Sulaiman ibn Abd al-Malik

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Sulaimān ibn ʿAbd a-Malik (arabisch ‏سليمان بن عبد الملك‎, gest. 717) war der siebente Kalif der Umayyaden (715–717).

Nachdem schon sein Vater Abd al-Malik (685–705) Sulaiman zum Nachfolger seines Bruders al-Walid I. (705–715) bestimmte hatte, trat er nach dessen Tod die Regierung an.

Zunächst kam es zu einiger Unruhe in der Verwaltung der östlichen Provinzen, als Sulaiman die Amtsträger von al-Haddschādsch, dem Statthalter des Irak (694–714), absetzte und verfolgte. Dies führte auch zur Revolte von Qutaiba ibn Muslim in Chorassan, die aber schnell unterdrückt werden konnte. Das bedeutendste Ereignis seiner Regierungszeit ist die letzte Belagerung von Konstantinopel durch die arabischen Muslime (717–718). Dieses schon von al-Walid I. vorbereitete Unternehmen scheiterte aber erneut unter sehr schweren Verlusten.

Seine Regierungszeit verbrachte Sulaiman vor allem in Palästina, wobei Ramla seine bevorzugte Residenz war. Er ließ auch das Wüstenschloss Qusair 'Amra errichten. Der Dichter al-Farazdaq verglich in einem Lobgedicht Sulaimān vom Charakter seiner Handlungen her mit dem Propheten Mohammed. In diesem Gedicht sagte er:

ǧuʿilta li-ahli l-arḍi amnan wa-raḥmatan
wa-barāʾan li-āṯāri l-qurūḥi l-kawālim
ka-mā baʿaṯa Llāhu n-nabīya Muḥammadan
ʿalā fatratin wa-n-nāsu miṯla l-bahāʾim[1]

Du wurdest den Erdenbewohnern zu Schutz und Erbarmen gesandt,
und zur Genesung der Spuren schmerzender Wunden,
so wie Gott den Propheten Mohammed entsandte,
nach einer Zeitspanne, in der die Menschen wie die Tiere waren.[2]

Sulaimāns Nachfolger wurde Umar Ibn Abd al-Aziz (717–720). In der religiösen Literatur des Islams hat vor allem der Bericht über eine Begegnung Sulaimāns mit dem medinensischen Asketen und Traditionarier Abū Hāzim (starb 757) breiten Nachhall gefunden. Demnach schickte Sulaimnān bei einem Aufenthalt in Medina nach Abū Hāzim, um von ihm Hadithe zu hören. Abū Hāzim zeigte sich aber an einem Zusammentreffen mit dem Herrscher uninteressiert. Als man ihn schließlich doch herangebrachte hatte, hielt er Sulaimān eine lange Predigt, in der er ihm seine Maßlosigkeit vorhielt und ihn ermahnte, den Blick auf das Jenseits zu richten. Der Bericht dient in der religiösen Literatur als Lehrbeispiel für die richtige Verhaltensweise frommer Menschen gegenüber weltlichen Machthabern. Nach dem Vorbild von Abū Hāzim soll man sich möglichst von ihnen fernhalten.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Reinhard Eisener: Zwischen Faktum und Fiktion. Eine Studie zum Umayyadenkalifen Sulaimān b. Abdalmalik und seinem Bild in den Quellen. Harrassowitz, Wiesbaden 1987, ISBN 3-447-02739-8 (zugl. Dissertation, Universität Tübingen 1986).
  • Ulrich Haarmann (Begr.), Heinz Halm (Hrsg.): Geschichte der arabischen Welt. C.H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47486-1.
  • Stephan und Nandy Ronart: Lexikon der Arabischen Welt. ein historisch-politisches Nachschlagewerk. („Concise encyclopaedia of Arabic civilization“). Artemis Verlag, München 1972, ISBN 3-7608-0138-2.
  • John J. Saunders: A history of Medieval Islam. Routledge, London 1990, ISBN 0-415-05914-3 (Nachdr. d. Ausg. London 1965).
  • Julius Wellhausen: Das Arabische Reich und sein Sturz. DeGruyter, Berlin 1960 (Nachdr. d. Ausg. Berlin 1902).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Muḥammad Karīm Aḥmad: Šiʿr al-Farazdaq baina aṣdāʾ al-ǧāhilīya wa-ṣaut al-Islām. Maṭbaʿat al-Amāna, Kairo, 1988. S. 150.
  2. Vgl. Eisener: Zwischen Faktum und Fiktion. 1987, S. 157.
  3. Vgl. Eisener 195-205.
Vorgänger Amt Nachfolger
Al-Walid I. Kalif der Umayyaden
715–717
Umar Ibn Abd al-Aziz