Susan Atkins

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Susan Atkins 2001

Susan Denise Atkins-Whitehouse alias „Sadie Mae Glutz“ (* 7. Mai 1948 in San Gabriel, Kalifornien; † 24. September 2009 in Chowchilla, Kalifornien) war ein Mitglied der Manson Family, die im Sommer 1969 in einem Zeitraum von fünf Wochen neun Morde beging. Atkins wurde wegen der Beteiligung an acht Morden zum Tod durch Gas verurteilt. Nach Abschaffung der Todesstrafe im Bundesstaat Kalifornien im Jahre 1972 wurde die Strafe in "lebenslänglich" umgewandelt. Bewährungs- und Gnadengesuche wurden insgesamt 19 mal abgelehnt.[1]

Leben[Bearbeiten]

Susan Atkins stammt aus einer Familie der unteren amerikanischen Mittelschicht. Ihr Vater war Bauarbeiter; ihre Mutter machte Gelegenheitsjobs, um die Familie mit drei Kindern (sie hatte zwei Brüder) zu ernähren. Beide Elternteile waren Alkoholiker. Atkins' Mutter starb an Krebs, als das Mädchen erst 14 Jahre alt war. Ohne wirkliches Elternhaus oder Bezugspersonen – die Brüder waren mittlerweile beim Militär – begann sie sich im Teenageralter in der Szene von San Francisco herumzutreiben und brach mit 18 ihre Schulausbildung ab. Die junge Frau schloss sich einem entflohenen Sträflingspärchen an. Zusammen begingen sie einige bewaffnete Raubüberfälle entlang der Westküste. Schließlich wurden sie gefasst und Atkins musste für drei Monate ins Gefängnis. Danach verdingte sie sich als Nackttänzerin oder „Oben-ohne“-Bedienung in Bars; nebenbei verkaufte sie Drogen und wirkte in Bühneninszenierungen (Witches Sabbath) des Satanisten Anton Szandor LaVey mit.[2]

Manson Family[Bearbeiten]

In einer Wohngemeinschaft, in der sie mit mehreren gleichaltrigen Frauen zusammenlebte, traf sie bei einer Party auf Charles Manson. Der junge Musiker zog Atkins sofort in seinen Bann. In der Manson-Gruppe nannte sie sich „Sadie Mae Glutz“. Sie folgte ihm und seiner Kommune, die zumeist aus jungen rothaarigen Frauen bestand. Die Gruppe reiste in einem schwarzbemalten Schulbus durch Kalifornien und experimentierte mit LSD und anderen Drogen. Atkins sagte später: „Charles Manson war für mich zu dieser Zeit Jesus und Satan in einer Person“.

Mansons schnell wachsende Gruppe bezeichnete sich als Family („Familie“). Mit einer Gruppe Family-Mitglieder wohnte Atkins eine Zeit lang in Mendocino (Kalifornien). Dort verteilte sie mit anderen Family-Mitgliedern angeblich LSD an Kinder. Als man sie später festnahm und verurteilte, bekamen sie den Spitznamen Witches of Mendocino („Hexen von Mendocino“).

Die Manson-Familie bezog Ende der 1960er Jahre eine Ranch bei San Fernando, Kalifornien. Hier brachte Susan „Sadie“ Atkins einen Sohn zur Welt. Ihren Angaben nach soll Manson aber nicht der Vater gewesen sein. Der Junge bekam den Namen Ze Zo Ze Cee Zadfrack.[3] Der Name wurde später in „Paul“ geändert.

