Swetlogorsk

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Swetlogorsk (Begriffsklärung) aufgeführt.
Stadt
Swetlogorsk/Rauschen
Светлогорск
Flagge Wappen
Flagge
Wappen
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Swetlogorsk
Oberhaupt Waleri Anatoljewitsch Tatschkow
Gegründet 1258
Frühere Namen Rauschen (bis 1946)
Stadt seit 1946
Fläche 21 km²
Bevölkerung 10.772 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte 513 Einwohner/km²
Höhe des Zentrums 40 m
Zeitzone UTC+3
Telefonvorwahl (+7) 40153
Postleitzahl 238560–238563
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 420
Website www.svetlogorsk-admin.ru
Geographische Lage
Koordinaten 54° 57′ N, 20° 9′ O54.94583333333320.1540Koordinaten: 54° 56′ 45″ N, 20° 9′ 0″ O
Swetlogorsk (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Swetlogorsk (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad‎
Liste der Städte in Russland
Strand im August 2011.

Swetlogorsk (russisch Светлогорск anhören?/i, wörtlich übersetzbar etwa mit "heller Berg" oder "heller Ort"; alter deutscher Name: Rauschen, polnisch Ruszowice, litauisch Raušiai ) ist ein Badeort an der samländischen Ostseeküste im Rajon Swetlogorsk, Oblast Kaliningrad. Swetlogorsk hat 10.772 Einwohner (Stand 14. Oktober 2010).[1] Bis 1945 gehörte die Stadt zum Deutschen Reich.

Geschichte[Bearbeiten]

Rauschen wurde 1258 als Rusemoter im Urkundenbuch des Bistums Ermland urkundlich erwähnt. (1458 Rawschen, Rawssche; 1624 Rauschen). Der Name ist prußisch und beschreibt die vom Wasser ausgehöhlte Küstenform (ruset: langsam fließen; rausis: ausgewühlte Höhle; moter: sumpfiges Land, Areal, Beritt). Die Siedlung Rusemoter hat vermutlich dort gelegen, wo sich heute das Südufer des Mühlenteiches erstreckt.

Der Mühlenteich selbst wurde erst später unter der Herrschaft des Deutschen Ordens angelegt. Diese stauten den Katzbach, um am Nordostufer des so entstandenen Mühlteiches eine Wassermühle zu betreiben. Diese Mühle war die größte des Samlandes. Von der Mühle ist nichts mehr erhalten, aber es steht noch eine 400-jährige Linde am Ostufer des Sees. An seinem Rand entstand Alt-Rauschen.

Der Aufstieg Rauschens als renommierter Badeort begann mit dem Bau der Samlandbahn. Zunächst entstand 1900 der Bahnhof Rauschen-Ort. Sechs Jahre später wurde auch der direkt am Meer gelegene Ortsteil Rauschen-Düne mit einem eigenen Bahnhof angebunden. Mit einer Seilbahn konnten die Badegäste bereits damals direkt vom Bahnhof bis hinunter an den Strand gelangen. Die heute betriebene Seilbahn stammt nicht mehr aus dieser Zeit.

Die Landgemeinde Rauschen gehörte ab 1874 zum Amtsbezirk Neukuhren. 1901 wurden die Landgemeinden Rauschen, Cobjeiten (Kobjeiten) und Sassau unter Beibehaltung des Namens Rauschen zusammengeschlossen; ab 1910 wurde die Landgemeinde Rauschen in einen eigenständigen Amtsbezirk ausgegliedert.[2]

Bis 1945 war Rauschen ein bekanntes Seebad und Naherholungsgebiet für die Bewohner der Stadt Königsberg (Preußen). Im Krieg wurde Rauschen im Vergleich zu anderen Orten in Ostpreußen nur sehr wenig zerstört, weshalb hier bis heute viel historische Bausubstanz aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert erhalten ist. Nach 1945 wurden die noch nicht geflohenen deutschen Bewohner vertrieben, vor allem Russen und Weißrussen wurden angesiedelt. In der Epoche der Sowjetunion büßte der Ort zunächst seine touristische Bedeutung ein, da das gesamte Kaliningrader Gebiet militärischer Sperrbereich war.

