Sylvin

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Sylvin
Sylvite-4jg44a.jpg
Farbloser Sylvin aus der Staßfurt-Kalilagerstätte, Sachsen-Anhalt (Größe: 2.9 x 2.2 x .8 cm)
Chemische Formel

KCl

Mineralklasse Halogenide - Einfache Halogenide
3.AA.20 (8. Auflage: III/A.02) nach Strunz
09.01.01.02 nach Dana
Kristallsystem kubisch
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin kubisch-hexakisoktaedrisch; 4/m 3 2/m[1]
Farbe Farblos bis Weiß, Hellgrau, Hellblau, Gelblich, Rötlich, Violett
Strichfarbe Weiß
Mohshärte 2[2]
Dichte (g/cm3) gemessen: 1,993(5) ; berechnet: 1,987[2]
Glanz Glasglanz
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Spaltbarkeit vollkommen nach {001}[2]
Bruch uneben
Habitus kubische, kubisch kombinierte und faserige Kristalle
Häufige Kristallflächen {100}, gelegentlich auch Kombinationen mit {111}[3]
Zwillingsbildung nach {111}
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten wasserlöslich
Radioaktivität schwach radioaktiv
Besondere Kennzeichen bitterer Nachgeschmack

Sylvin ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Halogenide“. Es kristallisiert im kubischen Kristallsystem mit der Zusammensetzung KCl, ist also chemisch gesehen Kaliumchlorid.

Sylvin entwickelt meist würfelförmige oder oktaedrische Kristalle und Kombinationen. In reiner Form ist er farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er jedoch auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine hellgraue, hellblaue, gelbliche bis rötliche oder violette Farbe annehmen.

Sylvin ist ein Gestein bildendes Mineral, das zusammen mit Halit und Beimengungen anderer Salzminerale als Sylvinit bekannt ist.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Durch geringe Gehalte des radioaktiven Isotops 40K ist Sylvin als schwach radioaktiv eingestuft und weist eine spezifische Aktivität von etwa 16  Bq/g auf.[1]

Sylvin ist wasserlöslich und schmeckt salzig mit einem bitteren Nachgeschmack.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Seinen bis heute gültigen Namen Sylvin erhielt das Mineral 1832 durch François Sulpice Beudant, der es nach dem niederländischen Physiker und Chemiker Franciscus Sylvius (eigentlich Franz de le Boë bzw. Franciscus de le Boë Sylvius, 1614-1672) benannte, wobei er sich eigentlich auf das in der Medizin bereits bekannte und genutzte KCl-Präparat Sel digestis de Sylvius (deutsch Digestivsalz des Sylvius[4]) bezieht. In seinen Aufzeichnungen hält Beudant zudem weitere bis dahin bekannte Synonyme für Sylvin fest: Muriate de Potasse, Chlorure de potassium, Salzsaures Kali, Sél fébrifuge und Sel marin régénéré.[5]

Als Typlokalität gilt der Vesuv in Italien.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Sylvin zur Mineralklasse der „Halogenide“ und dort zur Abteilung der „Einfachen Halogenide“, wo er zusammen mit Bromargyrit, Carobbiit, Chlorargyrit, Griceit,Halit und Villiaumit die unbenannte Gruppe III/A.02 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Sylvin in die Klasse der „Halogenide“ und dort in die Abteilung der „Einfachen Halogenide ohne H2O“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach dem Stoffmengenverhältnis von Metall zum jeweiligen Halogen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M : X = 1 : 1 und 2 : 3“ zu finden ist, wo es zusammen mit Carobbiit, Griceit, Halit und Villiaumit die „Halitgruppe“ mit der System-Nr. 3.AA.20 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Sylvin in die Klasse der „Halogenide“ und dort in die gleichnamige Abteilung ein. Hier ist er zusammen mit Halit, Villiaumit, Carobbiit und Griceit in der „Halitgruppe“ mit der System-Nr. 09.01.01 innerhalb der Unterabteilung der „Wasserfreien und wasserhaltigen Halogenide mit der Formel AX“ zu finden.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Sylvin, gefunden in Sondershausen

