Sulaimaniyya

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Dieser Artikel behandelt die irakische Stadt; für das gleichnamige Gouvernement siehe As-Sulaimaniyya; für die ismailitische Schule, siehe Musta'lis.
Sulaimaniyya
Lage
Sulaimaniyya (Irak)
Sulaimaniyya
Sulaimaniyya
Koordinaten 35° 33′ N, 45° 26′ O35.55833333333345.440277777778882Koordinaten: 35° 33′ N, 45° 26′ O
Staat Irak
Autonome Region Kurdistan
Gouvernement as-Sulaimaniyya
Basisdaten
Höhe 882 m
Einwohner 1.500.000 (2012)[1]
Vorwahl 53 (Stadt), 964 (Land)
Bürgermeister Bahroz Muhammad Salih
Das Hotel Sulaimaniya Palace

Sulaimaniyya (arabisch ‏السليمانية‎, DMG as-Sulaimāniyya; kurdischسلێمانی‎, Silêmanî) ist mit 807.614 Einwohnern[1] die zweitwichtigste Stadt der Autonomen Region Kurdistan im Irak. Sie liegt östlich der Hauptstadt der Region Kurdistan Arbil im Nordosten des Irak.

Geschichte[Bearbeiten]

Sulaimaniyya wurde 1784[2] von dem kurdischen Prinzen Ibrahim Pascha Baban gegründet. Er benannte die Stadt nach dem damaligen Beylerbey von Bagdad Büyük Süleyman Pascha. Ferner hieß einer der Vorfahren des Stadtgründers Silêman Pascha. Es wird aber auch noch gesagt, dass die Leute beim Aufbau dieser Stadt einen Ring gefunden haben, der angeblich dem Propheten Salomo (Silêman) gehört haben soll. Eine weitere Legende berichtet, ein schönes Mädchen aus dem in der Nähe der heutigen Stadt gelegenen Dorf Melkendî habe den Pascha in den Ruhepausen seiner Jagd bewirtet und ihn dazu gebracht, seine Residenz zu verlegen. Als Herrschersitz der Baban-Dynastie und Hauptstadt des Sandschaks wuchs die Stadt rasch und erlangte großen Einfluss. Sie hatte im Gegensatz zu anderen Städten der Region keine Stadtmauer und Tore. Es befanden sich zwei Militärkasernen in der Stadt. Die Häuser der oberen Schichten wurden in ähnlichen Stilen wie in anderen Städten des Osmanischen Reichs errichtet. Die übrige Bevölkerung baute ihre Häuser wie im Dorf: einstöckige, mit Lehm verputzte Gebäude mit einem Dach, das aus Stroh besteht, der mit Erde und Lehm vermengt und festgewalzt wird. Das Dach wird mit Holzbalken abgestützt.[3]

Als 1812 der armenischstämmige Brite Serovbe Kartnesi die Stadt besuchte, berichtete er von 15 nestorianischen, 12 armenischen, 4 jakobitischen und an die 4000 muslimischen Familien. Zu Beginn der Stadtgeschichte konkurrierten die Sufiorden der Naqschbandi um Scheich Mevlana Xalid und die Qādirīya-Familie Berzanci um Einfluss auf die Muslime der Stadt. Obwohl Ibrahim Pascha und sein Sohn Mahmud die Naqschbandi sehr förderten, verschwand ihr Oberhaupt im Jahr 1811 spurlos. Danach setzte sich die Qādirīya als vorherrschender Orden durch[3].

Um 1820 erklärte der Herrscher der Stadt, Mahmud Pascha, dem persischen Kronprinzen Abbas Mirza seine Loyalität und beendete damit die Abhängigkeit vom Osmanischen Reich. Danach verblieb Sulaimaniyya im Einflussbereich Persiens, bis die Osmanen das Fürstentum Baban 1847 zurückeroberten und die Herrscherdynastie absetzten. Fortan wurde das Gebiet von osmanischen Statthaltern regiert[4].

Sulaimaniyya wurde sowohl zum wirtschaftlichen als auch zum kulturellen Zentrum dieser Region. Die Stadt hatte seit ihrer Gründung einen zentralen Basar, auf dem mit Produkten aus dem lokalen Acker- und Gartenbau gehandelt und Fernhandel betrieben wurde. Handwerklich wurden Kleidung, Kappen, Schuhe und Seife hergestellt; es gab Färberei, Gerberei, Tischlerei und Metallverarbeitung. Teehäuser dienten der Kommunikation der männlichen Bevölkerung. Zunächst entstanden religiöse Schulen, in denen die Dorfbewohner der Umgebung ihre Söhne zu Mullahs ausbilden ließen, Ende des 19. Jahrhunderts gab auch es eine Militärschule. Die Notabeln der Stadt ließen ihre Söhne auch in Bagdad und Istanbul ausbilden[3]. Der Sorani-Dialekt des Kurdischen wurde hier zu Literatursprache entwickelt und breitete sich mit dem Einfluss der Stadt auch aus, so dass das Gorani hier verdrängt wurde. Nach dem Sturz der Baban-Dynastie 1847 und dem Ersten Weltkrieg wurde die Stadt dem Irak zugeschlagen.

