Tag des Sieges

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Tag des Sieges (Begriffsklärung) aufgeführt.
Leuchtschrift zum 9. Mai vor dem Weißen Haus, dem Regierungssitz in Moskau.
Sankt-Georgs-Band - Symbol für den Tag des Sieges und russisches Nationalbewusstsein.

Der Tag des Sieges (russisch День Победы, wiss. Transliteration Den' Pobedy), 9. Mai, ist ein gesetzlicher Feiertag in Russland, Weißrussland, Armenien, Kasachstan, Georgien, Montenegro und der Ukraine. Der Feiertag wurde 1965 in der Sowjetunion eingeführt, um an den Tag des Sieges über das Deutsche Reich im Zweiten Weltkrieg zu erinnern.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Oberbefehlshaber von Heer, Luftwaffe und Kriegsmarine unterzeichneten am 8. Mai 1945 gegen Mitternacht im sowjetischen Hauptquartier Berlin-Karlshorst die ratifizierende Urkunde der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht. Die letzte Unterschrift erfolgte am 9. Mai um 0:16 Uhr. Daher finden in Russland und in den anderen Ländern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) bis heute die Feierlichkeiten zum Ende des Großen Vaterländischen Krieges am 9. Mai statt.

1975 wurde auf Beschluss des ZK der SED nach sowjetischem Vorbild der Tag des Sieges auch in der DDR als arbeitsfreier Feiertag begangen. Auf diese Weise wurde des runden Jubiläums (30. Jahrestag) der bedingungslosen Kapitulation gedacht, obwohl der Tag der Befreiung bereits seit 1967 als arbeitsfreier Feiertag abgeschafft war.

Russische Föderation[Bearbeiten]

Veteranen feiern im Gorki-Park.

Beginnend mit dem 60. Jahrestag im Jahre 2005 wurden die Feierlichkeiten wieder aufgenommen, wobei die sowjetische Symbolik des roten Sterns zunehmend durch die Farben der russische Fahne und des Sankt-Georgs-Band ersetzt wurden. Das Tragen des schwarz-orangen Bandes hat sich als Zeichen der Anteilnahme an dem Ereignis in Russland weithin verbreitet.

Auch die Tradition der Militärparade wurde, wenn auch in kleinerem Umfang als zu Sowjetzeiten, wieder aufgenommen. Sie verläuft nun von der nördlichen Ringstraße sowie Twerskaja-Straße kommend, trifft am Majakowskaja Platz zusammen und führt die Twerskaja hinunter zum Roten Platz. Am 9. Mai 2008 fuhren dort zum ersten Mal seit der Auflösung der Sowjetunion wieder Panzer, Kampfflugzeuge und Interkontinentalraketen vom Typ Topol-M auf.[1]

Nach der Parade gehen die Feierlichkeiten im Gorki-Park weiter, der auch ganzjährig als Freizeit- und Vergnügungszentrum genutzt wird. Veteranengruppen der verschiedenen Frontabschnitte des Krieges treffen dort zusammen, werden bewirtet, stehen für Gespräche zur Verfügung und feiern. Auf zwei Bühnen wird zudem ein Live-Musik-Programm präsentiert. Mit dem Frühlingseinzug ist der Park mit Blumen reichlich geschmückt, und mit verschiedenen Kirmes-Angeboten hat sich das Fest auch zum Anziehungspunkt für junge Familien entwickelt.

65. Jahrestag[Bearbeiten]

9. Mai 2010 vor dem Kreml

Am 9. Mai 2010 wurde der 65. Jahrestag des Sieges in großem Format gefeiert. Erstmals nahmen auch britische, französische und US-amerikanische Truppen an der Moskauer Parade teil, weiterhin Abordnungen aus osteuropäischen Staaten, die mit den Alliierten gekämpft hatten.

Auf Seiten der Russischen Streitkräfte marschierten 10.500 Soldaten auf, teilweise in historischen Uniformen. Es war damit die größte Parade in Moskau seit 1945. In 71 weiteren russischen Städten fanden ebenfalls Paraden statt, insgesamt waren etwa 100.000 Soldaten daran beteiligt.[2]

Die Parade wurde weiterhin von einer Anzahl hochstehender internationaler Würdenträger und Politiker besucht, darunter die Staatsoberhäupter Bronisław Komorowski aus Polen und Hu Jintao aus China. Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel war erneut ein deutscher Regierungschef anwesend, sie verfolgte die Parade neben Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin sitzend.[3] Der erste Besuch eines Bundeskanzlers zur Siegesparade auf dem Roten Platz fand im Jahr 2005 durch Gerhard Schröder statt [4].

An militärischem Gerät wurden 159 verschiedene Kampffahrzeuge und 127 Luftfahrzeuge präsentiert. Unter den Kampfpanzern wurden auch historische Modelle wie der T-34 und SU-85 gezeigt, die eigens zu diesem Zweck restauriert worden waren. Zudem fuhr die erstmals 2008 gezeigte mobile nukleare Interkontinentalrakete Topol-M vor, die als ein Symbol für Russlands Großmachtanspruch gilt. In der Luft trugen Hubschrauber im Formationsflug zuerst die Banner der Russischen Föderation und der beteiligten Einheiten, gefolgt von einer Gruppe aus 65 Kampfhubschraubern. Im Tiefflug folgten eine Reihe aktuell im Einsatz befindlicher Flugzeuge, darunter der reaktivierte Langstreckenbomber Tu-95, das große Transportflugzeug Antonow An-124, der Überschall-Bomber Tu-160 sowie eine Reihe moderner Kampfflugzeuge, etwa die MiG-35.[5]

Ehrenkranz zur Feier am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Treptow.

Feierlichkeiten in Deutschland[Bearbeiten]

Seit 2008 organisiert die Berliner VVN-BdA am 9. Mai Volksfeste in Berlin-Treptow in der Nähe des Sowjetischen Ehrenmals. Am Ehrenmal werden Kränze niedergelegt und Besucher besteigen den Sockel der Statue, um dort Blumen zum Gedenken an die Gefallenen zu hinterlassen.

Es gibt Führungen zum Ehrenmal und ein deutsch-russisches Kulturprogramm mit verschiedenen Musikdarbietungen. 2010 reisten Besucher aus Russland via Tagesausflug an, und im russischen Fernsehen wurde live via Satellit von der Feier berichtet. In deutschen Medien fand das Ereignis jedoch kaum Erwähnung.[6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. n-tv.de: Alter Glanz zum Tag des Sieges, 9. Mai 2008
  2. Telegraph.co.uk: Russia prepares spectacular Red Square parade, April 28, 2010
  3. Merkel nahm diesen Termin wahr, obwohl zur selben Zeit der Euro-Rettungsschirm mit einem Umfang von 750 Milliarden Euro verhandelt wurde; ein Indiz dafür, welche Wichtigkeit sie dem Termin im Moskau beimaß.
  4. Faz.net: Eine unkriegerische Parade, 9. Mai 2005
  5. Youtube: Russia Today: Military Parade 2010
  6. Impressionen aus den Jahren 2008 bis 2011

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tag des Sieges – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien