T-55

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T-55
T-55A 3.JPG

T-55, Basisversion

Allgemeine Eigenschaften
Besatzung 4 (Kommandant, Fahrer, Richtschütze, Ladeschütze)
Länge 9 m (mit Kanone)
6,04 m (ohne Kanone)
Breite 3,27 m
Höhe 2,35 m (Turm Oberseite)
2,8 m (mit MG)
Masse 36 t (Gefechtsgewicht)
Panzerung und Bewaffnung
Panzerung Turm 39–203 mm, Wanne 33–100 mm
Hauptbewaffnung 1 × 100-mm-Kanone vom Typ D-10T2S, 40 Züge (41 Granatpatronen)
Sekundärbewaffnung 1 × 7,62-mm-MG PKT (achsparellel) und 1 × 7,62-mm-MG (Fahrer, starr eingebaut) mit 2000 Patronen

1 × 12,7-mm-MG DSchK, (Fla-MG, 500 Patronen)

Beweglichkeit
Antrieb V-12-W-55, 48 Ventile, 38,88 Liter Hubraum
580+ PS
Federung Torsionsstab
Höchstgeschwindigkeit > 45 km/h
Leistung/Gewicht 10,6 kW/t (14,5 PS/t)
Reichweite 500 km Gelände
600 km Straße

Der T-55 war der mittlere Standardpanzer der Sowjetarmee sowie der Armeen des Warschauer Pakts – etwa der NVA der DDR – in den 1960er- und 1970er-Jahren.

Geschichte[Bearbeiten]

Entwicklung[Bearbeiten]

Die Entwicklung begann etwa 1959/60, die Einführung in den allgemeinen Truppendienst 1963, bei einigen Gardepanzerverbänden und bei der GSSD jedoch schon früher (etwa 1961). Er wurde aus dem T-54 entwickelt und den Bedingungen des Gefechts beim Einsatz von Massenvernichtungswaffen in Europa angepasst. Die Motorleistung, die Reichweite und der Kampfsatz (Munitionsvorrat) wurden erhöht sowie der ABC-Schutz (Hermetisierbarkeit des Kampfraumes) verbessert. Auffallend war die optimierte geschossabweisende Form von Turm und Wanne sowie das Laufwerk, das durch seine Einfachheit (Drehstabfederung) und Robustheit bestach. Trotz der Modernisierungen wurde viel Wert auf einfache Bedienung, Wartung und Reparaturfähigkeit unter Gefechtsfeld-Bedingungen gelegt.

Einsatzzweck[Bearbeiten]

Haupteinsatzzweck war der offensive Einsatz bei großräumigen Operationen nach eigenen oder gegnerischen Kernwaffenschlägen. Gefechtshandlungen sollten dabei mit möglichst großen Panzerabteilungen (ab Bataillon aufwärts) im Verbund mit motorisierter Infanterie, Artillerie und anderen Teilstreitkräften sowie unter Deckung aus der Luft durchgeführt werden. Es zeigte sich aber, dass der Panzer für fast alle Aufgaben unter fast allen Bedingungen einsetzbar war.

Einsatz[Bearbeiten]

Ein zerstörter T-55 der irakischen Streitkräfte auf dem Highway of Death während des zweiten Golfkrieges
Stillgelegte T-55 der ehemaligen VRS in Bosnien

In seiner Haupteinsatzzeit (1960er- und 1970er-Jahre) war der T-55 ein modernes Waffensystem, das sich vor allem durch seine Feuerkraft, Mobilität und Universalität auszeichnete. Wegen seiner einfachen Grundkonzeption war es möglich, den Panzer über Jahre hinweg mit geringem Aufwand zu modernisieren und technisch auf dem Niveau seiner Hauptkontrahenten zu halten. Mit der Einführung neuer Kampfpanzer im Westen wie im Osten (Leopard 2, M1 Abrams bzw. T-72) trat der T-55 in die zweite Reihe zurück, wurde jedoch weiterhin sowohl von der Sowjetunion als auch ihren Verbündeten im Warschauer Pakt in großem Umfang genutzt. In der NVA wurde er seit 1977 teilweise durch den T-72 ersetzt.

Die hohen Verluste bei vielen Konflikten im Nahen Osten und im südlichen Afrika resultierten aus dem schlechten Ausbildungsstand der Besatzungen und mangelhafter Taktik. Insbesondere die fehlende Deckung aus der Luft und schlechte Gefechtsfeldaufklärung wirkten sich oft verheerend aus.

Bei sachgemäßem Einsatz (panzergünstiges Gelände, Infanterie- und Artillerieunterstützung) und kompetenter Truppenführung beherrschten auch kleinere Verbände mit dem T-55 das Gefechtsfeld (siehe Vietnamkrieg). Erbeutete T-55 wurden besonders in Israel gern und oft weiterverwendet. Einige Konflikte mit Beteiligung des T-55 waren:

Einsatzstaaten[Bearbeiten]

Nutzerstaaten (rot)

Staaten in denen der T-55 eingesetzt wurde (und teilweise noch wird):

Technik[Bearbeiten]

Bewaffnung[Bearbeiten]

Fahrerplatz T54/55 (frühe Version mit starr eingebautem MG rechts in Schulterhöhe)

Die Bewaffnung bestand aus einer vertikal und horizontal stabilisierten Kanone vom Kaliber 100 Millimeter, einem achsparallel zur Hauptwaffe montierten MG PKT (7,62 mm) und einem Fla-MG, üblicherweise 12,7 mm DSchK auf der Ladeschützenluke. Frühe Versionen des T-55 besaßen noch ein starr eingebautes PKT in der Fahrerfront. Da es aber kaum sinnvoll eingesetzt werden konnte, wurde es bald weggelassen.

Die Kanone verschoss patronierte Munition (Splitterspreng, Hohlladung und Unterkaliber). Die Feuergeschwindigkeit betrug etwa 6 Schuss pro Minute. Die Einsatzschussweite im direkten Richten betrug bis 2500 Meter, im zusammengefassten Feuer auf Flächenziele bis etwa 15 km. Ein geübter Richtschütze war in der Lage, während der Fahrt ein Ziel von der Größe eines Kampfpanzers M60 auf 1800 Meter mit dem ersten Schuss zu treffen. Für Ausbildungszwecke konnte ein Einsteckrohr für 23×115-mm-AM23-Munition montiert werden, was die Kosten für Übungsmunition erheblich senkte. Außerdem gab es 100-mm-Übungsgranaten mit reduzierter Treibladung, Leuchtsatz und einer schwachen Zerlegeladung.

Mitte der 1970er Jahre wurde eine moderne elektronische Feuerleitanlage entwickelt, mit der ältere T-55 nachgerüstet werden konnten (und wurden). Sie umfasste unter anderem neue Zielgeräte, Feuerleitrechner, Laserentfernungsmesser und einen Lasersensor. Mit der modernisierten Kanone konnten nun neben normalen Granaten auch lasergelenkte Panzerabwehrlenkraketen (100-mm-Rohrrakete 3UBK10-1 mit Rakete 9M117) mit einer Reichweite bis 4000 m abgefeuert werden. Durch diese verschiedenen Nachrüstsätze wurde der Gefechtswert, insbesondere die Feuerkraft, enorm erhöht.

