Tätowierer

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Ein Tätowierer bei der Arbeit

Ein Tätowierer ist eine Person, die dauerhaft Tätowierungen mittels eines entsprechenden Instrumentes, meist einer elektrischen Tätowiermaschine, mit Tinte oder anderen Farbmitteln in die Haut einbringt.

Ausbildung und Berufsrechtliches[Bearbeiten]

Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Eine gesetzliche geregelte Ausbildung ist in Deutschland nicht vorgesehen.[1] In der Regel erlernen Tätowierer die nötigen Fertigkeiten bei erfahrenen Kollegen oder autodidaktisch.

Die Tätigkeit des Tätowierers ist grundsätzlich ein gewerbliches Kunsthandwerk bzw. eine gewerbliche Tätigkeit. Im Jahr 2007 hat Heiko Gantenberg aus Marl vor dem Sozialgericht Gelsenkirchen[2] den Status eines bildenden Künstlers als Freiberuflers anerkannt bekommen, um in die Künstlersozialkasse aufgenommen zu werden.[3] Aufgrund der Stellungnahmen eines Kunsthistorikers und der Universität München hat erstmals ein deutsches Gericht einen Tätowierer als Künstler anerkannt; das Gericht stellte jedoch ausdrücklich fest, dass es sich um eine Einzelfallentscheidung handele.[4]

Steuerliche Aspekte[Bearbeiten]

Bei der Anfertigung einer Tätowierung handelt es sich steuerlich um eine sonstige Leistung, da nach dem wirtschaftlichen Gehalt der Leistungen nicht - wie etwa bei einer Lieferung - die Verfügungsmacht an einem Gegenstand übertragen worden ist. Bei einer Tätowierung werden Ornamente oder Abbildungen durch Einstechen in die menschlichen Haut angebracht, die Übertragung der Farbstoffe ist umsatzsteuerrechtlich nicht als Lieferung eines Gegenstands zu sehen, da der Farbstoff nur Hilfsmittel zu der vereinbarungsgemäß erbrachten Tätowierung ist. Sie ist somit steuerpflichtig und wird mit dem Regelsteuersatz (§ 12 Abs. 1 UStG) besteuert. Auch unterliegt die Leistung nicht nach § 12 Abs. 2 Nr. 1 Satz 1 UStG i. V. m. Nr. 53 Buchst. a der Anlage zum UStG dem ermäßigten Steuersatz (§ 12 Abs. 2 UStG). Diese Steuerermäßigung ist nur für Lieferungen von Kunstgegenständen vorgesehen. [5]

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Das Tätowierstudio[Bearbeiten]

Tattoo-Studio

Der Tätowierer arbeitet zumeist in einem als „Tattoo Shop“ oder „Tattoo-Studio“ bezeichneten Ladengeschäft. Ordnungsgemäß ausgestattete Tattoo-Studios verwenden Container für Objekte, die in Kontakt mit Blut oder Körperflüssigkeiten gekommen sind, sowie einen Autoklav zum Sterilisieren der Geräte, sofern sie nicht mit Einmalartikeln arbeiten. Korrekte Hygiene erfordert vom Tätowierer bei allen Arbeitsgängen die Benutzung von Einmalhandschuhen, besondere Achtsamkeit ist speziell dort angebracht wo Kreuzkontaminationen auftreten können. In Holland, der Schweiz und Österreich unterliegen Tätowierstudios strengen Auflagen und Kontrollen, um die allgemeine gesundheitliche Sicherheit in diesem Bereich zu verbessern. Inzwischen werden dort die Eingriffe, Sterilisationsvorgänge, Reinigungen und Desinfektionsmaßnahmen schriftlich dokumentiert.
In Österreich ist seit dem Jahr 2003 die jährliche Erbringung eines Unbedenklichkeitsnachweises durch ein akkreditiertes Institut gesetzlich vorgeschrieben.[6]

Bekannte Tätowierer[Bearbeiten]

(eine Auswahl von Tätowierern/Tätowiereinnen, die eine gewisse zeitgenössische oder historische Relevanz aufweisen; ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