In den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts erlebte der Tourismus in Swetlogorsk einen erneuten Aufschwung, sodass Swetlogorsk innerhalb Russlands zwischenzeitlich sogar den Beinamen "Sotschi des Nordens" erhielt.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1933 2.178
1939 2.544
1959 6.726
1970 7.797
1979 9.982
1989 11.881
2002 10.950
2010 10.772

Anmerkung: Volkszählungsdaten

Kirche[Bearbeiten]

Evangelisch[Bearbeiten]

Die ehemals evangelische Pfarrkirche aus dem Jahre 1907

Kirchengebäude[Bearbeiten]

Die auf einer Anhöhe nahe der Ostsee errichtete Kirche wurde am 7. Juli 1907 als evangelisches Gotteshaus eingeweiht[3][4]. Sie entstand nach Entwürfen der Architekten Otto Walter Kuckuck und Wichmann, des Regierungsbaumeisters Eschner aus Königsberg (Preußen) und des Kunstmalers Hering in Rauschen. Der Bau wurde aus privaten Mitteln errichtet, wobei der Königsberger Kaufmann August Honig den Baugrund stiftete.

Bei der Kirche handelt es sich um einen breiten, kurzen, in einem flach geschlossenen Chor auslaufenden Bau, der in gotischen Formen gehalten ist. Den Turm errichtete man an der Nordwestecke des Gebäudes, im Norden befinden sich eine vorgebaute Eingangshalle sowie ein Treppenturm.

Zur Innenausstattung gehört der Altaraufsatz mit einer Darstellung der Kreuzigung Jesu, die aus dem Jahre 1907 stammt. Die Kanzel wurde in gotischem Stil geschnitzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gotteshaus zweckentfremdend zur Turnhalle umfunktioniert. Seit 1992 nutzt die Russisch-orthodoxe Kirche das Gebäude.

Kirchengemeinde[Bearbeiten]

Bis zum Jahre 1929 war Rauschen in das Kirchspiel der Pfarrkirche in Sankt Lorenz (heute russisch: Salskoje) eingegliedert. Der zunehmende Tourismus in der Ostseestadt ließ die Initiative zum Bau einer eigenen Kirche in Rauschen entstehen, der dann – freilich erst zwanzig Jahre später – die Eigenständigkeit der Gemeinde mit einer gesonderten Pfarrstelle – ab 1927 war ein Hilfsprediger eingesetzt – folgte. Die Kirchengemeinde Rauschen gehörte zum Kirchenkreis Fischhausen (russisch: Primorsk) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung sowie die staatlichen Restriktionen haben nach 1945 kirchliches Leben unmöglich gemacht. Erst in den 1990er Jahren entstanden in den Nachbarstädten Kaliningrad (Königsberg) und Selenogradsk (Cranz) wieder evangelische Gemeinden, zu deren Einzugsbereich Swetlogorsk gehört. Sie sind der Propstei Kaliningrad[5] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland zugeordnet.

Pfarrer[Bearbeiten]

Als evangelischer Pfarrer[6] amtierte in Rauschen vor 1945 nach der Selbständigwerdung der Kirchengemeinde Werner Matz von 1931 bis 1945 (er war bereits ab 1927 als Hilfsprediger eingesetzt), im Jahre 1935 unterstützt von Herbert Steinbach.

Kirchenbücher[Bearbeiten]

Die russisch-orthodoxe Kirche des Gedenkens aus dem Jahre 1994

Die Kirchenbuchunterlagen der Pfarrei Rauschen haben den Krieg überdauert und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt[7]:

  • Taufen von 1928 bis 1944 (mit Namensregister)
  • Trauungen von 1929 bis 1944 (mit Namensregister)
  • Beerdigungen von 1929 bis 1944 (mit Namensregister)
  • Konfirmationen von 1941 bis 1944.

Außerdem ist eine Gefallenenliste 1941 bis 1942 erhalten.

Russisch-orthodox[Bearbeiten]

Seit 1992 nutzt die Russisch-orthodoxe Kirche das vor 1945 evangelische Gotteshaus. Seit dem gleichen Jahr ist Swetlogorsk Dienstsitz eines Archidiakons. Die Stadt gehört zur Diözese Kaliningrad und Baltijsk (bis 2009: Diözese von Smolensk und Kaliningrad). Im Jahre 1994 wurde ein zweites orthodoxes Gotteshaus errichtet. Es handelt sich um eine Gedenkkirche zur Erinnerung an das Unglück des Jahres 1972, als ein sowjetisches Militärflugzeug auf ein Kinderheim stürzte und 22 Kinder in den Tod riss.