Technische Ausrüstung[Bearbeiten]

Richtschützenplatz mit Bodenstück der Kanone D-10T des T-54 frühe Version (der drehbare Winkelspiegel links oben wurde beim T-55A durch das IR-Nachtzielgerät ersetzt)
Linke Turmseite aufgeschnitten mit Schwenkwerk (man beachte die unterschiedliche Stärke der Panzerung in Abhängigkeit von der Wandneigung)
Frontpanzerung Fahrer

Eine Neuheit war die Tauchfähigkeit zur Überwindung der auf dem europäischen Kriegsschauplatz häufig zu erwartenden Wasserhindernisse (bis etwa 4,50 Meter Tiefe). Die Vorbereitungszeit für eine Tauchfahrt betrug abhängig vom Ausbildungsstand der Besatzung etwa 1 bis 3 Stunden. Die Orientierung unter Wasser erfolgte über ein Periskop, das gleichzeitig als Schnorchel diente und auf der rechten (Ladeschützen-)seite montiert wurde sowie mit einem Kreiselkompass für den Fahrer. Zur Beseitigung von eindringendem Wasser wurde eine Lenzpumpe installiert. Die Besatzung wurde für den Notfall mit Schwimmwesten und Tauchrettern (RG-UF) ausgerüstet. Eine Unterwasserfahrt (UF) war in Friedenszeiten bis zu 1000 Metern Länge erlaubt, durch die steigende Motortemperatur (max. 110 Grad Kühlwassertemperatur) wegen der unter Wasser eingeschränkten Kühlung bestand die Gefahr einer Motorhavarie.

Das Sichtfeld der Besatzung war naturgemäß eingeschränkt, Sichtfeld im Einzelnen: der Fahrer nach vorn und nach vorn rechts, der Ladeschütze von vorn rechts bis nach hinten rechts, der Richtschütze nur nach vorn, der Kommandant von schräg vorn rechts über die gesamte linke Seite nach hinten rechts. Die einzelnen Sichtfelder überschnitten sich, eine Rundumsicht war also möglich. Die Beobachtung erfolgte durch standardisierte Winkelspiegel, die auch im Gefecht innerhalb von zwei Minuten leicht ausgewechselt werden konnten. Der Kommandant hatte ein optisches Ziel/Beobachtungsgerät in einer drehbaren Kuppel sowie vier Winkelspiegel. Nachts konnte das Beobachtungsgerät gegen ein aktives IR-Sichtgerät getauscht werden. Mit der Kommandantenrichtanlage konnte er den Turm (und damit die Kanone) horizontal auf ein Ziel richten. Der Richtschütze verfügte über ein optisches Zielfernrohr mit zwei Vergrößerungsstufen, ein Infrarot-Nachtzielgerät und einen Winkelspiegel. Die Treffgenauigkeit war für die damalige Zeit ausreichend und gewährleistete treffsicheres Schießen aus der Bewegung auf ein Ziel von der Größe eines Kampfpanzers auf bis zu etwa 1800 m.

Der T-55 war voll nachtkampftauglich. Zu diesem Zweck verfügte er über drei Infrarot-Sichtgeräte; eines für den Fahrer, eines in der Kommandantenkuppel und ein IR-Zielgerät für den Richtschützen. Außerdem konnte die Strichplatte des Tagzielgeräts beleuchtet werden. Die Infrarotgeräte wurden sowohl aktiv (in Verbindung mit IR-Scheinwerfern) als auch passiv benutzt.

Der Zugang zum Fahrzeug erfolgte über vier gepanzerte Luken (Fahrer, Ladeschütze, Kommandant, Notausstieg im Boden der Wanne). Beim Fahren mit offener Fahrerluke (hochgestellter Fahrersitz) musste der Turm gezurrt werden, weil er beim Drehen über die Fahrerluke strich und den Kopf des Fahrers gefährdete. Die Kommunikation erfolgte über ein kombiniertes Interkom/Funkgerät mit vier fest einstellbaren Kanälen. Obwohl es ein reines Röhrengerät war (durch die Verwendung von Elektronenröhren versprach man sich eine höhere Widerstandsfähigkeit gegen einen eventuellen EMP bei einer nuklearen Explosion), war es doch für seine Zeit außergewöhnlich robust und leistungsstark. Später ging man jedoch zur Röhre/Transistor-Hybridbestückung über. Bei Führungsfahrzeugen (ab Kompaniechef aufwärts) wurde ein zweites Funkgerät im Turmheck eingebaut und dafür die Anzahl der mitgeführten Granaten um fünf Stück reduziert.