Name von / bis Land Anmerkungen Bild
Guy Aitchison 1968 1968 USA Tätowierer und Maler in Michigan, bekannt durch TV Kanal TLC: Tattoo Wars. Bruder von Hannah Aitchison. Guy Aitchison
Hannah Aitchison 1966 1966 USA In Chicago, Illinois wohnhaft, bekannt durch TV Kanal TLC: LA Ink. Schwester von Guy Aitchison. Hannah Aitchison
Marcus Blachny 1966 1966-2013[7] Deutschland (Pseudonym: Marcuse) Eintrag im Tattoo Lexikon[8]
Paul Booth USA Er tätowierte Bands wie Mudvayne, Slayer, Pantera, Soulfly and Sepultura.[9] Paul Booth
Darren Brass USA Bekannt durch TV Kanal TLC's Miami Ink.[10]
George Burchett 1872–1953 GB Bekannt als "King of Tattooists".[11]
August Bernard Coleman 1884-1973 USA Lebte und arbeitete in Norfolk[12] und war ein Schüler von Charlie Barrs.[13][14]
Kat Von D 1982 USA Tätowiererin und Autorin, bekannt durch die Fernsehserie LA Ink. Betreibt ihr eigenes Studio in West Hollywood. Kat Von D
Amund Dietzel 1891-1974 Norwegen Lebte und arbeitete in Milwaukee, Wisconsin[15]
Chris Garver 1970 1970 USA Bekannt durch TV Kanal TLC's Miami Ink. Chris Garver
Edward Funk, bekannt als „Crazy Philadelphia Eddie“, Begründer und erster Präsident des National Tatto Club of the World 1936 USA Crazy Philadelphia Eddie
Bert Grimm 1900-1985 USA Grimm eröffnete seinen ersten Tattoo-Shop 1916 in Chicago.[16][17]
Mary Jane Haake 1951 1951 USA Bekannt für medizinische Tätowierungen und Permanent Make-up.[18] Mary Jane Haake
Yoji Harada 1973 1973 Japan Bekannt durch TV Kanal TLC's Miami Ink. Yoji Harada
Donald Ed Hardy 1945 1945 USA Schüler von Sailor Jerry und diversen japanischen Tätowiermeistern und Begründer von Tattootime. Ed Hardy auf der Tattoo Convention in Reno Nevada, 1977
Dan Henk 1972 1972 USA Bekannt für seine Horrormotive [19] Dan Henk
Herbert Hoffmann 1919–2010 Deutschland Eintrag im Tattoo Lexikon[20]
Horiyoshi III 1946 1946 Japan Eintrag im Tattoo Lexikon[21] Horiyoshi III
Nikko Hurtado 1981 1981 USA Als Gasttätowierer bekannt durch TV Kanal TLC's Miami Ink.
Greg Irons 1947–1984 USA Geburtsname: Gregory Rodman Irons
Ami James 1972 1972 USA Bekannt als Co-Star durch TV Kanal TLC's Miami Ink.
Manfred Kohrs 1972 1957 Deutschland Schüler von Horst Heinrich Streckenbach und Konzeptkünstler, Begründer der ersten deutschen Tätowierervereinigung, dem National Tattoo Club[22] Manfred Kohrs
Vyvyn Lazonga USA Pseudonym: Beverly Bean. Als Madame Lazonga betreibt sie seit 1970 ein Tattoo-Studio in Seattle.[23]
Chris Núñez 1973 1973 USA Bekannt durch TV Kanal TLC's Miami Ink.
Marc Pinto Australien Pinto unterhält zwei weitere Studios in Singapur. Marc Pinto
Cliff Raven 1932–2001 USA Schüler von Phil Sparrow, arbeitete in Chicago und in Hollywood.[24]
Samuel O'Reilly 1850 †1908 USA Inhaber eines US-Patentes für eine Tätowiermaschine[25]
Paul Rogers 1900 †1990 USA Schüler von August Bernard Coleman.[26][27]
Kim Saigh 1973 1973 USA Eine der ersten Tätowiererinnen bei LA Ink. Kim Saigh
Sailor Jerry 1911–1973 USA Geboren als Norman Keith Collins.[28]
Henk Schiffmacher 1952 1952 Niederlande Pseudonym: Hanky Panky.[29] Henk Schiffmacher
Bob Shaw 1926 1926 USA 1926 geboren, Schüler von Bert Grimm.[30]
Jonathan Shaw 1953 1953 USA Sohn des Musikers Artie Shaw.
Les Skuse [31][32] 1912–1973 Großbritannien Begründer des ersten Tattoo-Clubs in Großbritannien, Veranstalter des weltweit ersten Tattoo-Wettbewerbs
Janet Skuse 1943–2007 Großbritannien Geboren als Janet Field.[33]Ehefrau von Les Skuse
Samuel M. Steward 1909–1993 USA Pseudonyme: Phil Sparrow als Tätowierer [34] und Phil Andros als Schriftsteller aus Ohio, später wohnhaft in Kalifornien.
Horst Heinrich Streckenbach 1929–2001 Deutschland Auch bekannt als "Tattoo Samy". Gilt als der Erfinder des Barbell (Piercing). "Zweimaliger Weltmeister seines Faches"[35] Horst Heinrich Streckenbach
Paul Timman 1972 1972 USA Tätowierte Angelina Jolie und Drew Barrymore. Paul Timmann
Lyle Tuttle 1931 1931 USA Tätowierte Cher, Jane Fonda, Janis Joplin und viele weitere Prominente.[36] Lyle Tuttle
Christian Warlich 1890 1890-1964 Deutschland tattoo-spirit.de
Theodor Vetter 1932 1932 Deutschland bekannt als Tattoo Theo
David Yurkew 1943 1943 USA Erster Präsident des North American Tattoo Clubs, veranstaltete die erste Tattoo-Convention in den USA David Allen Yurkew (sitzend) auf der Tattoo Convention in Reno Nevada, 1977 (am Rednerpult: Ed Hardy)
Leo Zulueta 1952 USA Bekannt als "father of modern tribal tattooing" und "king of black."[37][38][39] Leo Zulueta

Spezielle Techniken verschiedener Kulturen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Body Modification – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Body Modification

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tätowierer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Arbeitsagentur
  2. Urteil des Sozialgerichts Gelsenkirchen vom 28. Februar 2007
  3. sueddeutsche.de: "Natürlich sind Tattoos Kunst" Abgerufen am 22. Juni 2012
  4. DER SPIEGEL vom Februar 2008: Tätowierer als Künstler anerkannt Abgerufen am 22. Juni 2012
  5. BFH-Urteil vom 23. Juli 1998 (V R 87/97) BStBl. 1998 II S. 641
  6. Unbedenklichkeitsnachweis für die Republik Österreich (PDF; 411 kB)
  7. Nachruf Marcuse
  8. smilindemons.de (PDF; 443 kB)
  9. Joshua Lipton: Bad Skin in Rolling Stone, 28. Februar 2002
  10. Virginia Heffernan: Skin Deep but Filled With Significance, The New York Times vom 19.Juli 2005
  11. Kathlyn Gay, Christine Whittington, Body Marks: Tattooing, Piercing, and Scarification, 2002, Twenty-First Century Books. S. 31. ISBN 0-7613-2352-X
  12. Albert L. Morse, The Tattoists, 1st Edition 1977, ISBN 0-918320-01-1, S. 16/17
  13. Albert L. Morse, The Tattoists, 1st Edition 1977, ISBN 0-918320-01-1, S. 20
  14. tattooarchive
  15. Jon Reiter: These Old Blue Arms, 2010, ISBN 978-0-578-05967-9
  16. Albert L. Morse, The Tattoists, 1st Edition 1977, ISBN 0-918320-01-1, S. 6
  17. tattooarchive
  18. Q & A with Mary Jane Haake The Portland Tribune, 17. August 2007 (englisch)
  19. Interview mit Dan Henk in: Skin Deep Nr. 150, September 2007
  20. Tattoo Lexikon
  21. Tattoo Lexikon
  22. NaNa Hannover, Nr.36 -Portrait eines Künstlers- Manfreds Bilder fahren Straßenbahn, 23. Dezember 1982.
  23. Albert L. Morse, The Tattoists, 1st Edition 1977, ISBN 0-918320-01-1, S. 72
  24. Albert L. Morse, The Tattoists, 1st Edition 1977, ISBN 0-918320-01-1, S. 44
  25. tattooarchive
  26. Albert L. Morse, The Tattoists, 1st Edition 1977, ISBN 0-918320-01-1, S. 20
  27. tattooarchive
  28. Tattoo Lexikon
  29. WEB-Seite Henk Schiffmacher
  30. tattooarchive
  31. Les Skuse
  32. Les Skuse
  33. ‘Tattooed Army Girl Gets Show Offers’, Daily Mail, March 14, 1964
  34. Albert L. Morse, The Tattoists, 1st Edition 1977, ISBN 0-918320-01-1, S. 50
  35. Matthias Friedrich: Tätowierungen in Deutschland:eine kultursoziologische Untersuchung, Königshausen & Neumann, 1993, S.51
  36. The Editors at TattooFinder.com: Tattoo Sourcebook. HarperCollins, 2009, ISBN 0007289944, S. 23.
  37. Aquino, Joann Natalia: "Leo Zulueta: The Father of Modern Tribal Tattooing Celebrates 30 Years in the Black," Skin and Ink Magazine, March 2012
  38. Janey Levy: Tattoos in Modern Society. The Rosen Publishing Group, 2008, ISBN 1404218297, S. 50.
  39. Athima Chansanchai: Tattoo convention draws legions," Seattle Post-Intelligencer vom 12. August 2007
  40. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatTÄTOWIERER Schlange auf der Stirn. DER SPIEGEL 10/1951, abgerufen am 5. September 2012.