Transatlantisches Freihandelsabkommen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von TAFTA)
Wechseln zu: Navigation, Suche
TTIP ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter TTIP (Begriffsklärung) aufgeführt.

Das Transatlantische Freihandelsabkommen, offiziell Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (englisch Transatlantic Trade and Investment PartnershipTTIP[1][2] oder auch Trans-Atlantic Free Trade AgreementTAFTA) ist ein in der Verhandlungsphase befindliches Freihandelsabkommen in Form eines völkerrechtlichen Vertrags zwischen der Europäischen Union, den USA und weiteren Staaten. Die detaillierten Vertragsbedingungen werden seit Juli 2013 von Vertretern der Europäischen Kommission und der US-Regierung ausgehandelt.[3] Die dabei verhandelten Vertragsbedingungen sind geheim, auch die nationalen Parlamente der zukünftigen Mitgliedsstaaten und das EU-Parlament erhalten keine detaillierten Informationen. Mittlerweile wurden unautorisiert mehrere interne Positionspapiere der EU und der deutschen Verhandlungsführer aufgrund von Informationsleaks im Internet veröffentlicht.[4]

Als Testfall gilt das Comprehensive Economic and Trade Agreement (CETA), das schon 2013 beschlossene kanadisch-europäische Abkommen, das im Herbst 2014 ratifiziert werden soll, aber – in Europa in der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet – ebenso umstritten ist wie TTIP/TAFTA. Beide Abkommen stehen auch in engem Zusammenhang mit der Diskussion um das internationale Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA).

Grundlagen[Bearbeiten]

Eine derartige Freihandelszone wurde seit etwa dem Beginn der 1990er Jahre diskutiert, auch unter dem Namen Wirtschafts-NATO.[5][6] Nach offiziellen Stellungnahmen soll durch das Abkommen unter anderem das Wirtschaftswachstum in den Teilnehmerstaaten belebt, die Arbeitslosigkeit gesenkt und das Durchschnittseinkommen der Arbeitnehmer erhöht werden. Spitzenvertreter der Europäischen Union wie José Manuel Barroso, EU-Handelskommissar Karel de Gucht, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und zahlreiche weitere europäische Spitzenpolitiker sowie auch US-Präsident Obama haben Notwendigkeit und positive Effekte des Abkommens vielfach betont. Merkel meinte im Februar 2013: „Nichts wünschen wir uns mehr als ein Freihandelsabkommen zwischen Europa und den Vereinigten Staaten“.[7][8][9][10] In ihrem Koalitionsvertrag betonen CDU, CSU und SPD: „Das geplante Freihandelsabkommen mit den USA ist eines der zentralen Projekte zur Vertiefung der transatlantischen Beziehungen. Wir wollen, dass die Verhandlungen erfolgreich zum Abschluss geführt werden".[11]

Das geplante Abkommen wird von Teilen der Politik, Journalisten, Verbraucherschutz- und Umweltschutzorganisationen sowie Nichtregierungsorganisationen massiv kritisiert. So werde es von Lobby-Vertretern der Industrie unter Ausschluss der Öffentlichkeit, ohne Beteiligung der nationalen Parlamente oder des EU-Parlaments und damit faktisch ohne demokratische Kontrolle verhandelt. Die zu erwartenden positiven wirtschaftlichen Effekte für die Bevölkerung der Teilnehmerstaaten seien sehr gering und würden von zahlreichen gravierenden Nachteilen begleitet. So würden durch das Abkommen Umwelt- und Gesundheitsstandards untergraben und Arbeitnehmerrechte aufgeweicht. Die angestrebte „Harmonisierung“ von Standards orientiere sich laut Kritikern an den Interessen der Konzerne und Finanz-Investoren, weil Harmonisierung bedeute, dass tendenziell der jeweils niedrigste bzw. wirtschaftsfreundlichste Standard aller Einzelstaaten als Basis für die verbindliche Norm des Vertrags dienen werde. Der dadurch ausgelöste Race to the bottom führe zu weiteren negativen Globalisierungseffekten. Die Europäische Kommission und der BDI verweisen darauf, dass eine Senkung von Standards nicht beabsichtigt sei und eine Harmonisierung oder gegenseitige Anerkennung nur auf der Basis bestehender hoher europäischer Standards erfolgen solle.[12]

Kritiker des geplanten Abkommens fürchten, dass Unternehmen bei Verstößen gegen die Vertragsregeln „gigantische Entschädigungen“ durchsetzen könnten. Sie verweisen auf schon bestehende Handelsabkommen, auf deren Grundlage Konzerne etwa gegen ein Moratorium vorgehen, das die Gasförderung mittels Fracking aussetzt, oder auf Entschädigung wegen des Atomausstiegs in Deutschland pochen. Im Zuge des geplanten Transatlantischen Freihandelsabkommens wollen Konzerne Kennzeichnungspflichten für gentechnisch veränderte Lebensmittel und das Verbot von unter Einsatz von Hormonen erzeugtem Fleisch kippen.[13] Die Europäische Kommission hat hingegen erklärt, dass bestehende nationale oder europäische Gesetze nicht vor einem Schiedsgericht angegriffen werden können, sofern sie nicht diskriminierend angewendet werden.[12]

Die Vorteile, die das Abkommen den Unternehmen bieten soll, wären zudem bindend, dauerhaft und praktisch nicht mehr veränderbar – weil jede einzelne Bestimmung nur mit Zustimmung sämtlicher Unterzeichnerstaaten geändert werden könnte, sobald der Vertrag in Kraft getreten sei.[13] Das Abkommen wurde als „undemokratisch“, als „unvereinbar mit demokratischen Prinzipien“ und als „Unterwerfung“ der Teilnehmerstaaten unter Konzerninteressen bezeichnet.[13][14]

Als Vorläufer gilt das Multilaterale Investitionsabkommen, das bereits in den 1990er Jahren auf erhebliche Widerstände von Aktivisten und NGO stieß und schließlich am Widerstand Frankreichs scheiterte.

Bisherige Aktivitäten[Bearbeiten]

Transatlantic Economic Council[Bearbeiten]

Entschließungen der EU, über die Schaffung einer Freihandelszone mit den USA zu verhandeln, liegen aus den Jahren 1990, 1998 und 2005 vor. Am 30. April 2007 wurde die Rahmenvereinbarung zur Vertiefung der transatlantischen Wirtschaftsintegration zwischen der Europäischen Union und den USA unterzeichnet. Der daraufhin gegründete Transatlantische Wirtschaftsrat (TEC) befasste sich fünf Jahre mit den Hürden, die einer Einigung voraussichtlich im Wege stünden.[15]

Seit 2009 lief mit CETA (EU-Kanada-Freihandelsabkommen) die Blaupause zum „großen transatlantischen Abkommen“. „Die Tagesschau“ hat am 14. August 2014 den CETA-Vertragstext in seiner 519 Seiten langen Endversion vom 5. August 2014 als PDF-Datei ins Internet gestellt[16] und sind hier bei Telepolis [17] analysiert.

Vorbereitung durch die High Level Working Group[Bearbeiten]

Auf dem EU-US-Gipfeltreffen am 28. November 2011 setzten der US-Präsident Barack Obama und der Präsident des europäischen Rats, Herman van Rompuy, im Rahmen des Transatlantischen Wirtschaftsrats (TEC), die Gründung einer High-Level Working Group on Jobs and Growth ein, deren Mitglieder lange geheim blieben, bis sie auf Druck der NGO Corporate Europe Observatory veröffentlicht wurden.[18] Diesem Beratungsgremium, das zuerst am 23. April 2012 tagte, gehörten nach Ansicht der Nichtregierungsorganisation attac vor allem liberale Technokraten (u.a. Vertreter von Business Europe und der Bertelsmann-Stiftung) an, von denen keiner ein demokratisches Mandat besitze.[19] Geführt wurde diese Arbeitsgruppe durch den Handelsvertreter der Vereinigten Staaten (USTR) Ron Kirk und Karel De Gucht.

Obama und EU-Kommissionspräsident Barroso sprachen sich am 13. Februar 2013 in einer gemeinsamen Erklärung für eine Freihandelszone ihrer beiden Wirtschaftsblöcke aus.[20][21]

Beginn der Verhandlungen[Bearbeiten]

Im Juni 2013 ebnete die EU den Weg für Verhandlungen des Freihandelsabkommens mit den Vereinigten Staaten. Der audiovisuelle Wirtschaftsbereich (Film- und Musikproduktionen) wird von den Verhandlungen jedoch vorerst ausgeklammert.[22]

Die Aufnahme der Verhandlungen wurde am 17. Juni 2013 vom Präsidenten der EU-Kommission José Manuel Barroso zusammen mit US-Präsident Barack Obama, Präsident des Europäischen Rates Herman Van Rompuy und UK Premierminister David Cameron auf einer Pressekonferenz am Rande eines Treffens der G8 verkündet als „machtvolle Demonstration der Absicht, eine freie, offene und auf vereinbarten Regeln beruhende Welt zu schaffen“.[23]

Zuständiger EU-Kommissar De Gucht

Die Verhandlungen führt auf europäischer Seite die Europäische Kommission. Jedoch drohen einzelne Mitglieder wie Justizkommissarin Viviane Reding im Zug der Überwachungs- und Spionageaffäre 2013 damit, sich für ein Ruhen der Gespräche auszusprechen: „Partner spionieren einander nicht aus. Wir können nicht über einen großen transatlantischen Markt verhandeln, wenn der leiseste Verdacht besteht, dass unsere Partner die Büros unserer Verhandlungsführer ausspionieren.“[24] Verhandlungsführer seit Dezember 2013 sind auf EU-Seite Ignacio Bercero und für die USA Dan Mullaney.

Im Juli 2013 veröffentlichte die Europäische Kommission eine Reihe von Positionspapieren zu verschiedenen Aspekten der Verhandlungen. Sie wurden den US-Vertretern bei der Verhandlungsrunde im Juli vorgelegt.[25]

Verabschiedung des Investitionsschutz[Bearbeiten]

Die Europäische Kommission führt eine „Öffentliche Konsultation zu den Modalitäten des Investitionsschutzes und der Investor-Staat-Streitbeilegung im Rahmen der TTIP“[26] durch. Über einen Fragebogen können Unternehmen und Privatpersonen bis zum 6. Juli 2014 ihre Ansichten äußern.

Das EU-Parlament hat bereits im April 2014 gegen die Stimmen von Grünen und Linken einer Regelung der finanziellen Verantwortlichkeit bei Investor-Staats-Schiedsverfahren zugestimmt.[27][28] In der Presse wurde dies als "Absegnen" des Investitionsschutzes in TTIP aufgefasst.[29]

In den politischen Leitlinien des neuen Kommissionspräsidenten, Jean Claude Juncker, vom 15. Juli 2014, ist geplant, die Position zu überdenken und die Verhandlungen transparenter zu gestalten: "Allerdings werde ich als Kommissionspräsident auch unmissverständlich klarstellen, dass ich nicht bereit bin, europäische Standards im Bereich Sicherheit, Gesundheit, Soziales, Datenschutz oder unsere kulturelle Vielfalt auf dem Altar des Freihandels zu opfern. Insbesondere die Sicherheit unserer Lebensmittel und der Schutz personenbezogener Daten der EU-Bürgerinnen und -Bürger sind für mich als Kommissionspräsident nicht verhandelbar. Ebenso wenig werde ich akzeptieren, dass die Rechtsprechung der Gerichte in den EU-Mitgliedstaaten durch Sonderregelungen für Investorenklagen eingeschränkt wird. Rechtsstaatlichkeit und Gleichheit vor dem Gesetz müssen auch in diesem Kontext gelten".[30]

Eckpunkte[Bearbeiten]

Laut Europäischer Kommission und US-Handelsministerium geht es im Abkommen um Marktzugang (Zollabbau, öffentliche Aufträge), regulatorische Zusammenarbeit und die globale Regelentwicklung.[31][32] Obgleich zahlreiche tarifliche Barrieren sowie Mengenbeschränkungen bestehen, die vollständig abgebaut werden sollen, überqueren Waren, Dienstleistungen und Kapital den Atlantik bereits ohne größere Reibungsverluste. Lediglich vier bis sieben Prozent des Handelsvolumens sind Zöllen zuzuordnen,[33] vielmehr geht es um den Abbau von nichttarifären Handelsbeschränkungen, also beispielsweise der Gleichbehandlungen bei öffentlichen Aufträgen, der Angleichung bzw. dem Abbau von Gesundheitsstandards und Lebensmittelgesetzen, Umweltstandards und ähnlichem.[34]

Öffentliche Aufträge[Bearbeiten]

Eine Gleichstellung der Wirtschaftssubjekte würde im jeweils anderen Wirtschaftsraum beispielsweise einer lettischen Baufirma gegenüber einer kalifornischen die gleichen einklagbaren Chancen bringen, den Bauauftrag einer Brücke in Los Angeles zu erhalten. Nach grundsätzlicher Übereinkunft werden hier lediglich die festzusetzenden Schwellenwerte zu verhandeln sein.

