Tadeusz Kościuszko

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Tadeusz Kościuszko, Gemälde von Kazimierz Wojniakowski (vor 1812).
Tadeusz Kościuszko während des nach ihm benannten Aufstands, Gemälde von Juliusz Kossak (1879)
Unterschrift
Denkmal von Tadeusz Kościuszko im Zentrum von Warschau
1000 Polnische Mark-Banknote ab 1919
Denkmal am Hudson

Andrzej Tadeusz Bonawentura Kościuszko ( anhören?/i) (* 4. Februar 1746 in Mereszowszczyzna, Polesien, Polen-Litauen, heute Weißrussland; † 15. Oktober 1817 in Solothurn, Schweiz) war ein polnischer Adeliger, Nationalheld, General und Anführer des nach ihm benannten Aufstandes gegen die Teilungsmächte Russland und Preußen im Jahr 1794. Er kämpfte im Rang eines Generals auch im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg an der Seite George Washingtons.

Leben[Bearbeiten]

Als jüngstes Kind des dem niederen polnischen Adel zugehörigen Brester Beamten Ludwik Tadeusz Kościuszko besuchte der junge Kościuszko ab 1755 zusammen mit seinem älteren Bruder Józef ein Piaristenkolleg in Lubieszów (Wolhynien). Von 1765 an studierte er an der königlichen Militärhochschule Szkoła Rycerska in Warschau. Neben militärischen Themen lernte er dort Latein, Deutsch, Französisch, Rechtswissenschaften, Volkswirtschaft, Arithmetik, Geometrie und Ingenieurswesen. Er wechselte mit einem königlichen Stipendium 1769 nach Paris, studierte dort an der Akademie der schönen Künste und hörte nebenher Vorlesungen an militärischen Akademien. Der Aufenthalt im vorrevolutionären Frankreich prägte seine politischen Ansichten nachhaltig.

Im Sommer 1775 kehrte er nach Polen zurück, fand aber keine Anstellung in der stark dezimierten Armee des von der Teilung im Jahre 1772 gezeichneten Landes. Nach einem Aufenthalt in Dresden wurde er schließlich während einer erneuten Fahrt nach Paris und Kontakt mit dem Schriftsteller Pierre de Beaumarchais von Silas Deane und Benjamin Franklin rekrutiert. Er traf 1776 in Philadelphia ein und wurde Oberst und Chefingenieur der Kontinentalarmee. Er befestigte Philadelphia und den Delaware River. 1777 wurde er der „Nördlichen Armee“ unter Horatio Gates unterstellt. Kościuszko übernahm seit dieser Zeit das Kommando zur Errichtung verschiedener Forts und befestigter Militärcamps an der kanadischen Grenze. 1777 nahm er an der Schlacht von Ticonderoga und der Schlacht von Saratoga teil. Ein Jahr später befestigte er auf Anordnung George Washingtons West Point am Hudson River und diente schließlich in der „Südlichen Armee“.

Der Kongress der Vereinigten Staaten verlieh Kościuszko 1783 den Rang eines Brigadegenerals und die US-amerikanische Staatsbürgerschaft und im selben Jahr wurde er eines von nur drei ausländischen Mitgliedern der Society of the Cincinnati. Nach Beendigung des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges erhielt Kościuszko als Dank für seine Leistungen 250 ha Land und eine bedeutende Summe Geld, die ihm in jährlichen Raten ausgezahlt wurde. Als er 1798 die letzte Zahlung erhalten hatte, investierte er das Geld in den Freikauf von Sklaven und deren Ausbildung. Den gesamten Rest seines Vermögens übergab er Thomas Jefferson zur Verwirklichung abolitionistischer Bestrebungen.

1784 kehrte Kościuszko an den Familiensitz in Siechnowicze zurück. Nach dem Eintritt in die königliche Armee wurde er 1789 vom König zum Generalmajor ernannt. Die republikanische Bewegung, die von 1788 bis 1792 durchgeführten Reformen und die am 3. Mai 1791 verabschiedete Verfassung begrüßte Kościuszko sehr. Bereits früh beteiligte er sich an der Seite Józef Poniatowskis an Plänen für eine Intervention gegen die Teilungsmächte Russland und Preußen. 1792 war er schließlich einer der Anführer der polnischen Truppen gegen die russische Invasion in Polen, die sich gegen den liberalen Kurs des Parlaments richtete und zum Ausbruch des Russisch-Polnischen Krieges von 1792 führte. Polen unterlag den kaiserlichen Truppen und der Niederlage folgte die Zweite Teilung Polens durch Russland und Preußen. Danach floh Kościuszko nach Kursachsen, kehrte aber 1794 zurück und führte den Freiheitskampf der Polen in dem nach ihm benannten Aufstand gegen Russland und Preußen an. In der Schlacht bei Maciejowice wurde er verwundet und geriet in russische Gefangenschaft.