Verkehr[Bearbeiten]

Seilbahn zwischen Bahnhof und Strand
Rauschen um 1900
Strand von Swetlogorsk

Swetlogorsk ist über die Samlandbahn mit Kaliningrad verbunden. Es gibt zwei Bahnhöfe: Swetlogorsk I (früher: Rauschen-Ort) ist der Hauptbahnhof für die Ortschaft und war früher Durchgangsbahnhof für Züge nach Jantarny im Westen. Swetlogorsk II (früher: Rauschen-Düne) ist ein Kopfbahnhof speziell für die Badegäste mit unmittelbarem Zugang zum Strand. Die Strecke ist voll elektrifiziert und wird in der Verbindung Kaliningrad - Swetlogorsk mit Wendezügen betrieben. Die Fahrzeit nach Kaliningrad beträgt bei direkter Verbindung 60 Minuten, bei Verbindungen über Selenogradsk etwa 80 Minuten. Über Aralskoje (Alexwangen) besteht seit 2011 Anschluss an den Primorskoje Kolzo (Küstenautobahnring), der für eine schnellere Anbindung an den Flughafen Kaliningrad sowie in die Oblasthauptstadt sorgt. Der dicht am Meer gelegene Ortsteil ist weitgehend verkehrsberuhigt.

Seit 1910 gibt es eine gemeindeeigene Drahtseilbahn von dem hochgelegenen Ort hinunter zum Strand. Die alte existiert heute nicht mehr. An ihrer Stelle steht heute ein klobiger Fahrstuhlturm, der den Kurgästen des Militärsanatoriums zur Verfügung steht, aber gegen ein Trinkgeld auch von Touristen genutzt werden kann. Vom Fahrstuhleinstieg hat man einen herrlichen Blick auf die Küste von Swetlogorsk. Wenige Meter westlich vom Fahrstuhl wurde in sowjetischer Zeit eine weitere Drahtseilbahn gebaut. Der mittlerweile extrem baufällige Fahrstuhlturm und die ebenso marode Drahtseilbahn sind seit einigen Jahren außer Betrieb (Stand 2012).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

In Swetlogorsk ist umfangreiche Bausubstanz aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert erhalten, insbesondere im Stil ostseetypischer Seebäderarchitektur, die neben neuerbauten Ferienvillen und Hotels das Ortsbild prägt. Wahrzeichen der Stadt ist ein Wasserturm aus deutscher Zeit, der heute gemeinsam mit dem Nachbargebäude ein Warmbad beherbergt. Der Wasserturm ist mit der markanten Sonnenuhr des Swetlogorsker Künstlers Nikolai Frolow geschmückt. Das Warmbad mit dem charakteristischen Turm wurde 1967 auf einer 16-Kopeken-Briefmarke abgebildet. Spätestens seit diesem Jahr gilt Swetlogorsk als "Sotschi des Nordens" und ist in Russland als Badeort beliebt.

Hauptattraktion ist und bleibt der Ostsee-Sandstrand, der seit dem 19. Jahrhundert bis heute Ströme von Touristen und Kurgästen in den Ort lockt. Täglich besuchen mehrere zehntausend Besucher den Strand von Swetlogorsk. Rund 70.000 Kurgäste besuchen jährlich eines der Kurbetriebe des Ortes. Zu den größten Kurhäusern zählen Jantarny Bereg, das Militärsanatorium (ehem. Kurhaus) und das "Swetlogorsk" (ehem. Hotel Hartmann).

In Swetlogorsk gibt es ein Kunstmuseum mit Skulpturen des deutschen Bildhauers Hermann Brachert, von dem mehrere Großplastiken auch im Ort unter freiem Himmel zu sehen sind. Die 1907 gebaute Kirche wird heute als Museum genutzt.

Zurzeit (Stand: Januar 2014) wird in Swetlogorsk ein neues Theater gebaut.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Roland Mischke: Königsberg Ostpreußen. 3. Aufl. Mairs geogr. Verlag, Ostfildern 2001, S. 76–78. ISBN 3-89525-929-2
  • R. Brückmann: Samland. Ein Führer für Wanderer. Hartung, Königsberg 1926, Rautenberg, Leer 1989, S. 54–70 (Reprint). ISBN 3-7921-0385-0

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Amtsbezirk Neukuhren auf territorial.de
  3. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band II: Bilder ostpreußischer Kirchen, Göttingen, 1968, Seite 36
  4. Ortsbild Rauschen und die umgebende Landschaft bei ostpreussen.net
  5. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad
  6. Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 119
  7. Christa Stache, Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, Berlin, 1992³, Seite 100

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Swetlogorsk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien