Sulfurylchlorid

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Strukturformel
Struktur von Sulfurylchlorid
Keile zur Verdeutlichung der räumlichen Struktur
Allgemeines
Name Sulfurylchlorid
Andere Namen
  • Schwefelsäuredichlorid
  • Sulfuryldichlorid
  • Sulfonylchlorid
Summenformel SO2Cl2
CAS-Nummer 7791-25-5
PubChem 24648
Kurzbeschreibung

farblose Flüssigkeit mit stechendem Geruch[1]

Eigenschaften
Molare Masse 134,97 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig

Dichte

1,67 g·cm−3 (20 °C)[1]

Schmelzpunkt

−54,1 °C[1]

Siedepunkt

69,4 °C[1]

Dampfdruck

144,3 hPa (20 °C)[1]

Löslichkeit

langsame Zersetzung in Wasser[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [2]
05 – Ätzend 07 – Achtung

Gefahr

H- und P-Sätze H: 314​‐​335
EUH: 014
P: 261​‐​280​‐​305+351+338​‐​310 [3]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [4] aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [2]
Ätzend
Ätzend
(C)
R- und S-Sätze R: 14​‐​34​‐​37
S: (1/2)​‐​26​‐​45
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

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Sulfurylchlorid ist eine farblose, in Gegenwart von Wasser ätzend wirkende Flüssigkeit, die zur Gruppe der anorganischen Säurechloride gezählt wird. Es ist das Dichlorid der Schwefelsäure.

Gewinnung und Darstellung[Bearbeiten]

Es bildet sich aus Schwefeldioxid und Chlor am Aktivkohlekatalysator oder durch Zersetzung von Chlorsulfonsäure:[5]

\mathrm{SO_2 (g) + Cl_2 (g) \ \longrightarrow \ \ SO_2Cl_2 (l) }
\mathrm{2\ HSO_3Cl \ \longrightarrow \ \ SO_2Cl_2 + H_2SO_4 }

Eigenschaften[Bearbeiten]

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten]

Sulfurylchlorid ist eine leichtbewegliche, an feuchter Luft rauchende Flüssigkeit, die aufgrund ihres recht niedrigen Siedepunkts von 69 °C leicht verdampft und problemlos durch Destillation gereinigt werden kann. Es hat eine für viele Halogenverbindungen typische hohe Dichte von 1,6674 g·cm−3

Sulfurylchlorid ist bisphänoid (verzerrt tetraedisch) aufgebaut, das Schwefelatom sitzt hierbei in der Tetraedermitte. Die Bindungslängen der Atombindungen sind im Bild dargestellt.

Sulfurylchlorid

Chemische Eigenschaften[Bearbeiten]

Mit Wasser reagiert Sulfurylchlorid unter ausgesprochen heftiger Zersetzung und Wärmeentwicklung zu Schwefelsäure und Chlorwasserstoff:

\mathrm{SO_2Cl_2 (l) + 2 \ H_2O (l) \ \longrightarrow \ 2 \ HCl (g) + H_2SO_4 (l)}

Weiterhin reagiert es heftig mit Basen sowie mit niederen Alkoholen.

Verwendung[Bearbeiten]

Aus Sulfurylchlorid können durch elektrophile aromatische Substitution aromatische Sulfonsäurechloride (Sulfochloride) hergestellt werden. Weiterhin kann es in Gegenwart eines Radikalstarters zur radikalischen Chlorierung von Alkanen und Cycloalkanen verwendet werden. Bei letzterer Reaktion entstehen als gasförmige Nebenprodukte Schwefeldioxid und Chlorwasserstoff.

Sicherheitshinweise[Bearbeiten]

Sulfurylchlorid ist stark ätzend und greift Haut und besonders Schleimhäute und Augen heftig an. Beim Arbeiten ist ein gut ziehender Abzug zu verwenden und die persönliche Schutzausrüstung zu tragen (Kittel, Schutzbrille, Schutzhandschuhe).

Reste von Sulfurylchlorid müssen unter größter Vorsicht in kleinen Portionen in eine Eis/Wasser-Mischung eingetragen werden. Die dann erhaltene Schwefelsäure-Salzsäure-Mischung wird mit einer geeigneten Base vorsichtig neutralisiert, bevor sie der fachgerechten Entsorgung zugeführt wird.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f Eintrag zu Sulfurylchlorid in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 8. Januar 2008 (JavaScript erforderlich).
  2. a b Eintrag aus der CLP-Verordnung zu CAS-Nr. 7791-25-5 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA (JavaScript erforderlich)
  3. Datenblatt Sulfuryl chloride bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 23. April 2011 (PDF).
  4. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  5. G. Brauer (Hrsg.), Handbook of Preparative Inorganic Chemistry 2nd ed., vol. 1, Academic Press 1963, S. 383-5.

Weblinks[Bearbeiten]