al-Ichlās

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Die Surat al-Ichlas findet sich typischerweise auf Münzen der Umayyaden, wie auf diesem 740/41 in Derbent geprägten Dirham.
Arabische Kalligraphie der Surat al-Ichlas (Maghreb, 18. Jh.)

Al-Ichlas ([alʔixˈlɒːsˁ]; arabisch ‏الإخلاص‎, DMG al-iḫlāṣ ‚Der Glaube ohne Vorbehalt‘)[1] ist die 112. Sure des Korans und eine seiner kürzesten.

Sie besteht aus vier Versen (ayat) und behandelt das Konzept des Tauhīd (Einheit Gottes). Aufgrund ihres Inhalts heißt diese Sure auch „Tauhīd“ und wegen der dort vorkommenden Bezeichnung Gottes „samad“. Oft dient der erste Vers zur Bezeichnung der gesamten Sure.[2]

Ichlas bedeutet „Ergebenheit, Treue, Aufrichtigkeit, Loyalität“, Das Wort kommt in dieser Sure nicht vor, sondern dient als eine Art Inhaltsangabe. Gemeint ist mit diesem Wort „die religiöse Haltung derer‚ die ihren Glauben ganz auf Gott einstellen‘“.[3] Die Frage, ob al-Ichlas eine mekkanische oder medinensische Sure ist, ist umstritten. In der offiziellen Koranausgabe der Azhar (1924) wird sie als mekkanisch bezeichnet. In den islamischen Koranwissenschaften wird sie aber oft als medinensisch verstanden, weil man den Inhalt als Antwort Mohammeds auf eine Frage der dortigen Juden über das Wesen Gottes verstand.[4]

Die Sure gehört neben der Eröffnungsure al-Fātiha zu den bekanntesten Suren und ist häufig Bestandteil des rituellen Gebetes (salat) im Islam.

Text der Sure[Bearbeiten]

Von Friedrich Rückert (1788–1866) stammt folgende poetische Fassung. Nach der Basmala („Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen!“) folgt:

„Sprich: Gott ist Einer, (1)
ein ewig reiner, (2)
hat nicht gezeugt und ihn gezeugt hat keiner, (3)
und nicht ihm gleich ist einer. (4)“

Die Reimprosa findet sich auch im arabischen Originaltext (vereinfachte Umschrift):

„qul huwa ’llāhu ahad
allāhu ’s-samad
lam yalid wa-lam yūlad
wa-lam yakun lahu kufuwan ahad“

Bedeutung[Bearbeiten]

In Vers 1 wird das monotheistische Prinzip des Islam unterstrichen. Vers 3 wird als Absage an die christlichen Auffassungen über die Gottessohnschaft Jesu Christi aufgefasst. Die Bedeutung des Wortes „samad“, bei dem es sich um ein Hapax legomenon handelt, erläutern die Koranexegeten unterschiedlich und in der Koranforschung ist sie ebenfalls umstritten.[5]

Als es 697 unter dem umayyadischen Kalifen ʿAbd al-Malik zum ersten Mal zu islamischen Münzprägungen kam, trugen diese auf der Rückseite als Aufschrift den Text der Sure. Auch in drei der vier erhaltenen Inschriften des von ʿAbd al-Malik errichteten Felsendoms erscheint die Sure.[6]

Im Volksglauben wird der Sure auch eine Schutzfunktion zugesprochen.[7] In Marokko dient diese Sure als Amulett gegen den bösen Blick, vorausgesetzt, sie ist von einem jungen Mann mit dem Namen Muhammad oder Ahmad aufgeschrieben worden.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Übersetzung: Rudi Paret
  2. Siehe Lamya Kandil: „Die Surennamen in der offiziellen Kairiner Koranausgabe und ihre Varienten“. In: Der Islam 69 (1992) 43ff; und S. 54.
  3. Siehe: Rudi Paret: Der Koran. Kommentar und Konkordanz. S. 530.
  4. Theodor Nöldeke: Geschichte des Qorāns. Bd. 1. S. 107.
  5. Rudi Paret, a. a. O mit weiteren Quellen.
  6. Vgl. Josef van Ess: Theologie und Gesellschaft im 2. und 3. Jahrhundert Hidschra. Eine Geschichte des religiösen Denkens im frühen Islam. Band I. Berlin-New York 1991. S. 10.
  7. Vgl. die literarische Bezugnahme bei N. Maḥfūẓ im Roman Zwischen den Palästen (Kapitel 1): „Über die Welt der Dämonen wusste sie viel mehr als über die Welt der Menschen, und so hatte sie denn auch nie das Gefühl verloren, in diesem großen Haus nicht allein zu leben … Nichts konnte helfen, außer die Fatiha und die Samadija zu sprechen“ (Übersetzung von D. Kilias).
  8. August Fischer: „Vergöttlichung und Tabuisierung der Namen Muhammad's bei den Muslimen“. In: Richard Hartmann und Helmuth Scheel (hrsg.): Beiträge zur Arabistik, Semitistik und Islamwissenschaft. Leipzig 1944. S. 326.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

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