Tägerig

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Tägerig
Wappen von Tägerig
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Bremgarten
BFS-Nr.: 4077i1f3f4
Postleitzahl: 5522
Koordinaten: 663551 / 25071347.4041668.280561396Koordinaten: 47° 24′ 15″ N, 8° 16′ 50″ O; CH1903: 663551 / 250713
Höhe: 396 m ü. M.
Fläche: 3.30 km²
Einwohner: 1407 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 426 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 15,9 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.taegerig.ch
Ansicht des Dorfes

Ansicht des Dorfes

Karte
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Tägerig (schweizerdeutsch: ˈtæːɡəˌriɡ) ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Bremgarten im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im Reusstal.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf liegt auf einer durch den Reussgletscher geformten Geländeterrasse am nordöstlichen Abhang des Wagenrains, einem langgestreckten Höhenzug, der die natürliche Grenze zum Bünztal bildet. Die Reuss fliesst etwa einen halben Kilometer östlich des Dorfzentrums in Richtung Nordwesten, wobei der Fluss durch Erosion eine rund 20 Meter tiefe Einkerbung in die ansonsten Talsohle gebildet hat. Die Hänge des Wagenrains sind im unteren Bereich steil und gehen im oberen Bereich in die ausgedehnte Rötler-Hochebene über. Auf dieser Ebene, rund eineinhalb Kilometer südlich von Tägerig, liegt auf einer Höhe von 485 Metern der Weiler Büschikon.[3]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 330 Hektaren, davon sind 132 Hektaren mit Wald bedeckt und 56 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich einen halben Kilometer westlich des Dorfes auf einer Höhe von 530 Metern, der tiefste auf 348 Metern bei einer kleinen Insel in der Reuss, die durch angeschwemmtes Geschiebe entstanden ist.

Nachbargemeinden sind Mellingen im Norden, Stetten im Osten, Niederwil im Südosten, Hägglingen im Süden, und Wohlenschwil im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Tegeranc wurde erstmals im Jahr 1189 erwähnt, als Papst Clemens III. mit einem Schirmbrief das Dorf unter den Schutz des Klosters Muri stellte. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Tegerwanc und bedeutet «grosser Abhang».[4] Die erste Erwähnung des Weilers Büschikon erfolgte 1315, als Ulrich Meyer von Rohrdorf, ein Bürger der Stadt Mellingen, seinen Besitz dem Konvent in Gnadenthal verpfändete.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau. Tägerig gehörte nun zum Amt Niederwil in den Freien Ämtern, einer gemeinen Herrschaft. Verwaltung und Rechtsprechung lagen in den Händen der Stadt Mellingen. 1627 raffte eine Pestepidemie einen grossen Teil der Bevölkerung dahin. Im Schweizer Bauernkrieg von 1653 und in den beiden Villmergerkriegen von 1656 und 1712 wurde das Dorf jeweils geplündert.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Tägerig wurde eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden, seit 1803 gehört sie zum Kanton Aargau. Am 17. März 1838 vernichtete ein Brand fast das gesamte Dorf, nur wenige Häuser blieben erhalten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verringerte sich die Bevölkerungszahl um fast 40 Prozent. Viele Dorfbewohner waren verarmt und mussten auswandern, manche davon nach Nordamerika. Seit 1950 hat sich die Bevölkerungszahl aufgrund der starken Bautätigkeit beinahe verdoppelt. 1955 war Tägerig eine der ersten aargauischen Gemeinden mit einer Kläranlage.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Römisch-katholische Kirche
Deckenfresken in der Kirche

Die im Jahr 1665 erbaute Kapelle erlitt beim Dorfbrand von 1838 grosse Schäden. Zwei Jahre später beschloss die Kirchgemeinde Niederwil, zu der Tägerig bis 1864 gehörte, einen Neubau. Es entstand ein spätklassizistisches Kirchengebäude, das im Juni 1846 eingeweiht wurde. Sehenswert sind insbesondere die Decken- und Wandfresken aus der lauretanischen Litanei im Innern der Kirche. Westlich der Kirche stehen das Pfarrhaus und das ehemalige Schul- und Gemeindehaus, beide 1865 erbaut. Das Dorfbild prägen Biedermeier-Gebäude aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Im Weiler Büschikon befindet sich eine kleine Kapelle aus dem frühen 17. Jahrhundert.[5]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau zwei gekreuzte weisse Schlüssel, überhöht von fünfstrahligem weissem Stern.» Das Wappen wurde 1915 eingeführt und soll vom Banner der benachbarten Kleinstadt Mellingen aus dem Jahr 1512 abgeleitet sein.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 990 606 755 726 775 815 859 1061 1193 1363

Am 31. Dezember 2013 lebten 1407 Menschen in Tägerig, der Ausländeranteil betrug 15,9 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 53,4 % römisch-katholisch, 27,5 % reformiert und 4.8 % moslemisch; 1,9 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 92,6 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 2,3 % Albanisch, 1,0 % Serbokroatisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Bremgarten zuständig. Tägerig gehört zum Friedensrichterkreis Niederwil.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Der Weiler Büschikon

In Tägerig gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 200 Arbeitsplätze, davon 9 % in der Landwirtschaft, 26 % in der Industrie und 65 % im Dienstleistungssektor.[10] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in Baden. Durch die Nähe zur Autobahn A1 ist auch die Agglomeration Zürich rasch erreichbar.

Verkehr[Bearbeiten]

Tägerig liegt unweit der Hauptstrasse BruggMellingenBremgarten. Sie führt einen halben Kilometer östlich vorbeiführt, so dass das Dorf nicht vom Durchgangsverkehr betroffen ist. Ortsverbindungsstrassen führen nach Wohlenschwil sowie über Büschikon nach Hägglingen. Den Anschluss an den öffentlichen Verkehr stellt eine Postautolinie von Bremgarten über Mellingen nach Baden her.

Bildung[Bearbeiten]

Tägerig besitzt einen Kindergarten und eine Primarschule. Die Realschule und die Bezirksschule können in Mellingen besucht werden, die Sekundarschule in Mellingen oder Wohlenschwil. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Wohlen und Baden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tägerig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1090, Swisstopo
  4.  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 418–419.
  5.  Peter Felder, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band IV: Bezirk Bremgarten, Birkhäuser Verlag, Basel 1967, ISBN 3-90613-107-6, S. 377–382.
  6.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 288.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.