Thai PBS

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von TPBS)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Thai PBS
Allgemeine Informationen
Empfang: Antenne (analog) (DVB-T), Kabel (analog) (DVB-C), Satellit (DVB-S) und IPTV (Internet)
Eigentümer: TPBS (Thai Public Broadcasting Service)
Sendebeginn: 15.01.2008
Rechtsform: öffentlich-rechtlich
Programmtyp: Vollprogramm
Liste von Fernsehsendern

Der Fernsehsender Thai PBS (thailändisch: ไทยพีบีเอส) sendet das sechste landesweit terrestrisch empfangbare Vollprogramm in Thailand. Die Reichweite ist jedoch noch begrenzt, da man über Antenne nur im UHF-Bereich sendet. Die Bildqualität ist jedoch besser und störungsfreier als bei den anderen landesweiten TV-Programmen in Thailand. Eigentümer ist der staatliche TPBS (Thai Public Broadcasting Service, thailändisch: องค์การกระจายเสียงและแพร่ภาพสาธารณะแห่งประเทศไทย; kurz สสท).

Der Sender ist aus ITV (Sendestart am 9. Mai 1995) hervorgegangen. ITV (Independent TV) war das einzige landesweite Vollprogramm, das nicht von der Regierung, der Armee oder dem Staatsbetrieb MCOT betrieben wurde. Es wurde nach den Massenprotesten gegen die militärgestützte Regierung von General Suchinda Kraprayoon und deren blutigen Niederschlagung im „Schwarzen Mai“ 1992, sowie öffentlicher Entrüstung über Zensur und voreingenommene Berichterstattung in den Staatsmedien gegründet.[1] Eigentümer des Senders war das Amt das Premierministers, das der privaten Betreibergesellschaft von iTV für eine Gebühr von 230 Millionen Baht pro Jahr und eine Umsatzbeteiligung in Höhe von 6,5 % der Einnahmen eine dreißigjährige Lizenz erteilte.[2] ITV war auferlegt, zu 70 % Nachrichten- und zu 30 % Unterhaltungsprogramme zu senden. Das Programm war für kritische Berichte und Dokumentationen bekannt. Seine Nachrichten wurden vom Verlag der Tageszeitung The Nation produziert. Insbesondere galt der Sender als sehr kritisch gegenüber dem Unternehmer und Politiker Thaksin Shinawatra.

Als ITV im Jahr 2000 in finanziellen Schwierigkeiten war, kaufte Thaksins Shin Corporation kurz vor dem Wahlkampf, der zu seiner Wahl zum Ministerpräsidenten führte, den Sender. Die Zusammenarbeit mit der Nation Group und der Watchdog Group wurde beendet und damit auch die negative Einstellung gegenüber Thaksin. Journalisten, die sich nicht an der positiven Linie gegenüber Thaksin beteiligen wollten, wurden entlassen.[1] Die wirtschaftliche Leistung von ITV verbesserte sich dagegen deutlich.[3] Nach der Übernahme durch Thaksin klagte ITV gegen die hohe Lizenzgebühr und die Auflage des 70:30-Verhältnisses für Nachrichtenprogramme. Ein Schiedsgericht gestand ITV 2004 eine niedrigere Gebühr und ein Verhältnis von 50:50 zu. 2006 verkaufte Thaksin einen Großteil der Anteile an seiner Shin Corp. an Temasek Holdings aus Singapur. Das löste heftige Proteste aus, unter anderem weil dadurch die Kontrolle an einem thailändischen Fernsehsender ins Ausland fiel.

Nach dem Militärputsch gegen Thaksin im September 2006 klagte die neue Regierung von Surayud Chulanont gegen die 2004 zugunsten von ITV vorgenommene Änderung der Lizenzbedingungen. Das oberste Verwaltungsgericht gab dem Ministerpräsidenten Recht und verurteilte ITV zu einer Wiederherstellung der alten Verteilung der Programmanteile und zur Nachzahlung von Gebühren in Höhe von 76 Milliarden Baht. Das war für ITV untragbar und führte zur Insolvenz des Senders.[4] Die Regierung zog daraufhin die Lizenz zurück und startete stattdessen das regierungseigene Programm TITV (Sendestart am 7. März 2007), mit deren Programmgestaltung sie ihre Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit betraute. Sie beauftragte dann eine Task-Force mit der Ausarbeitung einer Möglichkeitsstudie, aus dem ehemaligen iTV ein nicht-kommerzielles, ausschließlich aus öffentlichen Mitteln finanziertes und inhaltlich unabhängiges Programm zu schaffen. Im Januar 2008 wurde dann per Gesetz der Thai Public Broadcasting Service geschaffen. Er ging am 1. Februar 2008 auf Sendung. Der Sender wurde auf Dokumentationen und Kinderprogramme ausgerichtet und ist werbefrei. Thai PBS hatte im zweiten Quartal 2011 eine durchschnittliche Einschaltquote von 4,9 %.[5]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Glen Lewis: Thai media and the "Thaksin Ork pai" (get out!) movement. In: Political Regimes and the Media in Asia. Routledge, 2008, S. 123-123.
  2. Monwipa Wongrujira: Democratizing Communication. Media Activism and Broadcasting Reform in Thailand. Florida State University, 2008, S. 61.
  3. Duncan McCargo, Ukrist Pathmanand: The Thaksinization of Thailand. NIAS Press, Kopenhagen 2005, S. 47-48.
  4. Peter Leyland: The emergence of administrative justice in Thailand under the 1997 constitution. In: Administrative Law and Governance in Asia: Comparative perspectives. Routledge, 2009, S. 244-245.
  5. MCOT Analyst Briefing Q2 2011 (PDF; 1,5 MB), 16. August 2011.