Suone

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Gorperi Suone, Baltschiedertal
Gorperi Suone, Baltschiedertal
Suone Heido, Nanztal, 12 km lang, 1305 erwähnt

Suonen, Suenen, auch Bissen (von französisch le bisse) und Wasserfuhren, sind historische Wasserleitungen im Schweizer Kanton Wallis.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Innerwallis (insbesondere im Rhonetal und den direkt angrenzenden Talabschnitten) herrscht ein sehr trockenes Klima, weil die umliegenden Berge die meisten Niederschläge vom Haupttal abhalten. Deshalb wurde bereits im zehnten bis elften Jahrhundert ein Wasserleitungssystem entwickelt, wobei einige römische oder sarazenische Einflüsse vermuten. Wann die Bewässerungssysteme im Wallis angelegt wurden ist schwer abzuschätzen. Datierungen der alten Holzkonstruktionen (Chännel) mittels Dendrochronologie reichen von 1270 bis in die Neuzeit. Als früheste Jahrzahl erwähnte Pfarrer Seematter von Mund im Jahr 1929 die in den Felsen eingemeisselte Jahreszahl 930 an der Wasserleite Wyssa. Analog dazu soll sich in der Nachbargemeinde Birgisch an der Restiwasserleite die Jahreszahl 1001 befunden haben. Eventuell wurden die Jahrzahlen falsch entziffert; die Inschriften sind leider durch Renovationsarbeiten an den Suonen verloren gegangen. Die ältesten nachweislichen Datierungen stammen von Urkunden aus dem 12. Jahrhundert.

Die Suonen sind als Freispiegelkanäle ausgeführt und dienen hauptsächlich der Bewässerung landwirtschaftlich genutzter Flächen. An den trockenen Südhängen sind deshalb mehr Suonen angelegt worden als an den Nordhängen. Die meisten Suonen sind 500 m bis 2 km lang, die längste Suone ist die 32 km lange Bisse de Saxon. Neben der Bewässerung wurden die Suonen auch als Trink- und Tränkewasserversorgung, zum Waschen und teilweise zum Ausbringen von Mist genutzt.[1]

Da die Suonen als Wasserversorgung für die Kulturen und Dörfer sehr wichtig waren und deren Bau und Unterhalt sehr gefährlich war, hatten die daran Arbeitenden eine wichtige Funktion und entsprechendes Ansehen in der Dorfgemeinschaft. Die Suonen überwinden teilweise grössere Hindernisse wie Felswände oder Geröllhalden, wofür über die Jahrhunderte spezielle Techniken entwickelt wurden. In den Felswänden verlaufen die Suonen in Holzkanälen, die zusammen mit einem Laufsteg an Balken aufgehängt sind. Die Balken sind in Löchern verkeilt, die in den Fels geschlagen sind. Zur Überwachung des Wasserflusses werden teilweise kleine Wasserräder verwendet, die einen auf ein Holz schlagenden Hammer antreiben. Die Hammerschläge können über grosse Entfernungen wahrgenommen werden und bestätigen den Wasserfluss.

Seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden viele Suonen wegen des einfacheren Unterhalts in Röhren verlegt oder ganz aufgegeben. Später entdeckte man den touristischen Wert der Suonen, was dazu führte, dass viele heute wieder offen Wasser führen. Die für den Unterhalt genutzten Pfade entlang der Leitung können als Wanderwege genutzt werden, die einfach zu begehen sind und wegen der exponierten Lage der Suonen gute Aussicht bieten.[1]

In den 1980er Jahren war die gemeinschaftliche Unterhaltung der Walliser Suonen Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen durch die spätere Wirtschaftsnobelpreisträgerin Elinor Ostrom. Nach ihren Studien in der Walliser Gemeinde Törbel und einigen weiteren Gemeinwesen in aller Welt stellte Ostrom die These auf, dass gemeinschaftliches Eigentum die natürlichen Ressourcen auf lange Sicht besser bewirtschaftet als privates oder staatliches Eigentum. Das Ergebnis war Ostroms Hauptwerk Governing the Commons.

Etymologie[Bearbeiten]

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war der Begriff Suon fast ausschliesslich im Gebiet Raron, Lötschberg Südrampe und in den Rarner Schattenbergen (Eischoll, Unterbäch, Bürchen) gebräuchlich. In der touristischen Vermarktung und in der Literatur setzt sich der Begriff allmählich für das gesamte Oberwallis durch. Häufig trifft man aber auf ältere Walliser, welche dieses Wort überhaupt nicht kennen – hier zeigt sich dessen ursprünglich regional beschränkte Ausbreitung. Es gibt in den verschiedenen Oberwalliser Tälern auch Abwandlungen vom Wort Suone. An fast der gesamten Lötschberg Südrampe sagt man „Süe“ oder sogar „Sie“. Das Wort Suone stammt möglicherweise von althochdeutsch suoha ‚Furche‘, ‚Graben‘, ‚Egge‘. Das Schweizerische Idiotikon (Artikel Suen II Bd. VII 1109) nimmt allerdings ausserdeutschen Ursprung an. Im Mattertal hingegen heissen die Bewässerungskanäle in der Regel Fuhre (Wasserfuhre). Im gesamten deutschsprachigen Teil des Kanton Wallis kann man auch einfach von Wasserleiten sprechen.

Im französischsprachigen Unterwallis heissen die Suonen Bissen (le bisse). Dieses Wort ist eine Abwandlung des Wortes bièf ‚Kanal‘ und wird auch manchmal in der deutschen Sprache verwendet.

Fast alle Suonen haben einen Eigennamen. Hier gibt es aber viele, die mehrfach vorkommen, da sich die Eigennamen der Suonen vor allem nach den landschaftlichen Gegebenheiten oder den Ortsnamen richten. So gibt es mehrere Bärgeri, Eggeri oder Obersta.

Bekannte Suonen[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Suone – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Die Suonen und Bissen des Wallis. Abgerufen am 26. August 2009.

Blätter aus der Walliser Geschichte Band XXXV 2003, Werner Bellwald und Stefan Würth