Tafraoute

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Der Chapeau de Napoléon beim Dorf Agard-Oudad, zwei Kilometer südlich von Tafraoute. Die rot verputzten Häuser mit Ihren großen Fenstern und Dachterrassen sind im Süden Marokkos in den letzten Jahrzehnten an die Stelle der alten Lehmhäuser (tighremts) getreten.

Tafraoute ist eine Kleinstadt in Marokko mit etwa 5000 Einwohnern in der Provinz Tiznit (Region Souss-Massa-Draâ).

Lage[Bearbeiten]

Tafraoute liegt − inmitten einer großartigen Granitlandschaft − auf etwa 1000 Metern Höhe im westlichen Antiatlas. Die Entfernung von Agadir beträgt etwa 160 km (R 105 über Aït Baha) bzw. 195 km (N 1 und R 104 über Tiznit).

Geschichte[Bearbeiten]

Über die Geschichte des ehemaligen Berberdorfes und seiner Umgebung ist − angesichts der schriftlosen Kultur der Berber − nichts bekannt. Heute ist der Ort wirtschaftliches und touristisches Zentrum in den Bergen des westlichen Antiatlas mit mehrmals täglichen Busverbindungen in die Städte des Nordens, wo viele − vornehmlich junge − Berber arbeiten, deren Transfergelder ganz wesentlich zum Überleben der Region beitragen.

Aus dem Fehlen von Agadiren (Speicherburgen) in der näheren Umgebung von Tafraoute sowie im Tal der Ammeln kann man darauf schließen, dass die Bevölkerung in den vergleichsweise fruchtbaren Bergoasen bereits seit Jahrhunderten sesshaft war. Viehzucht und die damit in Marokko übliche Transhumanz spielte − anders als in den nur etwa 80 km entfernten und vergleichsweise ariden Regionen östlich von Aït Baha und nördlich von Aït Abdullah − lediglich eine untergeordnete Rolle.

Ortsbild[Bearbeiten]

Von der ehemals mit Sicherheit vorhandenen traditionellen Lehmbauweise hat sich in Tafraoute selbst nichts erhalten; stattdessen finden sich allenthalben die in verschiedenen Rottönen verputzten 'typischen' neuen Berberhäuser mit großen Fenstern, Außenwänden aus Hohlblocksteinen, Zwischendecken aus Beton und Satellitenschüsseln, wie sie mittlerweile überall im südlichen Marokko anzutreffen sind. Alle Häuser haben kein Satteldach, sondern eine für viele Zwecke genutzte Dachterrasse.

Landschaftsbild[Bearbeiten]

Umgebung von Tafraoute

Markantestes Merkmal von Tafraoute und seiner näheren Umgebung sind die vielen großen, von Naturkräften (Regen und Wind) rund geschliffenen Felsformationen aus Granit, die letztlich auf einen vulkanischen Ursprung dieses Teils des Antiatlas verweisen. In diesem Zusammenhang besonders hervorzuheben ist der Chapeau de Napoléon („Napoleonshut“) in Agard-Oudad.

Tafraoute war ehedem eine zwar abgelegene, aber vergleichsweise fruchtbare Bergoase, deren Bewohner nach dem Prinzip der Selbstversorgung lebten. Doch mit der zunehemnden Trockenheit seit den 1970er und 1980er Jahren, der Abwanderung eines Teils der (männlichen) Bevölkerung und der Verbesserung der Infrastruktur haben sich von den hohen Dattelpalmen sowie den mittelhohen Mandel-, Feigen- und Granatapfelbäumen etc. nur wenige Exemplare in der Umgebung erhalten.

Umgebung[Bearbeiten]

Zu den kulturellen Sehenswürdigkeiten der Umgebung zählen die Orte Tazka und Aday mit ihren − inmitten von riesigen Granitblöcken stehenden − zerfallenden Lehmbauten (tighremts) und ihren Berbermuseen (maison berbère oder maison traditionelle) sowie das Tal der Ammeln, dessen Name von einem Berberstamm herrührt, der sein Zentrum in Tafraoute hat. Wichtigster Ort im Tal der Ammeln ist Oumesnat mit einem gut instand gehaltenen maison traditionelle.

Blaue Steine[Bearbeiten]

Erwähnenswert sind auch die „Blauen Steine" des belgischen Künstlers Jean Vérame, der unweit der Straße südlich von Agard-Oudad riesige, von der Erosion rundgeschliffene Granitblöcke mit leuchtend bunten Farben angemalt hat. Noch großflächigere und ebenso umstrittene Kunst hat der gleiche Künstler im Sinai hinterlassen in der dort bekannten „Blue Desert". Unterdessen wurden die meisten der Steine in Tafraoute neu bemalt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Arnold Betten: Marokko. Antike Berbertraditionen und Islam - Geschichte, Kunst und Kultur im Maghreb. DuMont, Ostfildern 2009 ISBN 978-3-7701-3935-4
  • Ingeborg Lehmann, Rita Henss u. a.: Marokko. Baedeker-Verlag, Ostfildern 2010 ISBN 978-3-8297-1251-4 S. 404ff

Weblinks[Bearbeiten]

29.716666666667-8.9666666666667Koordinaten: 29° 43′ N, 8° 58′ W