Im Juli 1969 war sie gemeinsam mit Mary Brunner und unter zeitweiliger Mitwirkung von Manson und Bruce Davis an der Ermordung von Gary Hinman durch Bobby Beausoleil beteiligt. In der Nacht vom 8. zum 9. August 1969 brach Susan Atkins zusammen mit den drei weiteren Manson-Anhängern Charles „Tex“ Watson, Patricia Krenwinkel und Linda Kasabian in das Anwesen von Rudi Altobelli am Cielo Drive in Beverly Hills ein. Das Haus war zuvor von Terry Melcher bewohnt worden, inzwischen aber an das junge Ehepaar Sharon Tate / Roman Polański vermietet worden. Die hochschwangere Sharon Tate war mit ihren Freunden Jay Sebring, Abigail Folger und Wojciech Frykowsk zuhause, als die Family-Mitglieder mit Messern und einem Revolver bewaffnet ein Massaker unter den Anwesenden anrichteten. Auch der eher zufällig auf dem Grundstück anwesende Steven Parent wurde ermordet. Der wirkliche Tathergang ist nicht genau rekonstruierbar, zeugt aber von hoher Brutalität. Am nächsten Abend beging die Manson Family noch zwei weitere Morde in der High Society von Los Angeles, an denen Atkins aber nicht beteiligt war.[4]

Susan Atkins wurde im November 1969 eher zufällig, zusammen mit anderen Mitgliedern der Manson Family, wegen Autodiebstahls und Brandstiftung verhaftet und brüstete sich anschließend vor einigen anderen Insassen mit den Morden an Tate und deren Bekannten.

Bei der Gerichtsverhandlung schilderte sie ausführlich, wie sie die um Gnade flehende Sharon Tate gefoltert und mit zahllosen Messerstichen niedergemetzelt habe. Atkins wurde am 29. März 1971 zum Tod in der Gaskammer verurteilt, aber durch eine gerade laufende Gesetzesänderung zu lebenslanger Freiheitsstrafe begnadigt (die Todesstrafe wurde in Kalifornien erst 1978 wieder eingeführt).

Abkehr von der Manson Family[Bearbeiten]

In den ersten Jahren ihrer Inhaftierung zeigte sie sich noch loyal gegenüber Charles Manson und seinen Ideen, distanzierte sich aber später von der Family und wandte sich christlichen Glaubensrichtungen zu. 1980 heiratete sie im Gefängnis den vermeintlichen texanischen Multimillionär Donald Lee Laisure. Es stellte sich allerdings heraus, dass dieser ein Heiratsschwindler war und bereits 35 Ehen hinter sich hatte. Atkins heiratete später den Harvard-Absolventen James Whitehouse, der sich seit 2000 für ihre Begnadigung einsetzte und in ihrem Namen zahlreiche Petitionen einreichte. 2003 bezeichnete sie sich selbst als politische Gefangene und verklagte erfolglos den kalifornischen Gouverneur Gray Davis, weil dieser grundsätzlich fast alle Gnadengesuche von Mördern ablehne.[5] Atkins' Begnadigung wurde im Juni 2005 zum bereits elften Mal verweigert. Die letzte Anhörung fand 2009 statt, und eine Entlassung wurde erneut abgelehnt. Die nächste Anhörung für ein Gnadengesuch war für 2012 vorgesehen, kam jedoch aufgrund des Todes von Atkins nicht mehr zustande.

Susan Atkins war bis zu ihrem Tod in der kalifornischen Frauenvollzugsanstalt Corona (Kalifornien) inhaftiert und war die am längsten einsitzende Gefängnisinsassin der Vereinigten Staaten.[6] Sie starb am Abend des 24. September 2009 im Häftlingskrankenhaus in Chowchilla an Krebs.[7]

In der Kunst[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Artikel über die Anträge auf Gnadengesuche (engl.)
  2. in der New York Times (engl.)
  3. Susan Atkins, Bob Slosser: Child of Satan, child of God. Logos International, 1977, ISBN 0-88270-229-7, S 110
  4. Bugliosi, Vincent; Gentry, Curt (1974). Helter Skelter. Arrow Books Limited. ISBN 0-09-997500-9, S. 473
  5. Susan Atkins aka Sadie Mae Glutz bei: About.com
  6. Elvis des Massenmords – Telepolis-Artikel 6/2007
  7. Elaine Woo: Susan Atkins dies at 61; imprisoned Charles Manson follower (Englisch), Los Angeles Times. 24. September 2009. Abgerufen am 28. September 2009.