Tätowiermaschine

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Tätowiermaschine um 1876
Klang einer Tätowiermaschine

Eine Tätowiermaschine ist ein technisches Gerät zur Herstellung von Tätowierungen, mittels Einbringung von Farben in die menschliche Haut und das Standardwerkzeug eines Tätowierers.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Grundmodell einer Tätowiermaschine war ein Gerät, das Thomas A. Edison 1877 in den USA mit der Bezeichnung Stencil-Pens patentieren ließ.[1] Ursprünglich wurde das Gerät für das Gravieren von Gegenständen entwickelt.

Später entdeckte Samuel O'Reilly, dass die Maschine von Edison nach Umbau die Möglichkeit bot, Tinte unter die Haut zu stechen. Erstmals im Jahre 1891 ließ sich Samuel O`Reilly eine Tätowiermaschine, eine Tattoo-Gun, patentieren. Hier wird z. B. mit Hilfe zweier Spulen ein Magnetfeld erzeugt, das eine Anzahl feiner, an eine Stange gelöteter Nadeln schnell vor- und rückwärts bewegt. Eine weitere Tätowiermaschine arbeitet mit einem Elektromotor, der über einen Exzenter die Auf- und Abwärtsbewegung erzeugt. Diese Rotarymaschine wurde von 1970 bis 1978 von den Tätowierern Horst Heinrich Streckenbach[2] und Manfred Kohrs[3] konstruiert und angefertigt.[4] Ferner sind noch pneumatische Maschinen auf dem Markt.

Technik[Bearbeiten]

Die Rotarymaschine wird meist im kosmetischen Bereich für Permanent Make-up von Tätowierern für sehr feine Linien oder Schattierungen verwendet. Die mit Elektromotor angetriebene Tattoomaschine hat im Gegensatz zur Magnetspulenmaschine eine größere Laufruhe und ist mit bis zu 18.000 Hüben pro Minute auch erheblich schneller. Dennoch ist die gebräuchlichste Maschine die von Samuel O‘Reilly 1891 patentierte Zweispulen-Maschine, mit bis zu 10.000 Hüben pro Minute.

Eine Tätowiermaschine für Linien wird „Liner“ und für Schattierung „Shader“ genannt. Mittlerweile gibt es zahlreiche Varianten der zwei Maschinenmodelle, die mit Einstellungen für Liner oder Shader arbeiten. Inzwischen arbeiten viele Tätowierer mit diesen Tat-Guns beziehungsweise Tattoo-Guns, mit denen man Schattierungen ebenso wie auch Linien tätowieren kann. Bei den meisten neuen Maschinen besteht die Möglichkeit, sowohl die Nadeltiefe, die Geschwindigkeit und die Stärke des Vorganges einzustellen. Die Tinte hält sich dank einer Kapillarwirkung zwischen den Nadeln und wird durch die Schnelligkeit der Bewegung in die Haut gebracht.

Rechtliche Grundlagen[Bearbeiten]

Am 1. Mai 2009 trat die Verordnung über Mittel zum Tätowieren (TätV) in Kraft. Grundsätzliches ist im Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuches (LFGB) geregelt, die TätV regelt darüber hinaus konkret die Kennzeichnung sowie Mitteilungspflichten, sowie unerlaubte Inhaltsstoffe. Zu den Tätowiermitteln gehören auch die Mittel für Permanent Make-up.[5] Eine Regelung zur Beschaffenheit der technischen Ausrüstung, wie z. B. die Tätowiermaschiene, existiert zur Zeit nicht. Die hygienische Beschaffenheit der Maschinen wird durch die jeweiligen Hygiene-Verordnungen der Bundesländer geregelt.[6]

Trivia[Bearbeiten]

Da Tätowierungen in Haftanstalten nach wie vor begehrt sind, werden von Häftlingen aus jedwedem Material Tätowiermaschinen hergestellt.[7][8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Victoria Groß: Hautgravuren - Zur Individualisierung des Körpers. GRIN Verlag 2006, ISBN 3-638-57827-5.
  • Anne Fuest: Die Tätowierung - Geschichte und Bedeutung in Afrika und Deutschland: Eine kulturanthropologische Untersuchung. GRIN Verlag 2008, ISBN 3-640-21092-1.
  • Matthias Friederich: Tätowierungen in Deutschland: eine kultursoziologische Untersuchung. Band 14 von Quellen und Forschungen zur europäischen Ethnologie, Königshausen & Neumann 1993, ISBN 3-884-79774-3.
  • Erick Alayon: The Craft of Tattooing. CreateSpace Independent Publishing Platform 2006, ISBN 1-419-62591-8.

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Body Modification – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Body Modification

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tätowiermaschinen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Victoria Groß: Hautgravuren - Zur Individualisierung des Körpers. S. 10
  2. Samuel M. Steward: Bad Boys and Tough Tattoos, Routledge London & New York, S. 190. ISBN 0-918393-76-0
  3. tattooing1.blogspot.de. Abgerufen am 24. Oktober 2013.
  4. reinMein die überlokale Zeitschrift: Das Tattoo-Kunsthandwerk – eine Technik, die unter die Haut geht abgerufen am 20. Juni 2012
  5. bvl.bund.de: Rechtliche Rahmenbedingungen. Abgerufen am 26. Juli 2013.
  6. Hygieneverordnung des Niedersächsischen Ministeriums für Frauen, Arbeit und Soziales vom 17. August 2001
  7. Waffen, Tätowiermaschine, Schnapsbrenner. Die illegalen Bastel-Arbeiten der Knackis. Abgerufen am 15. September 2013.
  8. Annegret Stephan, Klaus-Dieter Müller (Hrsg.): Die Vergangenheit lässt uns nicht los: Haftbedingungen politischer Gefangener in der SBZ/DDR und deren gesundheitliche Folgen. Arno Spitz 1998, ISBN 3-870-61812-4, S. 93.
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