Von 1922 bis 1924 war die Stadt Hauptstadt des nicht anerkannten Königreiches Kurdistan, das von Scheich Mahmud Berzanci ausgerufen worden war. Dieser war zuvor von den Briten zum Gouverneur ernannt worden. Er führte mehrere Aufstände gegen sie an, die alle niedergeschlagen wurden. Trotzdem blühte in diesen Jahren das kurdische Publikations- und Pressewesen auf und Sulaimaniyya wurde zu einem geistigen Zentrum der entstehenden kurdischen Nationalbewegung. Auch entstanden in Sulaimaniyya die ersten kurdischsprachigen Schulen, 1920 wurde für sie das erste Schulbuch in kurdischer Sprache gedruckt: Kitebi awalamin qirā’ati kurdi [5]. Mitte der 1920er Jahre richteten Nachfahren der Baban und Berzanci die ersten Mädchenschulen ein, die sich in privaten Häusern befanden, aber nur von Mädchen der Oberschicht besucht wurden. Seit den 1920er Jahren nahm die Einwohnerzahl der Städte im Irak kontinuierlich zu, weil die Menschen vor Armut und Ausbeutung aus den ländlichen Regionen in die Städte flohen, die eine bessere Infrastruktur und mehr Lebenschancen boten.[3]

Ab 1990 stand die Stadt unter dem Schutz der Alliierten und konnte nach dem Zweiten Golfkrieg wieder aufgebaut werden. Sie wurde auch zum Sitz des Regionalparlaments der Patriotischen Union Kurdistans (PUK). Die Stadt ist auch das Zentrum der PUK und der Hauptsitz der 2009 gegründeten Partei Gorran. Darüber hinaus hat die Stadt eine Universität.

Die Stadt besteht aus sieben Vierteln: Melkendî, dessen Name auf malik hindi, indischer König, oder malik gundi, Besitzer des Dorfes, zurückgehen soll; Çwar Bax, vier Gärten, hier befanden sich Gärten mit Obstbäumen; Dergezeîn, nach einem Dorf im iranischen Gebiet Hamadan benannt, aus dem die neuen Bewohner stammten; Seršeqam, benannt nach der Verbindungsstrasse nach Bagdad; Goîje, benannt nach einer Bergkette; Kanîskan, Quelle der Hirsche, benannt nach einer Trinkwasserquelle und Colekan, benannt nach seinen früheren jüdischen Bewohnern, die nach der Gründung des Staates Israel teils freiwillig, teils durch die irakischen Behörden gezwungen, die Stadt verließen. Zu Beginn der 1920er Jahre sollen in Sulaimaniyya etwa 10.000 Menschen gelebt haben, davon 9.000 Kurden, 750 Juden und 250 Chaldäer. 1965 betrug die Einwohnerzahl 65.000. Die Stadt begann in den folgenden Jahren, zu expandieren, zunächst in südöstliche, dann in westliche und südliche Richtung. Die oberen Schichten verließen das Zentrum und bauten im Osten und Nordwesten neue Wohnviertel.[3]

In den letzten Jahren entwickelte sich die Stadt zu einer der schnellstwachsenden Städte des Iraks, wenn nicht gar zu derjenigen mit dem höchsten Bevölkerungswachstum; so sind in den letzten Jahren 30 neue Stadtbezirke entstanden. Die Grundfläche der Stadt wuchs zwischen 2002 bis 2006 um allein 61 % und dieses Wachstum hält an. Jedes Jahr entstehen etwa 20.000 neue Häuser und etwa 100.000 Menschen ziehen dazu. Mittlerweile entstehen Dutzende neue Gebäude, unter anderem ein neues Fünf-Sterne-Hotel, das bei Fertigstellung das höchste des Iraks sein wird und bereits jetzt den Spitznamen Mini Burj al Arab trägt. Andere geplante Projekte sind das größte Einkaufszentrum des Irak und die Qaiwan Twin Towers.

Am 9. Juni 2004 wurde die umgebaute Bibliothek (jetzt: Zentralbibliothek) vom damaligen PUK-Premierminister Barham Salih eingeweiht.

