Supermarkt

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Film von 1974 siehe Supermarkt (Film).
Tesco in Most (Tschechien)
Supermarkt in Portland, Oregon, USA

Ein Supermarkt (von lat.: super über, mercatus Handel), in Teilen Deutschlands auch Kaufhalle genannt, ist ein großes Einzelhandelsgeschäft, das Lebensmittel, Genussmittel und meistens auch Drogerieartikel, aber auch andere Erzeugnisse für den täglichen Bedarf anbietet. Die Waren werden in Selbstbedienung der Kunden abgegeben. Die Bezahlung erfolgt nach der Auswahl der Waren durch den Kunden vor dem Verlassen des Geschäfts an zentralen Kassen.

Begriffsbestimmung[Bearbeiten]

Als Supermarkt werden Lebensmitteleinzelhandels-Geschäfte, also eine Betriebsform, mit einer Verkaufsfläche von mindestens 400 m² bezeichnet, die Lebensmittel einschließlich Frischwaren in Selbstbedienung führen und in denen der Anteil der Verkaufsfläche für Erzeugnisse, die nicht für den Verzehr gedacht sind, nicht über 25 Prozent liegt. Nach der Entnahme der Waren durch den Kunden bezahlt der Kunde diese an zentralen Kassen. Neben herkömmlichen Kassen können auch Selbstbedienungskassen eingesetzt werden. Preise sind an der Ware ausgezeichnet, sie werden nicht ausgehandelt. Preisnachlässe oder Verkaufszugaben werden in der Regel, außer an eine im Voraus festgelegte Kundengruppe, wie Inhaber von Kundenkarten, nicht gewährt. Es werden auch keine Kredite an Kunden eingeräumt, man kann nicht „anschreiben“. Waren werden überwiegend in abgepackter Form mit bestimmten Füllmengen feilgeboten. Obst, Gemüse oder andere lose Ware muss entweder der Kunde selbst wiegen oder diese werden, sofern vorgesehen, durch die Belegschaft an speziellen Wägeplattformen an der Kasse abgewogen.

In der DDR war der Begriff Supermarkt ungebräuchlich und der Begriff Kaufhalle für diese Ende der 1960er Jahre entwickelte Verkaufsform genutzt.

Mittlerweile hat sich die Bezeichnung „Supermarkt“ in Domain-Bezeichnungen, jeweils in Verbindung mit einer Beschreibung für eine Warengruppe, auch für Versender im Internet eingebürgert. Diese Versender verschicken oft, aber nicht ausschließlich Lebensmittel. Teilweise werden auch Dienstleistungen erbracht. „Supermarkt“ soll dem Besucher anzeigen, dass es sich um einen Shop handelt. Teilweise soll es auch suggerieren, dass die Auswahl groß und die Preise günstig sind, was nicht zwingend der Fall sein muss. Beispiele sind Virtueller Supermarkt, Autoteile-Supermarkt, Hotel-Supermarkt, Lastminutesupermarkt, Reisen-Supermarkt, Glutenfrei-Supermarkt, Gotik-Supermarkt, Teppich-Supermarkt.

Vertriebsform[Bearbeiten]

Die meisten Supermärkte sind Teil einer Handelskette mit vielen gleichartigen Verkaufsstellen. Die einzelnen Verkaufsstellen können Eigentum der Handelsgesellschaft oder im Rahmen eines Franchisevertrags durch selbständige Kaufleute geführt werden. Inhaber von Supermärkten können sich zu einer Einkaufsgemeinschaft (Verbundgruppe) zusammenschließen, um gemeinsam Waren verbilligt zu beziehen. Beispiele für eine Einkaufsgemeinschaft sind Rewe oder Edeka. Bestimmte Supermärkte geben ihre Waren nur oder verbilligt an Kunden ab, die durch Leistung einer Geldeinlage Mitglied des Unternehmens (Genosse) geworden sind (Konsumgenossenschaften).

Einteilung nach Verkaufsfläche[Bearbeiten]

Dem Supermarkt verwandte Betriebsformen des Lebensmittelhandels sind, unter Zugrundelegung der Einteilung < 100 m²[1] von ACNielsen

  • SB-Warenhaus: ab 5000 m² aufwärts, im Ausland als Hypermarkt bezeichnet
  • großer Verbrauchermarkt mit 1500 m²–4999 m²
  • kleiner Verbrauchermarkt zwischen 800 m² und 1499 m²
  • sonstige Geschäfte
    • groß: zwischen 200 m² und 399 m²
    • mittel: zwischen 100 m² und 199 m²
    • klein mit Flächen unter 100 Quadratmetern.

Eine typische Größe von Verkaufsflächen für die Versorgung eines Stadtviertels oder Dorfes sind 799 Quadratmeter. Einzelhandelsgeschäfte mit einer Verkaufsfläche über 800 Quadratmetern gelten in der aktuellen Praxis und Rechtsprechung in Deutschland als „großflächig“ und sind nur in den Innenstädten (Kerngebieten) sowie in ausgewiesenen sonstigen Sondergebieten zulässig und angebracht. Diese Regelung führte zur Ausgliederung von Abteilungen (sehr oft: Getränkemarkt) in formal eigene Geschäfte.

Unterscheidung nach Sortiment[Bearbeiten]

Bei Supermärkten unterscheidet man nicht nur zwischen verschiedenen Geschäftsgrößen, sondern auch zwischen verschiedenen Sortimentsumfang. Während große Supermärkte – auch Vollsortimenter genannt – bis zu 40.000 Waren im Sortiment haben können, haben einige Discounter nur um 1000 Erzeugnisse. Dazwischen gibt es je nach Größe der Ladenfläche und Grundidee des Händlers jede mögliche Abstufungen. Auch hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Herstellermarken und Handelsmarken unterscheiden sich Supermärkte in ihrem Angebot. Insbesondere Discounter haben einen hohen Anteil an Handelsmarken im Sortiment aufzuweisen.

Geschichte[Bearbeiten]

Erster Augsburger Supermarkt 1949

Große Handelsketten für Lebensmittel mit zahlreichen Niederlassungen gab es in den USA spätestens seit 1859, zunächst in New York City. Safeway beispielsweise kopierte die ursprüngliche Geschäftsidee der Great Atlantic and Pacific Tea Company (A&P) und stieg 1915 in die Branche ein. Supermärkte im heutigen Sinne gründete ab 1930 die King-Kullen-Kette. Ihr Name sollte an den damaligen Kinohit King Kong erinnern. Sie eröffnete ihren ersten Laden im August 1930 in einer ehemaligen Autowerkstatt in Queens, New York City. Der selbsternannte Preis-Abwracker führte die Selbstbedienung und das in mehreren Abteilungen präsentierte Lebensmittel-Komplettangebot (Fleisch, Backwaren, Obst und Gemüse) ein. Die Waren „hoch stapeln und zum Niedrigpreis verkaufen“ war sein Motto. Der vormalige Marktführer A&P reagierte zögerlich und verlor die Hälfte seines Marktanteils. Bis 1950 hatte sich der ehemalige Quasi-Monopolist jedoch an die neue Entwicklung angepasst und wenigstens ein Drittel des US-Marktes zurückerobert. Eine neue Herausforderung wurden die großen Einkaufszentren 'auf der grünen Wiese', die Shopping Malls.

Die Migros an der Seidengasse in Zürich wurde am 15. März 1948 auf das Selbstbedienungskonzept umgestellt. Es war somit der erste Selbstbedienungsladen der Schweiz. Gottlieb Duttweiler orientierte sich dabei am amerikanischen Vorbild.[2] In den ersten zwei Wochen stieg der Umsatz um 30 %.[3]

In Deutschland wurde 1938 der erste Selbstbedienungsladen als Vorgänger eines Supermarktes von Herbert Eklöh in Osnabrück eingerichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen einige Händler, beispielsweise der Edeka-Verbund um 1954, zur Selbstbedienung über. Am 26. September 1957 eröffnete Eklöh in Köln den ersten, nach amerikanischem Vorbild konzipierten Supermarkt mit einer Größe von 2000 Quadratmetern Verkaufsfläche.[4] Ab 1959 wurden auch Non-Food-Produkte neben den Lebensmitteln angeboten.

Mit dem Selbstbedienungsprinzip, das vor King Kullen schon die Piggly Wiggly-Kette eingeführt haben soll, hielten auch fertig abgepackte Waren sowie vermehrt Markennamen Einzug in die Läden.

Marketing des Handels[Bearbeiten]

„Scheck-In Center“ in Karlsruhe, Deutschlands Supermarkt des Jahres 2003
„Rewe“ in Eberswalde
Separate Alkoholkasse in einem „Lidl“ in Słubice, Polen 2010

Die Grundsätze der Verkaufspsychologie werden besonders in Supermärkten von Handelsketten und folgend von anderen Betreibern umgesetzt. Auffälligste Regelung ist, dass Regale nach einem bestimmten Prinzip gefüllt werden. Oben befinden sich nur schwer erreichbare Artikel (Streckzone), in der Mitte befinden sich Produkte, die aufgrund ihrer Ertragsstärke bestmöglich verkauft werden sollen (Sichtzone) und ganz unten stehen Artikel, die einen schwachen Grenzertrag liefern (Bückzone). Gelegentlich nehmen Hersteller Einfluss auf die Händlerentscheidung, in welchem Bereich ein Artikel zu finden sein soll und sind dann je nach Platzierung bereit unterschiedliche Prämien zu zahlen. Auch feinere Aufteilungen werden verwendet, so nennt die Neue Zürcher Zeitung in einem Fachartikel:[5]

Bezeichnung Höhe
Streckzone über 180 cm
Sichtzone 140–180 cm
Greifzone 60–140 cm
Bückzone unter 60 cm

Die Sicht- und die Greifzone sind den ertragsstärksten Waren vorbehalten. Günstigere Erzeugnisse, Handelsmarken oder Herstellermarken, deren Warenzeichen wenig bekannt ist, sind meistens in der Reck- oder Bückzone eingeordnet, so dass eine ergänzende Ware bei der Entnahme im Blickfeld steht und zusätzliche Kaufanreize ausgelöst werden.[5] Nicht nur die Frage der optimalen Warenplatzierung im Supermarkt (space management) zählt, die Frage des „Wo und Wie“ der Platzierung von Hunderten Artikeln gehören zu den wichtigsten Entscheidungen des Handelsmarketings: „[…] jeder einzelne Artikel muss auch psychotaktisch möglichst optimal platziert werden“.[6]

Mit dem zunehmenden Trend zum Biohandel finden sich auch spezielle Biosupermärkte.