Kalisalze entstehen durch Kristallisation der im Meerwasser gelösten Stoffe erst, nachdem das Löslichkeitsprodukt von Calciumcarbonat, Gips und Natriumchlorid bereits überschritten wurde. Da Kalium- und Magnesiumchloride und -sulfate sehr leicht wasserlöslich sind, muss Meerwasser fast vollkommen verdunsten, bevor Kalisalze kristallisieren. Dies erklärt die Seltenheit von Kalisalzlagerstätten im Vergleich zu Steinsalzlagerstätten. Sylvin und Sylvinite (Gestein aus Halit, Sylvin und teilweise anderen Salzmineralien) scheinen eher durch Umkristallisation aus Carnallititen durch gesättigte Natriumchlorid-Lösungen zu entstehen, deren Folgeprodukte Sylvin(it) und eine an Magnesiumsionen angereicherte Natriumchloridlauge sind. Diese Umwandlung findet auch heute noch (meist ungewollt) in Kalisalzlagerstätten statt und führt zur Beeinträchtigung der bei der Gewinnung stehen gebliebenen Restpfeiler von carnallitischen Kalisalzlagerstätten. Sylvinitbereiche finden sich als besonders wertvolle Randfazies der viel häufigeren carnallititischen Kalisalze. Begleitminerale sind Halit, Carnallit und andere.

Als eher seltene Mineralbildung kann Sylvin also an verschiedenen Fundorten zum Teil reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Als bekannt gelten bisher (Stand: 2012) rund 200 Fundorte.[6]

Fundorte waren früher unter anderem Staßfurt und Wathlingen, heute z. B. Neuhof-Ellers, Sondershausen, Zielitz und andere Kalisalzlagerstätten in Deutschland, Beresniki und Solikamsk in der Region Perm in Russland, Kalusch in der Ukraine, in Saskatchewan in Kanada sowie Saltonsee in den USA, sowie grundsätzlich in allen Kalisalzlagerstätten, die Sylvinit abbauen.[7]


Kristallstruktur[Bearbeiten]

Sylvin kristallisiert isotyp mit Halit im kubischen Kristallsystem in der Raumgruppe Fm3m (Raumgruppen-Nr. 225) mit dem Gitterparameter a = 6,29 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[8]

Verwendung[Bearbeiten]

Sylvin dient als Rohstoff für die Chemische Industrie, speziell für Düngemittel. Bestimmte Kulturen (Obst) vertragen wenig Chlorid, für solche Düngemittel werden daher Kaliumsulfate bevorzugt (z. B. aus Polyhalit).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 72 (Dörfler Natur).
  •  Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7. vollständige überarbeitete und aktualisierte Auflage. Springer Verlag, Berlin u. a. 2005, ISBN 3-540-23812-3, S. 46, 277, 307.
  • Walther E. Petrascheck & Walter Pohl. Lagerstättenlehre. E.Schweizerbarth'sche Verlagsbuchhandlung Stuttgart, 3. Aufl. (1982), ISBN 3-510-65105-7
  • Otto F Geyer, Manfred P Gwinner. Geologie von Baden-Württemberg. E.Schweizerbarth'sche Verlagsbuchhandlung Stuttgart, 3. Aufl. (1986) ISBN 3-510-65126-X
  • Ludwig Baumann, Igor Nikolskij, Manfred Wolf. Einführung in die Geologie und Erkundung von Lagerstätten. VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie Leipzig, 2. Aufl. 1979

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sylvite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Webmineral - Sylvite
  2. a b c John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols: Sylvite, in: Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 60,2 kB)
  3.  Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 317-318.
  4.  Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 329.
  5. F. S. Beudant: Sylvine, muriate de potasse, in: Traité Élémentaire de Minéralogie, Band 2, Paris 1832, S. 511-511 (PDF 53,2 kB)
  6. Mindat - Anzahl der Fundorte für Sylvin
  7. Mindat - Sylvite
  8.  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 150.