Synchronschwimmen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Synchronschwimmerinnen

Synchronschwimmen oder auch Kunstschwimmen ist ein Schwimmstil, der zu Musik, alleine oder meist in einer Gruppe von zwei bis meist acht Personen geschwommen wird. Synchron bezieht sich hier sowohl auf die Synchronität mit der Musik als auch die der einzelnen Schwimmer untereinander. Synchronschwimmen für Frauen ist eine olympische Disziplin. Der Deutsche Schwimm-Verband lässt Männer an Wettkämpfen teilnehmen, aber nach FINA-Regeln sind derzeit nur Frauen zu Wettkämpfen zugelassen. Der Sport verlangt hohe körperliche Leistungen unter Luftmangel, rhythmisches Musikgefühl und Beweglichkeit.

Das eng verwandte Reigenschwimmen beschränkt sich auf das Figurenlegen mit mehreren Personen im Wasser, auch Bilderlegen genannt. Musik dient hier nur zur Untermalung, und der Wechsel der Figuren wird durch Handzeichen vom Beckenrand bzw. Ufer angezeigt.

Geschichte[Bearbeiten]

Unter dem Namen „Wasserballett“ oder „Reigenschwimmen“ gibt es Synchronschwimmen schon seit Ende des 19. Jahrhunderts. Aber auch in der Antike existierte das Reigenschwimmen. Ein wichtiger Pionier des Synchronschwimmens war Clark Leach.[1]

1816 wird das erste Mal in Deutschland das Schwimmen mit Kunstfiguren erwähnt. Einer der ersten Wettkämpfe fand 1891 in Berlin statt. Damals war es noch eine reine Männersportart. 1903 gründeten sich die Isarnixen in München (Damen-Reigenschwimmgruppe), ab 1907 waren auch Frauen an den Wettkämpfen beteiligt. Allmählich verdrängten sie die Männer in dieser Disziplin fast vollständig.

Figurenschwimmen des Berliner Damenschwimmklubs „Nixe“ im Wellenbad im Lunapark in Berlin (November 1932)

Die Australierin Annette Kellerman trat 1907 als erste Unterwasserballerina in einem gläsernen Wassertank in New York City auf und machte dadurch das „Wasserballett“ bekannt. Katherine Curtis formulierte für Amerika Wettkampfregeln, welche die Grundlage für das heutige Regelwerk bilden. Einen wichtigen Beitrag zur internationalen Akzeptanz des Synchronschwimmens als Sportart leistete Beulah Gundling, die das Synchronschwimmen als Einzeldisziplin im Rahmen eines Schauschwimmens sowohl bei den Panamerikanischen Spielen 1951 als auch den Olympischen Sommerspielen 1952 vorstellte und 1955 die Einzel-Goldmedaille bei den Panamerikanischen Spielen gewann.[2] Zu den bedeutendsten männlichen Synchronschwimmer um 1950 zählten Donn Squire[3] und Bert Hubbard,[4] der nach dem Verbot männlicher Teilnehmer an Wettbewerben seine sportliche Karriere jedoch beenden musste und danach bei Festivals der International Academy of Aquatic Art auftrat. Besondere mediale Aufmerksamkeit erhielt das Synchronschwimmen durch Esther Williams in den von Hollywood produzierten „Aqua-Musicals“.

1957 fand in Deutschland der erste nationale Wettkampf im Kunstschwimmen statt. Seit 1968 wird das Synchronschwimmen von der FINA offiziell als vierte Disziplin (neben Schwimmen, Wasserspringen und Wasserball) anerkannt. Bei den Olympischen Sommerspielen 1984 in Los Angeles war Synchronschwimmen zum ersten Mal ein olympischer Wettbewerb. Einer der wichtigsten internationalen Jugendwettkämpfe im Synchronschwimmen ist der COMEN Cup. Aus Deutschland nahmen bisher an Olympischen Spielen unter anderem Christine Lang/DSVM Isarnixen 1984 in Los Angeles, 1988 Gerlind Scheller (Einzel Platz 8) und Heike Friedrich/Freie Schwimmer Bochum (Duett Platz 11) und Doris Eisenhofer/DSVM Isarnixen in Seoul, Margit Schreib/DSVM Isarnixen und Monika Müller vom TV Markgröningen 1992 in Barcelona teil.

Nach langen Jahren der Dominanz von USA und Kanada bestimmte die letzten Jahre Russland das Geschehen. Allerdings konnte im Solo Virgine Dedieu bis zu ihrem Rücktritt 2007 niemand gefährden. Aktuell wird die russische Vorherrschaft durch Spanien und Japan bedroht, auch Kanada und China treten stark in Erscheinung.

Wettkampf[Bearbeiten]

Derzeit werden Wettkämpfe in vier Disziplinen ausgetragen: Solo, Duett, Gruppe (mit vier bis acht Teilnehmern) und die Kombination (bis zu zehn Schwimmer, Variation aus Solo-, Duett- und Gruppenteilen). In einigen Ländern gibt es auch die Disziplin Trio.

Wie beim Eiskunstlauf werden bei der Bewertung einer Kür Punkte vergeben (1 bis 10), wobei die Schwierigkeit der Darbietung ebenso bewertet wird wie die Umsetzung; auch wird berücksichtigt, ob die Figuren stabil und genau sind. Ebenso wird auf die Synchronität zu Musik bzw. zwischen den Schwimmern untereinander geachtet. Je höher die Anzahl der Schwimmer, umso stärker wird die Synchronität untereinander bewertet. Es gibt eine Technische Kür („Pflicht“), die bis zu 2:50 Minuten dauert, und eine Freie Kür von 4:45 bis 5:15 Minuten. In der Technischen Kür müssen vorgegebene Elemente in einer bestimmten Reihenfolge ausgeführt werden. In der Freien Kür gibt es hingegen keine Vorgaben.

Während des Kür-Wettkampfes sind keine Schwimmbrillen zugelassen. Badekappen sind während eines Kürwettkampfes zwar nicht verboten, werden aber eher gemieden. Stattdessen werden die Haare zu einem Dutt hochgesteckt und mit der vorher warm gekochten Gelatine an den Kopf „geklebt“, sodass die Frisur auch unterwasser hält. Der Dutt kann mit verschiedenen Kopfbedeckungen wie Krönchen/Steckern verziert werden. Die Schwimmerinnen eines Teams tragen meist alle den gleichen Badeanzug, bunt und mit Pailletten bestickt. Durch die verzierten Badeanzüge und die Kopfbedeckungen soll eine größere Affinität zur Musik hergestellt und der Showeffekt verstärkt werden.

Bei Jugend-Wettkämpfen werden nicht nur Küren geschwommen, sondern auch die sogenannte Pflicht. Bei dieser muss die Schwimmerin (oder wie in seltenen Fällen der Schwimmer) Übungen durchführen, die aus mehreren wichtigen Elementen im Synchronschwimmen bestehen. Diese werden je nach Alter immer anspruchsvoller. Die FINA legt die Pflichtübungen für einen Zeitraum von vier Jahren fest. Auch die Pflicht wird mit Punkten von den Wertungsrichtern bewertet. Auf einigen Wettkämpfen gilt die Pflicht auch als Qualifikation für ein Finale. Dort werden dann bestimmte Punktevorgaben gesetzt, die man einhalten muss, um kein Strafgeld zahlen zu müssen. Bei der Pflicht müssen alle Schwimmerinnen einen schwarzen Badeanzug und eine weiße Badekappe tragen. Tauchermasken sind erlaubt.

In den letzten Jahren wurde die Pflicht aber zunehmend durch die publikumswirksamere „technische Kür“ ersetzt. Hierbei müssen von allen Schwimmerinnen feststehende Elemente (Übungen, Formationen, Fortbewegungsarten, Sprünge) möglichst exakt, synchron und hoch ausgeführt werden. Es werden Punkte zwischen 0 und 10 sowohl für den technischen als auch den artistischen Wert vergeben.

Beim Synchronschwimmen gibt es verschiedene Altersklassen. Es fängt mit der Altersklasse E an, dann folgen D, C, B, A und Junioren. Ab einem Alter von 20 Jahren dürfen Schwimmerinnen zudem bei Masterwettkämpfen teilnehmen. In den sogenannten „offenen“ Wettkämpfen treten alle Altersklassen ohne Einschränkungen gegeneinander an, in Deutschland nur bei den Deutschen Meisterschaften.

Diverses[Bearbeiten]

Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung: Unbelegte und schwammig formulierte Behauptungen (siehe WP:WEASEL). Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.

Synchronschwimmen wird oft belächelt. Die Fans der Sportart dagegen heben hervor, dass eine Synchronschwimmerin ähnliche Fähigkeiten haben müsse wie eine Bodenturnerin, eine Wettkampfschwimmerin, eine Eiskunstläuferin, eine Wasserballspielerin und eine Tänzerin, und das alles ohne festen Boden unter den Füßen. Obendrein seien dann noch Anmut und Beweglichkeit erforderlich, und die Bewegungsabstimmung mit den anderen Mitgliedern der Gruppe sei besonders schwierig. Bekannte deutsche Synchronschwimmvereine sind die Fördenixen aus Flensburg, die Isarnixen des Damenschwimmvereins v. 1903 aus München, der Schwimmclub Wedding, die Donaunixen oder der SV Zwickau 04, der bekannteste Schweizer Verein die Limmat-Nixen aus Zürich.

Ursprünglich nur von Männern ausgeführt, wurde es in den 1950er Jahren zu einer nur von Frauen betriebenen Sportart. Durch den Amerikaner Bill May wurde es wieder für Männer zu einer olympischen Disziplin. Er wäre im Jahre 2004 mit Kristina Lum als Partnerin bei den Olympischen Spielen Duett geschwommen. Allerdings sperrt sich die FINA noch gegen die Teilnahme von Männern bei Olympia oder internationalen Wettkämpfen. In Frankfurt gibt es jedoch seit 1998 die in Europa erste und in Deutschland einzige männliche Synchronschwimmgruppe. Die Gruppe des Frankfurter Volleyball Vereins ist sowohl auf den Deutschen Meisterschaften der Masters, als auch auf internationalen Wettkämpfen wie den Outgames, Eurogames und Gay Games vertreten. In Bochum findet man den zurzeit einzigen aktiven männlichen Wettkampfschwimmer Niklas Stoepel. Die Geschichte dreier männlicher Synchronschwimmer auf ihrem Weg zur Teilnahme an deutschen Meisterschaften wird in dem Dokumentarfilm Der Traum vom Schweben (2004) erzählt; der Film Männer im Wasser (Schweden, 2008) zeigt, wie ein Männerhockeyteam die midlife-crisis mit dem Streben nach der Teilnahme an den Weltmeisterschaften im Synchronschwimmen zu bewältigen sucht.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Synchronschwimmen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Synchronschwimmen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Clark Leach, Father of Synchronized Swimming. *S.S Scrapbooks (1950s), Henning Library, ISHOF, 1941.
  2. Video von B. Gundlings Programm Thunderbird bei den Olympischen Sommerspielen 1952 in Helsinki auf der Webseite von ISHOF.
  3. Dawn Pawson Bean: Synchronized swimming - An American history.(E-Book) McFarland Company Inc. Publishers, Jefferson (North Carolina, USA), 2005. Enthält Infos über Donn Squire und Bert Hubbard, S. 51.
  4. Synchro History - A compilation. (PDF; 65 kB) Artikel von Sue Edwards, 2010.