Sue-Keramik

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Sue-Keramik aus dem 5. Jahrhundert, ausgegraben am Morigasawa Fundplatz in Aomori

Sue-Keramik (jap. 須恵器, Sue-ki, historische Kun-Lesung: sue no utsuwa, dt. auch „Sue-Ware“) ist eine Form dunkelgrauer unglasierter Keramik, die in Korea und Japan während der Kofun-, Nara- und Heian-Zeit hergestellt und verwendet wurde. Die Bezeichnung wurde 1950 aus einem Verweis im Man’yōshū abgeleitet; bis dahin wurde sie mit Iwaibe doki (祝部土器, wörtlich: „Iwaibe-Irdenware“)[1] oder Chōsen doki (朝鮮土器, „koreanische Irdenware“), in der Nara- und Heian-Zeit auch allgemein mit Tōki (陶器, dt. etwa „Töpferware“) bezeichnet.

Überblick[Bearbeiten]

Keramikwaren dieser Art wurden mit der aus Korea überlieferten Technik der „schnelldrehenden Drehscheibe“ hergestellt.[2] Sie wurden bei 1100° bis 1200° Celsius reduzierend in einem „Hangofen“ (登り窯, noborigama)[3] gebrannt, weshalb diese Keramik grau war, im Unterschied zur Haji-Keramik (土師器), die oxidierend gebrannt wurde und die daher einen rötlichen Farbton besaß.

Zumeist wurden große Gefäße für die Lagerung und auch Alltagsgeschirr wie Schüsseln, Schalen oder Ständerschalen aus Sue-Keramik gefertigt. Darüber hinaus wurde die robuste Sue-Keramik auch als Ritualgefäß und als Grabbeigabe verwendet. Da eine große Menge an Sue-Keramik als Beigaben von Hügelgräbern (Kofun) von Kyūshū in Südjapan bis Aomori im Norden entdeckt wurde, dient sie als Leitform für die Chronologie und Ausbreitung von Keramik im japanischen Altertum.[2] Man führt den Ursprung der Sue-Keramik bis auf die chinesische Yangshao-Kultur (5000 bis 3000 v. Chr.) zurück. Die Keramikproduktion Chinas erfuhr mit der Entwicklung der Töpferscheibe in der Longshan-Kultur (2500 bis 2000 v. Chr.) einen Technologiesprung.

Vermutlich kam die Sue-Keramik durch die außenpolitischen Beziehungen zwischen dem „Königreich Wa“ (Japan) und dem koreanischen Festland im 4. Jahrhundert n. Chr. nach Japan. Archäologische Ausgrabungen und Befunde belegen, dass die Gaya-Konföderation Zentren der Keramikproduktion in Gimhae, Goryeong (Koryong) und Hapcheon (Hapch'on) unterhielt, die der Sue-Keramik ähnliche Produkte fertigten. Fundstücke in Korea legen nahe, dass die Mahan- und Baekje-Keramik (3. bis 5. Jahrhundert) von Seoul bis an die Küstenregion von Nord-Jeolla mit der Sue-Keramik der Wa vergesellschaftet war und dass eine gemeinsame Technologie- und Keramik-Kultursphäre bestand.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Alfried Wieczorek, Werner Steinaus, Forschungsinstitut für Kulturgüter Nara (Hrsg.): Zeit der Morgenröte. Japans Archäologie und Geschichte bis zu den ersten Kaisern. In: Publikationen der Reiss-Engelhorn-Museen Band 10. 1. Katalogband, Peschke Druck, München 2004 (übersetzt von Gabriele Katrop-Fukui et alii), ISBN 3-927774-17-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 祝部土器. In: デジタル版 日本人名大辞典+Plus bei kotobank.jp. Abgerufen am 12. September 2013 (japanisch).
  2. a b c Kyoji Sakai: 4.6 Haji- und Sue-Ware, in: Zeit der Morgenröte. Band 2, Handbuch, 2004, S. 360-363
  3.  Werner Steinhaus: Kleines Wörterbuch zur japanischen Archäologie - Japanisch-Deutsch (= Schriften zur Japanischen Archäologie I). epubli, Berlin 2010, ISBN 978-3-86931-803-5, S. 109 („aufsteigender Brennofen, holzbefeuerter Hangofen (frühneuzeitlicher Ofen)“).