TV-Producer

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Der TV-Producer ist ein Beruf in der Unterhaltungsindustrie. Der TV-Producer ist für die reibungslose inhaltliche und organisatorische Abwicklung fast aller Bereiche einer Produktion zuständig. Nicht zu verwechseln ist der Beruf des TV-Producers mit dem des Film- bzw. Fernsehproduzenten. Der Producer ist die ausführende "rechte Hand" des Produzenten oder der Fernsehredaktion. Die deutschsprachige Entsprechung für "Producer" ist "Hersteller". Im englischsprachigen Raum ist der "producer" das, was im deutschsprachigen Raum der Produzent ist.

Berufsbeschreibung[Bearbeiten]

TV-Producer sind entweder Freie Mitarbeiter, die projektbezogen engagiert werden, oder Angestellte von Fernsehsendern, Studios oder Produktionsgesellschaften. Bei fast allen Arten von Fernsehsendungen werden Producer eingesetzt. Bei Serien oder seriell produzierten Showformaten können mitunter zwei oder drei Producer zusammenarbeiten, wobei jeder für einzelne Staffeln oder Folgen mitverantwortlich ist.

Im Gegensatz zum Produzenten ist der Producer nicht finanzieller und künstlerischer Gesamtleiter einer Produktion (Executive Producer), sondern für die inhaltliche und organisatorische Umsetzung verantwortlich. Da ein Producer fast immer vor Ort ist, arbeitet er im Gegensatz zum Produzenten oder Executive Producer meist ausschließlich an einem Projekt.

Ein TV-Producer hat meist mehrjährige praktische Erfahrung als Assistant Producer, Filmproduktionsleitung, Redakteur oder Realisator. Er muss Inhalte entwickeln, Kalkulationen aufstellen können und sich in allen Entwicklungsphasen einer Sendung – von der Planung bis zum Schnitt – genauestens auskennen. Die Mehrzahl der TV-Producer spezialisieren sich auf ein bestimmtes Gebiet wie Gameshows, Nachrichten, aktuelle Magazine, Sportsendungen, Serien oder Fernsehfilme.

Der TV-Producer trägt eine große Mitverantwortung für das Produkt. Er fällt viele grundlegende Entscheidungen eigenverantwortlich, allerdings in enger Absprache mit der Redaktion, dem Produzenten, dem Executive Producer, dem Produktionsleiter oder dem Herstellungsleiter. Innerhalb dieses Rahmens hat der TV-Producer oft einen großen Handlungsspielraum im Hinblick auf die Entwicklung von Ideen und Themen, die Skripte, die Wahl des Regisseurs, die Auswahl der Darsteller und in der Vorgehensweise und Abwicklung jeder einzelnen Produktion.

Sein Arbeitsgebiet liegt dabei sowohl im „kreativen“ und „künstlerischen“ Bereich der Produktion als auch in deren Durchführung und Überwachung. Er muss weiter darauf achten, dass die Sendung mit den Zielen des Senders übereinstimmt und den Zuschauerinteressen gerecht wird. Ferner ist es seine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass das Budget für eine Sendung nicht überschritten wird und der Ablaufplan eingehalten wird. Er kümmert sich auch um einen Teil der geschäftlichen Seite, bereitet Verträge mit den Darstellern vor, überwacht die Verwaltung der Gelder, bestellt die benötigte technische Ausstattung und setzt Termine für Proben und Dreharbeiten an. Er koordiniert die bei der Produktion anfallenden Aufgaben und überwacht die Arbeit des Regisseurs, in seltenen Fällen ist er gleichzeitig selbst Regisseur.

Bei Talkshows, Nachrichten- und Dokumentarsendungen ist es mitunter auch Aufgabe des Producers, die Themen, Berichte und Ereignisse auszuwählen, die Gegenstand der Sendung sein sollen. Klassisch ist diese Funktion aber Aufgabe des Redaktionsleiters.

Ausbildung und Berufsaussichten[Bearbeiten]

In Deutschland kamen die Produzenten der Privatsender bisher überwiegend aus kaufmännischen Berufen, während Producer von Produktionsfirmen oft ein Studium im Bereich der Geistes- oder Kommunikationswissenschaften, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften oder Journalistik vorweisen können. Verschiedene Akademien bieten zertifizierte Qualifikationsmaßnahmen für Film- und Fernsehmitarbeiter an, die von den Industrie- und Handelskammern abschlussgeprüft werden, zum Beispiel „Producer/IHK“ mit den Schwerpunkten „Fiction“ oder „Entertainment“ in Köln und Berlin. Der Anteil der Producer mit Fachausbildung ist im Nachrichtenbereich am größten, im Entertainmentbereich am geringsten.

Die Position des Producers ist bei den meisten Produktionsfirmen und Sendern sehr begehrt, und die Konkurrenz um die Stellen ist groß. Von den Produktionsfirmen besitzen nur die größeren mehrere festangestellte Producer, die – oft nur für einen begrenzten Zeitraum – spezielle Aufgaben übernehmen oder an einer bestimmten Sendung arbeiten. Der Rest greift im Bedarfsfall auf freie Mitarbeiter zurück.

Es werden immer noch neue Producerstellen geschaffen. Allerdings ist die Akzeptanz bei den Sendern, die Producer der Produktionsfirmen kalkulatorisch einzubeziehen – also zu bezahlen – besonders im fiktionalen Bereich nicht sehr groß. Die Berufsaussichten für Producer im Bereich Fernsehen sind aufgrund der hohen Anforderungen, des großen Konkurrenzkampfes und des teilweise unklaren Berufsbildes stark schwankend und von der eigenen Persönlichkeit abhängig.

Einordnung in die deutsche Medienlandschaft[Bearbeiten]

Noch in den 1990er Jahren herrschte in Deutschland oft Ratlosigkeit, wenn der Begriff Producer fiel. Das hatte drei Hauptgründe:

  • Der Producer-Begriff ist in der deutschen Film- und Fernsehlandschaft nicht organisch gewachsen. Ab Gründung der Privatsender in den 1980er Jahren sind Berufe unter dieser Bezeichnung verstärkt in das an eigener Tradition reiche deutsche System eingefügt worden, was anfänglich zu Spannungen bei der Abgrenzung von Aufgaben und Kompetenzen führte: Im kreativen Bereich zwischen Producer und Redakteuren, im organisatorischen zwischen Producer und Produktions- und Herstellungsleitung.
  • Ferner unterscheiden sich die Arbeitsbereiche eines Producers in den verschiedenen Produktionssparten und oft sogar von Format zu Format und Firma zu Firma erheblich. Das hat in der Praxis zur Differenzierung und Spezialisierung des Berufsbildes geführt, und zwar in Form einer Herausbildung von verschiedenen Kategorien und von Hierarchien innerhalb des Producerberufs.
  • Daneben wurden mit dem Wort Producer auch viele andere Bezeichnungen und strukturelle Änderungen in Deutschland eingeführt – zum größten Teil in Anlehnung an die anglo-amerikanischen Organisations- und Produktionsstrukturen – was die Verwirrung weiter steigerte.

Die wichtigsten Producer-Berufe[Bearbeiten]

  • Film-Producer (Ausführende finanzielle oder künstlerische Abwicklung einzelner Filmproduktionen)
  • TV-Producer (Ausführende finanzielle und künstlerische Abwicklung einzelner Fernsehproduktionen)
  • Executive Producer (Meist: Vorbereitung, Entwicklung und Produktion von Filmen, Fernsehserien, aufwendigen Sendungen und Spezialproduktionen)
  • Line Producer (Durchführung und Überwachung einzelner Film- oder Fernsehproduktionen)
  • Creative Producer (Entwicklung und inhaltliche Planung einzelner oder mehrerer Fernsehproduktionen)
  • Associate Producer (Partnerproducer des Executive Producers)
  • Assistant Producer (Unterstützung des Produzenten oder Executive Producers bei Produktionen und damit verbundenen administrativen Aufgaben)
  • Field Producer (Betreuung und Durchführung von Einzelbeiträgen oder Teilbereichen eines News- oder Entertainmentformats)
  • Junior Producer (Nachwuchsproducer bzw. Producer-Trainee)
  • Visual Effects Producer (Producer für Postproduktion im VFX Bereich, oft gehörig zu VFX Häusern)
  • Commercial Producer (Producer in einer Werbefilmproduktion, repräsentiert Regisseure, pitcht um Aufträge von Werbeagenturen und produziert sie)
  • Service Producer (Producer in einer Serviceproduktion)

Weitere Producer-Bezeichnungen[Bearbeiten]

  • Assistant to the Producer ist der Assistent eines Produzenten, analog zum Job des Redaktions- oder Produktionsassistenten
  • Supervising Producer ist bei mehreren Produzenten der letztlich verantwortliche bzw. federführende Producer, zum Beispiel bei Co-Produktionen
  • der Begriff Supporting Producer wird oft gleichbedeutetend für Associate Producer verwendet.
  • Bidding Producer, ein Produzent, der ausschließlich Angebote erstellt und „Pitches“ betreut, die Umsetzung jedoch einem Produktionsleiter überlässt

Literatur[Bearbeiten]

  • Everett Chambers: Producing TV Movies. Los Angeles: E.C. Prod., 2. Aufl. 1988
  • Diana Iljine / Klaus Keil: Der Produzent. Das Berufsbild des Film- und Fernsehproduzenten in Deutschland. München: TR-Verlagsunion 1997 (Reihe Filmproduktion, Bd. 1)
  • Bernd Klepin: Producer – ein Fremdwort. Köln: Aim 1999 (Nemoqua-Seminarskripte)
  • Nemoqua (Hrsg.): Producer-Symposium 21./22. Juni 1997. Köln: Aim 1997 (Manuskript)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]