Sulawesi-Hirscheber

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Sulawesi-Hirscheber
Männlicher Sulawesi-Hirscheber

Männlicher Sulawesi-Hirscheber

Systematik
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Schweineartige (Suina)
Familie: Echte Schweine (Suidae)
Gattung: Hirscheber (Babyrousa)
Art: Sulawesi-Hirscheber
Wissenschaftlicher Name
Babyrousa celebensis
(Deninger, 1909)

Der Sulawesi-Hirscheber (Babyrousa celebensis) ist eine Art der Hirscheber (Gattung Babyrousa). Sein natürliches Verbreitungsgebiet ist auf die Insel Sulawesi sowie einige vorgelagerte Inseln beschränkt. Dennoch stellt er die häufigste und am weitesten verbreitete Art der Hirscheber dar. Sein Bestand gilt als gefährdet.

Merkmale[Bearbeiten]

Schädel eines Hirschebers

Der Sulawesi-Hirscheber ist spärlicher behaart als der Molukken-Hirscheber und besitzt im Gegensatz zum Togian-Hirscheber einen nur sehr spärlich behaarten Schwanz. Die Oberkiefer-Eckzähne, die wie bei allen Hirschebern das Schnauzendach durchstoßen, sind relativ lang und bogenförmig in Richtung Augen gebogen. Im Gegensatz zum Molukken-Hirscheber kreuzen sich die unteren und oberen Eckzähne bei seitlicher Betrachtung in der Regel nicht. Die Kopfrumpflänge beträgt 85–110 cm, die Schwanzlänge 20–32 cm und die Schulterhöhe 65–80 cm. Das Körpergewicht liegt bei bis zu 100 kg. Die oberen Backenzähne M2 und M3 sowie die unteren Backenzähne M1 und M3 sind länger als bei anderen Hirscheber-Arten. Wie bei anderen Hirschebern fehlt das Rüsselbein, das den anderen Schweinen das Graben mit der Schnauze im Boden erleichtert.[1]

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Verbreitungsgebiet des Sulawesi-Hirschebers

Der Sulawesi-Hirscheber bewohnt die Insel Sulawesi. Darüber hinaus war er einst auf den vorgelagerten Inseln Muna, Buton und Lembeh verbreitet, wo er heute vermutlich ausgestorben ist.[2] Der Sulawesi-Hirscheber bewohnt Tropische Regenwälder. Dabei wurde ursprünglich berichtet, dass er die tiefergelegenen, küstennahen Bereiche bevorzugt. Mittlerweile scheinen die Tiere ihren Verbreitungsschwerpunkt in den Zentralteilen der Insel zu haben.[1] Diese Entwicklung wird möglicherweise durch das Zurückdrängen der Art in abgelegene Bereiche durch den Menschen verursacht.[2] Generell scheinen diese Hirscheber eine Vorliebe für Gewässer zu besitzen. Salzlecken werden gerne aufsucht.[1]

Lebensweise[Bearbeiten]

Nahrung[Bearbeiten]

Die Ernährung in freier Wildbahn ist wenig erforscht. Beobachtungen in Gefangenschaft und der Bau des Magens zeigen, dass die Tiere typische Allesfresser sind. So wurde in Zoologischen Gärten mehrfach beobachtet, dass sie Kleintiere im Gehege erbeuteten und fraßen. Wichtige Nahrungskomponenten scheinen vor allem Wurzeln und Früchte zu sein. Mit ihren starken Kiefern sind sie in der Lage auch harte Nussschalen aufzubrechen.[1]

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Weibchen mit Jungtier

In Gefangenschaft werden die Tiere mit etwa 5–10 Monaten geschlechtsreif. Der Sexualzyklus dauert insgesamt 30–40 Tage, wobei der Östrus, die Zeit in der das weibliche Tier empfängnisbereit ist, nur jeweils 2–3 Tage andauert. Die Tragzeit liegt in der Regel bei 155–158 Tagen, obwohl auch Tragzeiten von bis zu 171 Tagen dokumentiert sind. Ein Wurf besteht meist aus ein bis zwei, seltener drei Jungen. Diese sind bei der Geburt sehr klein und wiegen lediglich 800 g. Die Weibchen haben in der Regel zwei Paar Zitzen, selten ist ein drittes Paar bezeugt. In Gefangenschaft erreichen die Tiere ein Alter von bis zu 24 Jahren, wobei als unwahrscheinlich gilt, dass sie in freier Wildbahn älter als 7–12 werden. Anscheinend werden die langen Hauer nicht in den Rangkämpfen eingesetzt. Vielmehr schieben sich konkurrierende Männchen umher, bis sie sich gegenseitig auf die Hinterbeine aufrichten und dabei versuchen die Schnauzen oben zu behalten.[1]

Aktivität und Sozialverhalten[Bearbeiten]

