Tétouan

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35.566666666667-5.3666666666667Koordinaten: 35° 34′ N, 5° 22′ W

Karte: Marokko
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Tétouan
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Marokko
Stadtansicht
Königlicher Palast in Tétouan
In der Medina

Tétouan (arabisch ‏تطوان‎, DMG Tiṭwān, spanisch Tetuán), bedeutet auf Rif-Tamazight (Berberisch) "Augen" und ist auch als „Die weiße Taube“ bekannt (französisch: La colombe blanche), ist eine Stadt in Marokko mit 363.000 Einwohnern (Berechnung 2012)[1]. Seit 1999 ist sie – wegen ihres gemäßigten Klimas – Sommerresidenz von König Mohammed VI.

Lage[Bearbeiten]

Das für marokkanische Verhältnisse regenreiche Tétouan liegt in den nördlichen Ausläufern des Rifgebirges etwa 90 m ü. d. M. auf einem Plateau, das zum Jbel Dersa. Die Stadt ist etwa 10 Kilometer von der Mittelmeerküste entfernt.

Geschichte[Bearbeiten]

Anders als bei anderen Städten an der Mittelmeerküste sind für Tetouan keinerlei Zeugnisse aus phönizischer Zeit belegt. Die Römer gründeten in der Nähe der heutigen Stadt eine Militärsiedlung mit Namen Oppidum Tamuda. Im 14. Jahrhundert war Tétouan als Seeräubernest gefürchtet und wurde deshalb wiederholt von kastilischen Schiffen angegriffen. Nach der Eroberung Granadas (1492) und nochmals zu Beginn des 17. Jahrhunderts siedelten sich maurische und jüdische Flüchtlinge aus Andalusien an, was einen wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt zur Folge hatte.

Im Rahmen des Spanisch-Marokkanischen Krieges fanden bei Tétouan mehrere kleine, jedoch sehr blutige Gefechte zwischen Spaniern und Marokkanern statt, nach denen die Spanier am 4. Februar 1860 die Stadt besetzten. Nach einer am 23. März westlich von Tétouan erlittenen entscheidenden Niederlage baten die Marokkaner um Waffenstillstand.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts – nach dem Verlust seiner überseeischen Kolonien – engagierte sich Spanien zunehmend im Norden Marokkos und im Jahr 1913 wurde Tétouan Residenzstadt des spanischen Hochkommissars in Marokko. In Spanisch-Marokko begann am 17. Juli 1936 der Staatsstreich des Militärs zum Sturz der spanischen Regierung, wobei die Militärs in Tétouan loyal zur spanischen Regierung standen. Nach der Einnahme Tétouans und der Luftwaffenbasis Sania Ramel liquidierten die Putschisten den Hockkommissar von Spanisch-Marokko und den Major Ricardo de la Puente Bahamonde mit weiteren 189 Republikanern.[2] Während des spanischen Bürgerkriegs wurde Tétouan von Flugzeugen der republikanischen Seite bombardiert. Im Jahre 1956 gab Franco dem internationalen Druck nach und stimmte der Unabhängigkeit Marokkos zu.

Die Einwohner der Stadt leben hauptsächlich von Handwerk, Handel, Tourismus. Daneben spielen die Fischverarbeitung und das Pulen von Nordseekrabben eine wichtige Rolle. Weitere Einnahmequellen bieten die dort angesiedelte Textil-, Zigaretten- und Elektroindustrie.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Hauptattraktion von Tétouan ist die weitläufige, zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende Medina mit ihrem engen Nebeneinander von Wohnen, Handwerk und Handel. Das sehenswerte Archäologische Museum zeigt vorgeschichtliche Funde sowie eine schöne Sammlung römischer Mosaike, Münzen und Keramiken; im Gartenbereich findet sich eine große Anzahl von Grabsteinen: libysch-berberische, römische, islamische, jüdische und portugiesische in friedlichem Nebeneinander. Auch die Bauten aus der spanischen Kolonialzeit – insbesondere die im neomaurischen Stil erbaute Pfarrkirche an der Place Moulay el Mehdi – sind sehenswert.

Die Ruinen des etwa fünf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt liegenden römischen Oppidum Tamuda, einer Militärsiedlung auf quadratischem Grundriss, lohnen einen kurzen Besuch.

Literatur[Bearbeiten]

  • Arnold Betten: Marokko. Antike, Berbertraditionen und Islam – Geschichte, Kunst und Kultur im Maghreb. DuMont, Ostfildern 2009, S. 138f, ISBN 978-3-7701-3935-4

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tetouan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/bevoelkerungsstatistik.de[3] World Gazetteer
  2. Antony Beevor, Der Spanische Bürgerkrieg, 2. Auflage, ISBN 978-3-442-15492-0, Seite 82.