsfrei zu entnehmen ist. Ein Teil der Bewaffnung wird intern in zwei 4,6 m × 1,1 m großen Waffenschächten mitgeführt, um Radarquerschnitt und Luftwiderstand der Maschine zu reduzieren. Für den Einsatz moderner Luft-Boden-Raketen und Seezielflugkörper, die nicht in den internen Waffenschächten Aufnahme finden, stehen offensichtlich jeweils zwei Unterflügelstationen zur Verfügung. Die Aufhängepunkte sind in den veröffentlichten Risszeichnungen deutlich erkennbar. Eine externe Waffenführung erhöht die Radarsignatur (RCS). Diese soll offiziellen Angaben zufolge bei 0,5 m² liegen.[11] Laut dem Chefkonstrukteur Aleksander Davidenko ist der Radarquerschnitt mittlerweile (Stand: 2014) auf die „Größe eines Handballs“ geschrumpft und übertrifft damit selbst die US-amerikanische F-22.[12]

Ursprünglich war für die T-50 ein Triebwerk mit etwa 170 kN Schub, wie etwa das bereits bei der MiG 1.44 eingesetzte Saturn AL-41F, vorgesehen. Dies musste jedoch verworfen werden, da das Triebwerk zu groß war. Es gab noch weitere Gründe, die gegen das AL-41F sprachen. So wünschte sich das Verteidigungsministerium für den neuen Kampfjet ein Triebwerk mit deutlich höherer Lebensdauer und Plasmazündung. Auf der MAKS 2009 sagte Alexander Nikolajewitsch Selin, der Oberbefehlshaber der russischen Luftstreitkräfte am 20. August 2009, dass die T-50 unter Triebwerksproblemen leide.[13] Deshalb werde nun das Saturn-117-Triebwerk (auch als Isdelije 117 oder Saturn AL-41F1 bekannt) eingebaut, das als vereinfachte Version bereits für die Su-35S „Flanker-E“ verwendet wird (Saturn-117S oder AL-41F1A).[14] Für spätere Serienmaschinen sollten Sojus und NPO Saturn neue Triebwerke mit bis zu 190 kN Schub entwickeln, möglicherweise auf Basis des AL-31FM3-Triebwerks.[13] Wegen der Verwendung des kleineren und damit gegenüber dem AL-41 auch leistungsschwächeren Triebwerks kann die T-50 ihr volles Leistungspotenzial vorerst nicht ausschöpfen. Dies würde sich erst mit dem neuen Triebwerk (Isdelije 127) ändern, das ab 2020 zur Verfügung stehen soll.[15]

Über die Avionik ist bisher wenig bekannt. Auf der MAKS 2009 wurde erstmals das Radar der Suchoi T-50 gezeigt. Dabei handelt es sich um das aus etwa 1500 Transmittern bestehende AESA-N050-Radar. Es ist das zweite AESA-Radar russischer Produktion.[16][13] Alle weiteren Spezifikationen sind bisher noch unbekannt. Zu dem Komplex sollen noch im L-Band (1–2 GHz) arbeitende Antennen in den Tragflächenvorderkanten gehören.[17] Bei Frequenzen unter 2 GHz sind die meisten radarabsorbierenden Materialien weniger wirksam.

Technische Daten[Bearbeiten]

T-50-1
T-50 auf der MAKS 2011
Steigflug der T-50-2
3-Seiten-Ansicht der T-50
Die Daten sind prognostiziert, da die Leistungsdaten noch nicht veröffentlicht wurden
Kenngröße Daten
Typ Mehrzweckkampfflugzeug
Länge 19,7 m(1)
Spannweite 14,0 m(1)
Flügelfläche 78,80 m²
Flügelstreckung 2,56
Tragflächenbelastung
  • minimal (Leergewicht): 235 kg/m²
  • nominal (normales Startgewicht): 330 kg/m²
  • maximal (maximales Startgewicht): 470 kg/m²
Höhe 4,8 m(1)
Leermasse 18.500 kg
normale Startmasse 26.000 kg
maximale Startmasse 35.480 kg
Lastvielfache −3/+9g
Höchstgeschwindigkeit Mach 2+ (auf optimaler Flughöhe)
Marschgeschwindigkeit Mach 1,22 (auf optimaler Flughöhe)
Dienstgipfelhöhe ca. 20.000 m
Einsatzradius ca. 1200 km
Überführungsreichweite ca. 5500 km
Besatzung 1
Radarsignatur 0,5 m²[11]
maximale Waffenlast ca. 10.000 kg
Triebwerk zwei NPO-Saturn-117/AL-41F1-Mantelstromtriebwerke
Schubkraft
  • mit Nachbrenner: 2 × 147,09 kN
  • ohne Nachbrenner: 2 × 86,29 kN
Schub-Gewicht-Verhältnis
  • maximal (Leergewicht): 1,62
  • nominal (normales Startgewicht): 1,15
  • minimal (maximales Startgewicht): 0,81

(1): Vorläufige Daten nach AIR International, Februar 2011, S. 39

Bewaffnung[Bearbeiten]

Da es sich noch nicht um Serienmaschinen handelt, können die Ausstattungen variieren. So ist zurzeit noch keine Bordkanone installiert. Es wäre jedoch naheliegend, wenn hierfür eine 30-mm-Maschinenkanone Grjasew-Schipunow GSch-301 im Bug ausgewählt würde. Da die Bewaffnung noch nicht definitiv zu bestimmen ist, lassen sich folgende Zuladungen annehmen:

Waffenzuladung von 7.500 kg in zwei internen Waffenschächten mit einer unbekannten Anzahl Aufhängepunkten
Luft-Luft-Lenkflugkörper
  • 4 × Startschienen oder Ausstoßvorrichtung für je 1 × Wympel JSC R-77 bzw. RWW-AE (AA-12 „Adder“) – radargelenkt für Langstrecken
  • 2 × Startschienen oder Ausstoßvorrichtung für je 1 × Wympel JSC R-74 bzw. RWW-MD (AA-11 „Archer“) – infrarotgesteuert für Kurzstrecken
  • 2 × Startschienen oder Ausstoßvorrichtung für je 1 × Wympel JSC R-73E (AA-11 „Archer“) – infrarotgesteuert für Kurzstrecken[18]
  • 2 × Startschienen oder Ausstoßvorrichtung für je 1 × Typ 810 – radargelenkt für Langstrecken
Luft-Boden-Lenkflugkörper
  • 4 × Startschienen oder Ausstoßvorrichtung für je 1 × Ch-38ME – modulare Abstandswaffe
  • 4 × Startschienen oder Ausstoßvorrichtung für je 1 × Swesda Ch-35UE „Uran“ (3M24E/AS-20 „Kajak“) – Marschflugkörper zur Schiffsbekämpfung
  • 4 × AKU-58-Startschiene für je 1 × Ch-58USchKE (AS-11 „Kilter“) – Radarbekämpfungs-Lenkflugkörper[19]
gelenkte Bomben
  • 4 × BD-3U-Aufhängung für je 1 × Region JSC KAB-500L (lasergelenkte 500-kg-Bombe)
geplante Waffenzuladung an externen Aufhängepunkten
Luft-Boden-Lenkflugkörper

Zwischenfälle[Bearbeiten]

Am 10. Juni 2014 fing der rechte Lufteinlauf des Prototyps T-50-5 während des Landeanflugs Feuer, welches nach der Landung schnell gelöscht werden konnte. Menschen kamen nicht zu Schaden, das Flugzeug wurde jedoch irreparabel beschädigt. Auf die weitere Flugerprobung soll dies jedoch keinen Einfluss nehmen. Dieses Testflugzeug besaß eine sehr vollständige Ausstattung.[20][21]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Suchoi T-50 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Т-50-5 в воздухе. bmpd.livejournal.com, 27. Oktober 2013, abgerufen am 28. Oktober 2013 (russisch).
  2. Russland präsentiert Tarnkappenflugzeug Neue Zürcher Zeitung, 17. August 2011
  3. T-50-Kampfjet bricht Start wegen Triebwerksdefekt ab (Berichtigung). RIANOVOSTI, 21. August 2011, abgerufen am 21. August 2011.
  4. Suchoi PAK-FA startet zum Erstflug. Flugrevue, 29. Januar 2010, abgerufen am 14. September 2010.
  5. Zweiter russischer Kampfjet fünfter Generation absolviert Jungfernflug. RIA Novosti, 3. März 2010, abgerufen am 7. März 2011.
  6. Fifth-gen fighter PAK FA goes supersonic. 14. März 2011, abgerufen am 19. August 2011 (englisch).
  7. RIA Novosti: Russland testet drittes Versuchsexemplar des Kampfjets fünfter Generation (22. November 2011). Abgerufen am 23. November 2011.
  8. Rainer Göpfert: Suchois Stealth-Jäger (1). In: Fliegerrevue Nr. 03/2013, S. 23
  9. http://www.flightglobal.com/news/articles/fifth-t-50-pak-fa-stealth-fighter-takes-flight-392225/
  10. http://de.ria.ru/security_and_military/20140221/267883259.html
  11. a b India, Russia close to PACT on next generation fighter. Business Standard, 5. Januar 2010, abgerufen am 14. September 2010 (englisch).
  12. http://www.welt.de/wirtschaft/article124259894/Russen-Kampfjet-hat-die-beste-Stealth-Technologie.html Russen-Kampfjet hat die beste Stealth Technologie
  13. a b c Russia unveils AESA radar for PAK FA fighter. Flight Global, 28. August 2009, abgerufen am 14. September 2010 (englisch).
  14. «СУ»ДАРЬ РАСПРАВЛЯЕТ КРЫЛЬЯ. Krasnaja Swesda, 24. März 2010, abgerufen am 14. September 2010 (russisch).
  15. "Сатурн" просит работы. Aviaport, 16. März 2010, abgerufen am 14. September 2010 (russisch).
  16. Fighter Order Rekindles Russian Air Force. Aviation Week, 26. August 2010, abgerufen am 14. September 2010 (englisch).
  17. FlugRevue März 2010, S. 8–14, Russlands neuer Superfighter
  18. http://eng.ktrv.ru/production_eng/323/503/504/
  19. http://de.ria.ru/security_and_military/20120131/262578674.html
  20. Suchoi T-50: Prototyp schwer beschädigt
  21. Nicholas de Larrinaga: Russian T-50 PAK FA fighter prototype catches fire. Jane’s Information Group, 9. Juni 2014, abgerufen am 9. August 2014 (englisch).