1796, nach der Begnadigung durch den Zaren, ging Kościuszko ins Exil in die Vereinigten Staaten von Amerika, später nach Solothurn in der Schweiz. Von dort aus führte er seine Bemühungen um die polnische Unabhängigkeit fort, jedoch vergeblich. Am 15.Oktober 1817 starb er, vermutlich an einer Grippe. Während seine Eingeweide (bis auf das Herz, für das eine Urne angefertigt wurde) auf einem Friedhof in Zuchwil beigesetzt wurden, überführte man den einbalsamierten Leichnam von der Jesuitenkirche in Solothurn in die Königsgruft der Wawelkathedrale von Krakau.[1]

Gesellschaftliche Positionen[Bearbeiten]

Kościuszko war ein „Mensch der Aufklärung[2] und fest von republikanischen und demokratischen Grundsätzen überzeugt.[3] Er las Rousseau[4] und stand in Kontakt mit Johann Heinrich Pestalozzi, dessen Ansichten er in vielen Punkten teilte.[5]

Trotz einer deistischen Haltung[5] und seines Bekenntnisses zu einer „universellen Religion aller guten Menschen“[6] blieb Kościuszko auch von seiner römisch-katholischen Erziehung geprägt. So soll er allmorgendlich gebetet haben, auch trat er der katholischen Kirche gegenüber in der Öffentlichkeit stets respektvoll auf.[6]

Kościuszko sprach sich stets deutlich für Toleranz aus und stand anderen Religionen und Völkern offen gegenüber. Franz Xaver Zeltner, in dessen Haus in Solothurn Kościuszko seine letzten Lebensjahre verbrachte, sagte von ihm, dass sein Herz „für die ganze Welt“ geschlagen habe.[7] In einem Brief an General Nathanael Greene 1786 schrieb Kościuszko, dass die „Schranken unserer Zuneigung“ zum „Rest der Menschheit“ durch „Vorurteile und Aberglauben“ beengt seien. Zuneigung solle allen achtenswerten Menschen gezeigt werden - „let him be Turck or Polander, American or Japon“.[7] Alex Storozynski kommt in seiner Biografie zum Schluss, Kościuszko, der sich „für Bauern, Juden, Indianer, Frauen und alle Diskriminierten“ einsetzte, sei ein „wahrer Fürst der Toleranz“ gewesen.[8]

Kościuszko als Künstler[Bearbeiten]

In seiner Freizeit betätigte sich Kościuszko auch als Zeichner und als Komponist. Seine Zeichnungen und Aquarelle warf er achtlos fort[9] oder gab sie an seine Gastfamilien weiter. Etliche sind erhalten geblieben, darunter ein bekanntes Porträt seines Freundes Thomas Jefferson. Ende des 18. Jahrhunderts wurden in England zwei Polonaisen und ein Walzer von Kościuszko veröffentlicht, „composed for the Patriotic Army of Poland“.[10] Daneben beschäftigte er sich auch mit Drechselarbeiten.[9]

Rezeption[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Bereits 1803 erschien der Roman Thaddeus of Warsaw der schottischen Schriftstellerin Jane Porter. Eine deutsche Übersetzung wurde einige Jahre später unter dem Titel Thaddäus Constantin veröffentlicht. Es handelt sich bei diesem Werk vermutlich um den ersten historische Roman in englischer Sprache überhaupt.[11] Porter schildert darin die Erlebnisse eines fiktiven Nachkommen von König Johann III. Sobieski, Thaddeus Sobieski, vor dem Hintergrund des Kościuszko-Aufstands.

Zahlreiche weitere Autoren haben sich literarisch mit Kościuszko beschäftigt, so in Romanform unter anderem Józef Ignacy Kraszewski, Władysław Stanisław Reymont und Marianna Lugomirska, in Dramenform Autoren wie Apollo Korzeniowski oder Władysław Ludwik Anczyc. Ein Drama Kosciuszko von Christian Dietrich Grabbe ist nur als Fragment erhalten.

Postume Ehrungen und Denkmäler[Bearbeiten]

An Kościuszko erinnern Denkmäler und nach ihm benannte Stätten nicht nur in Polen und den USA, sondern auch in zahlreichen anderen Ländern. So wurde in Australien der höchste Berg des australischen Festlands, der Mount Kosciuszko, nach ihm benannt.

In Philadelphia erinnert das Thaddeus Kosciuszko National Memorial an sein Leben und in Solothurn das Kosciuszko Museum.[12]

Kościuszko zu Ehren wurde in Krakau von 1820–1823 der Kościuszko-Hügel aufgeschüttet. Eine Gedenksäule am Hudson erinnert ebenfalls an den polnischen und amerikanischen Unabhängigkeitskämpfer.

Die Kosciuszko Foundation widmet sich seit 1925 der Verständigung zwischen Polen und Amerikanern.

Literatur[Bearbeiten]

  • Konstantin Karl Falkenstein: Thaddäus Kosciuszko (Leipzig 1827, 2. Aufl. 1834)
  • Tadeusz Korzon: Kościuszko, biografia z dokumentów wysnuta (dt. Biographie aus Dokumenten entwickelt), Kraków 1894 (nach wie vor eines der Standardwerke in polnischer Sprache).
  • Alex Storozynski: The Peasant Prince: Thaddeus Kosciuszko and the Age of Revolution, New York 2009, ISBN 978-0-312-38802-7 (Moderne Biographie unter Einbeziehung von bis dahin unausgewerteten Quellen).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tadeusz Kościuszko – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Offizielle Homepage der Gemeinde Zuchwil: Thaddäus Kosciuszko, 1746–1817
  2.  Mirosław Frančić: Tadeusz Kościuszko - ein Mensch der Aufklärung. In: "Der letzte Ritter und erste Bürger im Osten Europas". Helbing & Lichtenhahn, Basel / Frankfurt a.M., ISBN 3-7190-1505-X, S. 40.
  3.  Mirosław Frančić: Tadeusz Kościuszko - ein Mensch der Aufklärung. In: "Der letzte Ritter und erste Bürger im Osten Europas". Helbing & Lichtenhahn, Basel / Frankfurt a.M., ISBN 3-7190-1505-X, S. 50.
  4.  Mirosław Frančić: Tadeusz Kościuszko - ein Mensch der Aufklärung. In: "Der letzte Ritter und erste Bürger im Osten Europas". Helbing & Lichtenhahn, Basel / Frankfurt a.M., ISBN 3-7190-1505-X, S. 49.
  5. a b  Adam Winiarz: Kościuszko and Pestalozzi. In: "Der letzte Ritter und erste Bürger im Osten Europas". Helbing & Lichtenhahn, Basel / Frankfurt a.M., ISBN 3-7190-1505-X, S. 276.
  6. a b  Miecislaus Haiman: Kosciuszko. Leader and Exile. Polish Institute of Arts and Sciences in America, New York 1946, S. 112.
  7. a b  Miecislaus Haiman: Kosciuszko. Leader and Exile. Polish Institute of Arts and Sciences in America, New York 1946, S. 113.
  8.  Alex Storozynski: The Peasant Prince. Thaddeus Kosciuszko and the Age of Revolution. Thomas Dunne Books, St. Martin's Griffin, New York 2010, ISBN 978-0-312-62594-8, S. XIII.
  9. a b  Miecislaus Haiman: Kosciuszko. Leader and Exile. Polish Institute of Arts and Sciences in America, New York 1946, S. 110.
  10.  Suzanne Leisi Konopka: General Kościuszko als Komponist. In: "Der letzte Ritter und erste Bürger im Osten Europas". Helbing & Lichtenhahn, Basel / Frankfurt a.M., ISBN 3-7190-1505-X, S. 51.
  11.  Thomas Anessi: England's Future/Poland's Past: History and National Identity In Thaddeus of Warsaw. 1999, S. 3 (M.A. Thesis, University of South Carolina, online).
  12. Kosciusko Museum in Solothurn, abgerufen am 8. Juli 2014