Vergleich zwischen Europa und den Vereinigten Staaten[Bearbeiten]

Selbstbedienungskasse in einer amerikanischen Wal-Mart-Niederlassung. Die Kundin scannt ihre Waren hier selbst ein und bezahlt mit der Kreditkarte.
SB-Kühlregal gefüllt mit Bier in einem US-amerikanischen Supermarkt

Vergleichbar mit den europäischen Konsumgenossenschaften sind die Warehouse Clubs, wie Costco, Sam’s Club und BJ’s Wholesale Club. Das sind Supermärkte mit vergleichsweise preiswertem Warenangebot, in denen nur Mitglieder einkaufen können, wobei die Mitgliedschaft gegen eine Gebühr von jedermann erworben werden kann. Discounter dagegen sind in den USA wenig verbreitet, eine Ausnahme bilden die Niederlassungen des Aldi-Konzerns.

Amerikanische Supermärkte unterscheiden sich von entsprechenden europäischen Märkten insbesondere im Service. So rechnen die Kassierer nicht nur ab, sondern wiegen an der Kasse auch Obst, Gemüse und andere lose Waren ab und verpacken die Ware in Tüten. Manche Supermarktketten (z. B. Tops) bieten ihren Kunden neben herkömmlichen Kassen in einigen Niederlassungen Selbstbedienungskassen, an denen die Kunden ihre Ware selbst einscannen und bargeldlos bezahlen können. In Europa werden entsprechende Versuche beispielsweise bei der Migros gemacht. In vielen Unternehmen stehen Mitarbeiter zur Verfügung, die älteren Menschen oder Personen mit kleinen Kindern beim Verstauen der Waren im Auto helfen. Üblich sind nicht nur Einkaufswagen mit Kleinkindersitz oder Babyschale, sondern auch Wagen mit Sitzplätzen für zwei Kinder sowie Elektroroller für gehbehinderte Kunden. Die Niederlassungen der meisten großen Supermarktketten sind rund um die Uhr an fast 365 Tagen im Jahr geöffnet. Diese Serviceleistungen führen aufgrund höherer Kosten zu einem Preisniveau, das über dem europäischen, insbesondere über dem Preisniveau in Deutschland, liegt.

Weit verbreitet sind in amerikanischen Supermärkten Kundenkarten (shopper’s club card), mit denen Stammkunden auf ausgewählte Waren Preisnachlässe erhalten, es werden häufig auch Kunden-Kreditkarten angeboten.

Kritik[Bearbeiten]

Die wachsende Zahl von Supermärkten wurde für das Verschwinden der kleinen Einzelhändler und für die verstärkte Abhängigkeit der Kunden vom Auto verantwortlich gemacht. Auch wirkt sich der zunehmende Trend, mit dem Auto zum Supermarkt oder Einkaufszentrum zu fahren, nachteilig auf die Ökobilanz. Dieser Effekt ist größer als die langen Transportwege vormals exotischer Waren wie Bananen oder Orangensaft. Weitgehend unbeachtet blieb die Tatsache, dass der Supermarkt die Lebensmittel-Vertriebsform mit dem höchsten Personalkostenanteil darstellt. So liegt der Personalkostenanteil in aller Regel deutlich über 10 % des Brutto-Umsatzes und damit rund doppelt so hoch wie bei einem Lebensmittel-Discounter.

Literatur[Bearbeiten]

  • Angela Uttke: Supermärkte und Lebensmitteldiscounter – Wege der Städtebaulichen Qualifizierung. Dortmund, Rohn Verlag, 2009, ISBN 978-3-939486-33-6.
  • Günter Heinritz, Kurt E. Klein, Monika Popp: Geographische Handelsforschung. Borntraeger, 2003, ISBN 978-3443071370.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Supermarkt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Supermarkt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nielsen, Handel und Verbraucher in Deutschland. Begriffsbestimmungen auf Seite 13 (pdf)
  2. Migros: Der erste Selbstbedienungsladen
  3. Sibylle Brändli: Der Supermarkt im Kopf: Konsumkultur und Wohlstand in der Schweiz nach 1945. Böhlau Verlag, Wien, ISBN 9783205992646, Seite 49.
  4. Peter Fuchs: Chronik zur Geschichte der Stadt Köln, Band 2 1991, S. 295
  5. a b Reto U. Schneider (2006) Preiskampf in der Bückzone; NZZ Folio 11/06 [1]
  6. Hans-Otto Schenk: Psychologie im Handel, 2. Aufl., München/Wien 2007, S. 194.