Sundzoll

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Schloss Kronborg - Zollstation am Sund

Der Sundzoll (dänisch: Øresundstolden, schwedisch: Öresundstullen) war als Schiffszoll eine 1429 von König Erik VII. von Dänemark eingeführte Abgabe, die nicht-dänische Schiffe, die den Öresund durchfuhren, in Helsingør zu entrichten hatten.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Sundzoll war über die Jahrhunderte eine der wichtigsten Einnahmequellen der Dänischen Krone und sicherte so die Unabhängigkeit der dänischen Könige von Adel und Reichsrat. Sie war Anlass für immerwährenden Streit der weiteren Ostseeanrainer, insbesondere der Hansestädte, die sich gegen diese Abgabe auf die Freiheit der Meere beriefen und mehrmals - zuletzt in der Grafenfehde - versuchten, in den Besitz des Sundschlösser zu gelangen. Die Kanonen von Schloss Kronborg setzen die Abgabe an der schmalsten Stelle des Öresunds durch.

Der Sundzoll musste auch bei einer Passage des Großen und Kleinen Belts entrichtet werden. Ab 1645 waren schwedische Schiffe durch den Frieden von Brömsebro vom Sundzoll befreit, dieses Privileg ging Schweden aber bereits 1720 durch den Frieden von Frederiksborg wieder verloren.

1567 wurde die Art der Erhebung geändert. Fortan wurde die Ladung der Schiffe besteuert. Dadurch stieg das Sundzollaufkommen auf das Dreifache an. Bei der Berechnung von Schiffsladungen im Hafen von Helsingør kam ein vereinfachtes Rechenverfahren zum Einsatz, bei dem die Schiffe nur überschlägig vermessen wurden. Bis 1699 wurde die Größe der Schiffsdecks in die Kalkulation des Sundzolls mit einbezogen, was sich sogar auf die Form der auf Lübecker Werften gebauten Schiffstypen auswirkte, bei denen man als Reaktion hierauf auf ein günstiges Verhältnis von Stauraum zu Decksgröße achtete.

Für Dänemark war der Zoll am Sund bis ins 19. Jahrhundert von größter Wichtigkeit, da er eine der Haupteinnahmequellen des Reiches war und zeitweise ein Achtel der dänischen Staatseinnahmen erbrachte. Allein in den hundert Jahren von 1557 bis 1657 befuhren fast 400.000 Schiffe die Meerenge. Während der napoleonischen Kriege ging der Verkehr allerdings stark zurück. Nachdem 1802 noch 12.000 Schiffe die dänische Zoll-Station passiert hatten, waren es 1808 nur noch 121, im Folgejahr 379 Schiffe. Nach den Kriegen stiegen die Zahlen wieder steil an. In der Dekade von 1816 bis 1825 passierten jährlich über 10.000 Schiffe die Meerenge. Für das Jahr 1845 verzeichnen die Zoll-Register 15.950 Schiffe im Sund und 1853 sogar 24.648.

Immer wieder beschäftigte der Sundzoll die Parlamente und Regierungen der seefahrenden Nationen, etwa das preußische Kabinett im Jahr 1838 und das britische Parlament drei Jahre später auf Betreiben der Hafenstadt Hull. 1841 schlossen England, Schweden und Russland noch einmal Verträge mit Kopenhagen, die eine weitere Anerkennung des Sundzolls bei teilweise reduzierten Sätzen, etwa für englische Manufakturwaren, zum Inhalt hatten.

1842 wurde der Sundzoll auf internationalen Druck für alle Schiffe unabhängig von ihrem Herkunftsland auf 1 Prozent des Warenwertes reduziert, 1857 schließlich ganz abgeschafft. Die Kopenhagener Konvention vom 14. März 1857 sprach Dänemark hierfür eine Entschädigung von 30 Millionen dänischen Reichstalern (rund 23 Millionen Taler Preußisch Kurant) zu. Lübeck und Hamburg beteiligten sich mit 102.996 beziehungsweise 107.012 dänischen Reichstalern (77.000 beziehungsweise 80.000 Taler Preußisch Kurant) an der Entschädigung für den Sundzoll.

Daneben erhob Dänemark auch an Land in Holstein, insbesondere von Lübeck, Transitzölle für die Straßenbenutzung der Chaussee nach Hamburg, den Stecknitzkanal und die Lübeck-Büchener Eisenbahn. Es war ein letzter Erfolg Lübecker Außenpolitik, dass es dem Bürgermeister Theodor Curtius gemeinsam mit seinem Gesandten Friedrich Krüger gelang, die europäischen Mächte davon zu überzeugen, die Transitzollfrage mit der Sundzollfrage zu verknüpfen. Die an Dänemark zu zahlenden Transitzölle für den Warenverkehr konnten so auf 20 % des Ausgangswertes reduziert werden.

Das entsprechende Register, welches sich heute in Kopenhagen im Dänischen Nationalarchiv befindet, wurde im Jahr 2011 zum Weltdokumentenerbe erklärt.[1]

Literatur[Bearbeiten]

Quellen
  • Tabeller over skibsfart og varetransport gennem Øresund 1661–1783 og gennem Storebaelt 1701–1748, hrsg. von Nina Ellinger Bang, København 1906ff.
Darstellungen
  • A. Graßmann (Hrsg.): Lübeckische Geschichte, 1989, ISBN 3-7950-3203-2
  • Hermann Scherer: Der Sundzoll. Duncker und Humblot, Berlin 1845
  • C[hristian] F[riderich] Wurm: Der Sundzoll und dessen Verpflanzung auf deutschen Boden, Hamburg 1838
  • Carl Friedrich Wehrmann: Die Betheiligung Lübecks bei der Ablösung des Sundzolls, in: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde, Bd. 6, Lübeck 1892, S. 405-430
  • Emil Ferdinand Fehling: Vor fünfzig Jahren. Zur Erinnerung an Friedrich Krüger und Lübecks Politik am Sunde, in: Hansische Geschichtsblätter Bd. 33 (1906), S. 219-243
  • Alfred Wünsche: Der Sund - eine verkehrsgeographische Untersuchung, Rostock 1937
  • Stefan Kroll, Karsten Labahn: Die "niederländischen Sundregister" als Quelle für den Fernhandel der Hafenstädte des Ostseeraums während des 18. Jahrhunderts. Universität Rostock (PDF, 124 Kb)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sound Toll Registers. UNESCO / Memory of the World - Register, 2013, abgerufen am 22. Juni 2013 (englisch).