Eine Nebelanlage zur Sichtblendung war fest eingebaut. Diese spritzte Dieselkraftstoff in den Abgaskrümmer ein, wenn der Fahrer den entsprechenden Schalter betätigte. Die Nebelwolke wurde durch den Auspuff nach links seitwärts ausgestoßen.

Der T-55A verfügte außerdem über eine automatische Feuerlöschanlage.

ABC-Schutz[Bearbeiten]

Turmheck innen von links (bei Führungsfahrzeugen war anstelle der Granatpatronenhalterung ein zusätzliches Funkgerät eingebaut)

Zum Schutz der Besatzung wurden einige neuartige Lösungen eingeführt, die sowohl den Kampfraum als auch den Motorraum zuverlässig hermetisieren sollten. Alle Luken besaßen Moosgummidichtungen, desgleichen der Turmdrehkranz. Das Zielfernrohr wurde mit einer federbelasteten Walzenblende, das PKT mit einer Gummidichtung um den Lauf verschlossen.

Bei radioaktiver Verseuchung des Gefechtsfeldes wurde der Kampfraum über eine Filterventilationsanlage mit selbstreinigender Zentrifuge unter Überdruck gesetzt.

Durch die Ausstattung der Kanone mit einem Ejektor (Rauchabsauger) an der Mündung wurden die Pulvergase direkt durch das Rohr nach außen gesaugt. Dadurch konnte der Feuerkampf mit Kanone und PKT fortgesetzt werden. Ausgelöst wurde die Hermetisierung entweder automatisch oder manuell:

  • automatisch: Ein Messgerät maß laufend den Grad der Radioaktivität und löste im Bedarfsfall eine Reihe von Pyropatronen aus, die mechanische Schließvorrichtungen betätigten – bei einer Kernwaffendetonation mit hoher Sofortkernstrahlung wurde der Motor abgestellt, das Zielfernrohr verschlossen, die Lüftungsgrätings über dem Motorraum geschlossen.
  • manuell: Alle Öffnungen und Luken wurden per Hand geschlossen.

Der Lüfter wurde grundsätzlich per Hand eingeschaltet.

Bei chemischem oder biologischem Alarm wurde der Panzer vollständig verschlossen, ebenso die Kanone. Es konnte nicht mehr geschossen werden. Auch der Lüfter wurde ausgeschaltet und gesichert. Der Motor bekam die Luft auf normalem Weg direkt aus der Umgebung.

Antrieb[Bearbeiten]

Motor T-54/55 von links

Der quer eingebaute V-12-Dieselmotor mit Vierventiltechnik (DOHC) war zuverlässig und mit seiner Diesel-Direkteinspritzung für ein Gefechtsfahrzeug sparsam. Die erreichten Höchstgeschwindigkeiten lagen bei 45 km/h im Gelände und bis 60 km/h auf der Straße, wobei diese je nach Herstellerversion variieren konnte. Die Reichweite bei Marschgeschwindigkeit (Geschwindigkeit in der Kolonne: 30 km/h) betrug 550 bis 650 km.

Das Laufwerk bestand auf jeder Seite aus fünf Doppel-Laufrollen (mit Vollgummireifen) in Einzelaufhängung, einem Leitrad (vorn) und einem Antriebsrad (hinten). Zwischen erster und zweiter Laufrolle war eine größere Lücke. Das sollte die Wirkung von Minen auf das Fahrwerk vermindern und gleichzeitig Kletter- und Überschreitfähigkeit verbessern. Die Federung erfolgte über Torsionstäbe. Die Gleisketten hatten 91 profilierte Glieder aus Stahlguss mit Metall-Gummigelenken.

Die Kraft wurde über ein Umlenkgetriebe, ein Wechselgetriebe, zwei Planetengetriebe und zwei Seitenvorgelege auf die Antriebskränze übertragen. Das Wechselgetriebe verfügte über fünf Vorwärtsgänge und einen Rückwärtsgang (in U-Schaltung, d.h. 1. und Rückwärtsgang lagen mittig), die mit den Lenkhebeln noch zu etwa 50 % untersetzt werden konnten, um mehr Zugkraft zu erreichen.

Gesteuert wurde mit Hilfe von zwei Lenkhebeln, die über jeweils eine Kupplung auf die Planetengetriebe wirkten. Durch Zurückziehen des Lenkhebels wird die Umdrehungsgeschwindigkeit des jeweiligen Antriebskranzes reduziert, anfangs durch Auskuppeln und bei Stufe 1 durch Halbierung der Drehzahl. Über Stufe 1 wird wieder ausgekuppelt und in der Stufe 2 wird der Antriebsstrang gebremst. Die Hauptkupplung war eine 17-Scheiben-Trockenkupplung, die zum Schalten der Gänge mit dem linken Fuß bedient werden musste. Sämtliche Steuerungen wurden wahlweise hydraulisch oder mechanisch betätigt.

Angefahren wurde, nach dem Einlegen des 2. Ganges, mit den Lenkhebeln, von Stufe 2 über Stufe 1 bis zur Normalstellung. Dadurch wurde die Hauptkupplung weniger beansprucht.

Die Motorleistung stieg im Lauf der Jahre und im Zuge der technischen Entwicklung von ursprünglich 500 PS auf annähernd 800 PS. Zum Anlassen des Motors sollte vorzugsweise die pneumatische Startanlage benutzt werden. Hinter dem Fahrersitz war in zwei Druckluftflaschen mit je 150 bar Preßluft gespeichert, die über einen mit halber Kurbelwellendrehzahl drehenden Verteiler mit Rückschlagventilen in die Zylinder geleitet wurde und so die Kolben bewegte. Der elektrische Anlasser wurde meist kombiniert mit der pneumatischen Startanlage benutzt oder wenn der Luftdruck im System nicht mehr ausreichte. Vor dem Anlassen musste das Kühlwasser mit einem Vorwärmer, in dem Diesel verbrannt wurde, auf 70 °C vorgewärmt werden. Wegen des enormen Verschleißes der Kolben war ein Kaltstart nur im äußersten Notfall erlaubt, zwei bis drei Kaltstarts sollte er nur vertragen können. Bei Gefechtsalarm musste der Fahrer schnellstens zu seinem Panzer eilen, um den Vorwärmer zu starten. Das Vorwärmen dauerte in der Regel 15 bis 20 Minuten und wurde im Gefechtsfall bei 40 °C abgebrochen.

Vorgesehen war eine Laufleistung von 3000 Kilometern unter Ausbildungs- und Gefechtsbedingungen bis zur Hauptinstandsetzung von Fahrzeug und Antrieb. In der Praxis wurde diese Vorgabe oft weit überschritten (jedenfalls in der NVA, beispielsweise wurden an der Offiziershochschule Löbau 6000 km erreicht).

Herstellung[Bearbeiten]

Die meisten T-55 wurden im Tscheljabinsker Traktorenwerk hergestellt.

Die Wanne bestand aus gewalztem Panzerstahl, die einzelnen Teile wurden elektrisch geschweißt.

Der Turm wurde aus Stahl gegossen, nach der Feinbearbeitung erfolgte eine Oberflächenhärtung im Wirbelstromverfahren. Diese Herstellungsmethode erlaubte es, Fangstellen und andere exponierte Flächen zu vermeiden sowie an den einzelnen Turmpartien die Materialstärken unterschiedlich zu gestalten (siehe Bild).

Die gesamte Fertigung war auf effektive und schnelle Massenproduktion in Kriegszeiten ausgelegt.

Modifikationen[Bearbeiten]

Auf der Basis des T-55 wurden zahlreiche Spezialfahrzeuge entwickelt, unter anderem:

  • verschiedene Flakpanzer
  • Pionierpanzer unter anderem mit Räumschild, Grabenfräse und ähnlichem Gerät
  • Minenräumpanzer,
  • Panzerzugmaschinen (Bergepanzer, z. B. BTS-2),
  • Brückenlegepanzer (z. B. BLG-60),
  • Geschosswerfer
  • Schützenpanzer (z. B. BTR-T)
  • Selbstfahrlafetten
  • Feuerlöschfahrzeuge

Im Laufe der Jahre entstand eine kaum zu überschauende Unzahl von Versionen und Modifikationen. Einige Entwicklungsstufen waren jedoch so markant, dass man ihnen offizielle Versionsbezeichnungen zuordnen kann. Davon unbenommen modifizierte jeder Nutzer die Fahrzeuge nach seinen Vorstellungen und Bedürfnissen.

  • T-55: Basisversion, entwickelt aus dem T-54; stärkerer Motor,erhöhter Kraftstoffvorrat durch neue Außentanks, IR-Ausrüstung für Nachtfahrt, überarbeiteter Turm und Kampfraum (in den freien Platz neben dem Fahrer wurde ein Schrank für 12 bis 15 Granaten je nach Ausführung eingebaut), neu entwickelte optische Feuerleitanlage, modifizierte Kanone mit Ejektor, Einsatz des neuen MG PKT von Kalaschnikow anstelle des veralteten SG 43 von Gorjunow als Sekundärbewaffnung, Erhöhung des Munitionsvorrates um etwa 20 %, einfache ABC-Schutzvorrichtungen, neuentwickelte UF-Ausrüstung (Tauchfahrt bis 4,50 m Wassertiefe)

Dieser Typ wurde nur in der Sowjetarmee, in der GSSD und in der Vietnamesischen Volksarmee eingeführt, er bildete die Vorlage für den chinesischen Typ 59

  • T-55A: überarbeitete Antriebsanlage, Erhöhung des Kraftstoffvorrates durch neue Innentanks (der Granatschrank auf der Ladeschützenseite wurde gleichzeitig als weiterer Tank ausgebildet), Einführung von Zusatztanks in speziellen Halterungen am Heck (2 × 200 Liter in Rollreifenfässern), Umstellung der Feuerleitanlage von vollkalibrigen Wuchtgeschossen auf Unterkaliber-Granaten, Erhöhung des Munitionsvorrates für die Sekundärbewaffnung, neue Funkanlage, Einführung der IR-Nachtkampfausrüstung für Richtschütze und Kommandant, neuentwickelte ABC-Schutzausrüstung mit automatischer Auslösung der Hermetisierung, Reduzierung der Sekundärbewaffnung (das PKT des Fahrers wurde generell entfernt), zeitweise Entfernung des Fla-MG (wurde später rückgängig gemacht). Modernisierungsstand 1981: Motor W-55W, 580 PS.

Dieser Typ wurde ab etwa 1965 an die Truppen des Warschauer Pakts ausgeliefert sowie in Drittstaaten exportiert. Er machte den größten Teil der produzierten T-55 aus. Die Panzer der Sowjetarmee und der GSSD wurden durch Nachrüstung modernisiert. In der CSSR wurden Versuche mit „Drive by Wire“ durchgeführt, ein Teil der Fahrzeuge entsprechend umgerüstet und in den Truppendienst übernommen

  • T-55AM: Modernisierungsversion aus der UdSSR; verstärktes Fahrwerk, neue elektrische Anlage, Einbau der automatischen Feuerleitanlage WOLNA mit Laserentfernungsmesser KDT-2 und ballistischem Rechner BV-55, teilweise Einführung von Reaktivpanzerungen am Turm (T-55AMV), zum Teil ausgerüstet mit Lenkwaffenanlage 9K116 BASTION einschließlich Richtgerät-Zielfernrohr 1K113 für Lenkwaffensteuerung nach Beam-Rider-Prinzip im Tagbetrieb und als aktiv/passives Infrarot-Nachtzielfernrohr im Nachtbetrieb, neu entwickeltes Unterkaliber-Geschoss mit höherer Anfangsgeschwindigkeit und erhöhter Durchschlagsleistung. Neuer Motor W-55U (W-46-5M) mit 690 PS.
  • T-55AM2: Modernisierungsversion aus der CSSR; verstärktes Fahrwerk, neu entwickelte elektronische Feuerleitanlage KLADIVO mit Laserentfernungsmesser, Laserwarnanlage, Ballistikrechner, Funkgerätesatz R-173, optimierte ABC-Schutzanlage, verstärkte Panzerung,
  • T-55AM2B: wie T-55AM2, aber mit Lenkwaffenanlage 9K116 BASTION, Richtgerät-Zielfernrohr 1K113 für Lenkwaffensteuerung nach Beam-Rider-Prinzip im Tagbetrieb und als aktiv/passives Infrarot-Nachtzielfernrohr im Nachtbetrieb

Die meisten dieser Modifizierungen wurden als Nachrüstsatz an die Truppe ausgeliefert.

Heute existieren noch etliche T-55 (inklusive Lizenzbauten, z. B. Typ 59, Umbauten und demilitarisierte Fahrzeuge) in verschiedenen Armeen (Stand 2004). Darunter fallen auch die Fahrzeuge, die strategischen Reserven zugeordnet sind. Ein sinnvoller Einsatz im modernen Gefecht ist allerdings nicht mehr vorstellbar. Grund hierfür sind die veraltete elektronische Ausrüstung, die für die heutige Waffentechnik unzureichende Panzerung und die zu schwache Bewaffnung. Für viele Dritte-Welt-Staaten, Schwellenländer und paramilitärische Organisationen ist er trotzdem immer noch ein probates Mittel, um Bürgerkriege zu führen oder um lokale, beziehungsweise regionale Interessen durchzusetzen.

Spitznamen[Bearbeiten]

Wie viele Waffen und Waffensysteme in aller Welt erfreute sich auch der T-55 verschiedener, mehr oder weniger drastischer Spitznamen, die von seiner „Beliebtheit“ kündeten, in der NVA zum Beispiel: Bulette (wegen der Turmform), Eisenschwein, Eierschleifer, Roter Rudi, Ofen, Bock, Blechsarg, Rüsseltraktor, Bomber.

Technische Daten T-55A, Basisversion[Bearbeiten]

