Susan Reynolds

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Susan Reynolds (* 1929) ist eine britische Historikerin.

Nach ihrem ersten Abschluss in Oxford war sie als Archivarin für ein Jahr am Middlesex County Record Office tätig und dann am Victoria County History für sieben Jahre (1952–1959). Reynolds hat einen Abschluss in Archivverwaltung, jedoch weder einen Ph.D. noch einen examinierten Abschluss in Geschichte. Nach Unterrichtstätigkeiten u.a. an der Secondary Modern School war sie von 1964 bis 1986 Fellow und Tutor in Geschichte an der Lady Margaret Hall. Seit 1986 ist sie Emeritus Fellow der Lady Margaret Hall. Reynolds ist Honorary Fellow am Institute of Historical Research, am Birkbeck College und University College London. Sie wurde 1993 Fellow der British Academy (FBA). Sie ist außerdem Fellow der Royal Historical Society (FRHistS).

Ihre Forschungsinteressen umfassen die soziale, politische und rechtliche Geschichte des mittelalterlichen Westeuropa. Reynolds legte 1994 mit ihrer Studie zu Lehen und Vasallen in Europa (Fiefs and vassals. The medieval evidence reinterpreted) eine bahnbrechende Untersuchung vor. Reynolds zog mit ihrer Neudeutung teils harsche Kritik auf sich. Dennoch wird seit ihrer Darstellung das von François Louis Ganshof erstmals 1947 zusammengefasste und über Jahrzehnte gängige Handbuchwissen zum Lehnswesen in allen Bereichen kontrovers diskutiert. Reynolds gliederte ihre Studie nach Länderkapitel (Frankreich, England, Italien und Deutschland), die den heutigen Nationalstaaten in Europa entsprechen. Durch diese Vorgehensweise konnte sie auf die jeweiligen nationalen Forschungstraditionen Rücksicht nehmen, jedoch waren Besitz und soziale Bindungen vielmehr auf Regionen strukturiert, die solche Nationalkapitel schwerlich abbilden können.[1] Nach Reynolds entstand das Lehnswesen nicht in der Kriegergesellschaft des Frankenreichs im frühen 8. Jahrhundert, sondern in seiner Frühform in den gelehrten Fachdiskussionen oberitalienischer Juristen des Hochmittelalters[2] und wurde von frühneuzeitlichen Juristen im einzeln ausgearbeitet. Die Konzeption, was moderne Historiker unter dem mittelalterlichen Lehnswesen verstanden, sei somit erst im späteren Mittelalter entstanden und habe mit der mittelalterlichen Sozial- und Verfassungsstruktur nichts gemeinsam. Reynolds wies u.a. auf die Offenheit der Quellenformulierung hin. So sind Wörter wie beneficia und vassus mehrdeutig und dürfen nicht mehr ohne weiteres lehnsrechtlich gedeutet werden.

Schriften[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Pauline Stafford: Law, laity and solidarities. Essays in honour of Susan Reynolds. Manchester 2001, ISBN 0-7190-5835-X.
  • Johannes Fried: review of Reynolds, Fiefs and Vassals In: Bulletin of the German Historical Institute London 19, 1 (1997) S. 28–41 (die Antwort von Susan Reynolds, in: Bulletin of the German Historical Institute London 19, 2 (1997), S. 30–40.)
  • Elisabeth Magnou-Nortier: La féodalité en crise. Propos sur "Fiefs and Vassals" de Susan Reynolds In: Revue historique 296, 1996, S. 253–348.
  • Otto Gerhard Oexle: Die Abschaffung des Feudalismus ist gescheitert. Susan Reynolds' Versuch, das Vasallentum zu leugnen und die Mittelalterforschung umzukrempeln. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Mai 1995, Nr. 116, S. 41.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Steffen Patzold: Das Lehnswesen. München 2012, S. 58f.
  2. Steffen Patzold: Das Lehnswesen. München 2012, S. 56f.