Syberia

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Syberia ist eine Grafik-Adventure-Reihe des belgischen Autors und Comiczeichners Benoît Sokal. Die Handlung um eine junge Anwältin scheint in unserer Gegenwart zu spielen, ist aber stark durch Steampunk-Elemente und eine rein fiktionale Hauptgeschichte geprägt.

Syberia[Bearbeiten]

Der erste Teil der Reihe wurde bis 2002 von Benoît Sokal im Entwicklungsstudio des französischen Unternehmens Microïds in Montreal, Kanada entwickelt.

Kate Walker.

Handlung[Bearbeiten]

Syberia erzählt die Geschichte der jungen New Yorker Anwältin Kate Walker, die von ihrem Arbeitgeber in das verträumte Alpendorf Valadilène entsandt wird, um den Verkauf einer Spielzeugautomatenfabrik zu regeln. Der Handel kommt aber nicht wie geplant zustande, da die Besitzerin der Fabrik, Anna Voralberg, kurz vor dem Eintreffen von Kate Walker verstirbt. Aus dem Testament geht überraschend hervor, dass es einen Erben gibt. Annas Bruder Hans, dessen Unfalltod vor 50 Jahren offenbar vorgetäuscht war.

Hans erwies sich sehr früh als begabter Konstrukteur. Eine Fähigkeit, die auch durch einen schweren Unfall in seiner Kindheit nicht beeinträchtigt wurde. Nachdem er als kleiner Junge mit seiner Schwester eine Höhle erforscht und darin die uralte Puppe eines Mammuts entdeckt hatte, war er bei dem Versuch schwer verunglückt, die Puppe zu bergen. Als Folge des Unfalls blieb er körperlich geschwächt und geistig auf dem Entwicklungsstand eines Kindes stehen. Ihr strenger Vater, ein Spielzeugfabrikant, kam nur schwer damit zurecht, dass sein Sohn nun ein „Trottel“ war. Nur in die Fabrik durfte er ihn begleiten, wo sich Hans bald als Genie in der Entwicklung aufziehbarer Automaten entpuppte. Als Hans das Elternhaus und die Fabrik verlässt, um seinem großen Traum zu folgen, der ihn seit dem Unfall nicht mehr losgelassen hat, inszeniert sein Vater ein Begräbnis.

Um den Kauf der Fabrik noch abschließen zu können, muss sich Kate Walker auf die Suche nach Annas Bruder machen, der vor mittlerweile 50 Jahren in Richtung Osten verschwunden ist. Kate erfährt, dass er seither nach einer Insel namens Syberia sucht, auf welcher er eine Herde noch heute lebender Mammuts vermutet. Seiner Schwester hatte er über die Jahre mehrmals Nachricht von seinem Verbleib und zuletzt Konstruktionspläne für einen Zug mit automatischem Zugführer zukommen lassen.

Mit dem von Hans entworfenen Zug und dem Automaten Oscar begibt sich Kate auf seine Spuren. Zuerst erreicht sie die Universitätsstadt Barrockstadt, dann das längst verlassene Komkolzgrad und zuletzt das heruntergekommene Seebad Aralbad. In Aralbad schließlich findet sie Hans, der den Verkaufsvertrag unterzeichnet und dann im Zug mit Oscar weiter in Richtung Syberia reisen will. In letzter Sekunde entscheidet sich Kate, ihn zu begleiten und nicht nach New York zurückzureisen. Sie springt auf den abfahrenden Zug auf.

Entwicklung[Bearbeiten]

Das Spiel wurde mit einem Budget von zwei Millionen US-Dollar und 35 Teammitgliedern vollständig in Montreal entwickelt. Technische Basis war das Virtools Development Environment in Version 2.1. In einem Interview deutete Benoît Sokal an, dass ursprünglich nur ein Spieletitel für das ganze Syberia-Thema geplant war. Die Aufteilung erfolgte, weil sich die Geschichte für ein einzelnes Adventure als zu groß erwies.

Rezeption[Bearbeiten]

„… Eine Welt zwischen Realität und Fiktion muss gekonnt in Szene gesetzt werden. ´Syberia´ schafft diese Verschmelzung beider Gegensätze mit einer erschreckenden Leichtigkeit, dass man oft vergisst, das gewisse Dinge nicht wirklich existieren. Sprechende menschenähnliche Roboter scheinen leicht als Fiktion abgetan zu sein, aber auch Tiere und dergleichen wurden erfunden und man merkt es oft nicht einmal. Die Grafik an sich strotzt mit 800x600 Bildpunkten, für Adventure eher unüblich, aber sehr detailreich. Die in 32-Bit getauchte Farbwelt tut da ihr übriges zur gelungenen Präsentation. Grafisch ist hier alles gekonnt in Szene gesetzt. Die vorgerenderten Hintergründe sehen wirklich toll aus, sind sehr detailverliebt, wirken aber oft starr und leblos.“

adventuresunlimited.de[2]

„… Zusammen mit den meist langweiligen Dialogen und den stark eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten leidet die Atmosphäre trotz kafkaesker Storyelemente und ordentlicher Synchro empfindlich und auch die im Mittelpunkt stehenden Rätsel sind in der Regel entweder banal oder an den Haaren herbeigezogenen. … Syberia wirkt einfach in jeder Hinsicht leb- und lieblos.“

4Players.de[3]

„Langweiliges Adventure mit schöner Grafik.“

gamestar.de[4]

Bei Metacritic ist das Spiel mit einer im Vergleich sehr guten Wertung von 84 % gelistet.

