Tárogató

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Tárogató

Das Tárogató (auch Taragot) ist ein Holzblasinstrument mit einfachem Rohrblatt und ähnelt äußerlich der Klarinette. Instrumentenkundlich handelt es sich um ein hölzernes Saxophon, da es ein konisch gebohrtes Schallrohr hat und in die Oktave überbläst. Im Klang ist es weicher als das Saxophon und offener als die Klarinette. Das Instrument wurde in Ungarn gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt. Es gilt auch als Nationalinstrument Ungarns.

Geschichte[Bearbeiten]

Kuruc tárogató, historisches Doppel- rohrblatt- instrument

Ein Holzblasinstrument mit dem Namen tárogató ist in ungarischen Schriften seit dem 15. Jhd. belegt. Es war ein Doppelrohrblattinstrument des Zurnatyps mit konischer Bohrung. Aus der Ähnlichkeit mit orientalischen Schalmei erklärt sich auch die Bezeichnung „Türkische Pfeife“ [1][2].

Dieses ursprüngliche Tárogató wurde auch als Signalinstrument verwendet. Da es während des Aufstandes von Franz II. Rákóczi (1703–1711) symbolische Bedeutung für das ungarische Nationalbewusstsein erlangte, wurde es im 18. Jhd. von der Habsburgermonarchie unterdrückt.[1][2]

Das heute als Tárogató bezeichnete Instrument mit einfachem Rohrblatt wurde um 1894–96[2] von Vencel József Schunda in Budapest erfunden, und in bewusster Aufnahme der ungarischen Tradition so genannt.[3]

In den Werkstätten Schunda und Stowasser wurden unterschiedliche Klappensysteme verwendet.[1] Die häufigste Form, das Sopraninstrument in B, ist zirka 74 cm lang. Es existieren auch größere Formen. Stowasser bot sieben verschiedene Größen, bis hinab zum Kontrabass in Es an.

Seit den 1920er Jahren ist das Instrument unter dem Namen Taragot oder Torogoata auch in Rumänien verbreitet.[3]

Form[Bearbeiten]

Das Tárogató sieht der Klarinette ähnlich. Die vier Teile des Tárogatós sind:

  1. Mundstück: Beinhaltet das Rohrblatt, das mit einem Spanner befestigt wird
  2. Oberstück: Hier werden die Klappen mit der linken Hand gespielt
  3. Unterstück: Hier werden die Klappen mit der rechten Hand gespielt
  4. Klangbecher: Ist mit Tonlöchern bestückt, die Anzahl variiert von Fabrikat zu Fabrikat (zum Beispiel bei Schunda 3, Stowasser 12)

Fabrikate[Bearbeiten]

Die Firmen Schunda oder Stowasser, die im Bau des Instruments führend gewesen waren, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg geschlossen. Längere Zeit wurde das Tárogató nur von der Firma Hammerschmidt & Söhne gebaut. Inzwischen gibt es jedoch wieder Instrumentenbauer, vor allem in Ungarn[2] und Rumänien aber auch in Frankreich, Belgien und Kanada, die Tárogatós bauen[4][5].

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernhard Habla: Musica Pannonica 3, Oberschützen 1998, Pannonische Forschungsstelle Oberschützen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Stephen Fox: The Tárogató [1]
  2. a b c d Rákóczi Tárogató Association: The History of the Tárogató, abgerufen am 13. Juli 2012
  3. a b A Brief History of the Tarogato [2]
  4. Hersteller von Holzsaxophonen, darunter Tarogatos
  5. Herstellerübersicht (ungarisch)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tárogató – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien