Sultanat Ägypten

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السلطنة المصرية
As-Saltana al-Misriyya (arab.)
Mısır Sultanlığı (türk.)

Sultanat Ägypten
1914–1922
Flagge Ägyptens
Wappen Ägyptens
Flagge Wappen
Amtssprache Osmanisch und Englisch
Hauptstadt Kairo
Staatsform Sultanat unter britischem Protektorat
Staatsoberhaupt Sultan
Hussein Kamil (1914–1917)
Fu'ad I. (1917–1922)
Regierungschef Ministerpräsident
Liste der Ministerpräsidenten
Währung Ägyptisches Pfund
Gründung 1914
Auflösung 1922
Dunkelgrün: Sultanat ÄgyptenHellgrün:Anglo-Ägyptischer SudanHellstes Grün:1919 vom Sudan an Italienisch-Libyen abgetreten
Dunkelgrün: Sultanat Ägypten
Hellgrün:Anglo-Ägyptischer Sudan
Hellstes Grün:1919 vom Sudan an Italienisch-Libyen abgetreten

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Das Sultanat von Ägypten (türkisch Mısır Sultanlığı, arabisch ‏السلطنة المصرية‎, englisch Sultanate of Egypt) war ein kurzzeitiges Protektorat Großbritanniens über Ägypten, welches von 1914 bis 1922 bestand.

Geschichte[Bearbeiten]

Sultan Hussein Kamil (1914–1917)

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs plante Großbritannien, welches bereits seit 1882 militärisch im eigentlich osmanischen Ägypten präsent war, ein eigenes Protektorat über das bisherige Khedivat Ägypten zu errichten, um dieses so komplett aus dem osmanischen Einflussbereich herauslösen zu können. Am 19. Dezember 1914 setzten sie daher den Khediven Abbas Hilmi II. ab und ermutigten dessen Onkel, Hussein Kamil, ein Sultanat auszurufen und sich selbst zum Sultan zu erklären.

Gleichzeitig richtete Großbritannien ein Kommissariat im Land ein, das Protektorat über Ägypten.[1][2][3] Erster Hochkommissar war geschäftsführend bis 9. Januar 1915 Milne Cheetham, der von Henry McMahon abgelöst wurde.

Sultan Fu'ad I. (1917-1922)

Die osmanische Armee setzte ab Januar 1915 bis zu 80.000 Soldaten in Marsch, um das Land zurückzuerobern und die Briten zu vertreiben. Diese Armee wurde jedoch am 3. Februar 1915 in der Nähe des Sueskanals geschlagen und zurückgedrängt. Die Sinai-Halbinsel blieb zwar bis in das Jahr 1917 hinein ein Kriegsschauplatz, das Sultanat selbst war jedoch in dieser Zeit nicht mehr ernsthaft gefährdet.

Als die Briten 1919 der nationalistischen Wafd-Partei die Teilnahme an der Pariser Friedenskonferenz verweigerten, kam es landesweit zu Streiks, Protesten und Unruhen. Daher setzte der britische Hochkommissar Edmund Allenby sich dafür ein, Ägypten die Unabhängigkeit zu gewähren, da es andernfalls nur schwer zu halten sei.

Am 28. Februar 1922 erlangte das Land schließlich mit der Declaration of Egypt[4][5] seine formelle Unabhängigkeit von Großbritannien, welches sich jedoch einige Rechte im Land vorbehielt und weiterhin starken Einfluss ausübte. Zwei Wochen später, am 15. März 1922 rief der bisherige Sultan Fu'ad I. schließlich das unabhängige Königreich Ägypten aus. Die Erklärung wurde von Lord Curzon vom britischen Außenministerium bereits am 21. Februar 1922 an den amtierenden Hochkommissar, dem Marschall Allenby, Nachfolger des Hochkommissars für Ägypten Reginald Wingate, übersandt, jedoch erst am 28. Februar 1922 genehmigt und als Zirkulardepesche vom 15. März 1922 inhaltlich den britischen Auslandsvertretungen mitgeteilt, woraus sich unterschiedliche Zitierweisen des Datums ergeben.[6] Der spätere „Britisch-ägyptische Vertrag über die Unabhängigkeit“ vom 26. August 1936 zur Zeit des Nachfolgestaates Königreich Ägypten wurde durch Ägypten am 15. Oktober 1951 gekündigt, womit der britische Herrschaftseinfluss endete.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Amtlicher Text von: „Britische Proklamation über die Errichtung des Protektorates über Ägypten“ in: The London Gazette vom 18. Dezember 1914.
  2. Englischer Text der Proklamation in: Karl Strupp: Ausgewählte diplomatische Aktenstücke zur orientalischen Frage. F. A. Perthes, Gotha 1916, S. 172. (Perthes' Schriften zum Weltkrieg. H. 10).
  3. British and Foreign State Papers. London, Bd. 109, 1915 (1919), S. 436.
  4. Englischer Text von: „Britische Erklärung betreffend Beendigung des Protektorates und Anerkennung Ägyptens als unabhängigen souveränen Staat“ in: Niemeyer's Zeitschrift für internationales Recht. Duncker & Humblot, München/Leipzig. Bd. 31, 1923, S. 72.
  5. Rauschning, Suezkanal, 1956, S. 103.
  6. Hecker, Verfassungsregister, IV, 1963, S. 17

Literatur[Bearbeiten]

  • Rainer Büren: Die Arabische Sozialistische Union. Einheitspartei und Verfassungssystem der Vereinigten Arabischen Republik unter Berücksichtigung der Verfassungsgeschichte von 1840–1968. Leske, Opladen 1970.
  • Dietrich Rauschning: Der Streit um den Suezkanal. Analyse, Materialien, Bibliographie. Forschungsstelle für Völkerrecht und ausländisches öffentliches Recht der Universität Hamburg, Hamburg 1956.