Szene (Volkskunde)

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Eine Szene ist ein soziales Netzwerk, das durch gemeinsame Interessen, Überzeugungen, Vorlieben oder Geschmäcker von Menschen verdichtet ist.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Wortherkunft

Das Wort ‚Szene‘ im Sinne dieses Begriffs ist jüngeren Datums.[1] Griechisch σκηνή, altgriechisch skené ‚die Hütte, das Zelt‘ ist ursprünglich nur ein baulicher Teil des Theaters, später Bühne im allgemeineren Sinne, dann ein Abschnitt (Aufzug, Vorhang) eines Stücks. In der Bedeutung von „das was“ beziehungsweise ‚dort wo sich etwas „abspielt“ für subkulturelle Kreise und deren Aktivität bildet sich erst Ende der 1960er-Jahre, und dürfte Hamburger Ursprungs sein. Für den „Jazz- und Spaßmusikerklüngel“[2] Hamburgs, zu denen etwa Otto Waalkes und Udo Lindenberg gehörten, findet sich der Ausdruck „Hamburger Szene“. 1973 erscheint das Stadtmagazin Szene Hamburg (Klaus Heidorn). 1977 wird das Wort in Deutschland zum Wort des Jahres erklärt − die zweite solche Wahl, nach aufmüpfig 1971.

Eng verbunden ist der Begriff mit dem Anglizismus Insider (engl. für ‚Mitglied, Zugehöriger, Eingeweihter‘[3]) „Beteiligter an einer Szene“ − wörtlich ‚der, der innerhalb ist‘. Als begriffsgeschichtlicher Vorläufer kann Bohème angesehen werden (frz. aus mittellat. bohemus „der Böhme“, „Zigeuner“), veraltet für die Künstlerkreise der Belle Époque.

In Folge erweitert sich der Ausdruck, „in Szene setzen“, ursprünglich ebenfalls aus der Theatersprache im Sinne von Aufführungspraxis und Choreografie der Auftritte, bedeutet heute „sich präsentieren“. „Szene“ verliert auch die subkulturelle Annotation und wird zum Ausdruck für das öffentliche Leben der High Society, der Prominenz.

[Bearbeiten] Heutige Begriffsverwendung

In der Regel (aber nicht immer) werden nur solche Subkulturen als „Szene“ bezeichnet, die eine Minderheiten-Kultur in der jeweiligen Gesellschaft darstellen, die ein Wir-Gefühl und über das gemeinsame Interesse hinausgehende kulturelle Merkmale entwickelt haben. Der Begriff Szene aus der Theaterwelt legt auch nahe, dass die kulturelle Identität der Szene eine gewisse gewollte, darstellende Außenwirkung haben kann.

Im Gegensatz zu Klasse, Schicht oder Stand (soziales Milieu) steht eine Szene nicht im hierarchischen Verhältnis zu anderen Szenen, sondern die verschiedenen Szenen werden nebeneinander gedacht; im Gegensatz zu Gesellschaftstheorien von Klasse, Schicht oder Stand, die eine vertikale Gliederung der Gesellschaft thematisieren, thematisiert das Modell der Szenen also eine horizontale.

[Bearbeiten] Beispiele

[Bearbeiten] Literatur

  • R. Hitzler u. a.: Leben in Szenen. Formen jugendlicher Vergemeinschaftung heute. 2001
  • Harald Keller, Reiner Wolf (Hrsg.): „Hyde Park“-Memories. Ein Osnabrücker Musikclub und seine Geschichte(n). Oktober Verlag, Münster 2011.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Christopher Twickel: Läden, Schuppen, Kaschemmen. Edition Nautilus, 2003, ISBN 9783894014254, S. 5 f. (Zit. nach: Christopher Twickel: Szene Hamburg → Zitate: Der Szene-Begriff. In: Die Single-Generation. Oder: Die Generationendebatte und die Single-Gesellschaft. Bernd Kittlaus, 7. Juli 2005, abgerufen am 28. Januar 2009.).
  2. Zit. wörtlich Twickel: Läden, Schuppen, Kaschemmen. 2003, S. 5 (Zit. nach Kittlaus, 2005).
  3. Übersetzung LEO, 28. Januar 2009
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