Lebensmittelgesetze und Gesundheitsstandards[Bearbeiten]

Während in Europa beispielsweise genveränderte Lebensmittel gekennzeichnet werden müssen und weitläufig verboten sind, verhält es sich in den USA völlig anders; 90 Prozent des verwendeten Mais, der Sojabohnen und der Zuckerrüben sind gentechnisch verändert.[35] In Amerika gibt es auch keine Kennzeichnungspflichten. Umgekehrt unterliegen auch in Europa verbreitete und nicht besonders gekennzeichnete Produkte in den USA Beschränkungen. So wird etwa der französische Roquefort-Käse aus Rohmilch von den US-Gesundheitsbehörden als bedenklich eingestuft. Konzerne wie Monsanto kritisieren diese Beschränkungen innerhalb des europäischen Markts seit langem und versuchen im Zuge von TTIP die Deckelung, d. h. das Herunterfahren von Standards zu erreichen, so dass z. B. auch genmanipulierte Pflanzensorten und Produkte unbeschränkt auf dem europäischen Markt vertrieben werden können.[13] Die Europäische Kommission hat erklärt, über den Marktzugang von gentechnisch veränderten oder mit Chlor desinfizierten Lebensmitteln nicht zu verhandeln.[12]

Umweltstandards[Bearbeiten]

Zum derzeitigen Stand darf, anders als in den USA, in vielen Ländern der EU kein Hydraulic Fracturing (kurz: Fracking) betrieben werden und des Weiteren auch kein durch Fracking gewonnenes Erdgas eingeführt werden. Im Dezember 2013 war Fracking in den nicht-öffentlichen Verhandlungen zu TTIP Verhandlungsgegenstand.[36]

Deregulierung des Finanzsektors[Bearbeiten]

Als Reaktion auf die Finanzkrise ab 2007 hatten die USA in den vergangenen Jahren schärfere Regeln im Finanz- und Bankensektor durchgesetzt. Dazu gehört etwa die Reglementierung und das teilweise Verbot riskanter Finanzprodukte, die weithin als einer der Auslöser der Krise angesehen werden. Ein Verhandlungsgegenstand von TTIP ist die Rücknahme von Kontrollen und einschränkenden Regeln für den Finanzsektor.[13] Der Ökonom Michael R. Krätke schrieb dazu:[37]

„Die Ironie der Geschichte: In den USA gelten im Moment noch striktere Finanzmarktregeln als in Europa. Wenn alle Dienstleistungssektoren ‚liberalisiert‘ werden sollen, gilt das selbstverständlich auch für die Finanzdienstleistungen. Folglich steht uns eine seltsame Allianz der Finanzmarktderegulierer ins Haus, die die gerade erst begonnene Reregulierung von Banken und Finanzmärkten mit Elan wieder zurückdrehen werden – die Lobbyisten der britischen ‚Finanzindustrie‘ an der Spitze der Bewegung.“

Industriestandards[Bearbeiten]

Da mit ihnen die Weichen Richtung Zukunft gestellt werden, geht es bei Standards für Industrie, Handel, Gewerbe und Finanzdienstleistungen vor allem um wirtschaftliche Macht. Einheitliche Standards dürften in den Verhandlungen daher die größte Hürde darstellen. In der Vergangenheit war keine US-Regierung bereit, tiefe Eingriffe in ihre nationalen Souveränitäten, Kultur- und Spezialinteressen zuzulassen.

Urheberrecht[Bearbeiten]

Deutsche Kulturstaatsminister wehren sich dagegen, dass persönliche Urheberrechte Gegenstand eines Handels-Abkommens werden.[38] Tatsächlich verfolgen die USA das Ziel "Restored Copyright" (URAA) über in GATT, NAFTA und TRIPS versteckten Nebenklauseln in TTIP zu verankern.[39] Innerhalb der letzten 20 Jahre wurden viele der größeren europäischen Verlagshäuser an US-Verlagskonzerne (z.B. John Wiley & Sons) verkauft. Durch TTIP dürften abgelaufene europäische Urheberrechte reaktiviert und von US-Konzernen per e-commerce "gehandelt" werden.

Prognosen der wirtschaftlichen Effekte[Bearbeiten]

Befürworter[Bearbeiten]

Entwicklung international gebräuchlicher Reservewährungen zwischen 1995 und 2010
Entwicklung international gebräuchlicher Reservewährungen seit 1995

„Vorstellungen über das wirtschaftliche Ausmaß eines möglichen TAFTA sind spekulativ und im Wesentlichen hypothetisch. Allerdings gibt es kaum Zweifel daran, dass es positive Auswirkungen hätte und kleinere Unternehmen stark profitieren würden, [da man diese] von einer schmerzenden Kostenlast befreien [würde]“, schreibt Charles Ries, „NAFTA-Architekt“, US-Botschafter in Griechenland und Vizepräsident der amerikanischen Denkfabrik RAND Corporation in einem Gastbeitrag für International Trade News im Januar 2013.[33]

Die EU-Kommission hat im Vorfeld der Verhandlungen eine Studie beim Londoner Centre for Economic Policy Research (CEPR) in Auftrag gegeben. Die Studie mit dem Titel „Abbau der Hindernisse für den transatlantischen Handel“[40][41] skizziert dabei die wirtschaftlichen Auswirkungen und Folgeabschätzungen eines Freihandelsabkommens für die EU und die USA. Das Forschungsinstitut befürwortet danach ein Freihandelsabkommen und sieht für die EU-Wirtschaft ein Potential von rund 119 Mrd. Euro pro Jahr. Die US-Wirtschaft hat wiederum ein Potential aus dem Freihandelsabkommen in Höhe von 95 Mrd. Euro pro Jahr. Das CEPR kommt zu dem Ergebnis, dass ein kontinuierliches höheres Wirtschaftswachstum von rund 0,5 Prozent (entspräche etwa 65 Mrd. Euro) durch ein Freihandelsabkommen möglich sei.[6][42] „Die Förderung des transatlantischen Handels wäre eine gute Möglichkeit für mehr Wachstum in den Volkswirtschaften, ohne die öffentlichen Ausgaben und Kreditaufnahmen zu erhöhen“.

Auch das Münchner Ifo-Institut sowie die Bertelsmann-Stiftung gaben umfangreiche Studien[43][44] in Auftrag. Nach diesen würden

  • sich das Handelsvolumen zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik verdoppeln (dafür gäbe das Volumen mit den südlichen Euro-Ländern um 30 % nach),
  • zwei Millionen neue Jobs in den OECD-Staaten, davon
  • 1,1 Millionen in den Vereinigten Staaten sowie
  • 181.000 in Deutschland durch das Handelsabkommen entstehen können.
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Im Einigungsfalle entstände ein übermächtiger Wirtschaftsblock, der 50 Prozent der Weltwirtschaft in sich vereinte und faktisch auf Jahrzehnte hinweg sicherstellte, dass die globalen Spielregeln der Wirtschaft weiterhin vom Westen aufgestellt würden. Keine andere Währung könnte auf absehbare Zeit im zunehmend konkurrierenden Spiel der Weltwährungen von Dollar und Euro auf Augenhöhe agieren. Zudem würden die gemeinsamen Regeln, Industriestandards und Zulassungsverfahren de facto zum Weltstandard erhoben, was insbesondere für die EU eine enorme ökonomische Aufwertung und für die deutsche Exportindustrie Vorteile mit sich brächte.[6]

Auf Länderebene tritt die hessische Landesministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, Lucia Puttrich (CDU) für das TTIP ein und sieht mit ihm „eine große Chance … für die hessische Wirtschaft“.[45]

Kritiker[Bearbeiten]

Kritiker erklären, dass das TTIP-Projekt die von Befürwortern behaupteten positiven Effekte kaum erreiche bzw. dass die positiven Effekte im kaum oder nicht messbaren Bereich lägen, selbst bei wohlwollender Betrachtungsweise.

Beim „Forum Wirtschaft“ waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion – Bernhard Mattes, Vorstandsvorsitzender Ford Deutschland und Präsident der American Chamber of Commerce in Germany, Reinhard Bütikofer, MdEP und Vorsitzender der Europäischen Grünen Partei, Prof. Irwin Collier, Wirtschaftswissenschaftler und Vorsitzender des John-F.-Kennedy-Instituts an der FU Berlin, sowie Jackson Janes, Präsident des American Institute for Contemporary German Studies an der Johns Hopkins University in Washington DC – einig, dass das Freihandelsabkommen netto nicht zu mehr Arbeitsplätzen führen wird.[46]

Die amerikanische Handelsrechtsexpertin Lori Wallach schrieb:[13]

Eine Studie des Tafta-freundlichen European Centre for International Political Economy kommt zu dem Befund, dass das BIP der USA wie der EU – selbst unter extrem blauäugigen Annahmen – allenfalls um ein paar Promille wachsen würde, und das ab 2029. Den meisten bisherigen Prognosen liegt die Annahme zugrunde, dass Zollsenkungen stets eine starke Wirtschaftsdynamik auslösten – was empirisch längst widerlegt ist. Verzichtet man auf diese dubiose Annahme, dann – räumen die Autoren der Studie ein – schrumpft der potenzielle BIP-Zuwachs auf statistisch irrelevante 0,06 Prozent.

Die von der EU-Kommission selbst in der Öffentlichkeit angegebenen Zahlen seien nicht das wahrscheinlichste, sondern das optimistischste Szenario, und zwar über einen Zeitraum von zehn Jahren. So soll sich durch TTIP laut EU-Kommission das Einkommen einer vierköpfigen Familie pro Jahr durchschnittlich um 545 Euro erhöhen.[47] Auf der Webseite der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik schreibt Tobias Kröll dazu[48] :

Es geht hier um eine Wirtschaftsunion mit 28 Mitgliedsstaaten mit jeweils unterschiedlichster Bevölkerungs-, Wirtschafts- und Sozialstruktur, sowie unterschiedlichsten Tarifstrukturen. Innerhalb der Staaten gibt es dazu noch jeweils unterschiedlichste Regionen. Es ist schon sehr gewagt,auf dieser Basis mit dem Betrag von 545 Euro in Verbindung mit einer `durchschnittlichen vierköpfigen Familie´ für das Freihandels-Abkommen zu werben. Damit wird nun langsam deutlich, dass es (auch ohne TTIP-Abkommen) in der Wirtschaft in erster Linie um die Verteilung des jeweils erwirtschafteten Reichtums geht.

Die angegebenen 2 Millionen neuer Arbeitsplätze beziehen sich auf den gesamten Freihandelsraum mit über 800 Millionen Menschen. So geht eine von TTIP-Befürwortern häufig zitierte Studie der Bertelsmann-Stiftung von einem Rückgang der Arbeitslosigkeit in Deutschland um insgesamt (nicht jährlich) 0,11 Prozent aus.[49] Aber auch grundsätzliche Kritik, was den Aufbau und die neoklassischen Annahmen der Studien betrifft, wurde geäußert.[50]

Zu den Kritikern gehört auch Gabriel Felbermayr, der als Leiter des Zentrums für Außenwirtschaft des Ifo Institut für Wirtschaftsforschung die Auswirkungen des transatlantischen Freihandelsabkommens erforscht.[51]

Die Initiative ATTAC „TTIP unfairhandelbar“ überreichte am 22. Mai 2014 715.000 Unterschriften.[52] Die Initiative Campact will mit 650.000 Unterschriften per online-Abstimmung die EU-Zustimmung zu TTIP verhindern.[53] Die Überreichung der ersten 470.000 Unterschriften an Sigmar Gabriel kommentierte er mit den Worten

470.000 Menschen haben gegen etwas unterschrieben, was es noch gar nicht gibt. - Man könne den Eindruck kriegen, als ginge es um Leben und Sterben.

Gabriel Berlin 2014[54]

De Gucht ernannte sich daraufhin zum „Sprecher von 500 Millionen Europäern“. Das internationale Bündnis „Stop TTIP“ stellte bei der Europäischen Kommission einen Registrierungsantrag für eine Europäische Bürgerinitiative (EBI) gegen das TTIP-Abkommen, der von dieser als unzulässig abgelehnt wurde (nicht rechtskräftig).[55]

Weitere Kritik[Bearbeiten]

Zahlreiche Gewerkschaften wie Verdi[56][57], Parteien wie Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen[58], AfD[59], die Piratenpartei[60], die Ökologisch-demokratische Partei[61], die Partei Mensch Umwelt Tierschutz, politische Verbände wie die europäische Fraktion der Grünen / Freie Europäische Allianz, Verbraucherschutzorganisationen, Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace und Nichtregierungsorganisationen (NGO) wie Attac[62][63] kritisieren TTIP zum Teil massiv.[64][65] Zum Teil basiert diese Kritik auf Erfahrungen mit der bestehenden Freihandelszone NAFTA zwischen den USA, Mexiko und Kanada.[13] Eine Vertreterin des deutschen Bund für Umwelt und Naturschutz erklärte das Freihandelsabkommen für „nicht mit demokratischen Prinzipien vereinbar“,[14] die Handelsrechtsexpertin und Aktivistin Lori Wallach bezeichnete es in einem Artikel in Le Monde diplomatique als „die große Unterwerfung“ der Teilnehmerstaaten unter die Interessen von Großkonzernen und als „Staatsstreich in Zeitlupe“.[13]

Beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags wurde eine Petition[66] gegen das umstrittene Abkommen eingereicht, welche innerhalb der Mitzeichnungsfrist von 68.331 Bürgern unterzeichnet wurde und somit vom deutschen Petitionsausschuss in öffentlicher Sitzung behandelt werden muss.

Nachdem das Corporate Europe Observatory (CEO) 2012 eine Studie veröffentlicht hatte, die über das Ausmaß der weltweit bereits über Handelsabkommen etablierten Möglichkeit für internationale Investoren informierte, Schiedsgerichte anzurufen was mit TTIP auch zwischen den USA und der EU vereinbart werden sollte, begann der europaweit geführte Diskurs über dieses geplante Streitbeilegungsverfahren. Inzwischen haben sich bereits das niederländische Parlament, der französische Senat und auch der deutsche Wirtschaftsminister dagegen ausgesprochen.[67]

Im Gegensatz zur Europäischen Kommission, die nicht vorhat, die EU-Staaten 2015 nach Abschluss der Verhandlungen über das TTIP abstimmen zu lassen, schätzt die deutsche Bundesregierung ein, dass die Zustimmung nicht nur des Bundestags, sondern auch des Bundesrats erforderlich sei, da Länderzuständigkeiten berührt werden. Ferner kritisiert das deutsche Wirtschaftsministerium, dass seinen Beamten kein Zugang zu Verhandlungsdokumenten der USA gewährt wird. Die Partei Bündnis 90/Die Grünen setzt sich dafür ein, Ausstiegsklauseln in den Vertragstext aufzunehmen, damit Mitgliedsstaaten auch nach Inkrafttreten des TTIP noch austreten können.[68]

Undemokratisches Zustandekommen[Bearbeiten]

Zahlreiche Einzelpersonen und Verbände kritisieren, dass TTIP vor allem von Unternehmen und deren Lobbyisten vorangetrieben werde. Laut diversen Kritikern hätten Großunternehmen direkten Einfluss auf die Texte des Vertrags, während Vertreter der Zivilgesellschaft wie Nichtregierungsorganisationen keinen Zugang zu den Verhandlungstexten hätten, und nur in offenen Konsultationen mit der EU-Kommission ihre Positionen vorbringen könnten.[14] Der Einfluss der Konzerne auf das Verfahren sei dabei für die Öffentlichkeit intransparent.[69] Dem widersprach EU-Kommissar Karel De Gucht mit dem Argument, dass jeder Verhandlungsschritt öffentlich bekanntgegeben worden sei.[70] Allerdings sind die dabei jeweils verhandelten Inhalte nicht öffentlich einsehbar. Auch Parlamentarier des Europaparlaments oder der nationalen Parlamente haben keine Möglichkeit, die Verhandlungen zu verfolgen oder die Verhandlungstexte einzusehen.[14]

Elizabeth Warren, Senatorin und Vorsitzende des Consumer Financial Protection Bureau in den USA meint, dass die Inhalte von TTIP geheim seien, weil die Öffentlichkeit – nach Ansicht der Unterstützer – bei Bekanntwerden dieser Inhalte gegen TTIP sein würde. Sie erklärte im Mai 2014:

„I actually have had supporters of the deal say to me ‘They have to be secret, because if the American people knew what was actually in them, they would be opposed.“

„Unterstützer des Abkommens sagten mir, die Gespräche müssten geheim sein, denn wenn das amerikanische Volk wüsste, was tatsächlich der Inhalt ist, wäre es dagegen.“

– George Zornick: Elizabeth Warren Reveals Inside Details of Trade Talks - The Nation, 15. Maija

Schiedsgericht als nicht kontrollierbare Instanz[Bearbeiten]

Kritisiert wird außerdem, dass auch die TTIP wie andere Freihandelsabkommen wieder als intransparent und demokratisch nicht kontrolliert gesehene SchiedsgerichtsverfahrenInvestor-State Dispute Settlement (ISDS) – vorsehe, in denen Konzernen die Möglichkeit gegeben wird, Staaten zu verklagen, etwa wenn durch staatliche Eingriffe Gewinnerwartungen geschmälert worden seien. Die Klage sei beispielsweise dann möglich, wenn ein Staat neue Umweltauflagen oder ein Moratorium (etwa für Fracking) beschließt.[71] Zwar sind derartige Verfahren bereits aufgrund von bestehenden bilateralen Investitionsabkommen möglich,[72] allerdings würden dessen grundsätzliche Probleme im TTIP noch gravierender wirken. Solche Schiedsgerichte, die an Stelle von nationalen Gerichten – die die Möglichkeit der Überprüfung von Entscheidungen durch höhere Instanzen bieten – entschieden, seien bedenklich. Unternehmen könnten so etwa das staatliche Verbot bzw. die Kennzeichnungspflicht gentechnisch veränderter Lebensmittel oder der Gasförderung mittels Fracking verhindern oder Entschädigungszahlungen für den Ausstieg aus der Kernenergie erzwingen. Die Anzahl solcher Verfahren, die mit dem Schlagwort Investitionsschutz begründet werden, habe in den letzten zehn Jahren massiv zugenommen.[13]

Aufweichung und Umgehung von Arbeitnehmerrechten[Bearbeiten]

Ein weiterer Vorwurf der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi lautet, durch TTIP entstehe die Gefahr, dass Arbeitnehmerrechte auf das jeweils niedrigere Niveau heruntergefahren würden.[56] Gewerkschaftliche Vereinigungen beispielsweise, die nach bundesdeutschem Recht ermöglicht werden müssen, könnten durch TTIP durch den jeweiligen Konzern unterbunden werden, so Verdi. Der US-Handelsbeauftragte Michael Froman hingegen betonte die Absicht, die Standards global anzuheben: „These agreements …will level the playing field by raising labor and environmental standards …other countries are not standing by and waiting for us to act. They are busy negotiating their own deals… And I can guarantee you that they do not put the emphasis we do on raising labor and environmental standards…“[73]

Aufweichung und Umgehung von Umwelt- und Gesundheitsstandards[Bearbeiten]

Die angestrebte „Harmonisierung“ von Standards, etwa im Bereich der Umwelt- und Gesundheitspolitik, orientiert sich laut Kritikern an den Interessen der Konzerne und Finanz-Investoren – weil Harmonisierung bedeute, dass tendenziell der jeweils niedrigste bzw. wirtschaftsfreundlichste Standard aller Einzelstaaten als Basis für die verbindliche Norm des Vertrags dienen werde. Diese Effekte seien bereits hinreichend unter dem Begriff Race to the bottom untersucht worden, der bereits durch die Globalisierung in den 90er Jahren gezielt eingesetzt und insbesondere eine weltweite Herabsetzung der sozialen, arbeitsrechtlichen und umweltrechtlichen Standards gebracht habe. So weiche TTIP bestehende hohe europäische Umwelt- und Gesundheitsstandards zugunsten von niedrigeren US-Standards auf. Zum Beispiel könne Unternehmen das in den USA erlaubte Fracking durch TTIP auch in Europa erlaubt werden,[69] bestehende gesetzliche Verbote wie in Frankreich[74][75] würden dadurch unterlaufen.[13] Dazu schrieb die Tageszeitung taz:[20]

„Um die Salmonellengefahr einzudämmen, wird frisch geschlachtetes Federvieh in den USA in ein Chlorbad getaucht. Solche Chlorhühner wollen die Europäer nicht importieren. Ebenso wenig wie den gentechnisch manipulierten Mais aus den USA. Bislang haben die europäischen Behörden solche Handelsblockaden immer mit dem Verweis auf den Gesundheitsschutz sowie die Gewohnheiten der hiesigen Verbraucher verteidigt. In einer Freihandelszone wäre das wohl nicht mehr möglich.“

Die FAZ zitiert zum selben Thema Jürgen Trittin: „Es ist arrogant zu behaupten, dass die europäischen Standards in jedem Fall besser sind als die amerikanischen…Die Europäer verabreichen den Hühnern vorher Antibiotika, die Amerikaner tauchen sie hinterher in Chlor. Ich mag nicht entscheiden, was besser ist.“[76]

Laut dem im Januar 2014 von Spiegel Online zitierten Vorsitzenden des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gefährdet das Abkommen auch die ökologische Agrarwende.[77] In einem von 3sat online gestellten Beitrag verdeutlicht der Vorstand des Verbraucherzentrale-Bundesverbands den Zusammenhang zwischen gesundheitsgefährdendem Chlor und zu erwartender Verschlechterung von Hygienestandards: „Wenn Hühner wie in den USA zur Desinfizierung beim Schlachten durch ein Chlorbad gezogen würden, sei der Anreiz für hohe Hygienestandards in Ställen gering.“[78]

Ungeachtet öffentlicher Verlautbarungen des amerikanischen Präsidenten, der zu seiner ersten Wahl auch mit grünen Themen Wahlkampf gemacht hatte, zeigt der am 19. Juli 2014 in der Süddeutschen Zeitung erschienene Artikel "Angriff auf den Klimaschutz"[79] unter Berufung auf die Studie "Dirty Deals"[80], wie stark das Interesse der amerikanischen Teersand-Ölindustrie europäische, zum Teil erst in Planung befindliche Umweltstandards zu untergraben plant: "Darin wird nachgezeichnet, wie die Ölindustrie daran arbeitet, höhere EU-Klimaschutzstandards für Erdölprodukte wie Benzin und Diesel auszuhebeln. Denn eine geplante EU-Regel könnte unter anderem dazu führen, umstrittene Einfuhren von Teersand-Öl in die EU zu erschweren. Doch das will die Industrie verhindern. Sie sieht in strengeren Klimaschutz-Vorschriften ein Handelshemmnis, das im Zuge der TTIP-Gespräche beseitigt werden muss."

Auch die Gefahr, dass eine "gegenseitige Anerkennung" im Bereich Zulassung gefährlicher Stoffe durch die stark am TTIP interessierte Chemielobby durchgesetzt wird, die zur Herabsenkung von EU-Standards auf US-Niveau führen würde, ist realer, als es Vertreter der US-Chemieindustrie selbst öffentlich eingestehen wollen, wie Stephan Stuchlik und Kim Otto in ihrer am 4. August 2014 in der ARD ausgestrahlten Dokumentation "Der große Deal" aufzeigen.[81]

Der Tabakkonzern Philip Morris hatte infolge des Investitionsabkommens mit Australien das Land verklagt, da die Regelung seit 2012 auch gesundheitliche Warnhinweise auf die Schachteln zu drucken, zu Umsatzeinbußen führte.[82]

Gefahren für europäische Kultursubventionen[Bearbeiten]

Vertreter der europäischen Kulturindustrie wie etwa der Deutsche Kulturrat befürchten, dass die TTIP eine Gefahr für die Buchpreisbindung und die Filmförderung in Europa bedeuten könnte. So behauptet Jens Jessen in der Zeit: „Nun könnte man sagen (und hat es schon gesagt), ein dermaßen fragiles und unpopuläres Pflänzchen wie der europäische Autorenfilm müsse nicht künstlich am Leben erhalten werden. Das mag sogar sein, ist aber nicht der Punkt. Der Punkt besteht darin, dass demokratische Parlamente in Europa beschlossen haben, ihre Filmindustrie zu fördern — und nun erleben müssten, dass dieser oder andere Beschlüsse durch das Abkommen kassiert würden, automatisch sozusagen und ohne jede ausdrückliche demokratische Entscheidung.“[83]

Parallelen zum Nordamerikanischen Freihandelsabkommen[Bearbeiten]

Wie beim Nordamerikanischen Freihandelsabkommen NAFTA sieht auch das TTIP vor, dass Konzernen die Möglichkeit eingeräumt werden soll, Staaten vor Schiedsgerichten auf Kompensationen zu verklagen, wenn Gesetze oder staatliches Handeln Gewinnerwartungen schmälern.[14] Dies stößt auch auf verfassungsrechtliche Bedenken.[84] Verstießen Staaten gegen die Vertragsregelungen, könnten „gigantische Entschädigungen“ für Unternehmen fällig werden; dabei werden Beispielfälle im Bereich von Milliarden US-Dollar genannt.[13]

Nachdem von einer kanadischen Provinz ein Moratorium für das Fracking von Schiefergas und Öl erlassen wurde, klagt zurzeit das US-amerikanische Unternehmen Lone Pine, welches zuvor eine Probebohrungslizenz erworben hatte, vor einem internationalen Schiedsgericht gegen den Staat Kanada und fordert Entschädigungen in Höhe von 250 Millionen Dollar für den zu erwartenden Gewinnausfall.[85] Ähnliche Klagen von US-Unternehmen wären nach dem Abschluss eines Transatlantischen Freihandelsabkommens dann auch in der EU möglich.

Siehe auch[Bearbeiten]

Originaltexte[Bearbeiten]

  • Aktueller Stand der Verhandlungen – online, Europäische Kommission, trade.ec.europa.eu (Commission publishes summary state of play in TTIP negotiations, 29. Juli 2014, englisch) – aktuelle Übersicht über veröffentlichte Dokumente der EU

Geleakte Papiere:

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Öffentliche stellungnahmen von Verhandlungspartnern:

Befürwortende Stellungnahmen:

Kritische Analysen und Stellungnahmen:

Zusammenstellendes:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP.) Europäische Kommission, 2. Februar 2013 (Englisch).
  2. Geplantes Freihandelsabkommen hat zu viele Hintertüren. Piratenpartei Deutschland, 15. Februar 2013.
  3. Europäische Kommission: Was ist die TTIP?
  4. http://www.ttip-leak.eu/ Erstes Leak des deutschsprachigen TTIP Mandats für die Geheimverhandlungen zwischen EU und USA. Abgerufen am 20. März 2014.
  5. Nikolaus Piper: Die Wirtschafts-Nato, Untertitel: „[…] 1,5 % mehr Wachstum und ein Gegengewicht zu Asien sind schlagkräftige Argumente.“ Süddeutsche Zeitung, Nr. 20, Donnerstag, 24, Januar 2013, Seite 19.
  6. a b c Michael Knigge: EU und USA wollen die ganz große Lösung. Deutsche Welle, 7. Februar 2013.
  7. Auswärtiges Amt, 19. Juni 2013: Präsident Obama in Berlin – Noch enger zusammenrücken mit einer Freihandelszone
  8. USA und EU forcieren gigantische Freihandelszone, Die Welt, Kanzlerin Angela Merkel: „Nichts wünschen wir uns mehr als ein Freihandelsabkommen zwischen Europa und den Vereinigten Staaten“, Berlin, 3. Februar 2013 vor dem Bundesverband der Deutschen Industrie und „Irgendwann werden auch die schwierigsten Projekte Realität“, ebenfalls Berlin, 4. Februar 2013, beim Empfang für das Diplomatisches Corps
  9. Thorsten Jungholt, Clemens Wergin: Sicherheitskonferenz: USA und EU forcieren gigantische Freihandelszone, Die Welt, 2. Februar 2013
  10. Statement by José Manuel BARROSO, President of the EC, on the TTIP:You Tube
  11. „Deutschlands Zukunft gestalten“. Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD, 16. Dezember 2013, abgerufen am 14. August 2014.
  12. a b c Europäische Kommission: EU-US-Handelsabkommen: Hier sind die Fakten, abgerufen am 6. Mai
  13. a b c d e f g h i j k Lori Wallach: TAFTA – die große Unterwerfung. Le Monde diplomatique, 8. November 2013
  14. a b c d e GEO.de: Freihandelsabkommen TTIP – „Mit demokratischen Prinzipien nicht vereinbar.“, 20. Dezember 2013
  15. http://www.eu2007.de/de/News/download_docs/April/0430-RAA/020Framework.pdf
  16. Consolidated CETA Text. EUROPEAN COMMISSION, Directorate-General for Trade, 5. August 2014, abgerufen am 15. August 2014.
  17. Investment ohne angemessenen Profit kann als "indirekte Enteignung" gewertet werden. Walter Gröh, 18. August 2014, abgerufen am 18. August 2014.
  18. Who’s scripting the EU-US trade deal? Corporate Europe Observatory – Exposing the power of corporate lobbying in the EU, 17. Juni 2013
  19. Steffen Stierle: TTIP – Worum geht es? attac Deutschland, 20. August 2013
  20. a b Nicola Liebert: Neues Freihandelsabkommen: Transatlantischer Konsumwahn. die tageszeitung, 14. Februar 2013.
  21. Merkel nennt EU-US-Freihandelsabkommen wichtigstes Zukunftsprojekt. Reuters, 21. Februar 2013.
  22. EU-USA-Handelsabkommen: EU ebnet Weg für Freihandelsgespräche, Zeit Online, 15. Juni 2013
  23. "Presidents Barroso and Obama announce launch of TTIP negotiations". ec.europa.eu, 17. Juni 2013, abgerufen am 22. März 2014 (htm).
  24. „Partner spionieren einander nicht aus“. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. Juni 2013, abgerufen am 5. Juli 2013.
  25. „EU publishes initial TTIP Position Papers“. ec.europa.eu, 16. Juli 2013, abgerufen am 15. September 2013.
  26. [1]
  27. http://www.heise.de/newsticker/meldung/Europaparlament-stimmt-Investorenschutz-nach-TTIP-Vorbild-zu-2173345.html
  28. Gesetzgebungsmaterialien
  29. http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/geplantes-freihandelsabkommen-ttip-eu-parlament-winkt-sonderrechte-fuer-grosskonzerne-durch-1.1947133
  30. Jean Claude Juncker, Politische Leitlinien, S. 9.
  31. European Commission: Member States endorse EU-US trade and investment negotiations > EU's objective in these negotiations. Pressemitteilung vom 14. Juni 2013, abgerufen am 9. Mai 2014 (Englisch)
  32. United States Trade Representative: United States to Negotiate Transatlantic Trade and Investment Partnership with the European Union - Fact Sheet vom 13. Feb. 2013, abgerufen am 9. Mai 2014 (Englisch)
  33. a b Gastbeitrag von Charles Ries: TAFTA: Mittelstand würde stark profitieren. International Trade News.
  34. Sueddeutsche Zeitung, Sieg über das Gesetz, vom 3. Mai 2014, abgerufen am 25. Mai 2014
  35. John Dyer: Genmanipulierte Nahrungsmittel: Erstmals breiterer Widerstand in den USA. Zeichen der Zeit, 28. März 2012.
  36. Gregor Peter Schmitz, Brüssel: Zeitplan für Freihandelsgespräche zwischen USA und EU wird knapp, Spiegel Online, 16. Dezember 2013
  37. Das Kapital gegen den Rest der Welt. Blätter für deutsche und internationale Politik, Januar 2014
  38. Süddeutsche Zeitung 22. Mai 2014 Debatte über Freihandelsabkommen TTIP - Kulturstaatsstreich
  39. U.S. Copyright Office 2013 und geleaktes Mandat zu TTIP
  40. Reducing Transatlantic Barriers to Trade and Investment – An Economic Assessment. Final Project Report, Centre for Economic Policy Research, London, März 2013
  41. Independent study outlines benefits of EU-US trade agreement. European Commission – MEMO/13/211 12/03/2013
  42. US-Vizepräsident nannte Europäer die engsten Verbündeten der USA – Biden sprach über das transatlantisches Verhältnis. Wiener Zeitung Online, München, 2. Februar 2013.
  43. Michael Hanfeld: Freihandelsabkommen – Lasst die Kultur leben. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Juni 2013, zuletzt abgerufen 22. Juni 2013.
  44. The US and the entire EU would significantly benefit from a transatlantic free trade agreement, Bertelsmann-Stiftung, 17. Juni 2013, zuletzt abgerufen am 22. Juni 2013.
  45. Frankfurter Rundschau: Puttrich weist Kritik zurück
  46. [2] Forum Wirtschaft, Phoenix und Handelsblatt
  47. Questions and answers. Fragen und Antworten zu TTIP, EU-Kommission
  48. Tobias Kröll: [3], Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, sonstige Veröffentlichungen
  49. Alexander Ulrich: Freihandelsabkommen gefährdet Sozial- und Umweltstandards, Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, 21. Oktober 2013
  50. Jascha Jaworski: TTIP-Wachstumsstudien: neoliberale Holographie, Telepolis, 19. Januar 2014
  51. http://www.n-tv.de/politik/Freier-Handel-fuehrt-zu-Ungleichheit-article12283116.html
  52. 22. Mai 2014 ATTAC – 715.000 Unterschriften, online-Abstimmung
  53. Campact-online-Abstimmung zu TTIP
  54. TAZ vom 5. Mai 2014 und im Originalton im TV.
  55. Europäische Kommission: Abgelehnter Registrierungsantrag. STOP TTIP. 10. September 2014, abgerufen am 12. September 2014.
  56. a b Verdi Bundesverwaltung: "Angriff auf Löhne, Soziales und Umwelt - Was steckt hinter dem transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP?", 11. Dezember 2013
  57. Erich Möchel: Welle der Kritik am Freihandelsabkommen TTIP, ORF.at, 18. Dezember 2013
  58. Ska Keller: Broschüre: Das Freihandelsabkommen mit den USA in der Kritik, Europagruppe GRÜNE, 3. Dezember 2013
  59. Programm für die Wahl zum Europäischen Parlament am 25. Mai 2014, S. 13, Alternative für Deutschland
  60. „TTIP“ Nein danke! – Transatlantische Partnerschaft geht anders – aus dem Wahlprogramm zur Europawahl der Piratenpartei Deutschland, 5. Januar 2014
  61. Pressemitteilung vom 7. März 2014: „ÖDP sagt NEIN zu TTIP“
  62. Freihandelsabkommen EU-USA: Attac fordert sofortigen Abbruch der Geheimverhandlungen, Attac, 13. November 2013
  63. „Politiker wissen erschreckend wenig über Zusammenhänge“, Tiroler Tageszeitung Online
  64. Jannis Brühl: Wie die Gentech-Lobby die Freihandelsgespräche ausnutzt, Süddeutsche Zeitung, 11. November 2013
  65. Bernd Riegert: USA und EU nicht handelseinig, Deutsche Welle, 15. November 2013
  66. https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2014/_01/_27/Petition_48994.mitzeichnen.$$$.a.u.html
  67. Harald Schumann am 7. April 2014: Die nationale Borniertheit ist überholt.
  68. Gerald Trautvetter: Verhandlungen EU-USA: Bundesrat muss Freihandelsabkommen zustimmen - SPIEGEL ONLINE, 14. Apr. 2014
  69. a b  The lies behind this transatlantic trade deal. Plans to create an EU-US single market will allow corporations to sue governments using secretive panels, bypassing courts and parliaments. 3. Dezember 2012
  70.  You're wrong, George Monbiot – there is nothing secret about this EU trade deal. Our negotiations over the Transatlantic Trade and Investment Partnership are fully open to scrutiny, and Europe will benefit. In: The Guardian. 18. Dezember 2013
  71. Fritz R. Glunk: Der Investor ist unantastbar. Süddeutsche Zeitung, 5. Juli 2013
  72.  Markus Balser: Atomausstieg ja, aber bitte mit Kompensation. Vattenfall verklagt Regierung auf Entschädigung. In: SZ. 5. Juni 2012
  73. Remarks by U.S. Trade Representative Michael Froman beim Center for American Progress - 18. Februar 2014;Video
  74. François Hollande et le gaz de schiste, Le Monde, 15. Juli 2013 (Französisch).
  75. David Jolly: France Upholds Ban on Hydraulic Fracturing, The New York Times, 11. Oktober 2013 (Englisch).
  76. Ralph Bollmann: Hilfe, ein Hähnchen aus Amerika!
  77. Freihandelsabkommen mit den USA: Agrarbündnis warnt vor Chlorhühnchen und Genpflanzen. Spiegel Online, 16. Januar 2014
  78. Weg frei für Chlorhühner: Verbraucherschützer kritsieren Handelsabkommen, 3sat, zuletzt aktualisiert 20. März 2014 / jus, mp mit Material von dpa, dapd, epd, afp.
  79. "Angriff auf den Klimaschutz", in: Süddeutsche Zeitung, 19. Juli 2014, 19:25
  80. Dirty Deals: How trade talks threaten to undermine EU climate policies and bring tar sands to Europe, July 2014
  81. ARD-Dokumentation "Der große Deal" - Von Stephan Stuchlik und Kim Otto, Ausstrahlung am 4. August 2014, vgl. Min 8ff.
  82. http://www.taz.de/!136053/
  83. DZ Nr. 24, S. 47
  84. Petra Pinzler: Freihandelsabkommen: Extrarechte für US-Konzerne, Zeit Online, 16. Dezember 2013
  85. Silvia Liebrich: Was das Freihandelsabkommen für Verbraucher und Unternehmen bedeutet, Süddeutsche Zeitung, 11. November 2013