Syberia II[Bearbeiten]

Syberia II ist der Nachfolger von Syberia, welches 2004 von Microïds veröffentlicht wurde.[5] Benoît Sokal war wieder der Hauptentwickler. Die Musik stammt vom Komponisten Inon Zur.

Oscar.

Handlung[Bearbeiten]

Nachdem sich Kate entschieden hat, Hans Voralberg auf seiner Suche nach Syberia zu begleiten, fährt der Zug in den Bahnhof des kleinen verschlafenen Romansburg ein. Ein Dorf in der Tundra, am äußersten Rand der Zivilisation. Automat Oscar gibt zu bedenken, dass ein mechanischer Zug keine Wärme erzeugt und sie vor der Weiterfahrt nach Norden einen Vorrat an Kohle zum Heizen mitnehmen sollten. Bis Kate jedoch die Kohle organisiert hat, erkrankt Hans schwer. Weil es im Dorf keinen Arzt gibt, wendet sie sich an den Abt des auf einem Berg dahinter gelegenen Klosters. Dieser steht im Ruf, über besondere Heilkräfte zu verfügen. Über Umwege lernt Kate dort weitere Details über das alte Volk der Youkol und deren sagenumwobene Verbindung zu den Mammuts, von denen sie schon in Barockstadt gehört hat.

In der Zwischenzeit setzt ihr Chef, der sie bereits seit Wochen in New York zurück erwartet und der auch von ihrer Familie zum Handeln gedrängt wird, einen Agenten ein, der nach ihr suchen soll. Bevor dieser jedoch in Romansburg eintrifft, wird der Zug mit dem wieder genesenen Hans an Bord entführt. Kate gelingt es, den Zug einzuholen, als sich die Entführer in die Zugsteuerung einmischen und der Zug deshalb liegen bleibt. Es gelingt schließlich, mit dem Zug eine Siedlung der Youkol zu erreichen und sowohl den Agenten, als auch die Entführer loszuwerden. Am Ende ihrer Reise finden Hans und Kate das sagenumwobene Syberia und entdecken dort tatsächlich noch eine Herde lebender Mammuts. Hans geht mit den Mammuts mit und das Spiel endet in einem Happy End.

Entwicklung[Bearbeiten]

Das Spiel wurde in 13 Monaten, erneut auf Basis des Virtools Development Environment entwickelt. Die Entwicklungsumgebung hatte inzwischen jedoch Versionsnummer 3.0 erreicht.

Rezeption[Bearbeiten]

Wie schon der erste Teil, erhielt auch Syberia II dafür Kritik, dass es zu wenig Handlungsmöglichkeiten gibt und die Rätsel über einfaches Ausprobieren zu lösen sind. Eine teilweise sehr schlechte Erkennbarkeit der manipulierbaren Objekte macht dem Spieler das Leben aber unnötig schwer.[6]

Auf Adventurespiele spezialisierte Seiten wie Just Adventure oder Adventure Gamers lobten das Spiel für seine schöne, künstlerische Grafik und die sehr gut zur melancholischen Stimmung der Geschichte passende musikalische Untermalung. Bei Metacritic ist das Spiel mit 80 % auch nur geringfügig schlechter bewertet als der erste Teil.

Fortsetzung[Bearbeiten]

Im April 2009 gab Microïds bekannt, dass es einen dritten Teil geben solle, obwohl Autor Benoît Sokal es 2005 noch dementiert hatte. 2010 wurde Microïds durch Anuman Interactive übernommen, eine weitere Veröffentlichung blieb bislang aus. Im Jahr 2015 wurde die Entwicklungsarbeit wieder aufgenommen. Auf der Messe Gamescom in Köln gab Sokal eine erneute Zusammenarbeit mit dem Komponisten Inon Zur für den Soundtrack zu einem dritten Teil der Serie bekannt.

Verschiedenes[Bearbeiten]

Im März 2009 erschien die Sammlung Adventure Collection 1: Best of Benoit Sokal für den PC, welches die Spiele Syberia und Syberia II sowie Paradise in einer Box beinhaltete.

2014 wurde Syberia für Android veröffentlicht. Die Entwickler implementierten für diese Version eine Autosave-Funktion, welche den Spielstand an bestimmten Stellen im Spiel speichert.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Syberia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Syberia: Downloads. Microids. Abgerufen am 22. Mai 2011.
  2. Syberia. In: adventuresunlimited.de. Abgerufen am 17. April 2011.
  3. Jens Bischoff: Syberia: Test, Fazit und Wertung (PlayStation2). In: 4Players.de. 4Players, 13. Juni 2003, abgerufen am 17. April 2011.
  4. Syberia (PC) - Wertung, Fazit. In: GameStar.de. GameStar, abgerufen am 29. Juli 2012.
  5. Syberia II. Abgerufen am 17. Juni 2013 (englisch).
  6. Syberia 2 - PC. Röntgenblick benötigt. In: Gamestar. 25. Mai 2004, abgerufen am 5. Juli 2015.