Syndaktylie

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Syndaktylie steht auch für eine Zehenanordnung bei Vögeln, bei der die 2. und 3. Zehe teilweise zusammengewachsen sind, siehe Vogelfuß
Klassifikation nach ICD-10
Q70 Syndaktylie
ICD-10 online (WHO-Version 2013)
Kutane Syndaktylie zwischen 2. und 3. Zehe des linken Fußes
Syndaktylie zwischen 4. und 5. Finger der rechten Hand

In der Humanmedizin bezeichnet Syndaktylie (von altgriechisch σύν syn ‚zusammen‘ und δάκτυλος dáktylos ‚Finger‘)[1] eine angeborene anatomische Fehlbildung der Körperglieder (Dysmelie), die durch eine Verwachsung bzw. Nichttrennung von Finger- oder Zehengliedern charakterisiert ist. Unterschieden werden kutane, ossäre oder totale Syndaktylie.

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Besonderheit ist angeboren und entsteht im Zeitraum der etwa 5. bis 7. Entwicklungswoche des Embryos. Die einfache Syndaktylie (Finger zusammengewachsen, Fingerknochen aber getrennt angelegt) findet man bei ca. einem von 10.000 neugeborenen Kindern.

Ursache[Bearbeiten]

Die Verwachsungen bzw. Nichttrennungen können zufällig (vgl. Amniotisches-Band-Syndrom) oder durch Alkoholkonsum während der Schwangerschaft[2] entstehen, aber auch ein Symptom genetisch bedingter Besonderheiten sein.

So ist eine Syndaktylie 3/4 (also von Mittel- und Ringfinger) ein häufiges Merkmal bei Kindern mit Triploidie. Auch beim Aarskog-Syndrom, dem Adams-Oliver-Syndrom, dem Carpenter-Syndrom, dem Eaton-McKusick-Syndrom, dem Fraser-Syndrom, dem Fuhrmann-Syndrom, der Pierre-Robin-Sequenz und weiteren Syndromen kommt die Syndaktylie überdurchschnittlich oft vor. Beim Smith-Lemli-Opitz-Syndrom ist häufig eine Syndaktylie 2/3 der Zehen festzustellen.

Klinische Erscheinungen[Bearbeiten]

Eine Funktionsbeeinträchtigung entsteht nicht, so dass sich in der Regel keine Notwendigkeit einer operativen Korrektur ergibt. Zumindest am Fuss besteht keine wesentliche kosmetische Beeinträchtigung, während das Komplikationsrisiko deutlich höher als an der Hand ist.[3]

Diagnose[Bearbeiten]

Zum Teil können Syndaktylien bei einem Kind schon vorgeburtlich im Rahmen pränataldiagnostischer Ultraschalluntersuchungen (häufig beim Feinultraschall) festgestellt werden.

Differentialdiagnose[Bearbeiten]

Abzugrenzen ist die Pseudosyndaktylie, die durch Mutilation im Rahmen einer Epidermolysis bullosa dystrophica (Hallopeau-Siemens) gebildet wird. Die Syndaktylie bzw. Pseudosyndaktylie entsteht dabei erst im Säuglings- bzw. Kleinkindalter. Die operative Trennung ist möglich.

Therapie[Bearbeiten]

Im Falle einer operativen Korrektur erfolgt diese in den meisten Fällen erfolgt noch vor dem dritten Lebensjahr.

Die jeweilige Ausprägung sowie die Möglichkeiten der operativen Behandlung einer Syndaktylie variieren u. a. in Abhängigkeit davon, ob die Besonderheit durch eine Verschmelzung von Knochen bzw. Knochenanschnitten (ossäre Syndaktylie) oder durch eine Hautverbindung (ähnlich einer Schwimmhaut, sog. kutane Syndaktylie) entstanden ist.

Siehe auch[Bearbeiten]

Dysmelie, Oligodaktylie, Polydaktylie, Polysyndaktylie, Brachydaktylie

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Wilhelm Gemoll: Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch. G. Freytag Verlag/Hölder-Pichler-Tempsky, München/Wien 1965.
  2. Das Fetale Alkoholsyndrom - Universitätskinderklinik Münster
  3. F. Hefti: Kinderorthopädie in der Praxis. Springer 1998, ISBN 3-540-61480-x. S. 398

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Syndaktylie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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