Nach Beobachtungen von Hirschebern in Gefangenschaft und freier Wildbahn wird davon ausgegangen, dass die Tiere in erster Line tagaktiv sind. Mit dem Sonnenaufgang wachen die Tiere auf und beginnen den Tag mit einer Morgentoilette. Danach ziehen sie auf der Suche nach Futter umher. Im späteren Teil des Tages nehmen andere Tätigkeiten, wie Suhlen oder Ruhen, einen größeren Teil der Zeit in Anspruch. Die Tiere sind recht sozial und bilden Gruppen von bis zu 13 Tieren. Gelegentlich wurden an Salzlecken oder anderen Anziehungspunkten auch Ansammlungen von bis zu 46 Tieren beobachtet. Einzeltiere sind meist alte Männchen. Die Weibchen sind meist in Begleitung ihrer Jungen, oft befinden sich auch Männchen in ihrer Nähe. Es wird vermutet, dass die ausgewachsenen Männchen Territorien verteidigen, die sich jeweils mit denen mehrerer Weibchen überlappen. Die Populationsdichte kann recht hoch sein, gebietsweise leben 4–11 Tiere auf einem Quadratkilometer. Allerdings wurden auch erheblich geringere Populationsdichten von 0,7–4 Tieren pro Quadratkilometer ermittelt. Hirscheber gelten als gute Schwimmer. Ein Tier wurde 500 m von der Küste entfernt in einem See schwimmend beobachtet.[1]

Natürliche Feinde[Bearbeiten]

Da es auf Sulawesi keine großen Landraubtiere gibt, kennt der Hirscheber nur wenige natürliche Feinde. Allenfalls große Krokodile und zum Teil auch Riesenschlangen werden ihm gefährlich.[1]

Systematik[Bearbeiten]

Bis vor kurzem wurden alle Hirscheber der Babyrousa bayrussa zugeschrieben. Heute gelten die Hirscheber der Molukken und die der Togian-Inseln jeweils als unabhängige Arten. Dadurch dass der wissenschaftliche Name B. babyrussa dem Molukken-Hirscheber zustand, erhielt der Sulawesi-Hirscheber den Namen B. celebensis. Auch die nur subfossil bekannte Population des südwestlichen Arms der Insel Sulawesi wird als eigenständige Art aufgefasst. Alle übrigen Hirscheber Sulawesis werden heute dem Sulawesi-Hirscheber zugerechnet. Allerdings ist diese Einteilung nicht durch genetische Befunde abgesichert. Insbesondere bleibt abzuwarten ob die Tiere des Zentralteils und der östlichen Teile Sulawesis ebenfalls zu B. celebensis zu rechnen sind, oder ob dies ausschließlich für die Populationen im Norden der Insel gilt.[1]

Bedrohung und Schutz[Bearbeiten]

Der Sulawesi-Hirscheber ist die häufigste und am weitesten verbreitete Art der Hirscheber. Er wird von der IUCN als gefährdet (Vulnerable) eingestuft. Insbesondere im Norden und im Zentralteil der Insel sind die Bestände durch heftige Nachstellungen stark zusammengeschmolzen. Vor allem die christlichen Gemeinden im Norden der Insel sind im Gegensatz zu den moslemischen Bewohnern der Insel bereitwillige Abnehmer des Fleisches. Aus dem äußersten Nordwesten Sulawesis ist die Art mittlerweile offenbar ganz verschwunden. Die Verbreitungsostgrenze liegt hier im Bereich des Bogani Nani Wartabone-Nationalparks, des Nantu-Wildschutzgebietes sowie des Panua-Naturschutzgebietes, die alle in der Westhälfte der nördlichen Halbinsel liegen. Im Zentralteil, sowie im Osten und Südosten kommt die Art noch vor, allerdings fehlen genaue Angaben zur Bestandssituation. In diesen Bereichen sind vor allem Lebensraumzerstörungen eine große Bedrohung. Im Bereich des Lore Lindu-Nationalpark scheint die Art inzwischen selten zu sein, während sie nördlich von Palu offenbar noch in größeren Beständen vorkommt. Auf den Inseln Muna, Buton und möglicherweise auch auf Lembeh dürfte die Art inzwischen ausgestorben zu sein.[2]

Zoopopulation[Bearbeiten]

Sulawesi-Hirscheber im Zoo von Děčín

In verschiedenen Zoologischen Gärten wird der Hirscheber erfolgreich gezüchtet. Die Tiere, die in westlichen Zoos gehalten werden, dürften aus dem Norden Sulawesis stammen und sind somit höchstwahrscheinlich dem Sulawesi-Hirscheber zuzuordnen.[2] Allerdings wird ihre genetische Variabilität als relativ niedrig eingeschätzt, da alle der rund 200 Tiere, die heute in Gefangenschaft leben, auf ein Männchen und zwei Weibchen zurückgehen dürften, die 1972 in den Surabaya-Zoo auf Java verbracht wurden und sich vermehrten.[3]

Belege[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h E. Meijaard, J. P. d’Huart, W. L. R. Oliver: Babirusa. (Babyrousa) In: D. E. Wilson, R. A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Vol. 2: Hoofed Mammals. 2011, ISBN 978-84-96553-77-4, S. 274–276.
  2. a b c d Babyrousa togeanensis in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2011.2. Eingestellt von: A. A. Macdonald, J. Burton, K. Leus, 2008. Abgerufen am 4. November 2012
  3. Sharron Ogle: Techniques to assist conservation breeding of the babirusa (Babyrousa celebensis). PhD-Thesis, supervised by Alastair Macdonald. The University of Edinburgh, 2010. online

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Babyrousa celebensis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Babyrousa celebensis in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2011.2. Eingestellt von: A. A. Macdonald, J. Burton, K. Leus, 2008. Abgerufen am 4. November 2012