Törbel

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Törbel
Wappen von Törbel
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Wallis (VS)
Bezirk: Vispw
BFS-Nr.: 6296i1f3f4
Postleitzahl: 3923
Koordinaten: 631729 / 12103446.247.851502Koordinaten: 46° 14′ 24″ N, 7° 51′ 0″ O; CH1903: 631729 / 121034
Höhe: 1'502 m ü. M.
Fläche: 17.31 km²
Einwohner: 484 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 28 Einw. pro km²
Website: www.toerbel.ch
Blick von Grächen auf Törbel

Blick von Grächen auf Törbel

Karte
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Törbel (walliserdeutsch: Terbil) ist eine politische Gemeinde des Bezirks Visp im deutschsprachigen Teil des Kantons Wallis in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten]

Der alte Dorfkern liegt hoch über dem Vispertal auf 1'500 m ü. M.. Das Dorfbild ist geprägt von den durch die Sonne gebräunten Häusern und den engen Gassen, sowie einer sehr geschlossenen Bauweise.

Die tiefstgelegene Stelle auf Gemeindegebiet liegt auf 770 Metern, der höchste Punkt ist der Gipfel des Augstbordhorns auf 2972 Metern. Die Moosalp (2042 m ü.M.) ist die Alp der Gemeinde Törbel und wird als Tourismusgebiet genutzt.

Die Gemeinde Törbel grenzt im Norden an Bürchen, im Nordosten an Zeneggen, im Osten an Stalden, im Süden an Grächen, im Südwesten an Embd und im Westen an Unterbäch.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung

Unter schmalem silbernem Schildhaupt gespalten: vorn in Blau, auf nach links abfallendem grünem Sechsberg, ein silberner Zinnenturm mit schwarzen Fenstern und links angebauter ebensolcher Zinnenmauer; hinten in Gold ein übereck gestellter schwarzer Brunnen, aus dessen Säulenröhren zwei silberne Wasserstrahlen in den Brunnentrog fliessen; die Teilungslinien überdeckt von einem roten Tau getatzten Enden.

Das 1945 angenommene Wappen trägt ein grosses Taukreuz für Törbel und symbolisiert die Hauptweiler Burgen, Feld und Brunnen. Es folgt dem ersten, Anfang des 20. Jahrhunderts geschaffenen Wappen bis auf das Taukreuz.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Aus Törbel stammen die bekannten Schweizer Taschen aus recycelten Armeedecken. Diese werden in Törbel in einer kleinen Fabrik der Karlen Sattlerei und Handels GmbH in Handarbeit hergestellt.

Weiter stammen aus Törbel die Malereien der Künstlerin Helen Güdel, welche in Törbel eine neue Heimat gefunden hat und das Dorf in mehreren Büchern in Malereien darstellt.

Tourismus[Bearbeiten]

Das Tourismusgebiet Moosalp wird ganzjährig genutzt, im Winter als Skigebiet, im Sommer als Wandergebiet.

Jeweils Anfang Sommer findet zudem der Alpaufzug statt, in welchem über 100 Kühe auf die Moosalp gebracht werden. Der Alpaufzug wird von den Ringkuhkämpfen und einem kleinen Volksfest begleitet.

Im Sommer findet jedes Jahr am letzten Sonntag des Monats Juli das traditionelle Älplerfest statt, in welchem jedes Jahr ein folklorischer Umzug stattfindet und bis zu 5000 Besucher anzieht.

Verkehr[Bearbeiten]

Törbel ist verkehrstechnisch gut erschlossen. Es führt eine Strasse von Stalden nach Törbel und dann bis zur Moosalp. Törbel ist auch über Bürchen oder Zeneggen erreichbar, dies aber nur im Sommer und über die Moosalp.

Regelmässige Postautokurse verbinden Törbel mit Stalden (mit Anschluss an die Züge nach Visp und Zermatt) und im Sommer mit der Moosalp (- Bürchen).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

«Urchiges Törbel» (Walliserdeutsch: «Urchigs Terbil») ist ein im Jahre 1985 gegründeter Verein für die Erhaltung und Renovierung von Ahnengütern im Bergdorf Törbel. Die vom Verein betreuten Objekte umfassen:

  • Die Mühle
    Erbaut: Anfang des 19. Jahrhunderts, Restauriert: 1984–1985
  • S'Chlei Stadelti
    Erbaut: vor mehr als 300 Jahren, Restauriert: 1988–1990
  • Das Backhaus
    Erbaut: 1915, Restauriert: 1988
  • Die Walke
    Erbaut: 1830, Restauriert: 1989–1991
  • Die Ignatiuskapelle
    Erbaut: Anfang des 19. Jahrhunderts, Restauriert: 1991
  • Der Driel auf dem Biel (alte Weinpresse)
    Erbaut: 1864, Restauriert: 2000–2001
  • Das Polykarp-Haus
    Erbaut: Anfang des 19. Jahrhunderts, Restauriert: 2003–2004

Stadel[Bearbeiten]

