Sympathy for the Devil

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Sympathy for the Devil (engl. für ‚Mitgefühl für den Teufel‘) ist ein Lied der englischen Rock-Band The Rolling Stones. Es wurde erstmals auf dem im Jahr 1968 erschienenen Studioalbum Beggars Banquet veröffentlicht, auf dessen Titelliste es an erster Stelle steht. Andre Hagedorn listet das Lied in seinem Buch It’s only Rock ‘N’ Roll – The Rolling Stones von 1990 als 123. veröffentlichte Aufnahme und insgesamt als 119. veröffentlichtes Studiolied der Band auf.

Das Stück gilt als eine der größten Leistungen der Band und wurde vom Rolling Stone 2004 auf Platz 32 der 500 besten Songs aller Zeiten und 2013 auf Platz 3 der 100 größten Rolling-Stones-Songs vom selben Magazin geführt[1].

Entstehung[Bearbeiten]

Sympathy for the Devil entstand während über mehrere Tage verteilten Tonstudio-Aufnahmeterminen der Rolling Stones im Juni 1968 in den Olympic Studios in London. Die Band kam ohne Vorbereitung ins Studio und entwickelte das Musikstück improvisatorisch im Laufe der Sessions.[2] Die Arbeit am Stück begann mit einem Liedtext von Sänger Mick Jagger unter dem Arbeitstitel The Devil Is My Name. Jagger hatte diesen Text unter dem Eindruck des Romans Der Meister und Margarita des russischen Schriftstellers Michail Bulgakow verfasst; ein Buch, das er von seiner Partnerin Marianne Faithfull erhalten hatte. In Bulgakows Roman stattet der Teufel dem Moskau der 1930er-Jahre einen Besuch ab, in dessen Verlauf er zwei Menschen tötet oder in den Wahnsinn treibt.[3] Ein weiterer Teil des Buches befasst sich mit der Rolle von Pontius Pilatus während der letzten Tage Jesu von Nazaret.

Während der Studioaufnahmen der Rolling Stones und der Dreharbeiten Jean-Luc Godards kam es zu einem Brand in den Olympic Studios, ausgelöst durch heiße Filmscheinwerfer. Alle Anwesenden konnten aus dem brennenden Studio fliehen, bei den Löscharbeiten der Feuerwehr wurden jedoch die Studiogeräte und die Musikinstrumente der Band zerstört. Der Bassist der Rolling Stones, Bill Wyman, und der ebenfalls anwesende Jimmy Miller, Produzent der im selben Studiokomplex aufnehmenden Rockband Traffic, konnten die Tonbänder mit den Aufnahmen von Sympathy for the Devil retten.[4]

Musik und Text[Bearbeiten]

Im von Jagger geschriebenen Liedtext erzählt der Teufel, nachdem er sich dem Hörer formell vorgestellt hat, von seinem Wesen und seiner Gegenwart bei zentralen historischen Ereignissen. So sei er dabeigewesen, als Jesus Christus zweifelte und litt und er habe dafür gesorgt, dass Pontius Pilatus dessen Schicksal besiegelte. Auch an der russischen Oktoberrevolution sei er beteiligt gewesen und für die Ermordung der Zarenfamilie verantwortlich. Während des Zweiten Weltkrieges sei er als Panzergeneral im Blitzkrieg tätig gewesen. Schließlich stellt der Teufel die Frage, wer „die Kennedys“ ermordet habe und beantwortet sie selber mit der Erwägung „you and me“ (‚du und ich‘).[2] In frühen Fassungen des Textes wurde allein die Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy erwähnt; nachdem am 6. Juni 1968 auch dessen Bruder, Senator Robert F. Kennedy, ermordet worden war, änderten die Rolling Stones diese Textzeile entsprechend.[5]

Der Teufel beschreibt sich in dem Stück als Mann von Wohlstand und Geschmack. Was verwirrend (puzzling) an ihm sei, sei eben sein Wesen (the nature of my game; vgl. Diabolos). Schließlich bittet er aufgrund des Gehörten sein mögliches Gegenüber um Höflichkeit, wohlwollendes Mitgefühl (Sympathie) und Geschmack (courtesy, sympathy, taste) im begegnenden Umgang mit ihm und droht mit seiner verwüstenden Macht.

Das Lied weist dem Teufel, den es in einem ekstatischen Samba-Rhythmus beschwört (vgl. Exorzismus) und als dessen Verkörperung Mick Jagger hier auftritt, menschliche Eigenschaften zu: Er will als eine Art Mann von Welt und Gentleman unter Gentlemen behandelt werden. Kernaussage ist schließlich, dass in jedem Menschen ein Teufel wohnt.

Auffallend ist die zurückhaltende Instrumentierung des über sechsminütigen Lieds, die mit Handtrommeln, unartikulierten menschlichen Lauten und Maracas beginnt, woraufhin Gesang, E-Bass und Klavier (gespielt von Nicky Hopkins) einsetzen. Die Grundtonart von Sympathy for the Devil ist E-Dur. Die Harmoniefolge der Liedstrophen ist E-Dur, D-Dur, A-Dur, E-Dur, die des Refrains (Pleased to meet you, … ) H-Dur und E-Dur im Wechsel. Durch die Rhythmen und Laute des Musikstücks, die „mit indigenen Kulturen assoziiert werden können“, wird der Teufel „mit dem ‚Unzivilisierten‘ in Kontext gesetzt“.[6] Der Bass schließlich unterstützt und komplettiert die rhythmisch-harmonische Basis. Die Intensität wird gesteigert durch den einsetzenden Chor, der das Musikstück prägende „Ooo-whoo“ bis zum Ende wiederholt. Den Höhepunkt bildet das prägnant phrasierte Gitarrensolo Keith Richards, dessen Spiel anschließend im Wechsel mit Jaggers Stimme den Ausklang des Stücks begleitet. Immer bleibt aber das Piano klangführend und wechselt nur die Akkordlage zur Dramatisierung. Damit weicht die Instrumentierung deutlich ab von anderen Stücken der Band zu dieser Zeit, die eher gitarrenlastig waren.

Rezeption und Wirkung[Bearbeiten]

Sympathy for the Devil gilt als einer der Klassiker im Repertoire der Rolling Stones sowie der Rockmusik. Das Stück erschien 1974 in Großbritannien als Single in einer verkürzten Version. Das US-Musikmagazin Rolling Stone wählte das Lied im Jahr 2004 auf Platz 32 seiner Liste der 500 besten Songs aller Zeiten.[7] Die Entwicklung des Lieds wurde von Filmregisseur Jean-Luc Godard in seinem sozialkritischen Film One Plus One festgehalten, der die Rolling Stones bei der Studioarbeit zeigt. Godard beabsichtigte, die Entstehung von Sympathy for the Devil als Metapher für Wachstum anderen, gesellschaftskritischen Filmaufnahmen gegenüberzustellen.[3] Nach der Uraufführung unter dem Titel One Plus One wurde der Film in Sympathy for the Devil umbenannt.[8]

Die Darstellung des Teufels im Liedtext durch Jagger und das Einfordern von Sympathie für diesen beeinflusste lange den Ruf der Rolling Stones. Unter Anhängern der Band kursierten Gerüchte über mögliche satanistische Tendenzen der Musiker. Diese Gerüchte erreichten 1969 durch die Todesfälle beim Altamont Free Concert einen Höhepunkt. Vor der Bühne der Rolling Stones wurde Meredith Hunter während einer Messerstecherei getötet und oft wurde (und wird heute noch) behauptet, die Band habe in dem Moment Sympathy for the Devil gespielt.[9] Tatsächlich spielte sie allerdings das Lied Under My Thumb. Obwohl sich infolgedessen einige Fans von der Musik der Band abwandten, bezeichnete die mit Jagger befreundete Marianne Faithfull in ihrer Autobiographie das Lied jedoch als „Satanismus aus Pappmaché“.[10] Trotzdem strichen die Rolling Stones das Stück Sympathy for the Devil für die folgenden sechs Jahre aus dem Repertoire ihrer Live-Auftritte. Jagger selbst wies den Verdacht auf Satanismus und Schwarze Magie zurück.

Noch heute besitzt das Lied Potential zur Kontroverse, wie die jüngsten Zensurmaßnahmen der BPjM zeigen. So soll Sympathy for the Devil in der geschnittenen deutschen Version des Videospiels Call of Duty: Black Ops nicht mehr enthalten sein.[11]

Besetzung[Bearbeiten]

  • Mick Jagger – Gesang und Chorgesang
  • Keith Richards – E-Bass, E-Gitarre, Chorgesang
  • Nicky Hopkins – Klavier
  • Bill Wyman – Maracas, Chorgesang
  • Charlie Watts – Schlagzeug
  • Rocky Dijon – Congas
  • Brian Jones, Anita Pallenberg, Marianne Faithfull, Jimmy Miller – Chorgesang

Coverversionen[Bearbeiten]

