Téra

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Stadtgemeinde Téra
Stadtgemeinde Téra (Niger)
Stadtgemeinde Téra
Stadtgemeinde Téra
Koordinaten 14° 1′ N, 0° 45′ O14.0105555555560.75305555555556Koordinaten: 14° 1′ N, 0° 45′ O
Basisdaten
Staat Niger

Region

Tillabéri
Departement Téra
Einwohner 89.966 (2010)
Politik
Bürgermeister Hamidou Niandou (2012)

Téra ist eine Stadtgemeinde und der Hauptort des gleichnamigen Departements Téra in Niger.

Geographie[Bearbeiten]

Téra ist die Hauptstadt des gleichnamigen Departements Téra. Die Stadt liegt in der Sahelzone an einem Zubringer des Flusses Niger. Dieser Nebenfluss ist im Nordwesten Téras zu einem See aufgestaut, der während und nach Regenfällen als Wasserreservoir dient und von Fischern mit Pirogen befahren wird. Das Stadtgebiet ist in acht Stadtviertel, 26 administrative Dörfer, 13 traditionelle Dörfer, 84 Weiler, zehn Lager und vier Wasserstellen gegliedert. Die acht Stadtviertel sind Bégorou, Farko, Fonéko, Foutan Kouara, Guenobon, Nouveau Carré, Sirfi Koira und Zongo.[1] Die Forêt classée de Téra ist ein 44.000 Hektar großes unter Naturschutz stehendes Waldgebiet im Gemeindegebiet von Téra. Die Unterschutzstellung erfolgte 1954.[2] Téra grenzt im Westen an den Nachbarstaat Burkina Faso. Die Nachbargemeinden in Niger sind Bankilaré im Norden, Dargol und Kokorou im Osten sowie Diagourou im Süden.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach dem Untergang des Songhaireichs 1591 gehörte das Gebiet des späteren Téra zu jenen Orten im heutigen Niger, an denen sich Songhai-Flüchtlinge unter einem Nachkommen der ehemaligen Herrscherdynastie Askiya niederließen. Abaza, Sohn des Alazi, gründete hier den unabhängigen Staat Tougana. Unter Abazas Sohn Marounfa wurde Tougana von Gorouol besiegt. Marounfas Neffe Ama Kassa gründete schließlich Téra, wo sich heute das Stadtviertel Bégorou befindet. Die Regierungszeiten von Ama Kassas Nachfolgern Ali Ama, Tienda und Gabélinga waren von kriegerischen Auseinandersetzungen mit benachbarten Gruppen geprägt.[3]

Um 1839 wurden Téra und Kokorou von Silanké angegriffen, einer Untergruppe der Fulbe, die aus Dori in Liptako kamen. Téra rief Tuareg vom linken Ufer des Niger zu Hilfe. Die mit weiteren Fulbe-Gruppen und Kurtey verbündeten Silanké wurden in zwei Schlachten geschlagen. Allerdings wurde Téra nun die Tuareg nicht wieder los, die für Unsicherheit im Gebiet um die Stadt sorgten. Bald kam es zu einem neuen Krieg: Téra verlor, noch im Bündnis mit den Tuareg und den Mossi von Diagourou, gegen Liptako, das rund 2000 Gefangene aus Téra fortführte. Die Tuareg und Mossi wendeten sich bald gegen Téra und vertrieben den Herrscher Gabélinga, nachdem sie dessen Neffen Sidi ermordet hatten. Gabélinga konnte 1878 noch ein letztes Mal die Macht in Téra wiedererlangen, wurde aber schon 1885 ermordet.[4]

1899 gelangte Téra als Teil des neu geschaffenen Kreises Sinder (cercle de Sinder) unter französische Militärverwaltung. 1905 wurde Téra dem neuen Militärterritorium Niger (Territoire militaire du Niger) angeschlossen.[5] Téra erhielt 1988 zugleich mit neun weiteren nigrischen Orten den Status einer eigenständigen Gemeinde. Bis dahin hatte es landesweit zwölf Gemeinden gegeben.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bei der Volkszählung 1977 hatte Téra 8761 Einwohner, bei der Volkszählung 1988 12.313 Einwohner und bei der Volkszählung 2001 18.872 Einwohner.[7] Für 2010 wurden 89.966 Einwohner berechnet.[8]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Donnerstag ist Markttag in Téra. Verkauft werden vor allem Töpfer- und Lederwaren sowie Holzmöbel. Téra ist der Sitz eines Tribunal d’Instance, eines der landesweit 30 Zivilgerichte, die unterhalb der zehn Zivilgerichte der ersten Instanz (Tribunal de Grande Instance) stehen.[9] Die Stadt liegt an der nach Namaro führenden Nationalstraße 4 und an der nach Yatakala führenden Nationalstraße 5. In Téra befindet sich ein ziviler Flughafen mit unbefestigter Start- und Landebahn, der Téra Airport (ICAO-Code: DRRE).[10]

Partnerstadt[Bearbeiten]

Die Partnerstadt von Téra ist Bonneville in Frankreich.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jolijn Geels: Niger. Bradt, Chalfont St Peter 2006, ISBN 1-84162-152-8.
  • Hammadou Soumalia, Moussa Hamidou, Diouldé Laya: Traditions des Songhay de Téra, Niger. Éd. Karthala, Paris 1998, ISBN 2-86537-851-9.
  • Seyni Zoumari Issa: Le Soney (Songhay) après la conquête marocaine, 1592–1900, formation des provinces historiques (Tera, Gooro (Goruol), Namaro, Kokoru, Gothey). Contribution à l’histoire du Soney post-impérial et précolonial (République du Niger). Dissertation, Universität Paris 1 1982.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Répertoire National des Communes (RENACOM). Website des Institut National de la Statistique, abgerufen am 22. Januar 2011.
  2. Données disponibles pour chaque forêt classée. Website der Direction de l’Environnement, Ministère de l’Hydraulique, de l’Environnement et de la Lutte Contre la Désertification, abgerufen am 25. Februar 2012.
  3. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 74–75.
  4. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 96–97.
  5. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 234–235.
  6. Historique de la décentralisation au Niger (PDF; 93 kB). Website des Programme nigéro-allemand de lutte contre la pauvreté dans les zones de Tillabéri et Tahoua-Nord, veröffentlicht im Mai 2008, abgerufen am 21. Januar 2012.
  7. World Gazetteer: Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.bevoelkerungsstatistik.deTillabéri: Die wichtigsten Orte mit Statistiken zu ihrer Bevölkerung, abgerufen am 30. Dezember 2009.
  8. Institut national de la statistique (Hrsg.): Annuaire statistique des cinquante ans d’indépendence du Niger. Niamey 2010 (Online-Version; PDF; 3,1 MB), S. 56.
  9. Bachir Talfi: Note sur l’organisation judiciaire. Website des nigrischen Justizministeriums, abgerufen am 24. September 2012.
  10. Airports in Niger. Website Aircraft Charter World, abgerufen am 23. Januar 2012.