BASF Schwarzheide

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Synthesewerk Schwarzheide)
Wechseln zu: Navigation, Suche
BASF Schwarzheide
Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 1935
Sitz Schwarzheide, Brandenburg
Leitung Karl Heinz Tebel
Mitarbeiter 1.718 (Stand: 31.12.2012)
Umsatz 1,064 Milliarden EUR (2011)
Produkte Polyurethan-Grundprodukte, Kunststoffe, Wasserbasislacke, Pflanzenschutzmittel, FeinchemikalienVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.basf-schwarzheide.de

Die BASF Schwarzheide GmbH ist ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der BASF SE. Es liegt im Braunkohleabbaugebiet der Lausitz in Schwarzheide. Das Werk wurde 1935 als Hydrierwerk Schwarzheide (Ruhland) zur Herstellung von synthetischem Benzin aus Braunkohle im Fischer-Tropsch-Verfahren errichtet und dient seit 1972 vor allem der Polyurethanproduktion.

Heute werden in Schwarzheide - trotz des Standortnachteils, nicht an einer Wasserstraße zu liegen - zusätzlich zu den Polyurethan-Grundprodukten auch noch Kunststoffe, Wasserbasislacke, Pflanzenschutzmittel und Feinchemikalien produziert. Inzwischen ist dort auch die Polyurethanforschung des BASF-Konzerns konzentriert. Bei der BASF Schwarzheide GmbH sind etwa 1800 Mitarbeiter beschäftigt, inklusive Drittfirmen sind es rund 3100 Mitarbeiter.

Umweltschutz-Wasseranalytik im Labor der VEB Synthesewerk Schwarzheide, 1990

Geschichte[Bearbeiten]

Kläranlage im Synthesewerk 1990, im Hintergrund weitere Anlagen
Messwagen für Luftverschmutzung des VEB Synthesewerk Schwarzheide, 1978

Hydrierwerk BRABAG Ruhland-Schwarzheide (1935–1954)[Bearbeiten]

Das Hydrierwerk „BRABAG Schwarzheide“ wurde 1935 auf „Führerwunsch“ als dritter Betrieb der Braunkohle-Benzin Aktiengesellschaft (BRABAG) zwischen den Orten Schwarzheide und Ruhland errichtet. In den ersten Jahren noch nach dem benachbarten Eisenbahnknotenpunkt als „BRABAG Ruhland“ benannt[1], diente es vor allem zur Gewinnung von flüssigen Kraftstoffen aus der örtlichen Braunkohle (Kohleverflüssigung) nach dem Fischer-Tropsch-Verfahren, um Deutschland unabhängig von ausländischen Ölquellen zu machen. Nach nur einem Jahr Bauzeit wurden bereits ab 1936 Autobenzin und Dieselöl sowie deren Nebenprodukte Schwefel, Phenole und Paraffine produziert. Mit dem Kriegsbeginn 1939 wurde die Produktion jedoch vornehmlich auf das sodann kriegswichtige Flugbenzin umgestellt.

Die BRABAG Schwarzheide wurde im Rahmen der Operation Frantic am 21. Juni 1944 durch einen Luftangriff von über 100 alliierten Bombern schwer getroffen und war am Ende des Zweiten Weltkriegs zu über 75 % zerstört. Vor allem zu Aufräumarbeiten und Reparaturen nach diesem und weiteren alliierten Luftangriffen wurden in der Zeit zwischen Juli 1944 bis April 1945 im Werk auch bis zu 1000 Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen und dem KZ Ravensbrück eingesetzt, die im von SS-Verbänden kontrollierten KZ-Außenlager Schwarzheide inhaftiert waren. Nach dem Potsdamer Abkommen wurde die BRABAG Schwarzheide 1946 eine Sowjetische Aktiengesellschaft (SAG) und erzeugte chemische Produkte für Reparationen an Polen und die Sowjetunion.

VEB Synthesewerk Schwarzheide „Walter Ulbricht“ (1954–1990)[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1954 wurde das SAG-Werk in die Hände der DDR übergeben und als VEB Synthesewerk Schwarzheide „Walter Ulbricht“ weiter betrieben. Die Benzinproduktion in Schwarzheide wurde 1971 eingestellt, dafür wurde ab 1973 mit der Polyurethan-Herstellung begonnen, dessen Produktion bis 1989 auf über 170.000 Tonnen jährlich ausgebaut wurde. Damit stellte das Werk den größten Betrieb zur Polyurethanherstellung im gesamten Ostblock dar.

BASF Schwarzheide GmbH (1990 bis heute)[Bearbeiten]

Das VEB Synthesewerk Schwarzheide, das einst einschließlich Auszubildender bis zu 6000 Arbeitsplätze hatte, wurde 1990 von der BASF als BASF Schwarzheide GmbH von der Treuhandanstalt übernommen. In der Folge investierte BASF über 1,5 Milliarden Euro in die Infrastruktur sowie in neue oder bestehende Produktionsanlagen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Aus der Geschichte des Chemiewerkes Schwarzheide; Hrsg.: BASF Schwarzheide GmbH; Autoren: Jeschke, Hans-Joachim; Hübner, Peter; (Bde. 1-4); Sielaff, Rüdiger (Bd. 5)
    • Band 1: 1935 bis 1945, 2003
    • Band 2: 1945 bis 1953, 2005
    • Band 3: 1954 bis 1964, 2007
    • Band 4: 1965 bis 1978, 2009
    • Band 5: 1979 bis 1990, 2010

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tobias Bütow, Franka Bindernagel: Ein KZ in der Nachbarschaft - das Magdeburger Außenlager der Brabag, Böhlau Verlag, Köln 2003, ISBN 3-412-04904-2, S. 39

51.48166666666713.886666666667Koordinaten: 51° 28′ 54″ N, 13° 53′ 12″ O