Sybille Bedford

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Sybille Bedford OBE (* 16. März 1911 in Charlottenburg; † 17. Februar 2006 in London), geborene Freiin Sybille Aleid Elsa von Schoenebeck, war eine deutsch-britische Journalistin und Schriftstellerin.

Leben[Bearbeiten]

Sybille Bedford wuchs in Deutschland, England, Italien und Frankreich auf. Ihr Vater war der Oberstleutnant a. D. und Kunstsammler Baron Maximilian von Schoenebeck (1863–1925). Bei ihm auf Schloss Feldkirch lebte Sybille nach der Trennung der Eltern 1918 in ziemlicher Armut inmitten der Kunstsammlung ihres Vaters. 1921 zog sie auf Verlangen ihrer Mutter Elisabeth Bernhardt (1883–1937) – einer Tochter reicher Hamburger Kaufleute – nach Sanary-sur-Mer an die Côte d’Azur, damals ein kleiner Fischerort. Die Mutter heiratete in zweiter Ehe einen italienischen Architekturstudenten. Dort beginnt Bedfords lebenslange Freundschaft zu Aldous Huxley und seiner zweiten Frau, Maria, eine Erfahrung, die sie vierzig Jahre später mit einer gefeierten zweibändigen Biographie Huxleys krönt und in Ein Liebling der Götter literarisch verarbeitet hat. 1925 stirbt ihr Vater in einem Freiburger Krankenhaus an einer Blinddarmentzündung, seine Kunstsammlung wird 1927 in Freiburg versteigert.[1]

Ihre Romane und Reiseerzählungen spiegeln die reichhaltige und abwechslungsreiche Lebensgeschichte ihrer Autorin wider. Darüber hinaus arbeitete Sybille Bedford auch als Gerichtsreporterin für Zeitschriften wie Esquire und Life. Sie lebte bis zu ihrem Tode in London. Zuletzt erschien unter dem Titel Quicksands ihre Autobiographie. Sie war befreundet mit Klaus und Erika Mann und Aldous Huxley, der 1935 ihre Scheinehe mit einem englischen Homosexuellen, Walter („Terry“) Bedford, arrangierte, durch die Sybille die britische Staatsbürgerschaft erlangte. Sie verließ Frankreich noch vor der deutschen Invasion 1940 in Richtung Kalifornien/USA, ebenfalls mit Unterstützung der Huxleys, und verbrachte dort die Zeit bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Anschließend reiste sie durch Mexiko, eine Zeit, die sie in A Visit to Don Ottavio (deutsch Zu Besuch bei Don Ottavio) beschrieben hat.

Werke[Bearbeiten]

  • Zu Aldous Huxley's neuem Buch. In: Die Sammlung. Literarische Monatszeitschrift unter d. Patronat von André Gide, Aldous Huxley, Heinrich Mann. Klaus Mann (Hrsg.). 1. Jahrgang 1934, Heft IX, S. 482-488. Amsterdam, Querido 1934. Nachdr. d. Ausg. Amsterdam, München, 1986. ISBN 3-8077-0222-9
  • The Sudden View: A Mexican Journey, auch veröffentlicht als A Visit to Don Octavio. A Traveller’s Tale From Mexico, 1953
  • A legacy. A Novel, 1956
  • The Best We Can Do: The Trial of Dr Adams, 1958
  • The Faces of Justice: A Traveller's report, 1961
  • A Favourite of the Gods, 1963
  • A Compass Error, 1968
  • Aldous Huxley. A Biography, 1973
  • Jigsaw. An Unsentimental Education, 1989
  • As It Was: Pleasures, Landscapes and Justice, 1990 (Neuveröffentlichung als Pleasures and Landscapes: A Traveller's Tales from Europe)
  • Quicksands. A Memoir, 2005

Werke in deutscher Übersetzung[Bearbeiten]

  • Der Fall John Bodkin Adams. Ein Bericht, 1960
  • Fünf Gesichter der Gerechtigkeit. Justiz in England, Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, 1964
  • Das Legat, 1964 und 1988
  • Zu Besuch bei Don Otavio. Eine mexikanische Reise, 1967
  • Kursabweichung, 1969
  • Ein Liebling der Götter, 1965 und 1968
  • Zeitschatten. Ein biographischer Roman, 1992 ISBN 3-8052-0503-1
  • Ein Vermächtnis, 2003 ISBN 3-8218-4519-8 (Neuübersetzung von Das Legat, 1993 als Das Vermächtnis)
  • Ein Liebling der Götter, 2005 ISBN 3-86555-021-5 (Neuübersetzung)
  • Treibsand. Erinnerungen einer Europäerin, 2006 ISBN 3-86555-030-4
  • Ein trügerischer Sommer, 2006 ISBN 3-86555-028-2 (Neuübersetzung von Kursabweichung)
  • Zu Besuch bei Don Otavio. Eine mexikanische Reise, 2007 ISBN 978-3-86555-038-5 (Neuübersetzung)
  • Am liebsten nach Süden. Unterwegs in Europa, 2008 ISBN 978-3-86555-050-7
  • La vie de château. Eine Weinprobe in Bordeaux, 2008 ISBN 978-3-86555-056-9 (Kapitel aus Am liebsten nach Süden)
  • Rückkehr nach Sanary. Roman einer Jugend, 2009 ISBN 978-3-86555-062-0 (Neuübersetzung von Zeitschatten)
  • Jagd auf einen Lebemann. Der Prozess Dr. Ward. Eine Gerichtsreportage, 2011 ISBN 978-3-8296-0543-4 (aus dem Nachlass)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1964 Fellow of the Royal Society of Literature (FSRL)
  • 1981 Officer (OBE) des Order of the British Empire
  • 1989 Nominierung für den Booker Prize für Literatur (Jigsaw / Das Vermächtnis)
  • 1994 Companion of Literature der Royal Society of Literature

Bibliographie[Bearbeiten]

  • Martin Mauthner: German Writers in French Exile, 1933–1940, Vallentine Mitchell, London, 2007, (ISBN : 978 0 85303 540 4).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sammlung des verstorbenen Baron Maximilian von Schoenebeck. Auktion in Freiburg im Breisgau am 18., 19. und 20. Oktober 1927. Altkunst G.m.b.H. Freiburg, Poppen & Ortmann, 1927