  • Blood, Sweat & Tears kreierten aus der Vorlage der Rolling Stones eine Minisymphonie, die 1970 auf deren Album 3 veröffentlicht wurde.[12]
  • Bryan Ferry veröffentlichte 1973 eine Version von Sympathy for the Devil auf seinem Soloalbum These Foolish Things.
  • Lindra Kendrick veröffentlichte 1974 eine Version mit Chor und Orchesterbegleitung.
  • Eine deutsche Version des Lieds unter dem Titel Sympathie für den Teufel sang Udo Lindenberg auf seinem Album Lindenbergs Rock Revue im Jahr 1978.
  • Die slowenische Band Laibach veröffentlichte 1988 eine Coverversion als 7"- und 12"-Single sowie 1990 ein Album mit Titel Sympathy for the Devil, das ausschließlich aus verschiedenen (auch mehrsprachigen) selbst interpretierten Versionen des Liedes besteht.
  • Aus dem Jahr 1993 gibt es eine Unplugged-Version des Lieds aus dem Mitschnitt eines Konzerts der Band Jane’s Addiction.
  • Eine Coverversion des Stücks von Guns N’ Roses begleitet den Abspann des Films Interview mit einem Vampir (1995).
  • Das Gitarrensolo ist, von Trompeten gespielt, in Robbie Williams’ Lied Let Me Entertain You (1998) zu hören.
  • Eine weitere Coverversion erschien 1999 auf der EP Brighter than the Sun und in einer etwas längeren Version auf dem Album Skeleton Skeletron der schwedischen Band Tiamat.
  • The King veröffentlichte 2000 auf seiner CD Return to Splendor eine Coverversion im Stil von Elvis Presley.
  • Eine mit Querflöte instrumentierte Version veröffentlichte (2000) die hawaiische Singer-Songwriterin Gail Swanson auf ihrem Album Standing on the Bridge.
  • Die Band Death SS veröffentlichte 2002 ein Cover auf ihrem Album Humanomalies.
  • Eine Country-Version des Liedes wurde 2003 von The Twang auf dem Album Countryfication veröffentlicht.
  • Im September 2003 erschienen je zwei Remixversionen (je ein Radio Remix und Full Length Remix) von The Neptunes, Fatboy Slim und Full Phat. Sie wurden in unterschiedlicher Kombination, teils auch mit der Originalversion, auf Maxi-CDs und Schallplatten veröffentlicht.[13]
  • Auf dem Album Under Cover (2005) von Ozzy Osbourne ist ebenfalls eine Version des Liedes zu finden.
  • Auch der „Klassik-Crossover“-Bereich ist in der Liste der verschiedenen Bearbeitungen vertreten: Im Jahre 1994 (in Deutschland 2006) veröffentlichte das für seine künstlerisch innovativen Umsetzungen bekannte London Symphony Orchestra zusammen mit anderen Künstlern die CD Symphonic Rolling Stones, auf der unter anderem – neben Coverversionen anderer Stones-Titel zum Beispiel von Marianne Faithfull und Michael Hutchence – als die Interpretation des Titels durch den Tenor Jerry Hadley und das London Symphony Orchestra zu finden ist.
  • Eine moderne gregorianische Version gibt es seit dem 29. Oktober 2010 von der Gesangsgruppe Gregorian, die ihre Version auf der Download-Maxi-CD von O Fortuna veröffentlichten.
  • Die Band modular3000 veröffentlichte 2011 eine elektronische Coverversion auf ihrem Album Dekade.

Literatur[Bearbeiten]

  • Steve Appleford: The Rolling Stones – Rip This Joint. Die Story zu jedem Song (Titel der Originalausgabe: The Rolling Stones. It’s Only Rock ‘N’ Roll). Rockbuch-Verlag, Schlüchtern 2002, ISBN 3-927638-11-0.
  • Stephen Davis: Die Stones. Europa Verlag, Hamburg 2002. ISBN 3-203-76075-4.
  • Albert Kümmel-Schnur (Hrsg.): Sympathy for the devil. Wilhelm Fink, Paderborn, 2009 (Essay-Sammlung zu 40 Jahren Sympathy for the Devil), ISBN 978-3-7705-4798-2.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. http://www.rollingstone.com/music/lists/100-greatest-rolling-stones-songs-20131015/sympathy-for-the-devil-1968-19691231
  2. a b Appleford: Rip This Joint, S. 71 ff.
  3. a b Davis: Die Stones, S. 292.
  4. Davis: Die Stones, S. 295.
  5. Davis: Die Stones, S. 294.
  6.  Eva-Maria Hanser: Ideotopie. Das Spiel mit Ideologie und Utopie der ‚Laibach-Kunst’. Wien 2010, S. 31-34 (http://othes.univie.ac.at/8581/1/2010-02-05_0400246.pdf, abgerufen am 14. September 2011).
  7. Sympathy for the Devil in der Liste der 500 Greatest Songs of All Time des Rolling Stone.
  8. Davis: Die Stones, S. 296.
  9. Michael Moynihan, Didrik Søderlind: Lords of Chaos: The Bloody Rise of the Satanic Metal Underground. Venice, CA: Feral House 1998, S. 3.
  10. Zitiert nach Appleford: Rip This Joint, S. 72.
  11. Bekanntgabe der Zensurmaßnamen in Deutschland für Call of Duty: Black Ops.
  12. Untitled Document, abgerufen am 6. Oktober 2012.
  13. Sympathy For the Devil Remix (Suchergebnisse). Discogs, abgerufen am 10. August 2014.