Klima[Bearbeiten]

Sulaimaniyya
Klimadiagramm
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Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: WorldWeatherOnline.com
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Sulaimaniyya
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 9 13 16 21 29 34 39 38 34 26 18 11 Ø 24,1
Min. Temperatur (°C) 2 4 7 11 17 22 26 26 22 16 8 4 Ø 13,8
Temperatur (°C) 6 8 12 16 22 28 32 32 28 21 14 8 Ø 19
Niederschlag (mm) 102 78 81 9 39 0 0 0 0 27 36 141 Σ 513
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Sicherheitslage seit dem Golfkrieg 2003[Bearbeiten]

Als eine der ganz wenigen größeren Städte des Irak hat Sulaimaniyya praktisch keine Bombenanschläge seit dem Kriegsende 2003 erlebt. Als Gründe hierfür werden von den lokalen Behörden genannt:

  • Erfahrene Behörden im Umgang sowohl mit Terroristen als auch mit Baath-Anhängern
  • Gute Informationsbeschaffung der Behörden durch erfahrene Geheimdienste und die tatkräftige Hilfe der Bevölkerung
  • Sehr homogene Bevölkerungsstruktur (Kurden), daher wenig Gefahr, dass auswärtige Attentäter von Einheimischen gedeckt werden könnten
  • Die günstige geographische Lage in den Bergen mit nur zwei Zufahrtsstraßen, die leicht zu kontrollieren sind

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Stadtzentrum mit belebtem Markt
  • Die Altstadt
  • Hotel Sulaimaniya Palace, eines der wenigen Gebäude mit einfallsreicher Architektur
  • Ein künstlicher See auf dem Gelände eines ehemaligen irakischen Militärlagers und das dazugehörige Restaurant „Komalayati“
  • Menschenrechtsmuseum auf dem Gelände des ehemaligen Gefängnisses der irakischen Geheimpolizei (emn-î sûreke)
  • Der Freizeitpark Parki Azadi (Park der Freiheit)
  • Sarchnar, eine Art Park mit vielen Restaurants und Flächen zum Grillen

Noch im Bau befindet sich das Grand Millenium Hotel, welches jetzt schon zu den höchsten Gebäuden der Stadt gehört und dessen Baustil auch in Dubai zu finden ist.

Internationaler Flughafen Sulaimaniyya[Bearbeiten]

Der Flughafen Sulaimaniyya befindet sich westlich der Stadt und wird durch eine Autobahn-ähnliche Straße mit dem Zentrum verbunden. Er wurde am 21. Juli 2005 eröffnet. Von ihm aus werden hauptsächlich andere Städte der Mittleren Osten wie Tehran, Dubai, Amman und Beirut bedient. Turkish Airlines fliegt nach Istanbul. Seit dem 15. Mai 2006 verbindet außerdem die deutsche Airline Germania die irakische Stadt mit dem Flughafen München, Düsseldorf und Stockholm.

Bildung[Bearbeiten]

Die Stadt verfügt über zwei Universitäten. Die Universität Sulaimaniyya wurde bereits 1968 gegründet. Ein neuer Universitätskomplex entsteht etwa 7 Kilometer westlich von dem alten Komplex, die Universität wird zum Stadtrand verlegt. In Zukunft orientiert sich die Universität an der Bilgi-Universität in der Türkei, einer der international bekanntesten und hervorragendsten Universitäten der Türkei, der Neubau wurde 2009 fertiggestellt. Zurzeit sind 12.000 Studenten eingeschrieben. Im September 2007 wurde von dem amerikanischen Botschafter Ryan Crocker eine neue Universität eröffnet. Diese neue Universität heißt Amerikanische Universität Irak und wurde mit 10,5 Mio. USD vom amerikanischen Kongress und 40 Mio. USD aus Spenden finanziert. Die Gesamtkosten werden 90 Mio. USD betragen. Nach Vorbild der Amerikanischen Universität Beirut und der American University in Cairo soll diese Universität den Irak und besonders den Norden des Landes nach vorne bringen. Die Studienkosten werden 10.000 USD betragen. Im ersten Semester werden 50 Studenten angenommen. Wenn die Universität fertiggestellt ist, sollen hier 1000 Studenten ausgebildet werden. Unterrichtssprache ist Englisch.

Töchter und Söhne der Stadt[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sulaimaniyya – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b World Gazetteer: Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/bevoelkerungsstatistik.deBevölkerungszahlen der Stadt (Berechnung 2010)
  2. Nach J. Edmons wurde die Stadt 1783 und nach Basil Nikitin 1786 gegründet.
  3. a b c d e Andrea Fischer-Tahir: »Wir gaben viele Märtyrer«. Widerstand und kollektive Identitätsbildung in Irakisch-Kurdistan, ISBN 978-3-89771-015-3, Münster 2003, S. 61 ff.
  4. Martin van Bruinessen: Agha, Scheich und Staat - Politik und Gesellschaft Kurdistans, 2. Aufl., Berlin 2003, ISBN 3-88402-259-8, S. 304, 429
  5. Joyce Blau, KURDISH LANGUAGE ii. HISTORY OF KURDISH STUDIES. Encyclopedia Iranica Online, 2009