Taborkirche (Hohenschönhausen)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Taborkirche Hohenschönhausen

Die Dorfkirche Hohenschönhausen (seit 1905 Taborkirche) ist das älteste Gebäude im Berliner Ortsteil Alt-Hohenschönhausen. Der an der Hauptstraße gelegene Bau zählt zu den kleinsten Dorfkirchen in Berlin.

Lage und Aufbau[Bearbeiten]

Die Kirche befindet sich an der Hauptstraße Ecke Wartenberger Straße am östlichen Rand des Hohenschönhauser Dorfkerns, inmitten des alten Friedhofs. Das Grundstück ist teilweise eingefriedet (Feldsteinmauer).

Die Kirche setzt sich aus dem Chor im östlichen Teil und dem Langhaus im westlichen Teil zusammen. Die Sakristei schließt sich nördlich an den Chor an. Auf der Südseite sind zwei Anbauten aus dem Jahr 1905. Im kleineren Anbau war zunächst der Aufgang zur Patronatsloge untergebracht; mittlerweile befindet sich dort die Orgemempore.

Der Glockenstuhl befindet sich seit dem Rückbau des Turms 1953 außerhalb der Kirche. Die drei Glocken stammen aus dem Jahr 1918, die größte von ihnen trägt die Inschrift „Friede auf Erden 1918“.

Der Altar von 1450 entstammt der Wartenberger Dorfkirche und kam 1924 nach Hohenschönhausen. Ferner sind das Totenschild des Gutsherrn Hans Christoph von Röbel von 1671 sowie die Fahnenstangen seines Sohnes Christian Dietrich von Röbel ausgestellt. Das Taufbecken stammt aus dem Jahr 1638, es ist mit dem Wappen des Niederbarnim verziert. Die im Renaissancestil erbaute Kanzel von 1540 befand sich ursprünglich über dem Altar, später am Triumphbogen und befindet sich seit 1987 neben dem Totenschild.

Eine um 1500 entstandende Kreuzigungsgruppe, die ursprünglich in der Taborkirche stand, befindet sich heute in der Nikolaikirche.

Geschichte[Bearbeiten]

Langhaus und Chor

Das Dorf Hohenschönhausen wurde um 1230 gegründet. Die steinerne Dorfkirche entstand etwa 30 Jahre nach der Gründung Hohenschönhausens, vermutlich als Ersatz eines hölzernen Vorgängerbaus.[1][2] Den ältesten Teil bildet der rechteckige Chor aus sorgfältig gequaderten Feldsteinblöcken im Stil der Spätromanik (Rundbogenfenster an der linken, oberen südlichen Chorwand) beziehungsweise Frühgotik (Ende des 13. Jahrhunderts), Der Chor hat einen Ostgiebel mit Spitzbogenblenden. Das aus unregelmäßig gequaderten Feldsteinen gemauerte Langhaus kamen zum Ende des 15. Jahrhunderts hinzu. Das Langhaus stützt sich auf einen Mittelpfeiler, von dem vier Dreistrahlgewölbe ausgehen. Die Sakristei auf der Nordseit des Chors (ursprünglich Gruft der Familie von Röbel) kam in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts hinzu.

Um 1470 erhielt die Kirche den ersten Turm aus Fachwerk, die ersten Glocken sollen im darauf folgenden Jahr gekommen sein.[3] Im 18. Jahrhundert entstand an seiner Stelle ein neuer Turm mit Barockhaube.

Weitere Aus- und Umbauten sind für die Jahre 1714 und 1738 angegeben. 1772 und 1898 wurden jeweils die Glocken ersetzt. 1905 wurde der Innenraum umgebaut, an der Südseite wurden ein Anbaut hinzugefügt; der spätestens 1834 (Zeichnung von Wohler) entstandene Südanbau aus Fachwerk wurde erneuert. Nach Abschluss der Arbeiten erfolgte die feierliche Einweihung als Taborkirche.[4] Die 1917 beschlagnahmten Glocken wurden im Folgejahr durch stählerne ersetzt. 1924 wurde ein Marienaltar der Wartenberger Dorfkirche, der sich seit 1885 im Märkischen Museum befand, nach Hohenschönhausen verlegt.[5] Außerdem wurden die beiden Südanbauten erneuert.

Der Turm wurde 1953 wegen Baufälligkeit abgetragen.[2] Der Innenraum wurde 1989 restauriert.

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Taborkirche Alt-Hohenschönhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Anke Huschner: Hohenschönhausen. In: Wolfgang Ribbe (Hrsg.): Geschichte der Berliner Verwaltungsbezirke. Band 15, Stapp Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-87776-070-8, S. 26–29.
  2. a b Denkmal des Monats. November – Taborkirche Hohenschönhausen. November 2011, abgerufen am 3. April 2012 (pdf; 35 kB).
  3.  Anke Huschner: Hohenschönhausen. In: Wolfgang Ribbe (Hrsg.): Geschichte der Berliner Verwaltungsbezirke. Band 15, Stapp Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-87776-070-8, S. 37–47.
  4.  Anke Huschner: Hohenschönhausen. In: Wolfgang Ribbe (Hrsg.): Geschichte der Berliner Verwaltungsbezirke. Band 15, Stapp Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-87776-070-8, S. 80–96.
  5.  Walter Püschel: Spaziergänge in Hohenschönhausen. In: Berlinische Reminiszenzen. No. 73, Haude & Spener, Berlin 1995, ISBN 3-7759-0398-4, S. 100.

52.54874413.507715Koordinaten: 52° 32′ 55″ N, 13° 30′ 28″ O