Walliser Stadel in Törbel

„S'Chlei Stadelti“ ist das älteste Gebäude des Weilers Zen Blatten und über 300 Jahre alt. Es ist ein typischer Walliser Stadel, wie man solche in Törbel noch häufiger antrifft. Der Stadel ist auf hölzernen Stelzen gebaut, an dessen oberen Ende sich Steinplatten befinden, damit die Mäuse nicht in das Innere des Stadels gelangten. Das Dach ist auch mit Steinplatten gedeckt, wie es früher in Törbel üblich war und noch heute auf manchen Ferienhäusern gedeckt ist. Im Inneren des Stadels sind verschiedene alte landwirtschaftliche Geräte und Gebrauchsgegenstände zu besichtigen, welche früher für den Ackerbau gebraucht wurden. Früher wurde der Stadel aber vor allem für die Lagerung des Getreides bis zum dreschen verwendet. Das Getreide wurde in den Äckern, die sich unterhalb des Stadels und sich bis zur Mühle erstrecken, angebaut. Das Getreide wurde zu „Garpen“ zusammengebunden und auf dem Feld zum Trocknen ausgelegt und später in mehreren Stadeln untergebracht, bis man es mit dem Holzflegel gedroschen hat. Dann wurde das Korn durch die Kornwanne geschleudert und das nun reine Korn in Säcke abgefüllt und zur Verarbeitung in die Mühle gebracht. Heute werden in Törbel die erhaltenen Stadel eher als Gerümpelkammer gebraucht oder stehen leer.

Mühle[Bearbeiten]

Mühle von Törbel

Die Mühle liegt direkt neben dem Törbjer-Bach. Sie wurde dank eines Deals mit dem Freilichtmuseum Ballenberg wieder instand gesetzt, dafür erhielt das Freilichtmuseum die Überreste von zwei ehemaligen Mühlen, um diese in ihrem Museum wieder aufzubauen. Früher standen in dieser Schlucht noch 8 Mühlen, eine Sägerei und eine Walke. Die Walke ist dank einer Renovation durch „Urchigs Terbil“ auch wieder betriebsbereit. Für die Sägerei ist auch eine Renovation in Planung.

Nun zur Mühle selbst: Am Bach befindet sich ein Wasserschieber. Wenn der Schieber geöffnet ist, gelingt das Wasser über einen ausgeholten Baumstamm in das Untergeschoss der Mühle. Dort treibt das Wasser ein horizontales Wasserrad an, welches mit einem Holzbalken mit dem Mahlstein im oberen Geschoss verbunden ist. Das Wasser fliesst dann durch eine Öffnung wieder aus der Mühle hinaus und über eine Wasserleitung wieder zurück in den Bach. Im oberen Geschoss wird dann das Korn in die “Trimja” geworfen und das Korn wird auf dem Mahlstein gemahlen. Danach geht das noch unreine Mehl über ein Rüttelsieb, um gröbere Unreinheiten zu entfernen und fällt dann in den Mehlkasten. Das nun reine Mehl wird in Säcke abgepackt und dann gelagert oder direkt ins Backhaus gebracht.

Backhaus[Bearbeiten]

Das alte Gemeindebackhaus wurde im Jahre 1815 erbaut und 1988 von Freiwilligen renoviert, nachdem sie sich dazu am Stammtisch im Restaurant Weisshorn verpflichtet hatten. Im Keller befindet sich ein kleines Wasserkraftwerk, welches aber seit einigen Jahren nicht mehr benutzt wird, da in der Nähe der Moosalp ein neues Kraftwerk gemacht wurde. Im Obergeschoss befindet sich das Backhaus mit 4 Räumen: Der grösste Raum ist die Backstube, in ihr wurde der Teig hergestellt und die Brote geformt. Danach wurden die Brote im „Nachhaus“ gebacken, in welchem sich der grosse Backofen befindet. Links von der Backstube befindet sich der kleine Brotlagerraum, in dem die Brote auf Brottreppen gelagert wurden, bis der Kunde die Brote abgeholt hatte. Als letzter Raum ist das offene Unterdach, in welchem das Brennholz und weitere Gebrauchsgegenstände gelagert wurden.

Humanökologische Studien[Bearbeiten]

In den 1980er Jahren war Törbel Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen durch den Anthropologen Robert Mcc. Netting und die spätere Wirtschaftsnobelpreisträgerin Elinor Ostrom.

Netting war einer der ersten, die eine Gemeinde nach humanökologischen Aspekten analysierten. Die Dorfgemeinschaft wurde als Ökosystem untersucht, das sich durch Wirtschaftsweise, Demographie, Reproduktionszyklen oder Heiratsverhalten reguliert.

Ostrom untersuchte die Nutzung der Törbeler Allmende, die durch die Satzung von 1483 geregelt wurde. Insbesondere ging es ihr um die Regeln für die nachhaltige Nutzung der Weiden und Wälder sowie die gemeinschaftliche Unterhaltung von Wegen und Suonen. Nach ihren Studien in Törbel und einigen weiteren Gemeinwesen in aller Welt stellte Ostrom die These auf, dass gemeinschaftliches Eigentum die natürlichen Ressourcen auf lange Sicht besser bewirtschaftet als privates oder staatliches Eigentum. Das Ergebnis war Ostroms Hauptwerk Governing the Commons.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Viktor Petrig (1887–1973), Grossrat (1913–1949), Grossratspräsident (1935–1936), Nationalrat (1917–1943), Regierungsstatthalter (1921–1958), Ständerat (1943–1947)
  • Ernst Heinrich Karlen CMM (1922–2012), römisch-katholischer Erzbischof von Bulawayo in Simbabwe

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert McC. Netting: Balancing on an Alp. Ecological change and continuity in a Swiss mountain community. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 1981, ISBN 0-521-23743-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Törbel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)