Sumqayıt

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Sumqayit
Sumqayıt
Wappen
Wappen
Staat: Aserbaidschan Aserbaidschan
Gegründet: 1949
Koordinaten: 40° 35′ N, 49° 40′ O40.58972222222249.668611111111Koordinaten: 40° 35′ 23″ N, 49° 40′ 7″ O
Fläche: 96 km²
 
Einwohner: 282.280 (2009)
Bevölkerungsdichte: 2.940 Einwohner je km²
Zeitzone: AZT (UTC+4)
Telefonvorwahl: (+994) 18
Postleitzahl: AZ5000
Kfz-Kennzeichen: 50
 
Webpräsenz:
Sumqayit (Aserbaidschan)
Sumqayit
Sumqayit
Wohnblocks im sowjetischen Stil
Küstenstraße am östlichen Ende der Stadt

Sumqayıt (russisch Сумгаит/Sumgait) ist eine Stadt in Aserbaidschan mit 263.600 Einwohnern[1], rund 30 Kilometer von der Hauptstadt Baku entfernt, im Norden der Halbinsel Abşeron am Kaspischen Meer gelegen. Das Stadtgebiet hat eine Fläche von 80 km².

Geschichte[Bearbeiten]

Sumqayıt ist eine noch junge und schnell wachsende Stadt; sie wurde erst im Jahre 1949 gegründet. In der Stadt bestand das Kriegsgefangenenlager 328 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.[2]

Im Jahr 1988 kam es zu einem Pogrom an Armeniern, die in Sumqayıt lebten. Die gesamte armenische Gemeinde wurde entweder ermordet oder nach Armenien vertrieben. Das Massaker stellte einen der bedeutendsten Höhepunkte des Bergkarabach-Konflikts dar.[3][4]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Sumqayıt ist mittlerweile die größte Industriestadt Aserbaidschans mit mehr als 30 Großbetrieben, die vorwiegend zur chemischen und metallverarbeitenden Industrie gehören. Auf der Abşeron-Halbinsel liegen riesige Ölfelder, auf denen bereits im 8. Jahrhundert n. Chr. Öl gewonnen wurde.

Kultur und Sport[Bearbeiten]

In der Nähe der Stadt befinden sich die Burgen von Mardagan, ein zoroastrischer Tempel und die eigenartige Vulkanlandschaft von Gobustan am kaspischen Ufer, wo fast 4.000 Felsgravuren aus der Zeit des Neolithikums von uralter Siedlungsgeschichte künden.

In der Stadt liegt das Mehdi Hüseyinzadə Stadion, das Heimstadion des Vereins FK Gənclərbirliyi Sumqayıt.

Umweltverschmutzung[Bearbeiten]

Die Stadt gehörte neben Linfen und Tianying in China, Sukinda und Vapi in Indien, La Oroya in Peru, Dserschinsk und Norilsk in Russland, Tschornobyl in der Ukraine und Kabwe in Sambia im Jahr 2007 zu den zehn schmutzigsten Städten der Welt. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass in Sumqayıt so billig wie möglich synthetisches Gummi, Aluminium, Reinigungsmittel und Pestizide hergestellt werden.

Da die Industrie weitestgehend ohne Rücksichtnahme auf Umweltschäden arbeitete, ist die Stadt und ihre direkte Umgebung stark durch karzinogene, mutagene und teratogene Chemieabfälle belastet. Die Krebsrate innerhalb der Bevölkerung ist signifikant höher, ebenso die Sterblichkeit von Neugeborenen. Zudem kommen viele Kinder mit Missbildungen oder Behinderungen auf die Welt.[5][6]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Schafiga Hadjiahmedova: Sumgayit: Stadt auf Sand. In: Bauwelt 36/2009 (= Stadt Bauwelt 183), Berlin 25. September 2009/100. Jahrgang, S. 70–73

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stand: 1. Januar 2004
  2. Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977.
  3. Massaker in Sumgait, Die Zeit, 23. August 1991, Nr. 35
  4. Dirk Kurbjuweit: Sumgait ist weit, Die Zeit, 8. April 1988, Nr. 15
  5. Schmutzige Orte: Sumgait, Aserbaidschan, Spiegel Online, 13. September 2007
  6. Report des Blacksmith Institute 2007