Syssel

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Syssel (dän.) war eine historische Verwaltungseinheit in Jütland einschließlich Herzogtum Schleswig, Norwegen und Schweden. Syssel existieren heute noch in Island und auf den Färöern als Polizeibezirke und im Sinne geografischer Regionen.

Etymologie[Bearbeiten]

Das skandinavische Wort syssel hat seinen Ursprung in altnordisch sýsla, sýsl (f.), was „Arbeit, Beschäftigung“ bedeutet und seinerseits auf germanisch *suhsla, *seuhsla („Pein, Qual“) zurückzuverfolgen ist. Die indoeuropäische Wurzel ist *seug- („bekümmert, traurig, krank, siech“). Zwar hatte das Wort in der altnordischen Form die übertragene Bedeutung „Amt, Bezirk“, doch lassen sich für die historischen Syssel weder Beamte noch Administrationen nachweisen.[1]

Im heutigen Dänisch bedeutet syssel weiterhin „Arbeit, Beschäftigung“ und wird meist nur im historischen Kontext in seiner zweiten Bedeutung für die alten Syssel gebraucht. Die ältere Schreibweise ist sysæl. I kongens sysæl bedeutete „im Auftrag des Königs“. Im großen Gyldendals Røde Ordbog Dansk-Tysk (Dänisch-Deutsch) taucht diese zweite Bedeutung nicht mehr auf.

Entstehung[Bearbeiten]

Die Einteilung in Syssel war ein weltliches Organisationsprinzip. Ihren Ursprung hatten die Verwaltungseinheiten im Norden Jütlands, wo sie im 10. Jahrhundert entstanden. Diese ältesten nördlichen Syssel setzten die alten gewachsenen Stammesbezirke fort. Die östlichen Gebiete wiesen keine Beziehungen zur vordänischen Bevölkerung auf. Im Süden wurden Ortsnamen zur Bestimmung übernommen.

Im Vergleich zum Harde (herreder) ist ein Syssel die jüngere historische Organisationsform. Die Syssel haben sich sogar den Hardengrenzen angepasst. Im Erdbuch Waldemars II. werden die Syssel als mittlere, eher geografische Gliederungseinheit zwischen Harde und Land genannt. Die im Erdbuch enthaltene Zusammenfassung mehrerer Harden unter einem Syssel deckte sich nicht immer mit den jeweiligen Grenzen. Wegen ihrer geografischen Orientierungen verloren die Syssel im 13. Jahrhundert an Bedeutung. Vergleichbar wurden sie in der Zeit mit den deutschen Gauen des 11. und 12. Jahrhunderts. [2]

Für die Syssel konnte eine eigene Gerichtsbarkeit nicht nachgewiesen werden. Vielmehr bildete sich der Sitz eines Things aus der Zusammenfassung mehrerer Harden zu einem Syssel heraus. Dadurch entstanden jedoch keine Sysselthinge.[3]

Jütland[Bearbeiten]

Dänemark im Mittelalter. Die farbig gekennzeichneten Bezirke auf der kimbrischen Halbinsel (Jütland) zeigen die Syssel.

Die jütländischen fünfzehn Syssel, die auch jeweils Harden umfassten, hießen:

  1. Vendsyssel: Im nördlichen Teil des heutigen Nordjyllands Amt auf der Insel Thy mit den Harden Horns Herred, Vennebjerg Herred, Børglum Herred, Jerslev Herred, Hvetbo Herred und Kær Herred
  2. Thysyssel: Im westlichen Teil der Insel Thy im nördlichen Viborg Amt mit den Harden Hillerslev Herred, Hundborg Herred, Hassing Herred und Refs Herred
  3. Sallingsyssel: Im südlichen Viborg Amt (Morsø Nørre Herred, Morsø Sønder Herred, Salling Nørre Herred, Harre Herred, Rødding Herred, Hindborg Herred und Fjends Herred)
  4. Himmersyssel: Im südlichen Nordjyllands Amt mit den Harden Slet Herred, Hornum Herred, Fleskum Herred, Års Herred, Hellum Herred, Gislum Herred, Hindsted Herred und Rinds Herred
  5. Ommersyssel: Im nördlichen Viborg Amt bzw. im Süden von Nordjyllands Amt mit den Harden Nørlyng Herred, Sønderlyng Herred, Middelsom Herred, Onsild Herred, Nørhald Herred, Gerlev Herred und Støvring Herred
  6. Hardsyssel: Entspricht in etwa dem heutigen Ringkjøbing Amt mit den Harden Vandfuld Herred, Skodborg Herred, Hjerm Herred, Ginding Herred, Ulfborg Herred, Hammerum Herred, Hind Herred und Bølling Herred
  7. Åbosyssel: Im nördlichen Viborg Amt mit Harden Houlbjerg Herred, Galten Herred, Sønderhald Herred, Rougsø Herred, Djurs Nørre Herred, Djurs Sønder Herred, Mols Herred, Øster Lisbjerg Herred, Vester Lisbjerg Herred, Sabro Herred, Gjern Herred, Hjelmslev Herred, Framlev Herred, Hasle Herred og Ning Herred
  8. Loversyssel: Im nördlichen Vejle Amt mit den Lysgård Herred, Hids Herred, Vrads Herred, Tyrsting Herred, Nim Herred, Hatting Herred, Bjerre Herred, Voer Herred und Hads Herred
  9. Hansyssel mit dem Harden Hanherred
  10. Vardesyssel: Entspricht in etwa Ribe Amt mit den Harden Vester Horne Herred, Nørre Horne Herred, Øster Horne Herred, Skast Herred, Gørding Herred und Malt Herred
  11. Jellingsyssel: Im mittleren Vejle Amt mit den Harden Nørvang Herred und Tørrild Herred
  12. Almindsyssel: Im südlichen Vejle Amt mit den Harden Jerlev Herred, Andst Herred, Brusk Herred, Holmans Herred und Elbo Herred
  13. Barvidsyssel: Im nördlichen Nordschleswig mit den Harden Tyrstrup Herred, Gram Herred (östliche Hälfte), Rangstrup Herreder und Haderslev Herred
  14. Ellumsyssel: Im westlichen und mittleren Schleswig und entlang der Westküste mit den Harden Hviding Herred, Højer Herred, Lø Herred, Kær Herred, Slogs Herred, Rise Herred, Lundtoft Herred, Sundeved und ein wenig vom östlichen Teil von Søndre Rangstrup Herred
  15. Istedsyssel: In Südschleswig mit den Harden Nørre & Sønder Gøs Herreder, Vis Herred, Ugle Herred, Husby Herred, Ny Herred, Strukstrup Herred, Slis Herred und Arns Herred.

Die drei letzten Syssel bildeten ab etwa 1200 das Herzogtum Schleswig. Zu dem Areal kamen noch weitere Landesteile hinzu, die in ihrer Eigenschaft als dänisches Krongut (dän. Kongelev) keine Syssel waren, die aber in Waldemars Erdbuch dem Istedsyssel angehängt waren. Innerhalb des dänischen Reiches nahmen sie eine Sonderstellung ein. Hierzu gehören:[4]

  1. Schlei-Eider-Bezirk mit Fræzlæt (Fredslet) mit der Risbyharde (Halbinsel Schwansen), Ykærnæburgh (Eckernförde), Hüttener Harde, Kroppharde, Stapelholm und der Dänischen Wohld
  2. Uthlande mit den Nordfriesische Inseln zwischen Sylt und Eiderstedt; sie standen schon länger unter königlicher Herrschaft (Königsfriesen).

Siehe auch[Bearbeiten]

Norwegen[Bearbeiten]

Norwegen war im Mittelalter in 50 Syssel eingeteilt, denen jeweils ein syslamaðr (Sysselmann) vorstand:

  1. Elfsysla: südlicher Teil von Bohuslen
  2. Ranrikesysla: nördlicher Teil Bohuslen, einschließlich Enningdalen in Østfold
  3. Borgarsysla: Østfold, außer Enningdalen und Mossedal
  4. Oslosysla: Akershus mit Oslo, sowie Lier
  5. Tunsbergsysla: Vestfold und Søndre Buskerud bis Drammensfjorden.
  6. Skiensysla: Grenland, Telemark und Numedal
  7. Naumdølasysla
  8. Alstahaugsysla: Helgeland
  9. Bodinsysla: Folda, Salten
  10. Lofotensysla: Lofoten
  11. Steigensysla: Lødingen, Ofoten, Hammarøy und Steigen.
  12. Ylfissysla
  13. Andenessysla:
  14. Trondenessysla: Troms

Das von 1931 bis 1933 norwegisch besetzte Gebiet von Ostgrönland (Eirik Raudes Land) trug ebenso die Bezeichnung Syssel.

Heute gibt es nur noch einen Beamten mit diesem Titel, das ist der Sysselmann von Svalbard. 1662 wurde der Begriff Syssel in Norwegen abgeschafft und durch (das dänische) Amt ersetzt. Seit 1919 heißen diese Verwaltungseinheiten Fylke.

Island[Bearbeiten]

Syssel in Island
siehe Hauptartikel Verwaltungsgliederung Islands

In Island gibt es 22 sýslur (Einzahl sýsla). Die sýslur werden auch als geografische Regionen verstanden. Sie sind keine politische Einheit. In Island gibt es nur zwei Verwaltungsebenen: Die Republik und die 79 Kommunen.

Färöer[Bearbeiten]

Die sechs Syssel der Färöer in unterschiedlichen Farben.

Die Syssel auf den Färöern werden, wie in Island, als sýslur (Singular: sýsla) bezeichnet. Das sind die sechs geografischen Regionen:

Früher gab es in jeder sýsla ein eigenes Ting, das sogenannte várting, und auch die Pfarrbezirke entsprachen den Sysseln (zur heutigen Einteilung siehe Färöische Volkskirche), doch heute sind es nur noch Polizeikreise, denen je ein Sýslumaður (Sysselmann) vorsteht. Wie auch in Island stellen die färöischen Syssel keine politischen Gebietseinheiten dar. Es gibt nur die Färöer als teilautonomen Gesamtstaat und die 30 Kommunen. Im Unterschied zu Island gibt es aber noch eine übergeordnete, die Reichsebene, zu der neben dem „Mutterland“ Dänemark auch Grönland gehört.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Horst Windmann: Schleswig als Territorium. Wachholtz, Neumünster 1954, S. 45.
  2. Horst Windmann: Schleswig als Territorium. Wachholtz, Neumünster 1954, S. 44-47.
  3. Horst Windmann: Schleswig als Territorium. Wachholtz, Neumünster 1954, S. 48.
  4. Horst Windmann: Schleswig als Territorium. Wachholtz, Neumünster 1954, S. 38 u. Karte 1, S. 221 (Anhang).