  • Besatzung 4 Mann
    • Kommandant
    • Fahrer
    • Richtschütze
    • Ladeschütze
  • Bewaffnung:
    • 100-mm-Kanone D-10T2S (Weiterentwicklung der Schiffskanone B-34)
      • Länge: 56 Kaliber
      • Züge: 40
      • Verschlusskeil: halbautomatisch
      • Abfeuerung: mechanisch/elektromechanisch
      • Zündverzögerung: 0,16 s bei elektromechanischer Abfeuerung
      • Stabilisator: STP-2 „Zyklon“
    • koaxiales 7,62-mm-Maschinengewehr PKT
  • Kampfsatz (NVA 1977):
    • 7 Stück 100-mm-Hohlladung BK-5 (900 m/s)
    • 15 Stück 100-mm-Unterkaliber BM-8 (1415 m/s)oder BM-20 (1430 m/s)
    • 21 Stück 100-mm-Splitter-Spreng OF-412 (900 m/s) Zünder einstellbar
    • 2250 Gewehrpatronen 7,62 × 54 mm R für PKT (Leuchtspur, Stahlkern, Panzerbrand)
    • 300 Patronen 7,62 × 39 mm M43 für AKMS-47 (Besatzungswaffe)
    • 4 mal 24 Patronen 9 × 18 PM für Pistole Makarow (persönliche Waffen)
    • 10 bis 15 Handgranaten F1
    • Handleuchtsignale oder Signalpistole
    • Pioniersprengmittel (Sprengpatronen, TNT-Ladungen und ähnliches)
    • Nebelkörper, Rauchpatronen
  • Panzerung
  • Wanne
    • Front: 100 mm bei 30 Grad Neigung (gewalzter Panzerstahl, gehärtet)
    • Seite: 80 mm (gewalzter Panzerstahl, gehärtet)
    • Heck: 46 mm (gewalzter Panzerstahl)
    • Oberseite: 35 mm (gewalzter Panzerstahl, gehärtet)
  • Turm
    • Front: 200 mm (gegossener Panzerstahl, gehärtet)
    • Seite: 80 mm bis 150 mm (gegossener Panzerstahl, gehärtet)
    • Heck: 50 mm bis 65 mm (gegossener Panzerstahl, gehärtet)
    • Oberseite: 39 mm (gegossener Panzerstahl, gehärtet)
  • Abmessungen
    • Länge über alles: 9000 mm (mit Kanone nach vorn)
    • Wannenlänge: 6200 mm
    • Breite: 3270 mm
    • Höhe: 2350 mm
    • Bodenfreiheit: 425 mm
    • Leermasse: etwa 36 Tonnen
    • Gefechtsmasse: etwa 36,5 bis 38 Tonnen
  • Antrieb
    • Motor: wassergekühlter Viertakt-Diesel W-55
    • 12-Zylinder V, 48 Ventile, Bohrung: 150 mm, Hub: 180 / 186,7 mm, 38,88 Liter Hubraum, Gewicht ca. 980 kg, 580 PS / 2000 min−1, 230 mKg / 1300 min−1, Verdichtung 1:14 / 1:15,5
    • Druckluft-Startanlage (150 bar) und/oder
    • kombinierter elektrischer Anlassmotor/Generator
  • Kraftübertragung
    • 17-Scheibentrockenkupplung
    • Wechselgetriebe 5 Vorwärtsgänge, 1 Rückwärtsgang
    • wahlweise Untersetzung mit Vorgelege (50 %)
    • Verteilergetriebe
    • Planetenlenkgetriebe zweistufig
  • Leistungen
    • Höchstgeschwindigkeit: ca. 48–50 km/h im Gelände, >60 km/h auf der Straße
    • Reichweite: etwa 330–380 km im Gelände, etwa 620–650 km auf der Straße
    • Normverbrauch: 3,6 Liter/km (Zuschlag von 0,5 Liter für Geländefahrt)
    • Treibstoffkapazität: 960 l Dieselkraftstoff plus 2×200 l in Zusatztanks
    • Spezifische Leistung: ca. 16 PS/Tonne
    • Überschreitfähigkeit: 2,70 m
    • Kletterfähigkeit: 0,80 m
    • Wattiefe: 1,40 m ohne Vorbereitung / ca. 5 m tiefwatfähig mit Vorbereitung
    • Bodendruck: 0,81 kg/cm²
    • Steigfähigkeit: 30°
    • Seitenneigung: 32°
    • Nebelanlage eingebaut
    • Feuerlöschanlage eingebaut

Literatur[Bearbeiten]

  •  A. W. Karpenko: Sowjetisch-Russische Panzer. 1905–2003. Elbe-Dnjepr, Klitzschen 2004 (Originaltitel: Обозрение отечественной бронетанковой техники (1905-1995 гг.), übersetzt von R. Meier), ISBN 3933395445, S. 291–309.
  •  Jörg Siegert, Helmut Hanske: Kampfpanzer der NVA. Motorbuch, Stuttgart 2011, ISBN 9783613032941, S. 113–153.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: T-55 – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien