Tagazar

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Landgemeinde Tagazar
Landgemeinde Tagazar (Niger)
Landgemeinde Tagazar
Landgemeinde Tagazar
Koordinaten 13° 47′ N, 2° 57′ O13.7838888888892.9519444444444Koordinaten: 13° 47′ N, 2° 57′ O
Basisdaten
Staat Niger

Region

Tillabéri
Departement Balleyara
Fläche 1314,3 km²
Einwohner 126.699 (2010)
Dichte 96,4 Ew./km²

Tagazar ist eine Landgemeinde im Departement Balleyara in Niger.

Geographie[Bearbeiten]

Tagazar liegt in der südlichen Sahelzone im Tal des saisonal Wasser führenden Flusses Dallol Bosso. Die Nachbargemeinden sind Tondikandia im Norden, Loga im Osten, Dantchandou und Koygolo im Süden, Hamdallaye im Westen und Simiri im Nordwesten. Das Gemeindegebiet ist in 116 administrative Dörfer, fünf traditionelle Dörfer und 72 Weiler gegliedert.[1] Der Hauptort der Landgemeinde ist das administrative Dorf Balleyara.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Tagazar kommt vom Tamaschek-Wort taharzert, das „kleiner Teich“ bedeutet. Die ersten Tuareg-Gruppen siedelten im 18. Jahrhundert in der Gegend. Anfang des 19. Jahrhunderts gründete der Tuareg-Anführer Hatta Alissen Tabla das Dorf Tabla als eine der ersten dauerhaften Tuareg-Siedlungen im Gebiet von Tagazar. Auf Hatta Alissen Tabla folgten als Herrscher Harhmet, Abderraman, Dargou, Amma, Atta und – im Jahr 1901 – Mizza. Das Dorf Kogori wurde der Überlieferung zufolge vom Zarma-Anführer Kandi gegründet. Bis zur Ankunft der Franzosen Anfang des 20. Jahrhunderts befanden sich die Tuareg von Tagazar in ständigen Auseinandersetzungen mit den Zarma.[3]

Die Franzosen machten Tagazar zu einem Kanton, dessen Hauptort sich zunächst im Dorf Sandiré befand. 1922 wurde Sandiré vom Dorf Tabla abgelöst. Wenige Jahre nachdem 1972 im Dorf Balleyara ein Verwaltungsposten eingerichtet worden war, wurde schließlich Balleyara zum Hauptort Tagazars.[4] Im Zuge einer landesweiten Verwaltungsreform wurde der Kanton Tagazar 2002 in die Landgemeinde Tagazar umgewandelt. 2008 zerstörten Überschwemmungen 53 Häuser und 25 Hütten in der Gemeinde. Über 2200 Personen erlitten materielle Schäden.[5] Bei der Flutkatastrophe in West- und Zentralafrika 2010 war Tagazar weniger als andere Orte in Niger betroffen, es wurden 840 Einwohner als Katastrophenopfer eingestuft.[6] Der Verwaltungsposten von Balleyara wurde 2011 zum Departement erhoben. Tagazar gehört seitdem nicht mehr zum Departement Filingué, sondern zum Departement Balleyara.[7]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bei der Volkszählung 2001 hatte Tagazar 95.763 Einwohner. Für das Jahr 2010 wurden 126.699 Einwohner berechnet.[8] Über 70 % der Bevölkerung sind Tuareg. Minderheiten in der Gemeinde bilden die Volksgruppen der Zarma, Fulbe und Hausa.[9]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Der hohe Grundwasserspiegel begünstigt den Ackerbau. Dies zieht Zuwanderer insbesondere aus dem kargen Departement Ouallam im Norden an. In der Viehzucht spielen Schafe und Ziegen eine bedeutende Rolle. Ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig ist die Lederverarbeitung.[10] Der regelmäßige Durchzug transhumanter Viehzüchter, die lokal als Oudah bezeichnet werden, bringt Landnutzungskonflikte mit sich, die oft tödlich enden.[11] Im Hauptort Balleyara befindet sich ein insbesondere für den Handel mit Vieh und Hirse bedeutender Markt.[12] Der Markttag ist Sonntag.[13] Tagazar liegt an der nach Dogondoutchi führenden Nationalstraße 23 und an der Nationalstraße 25, die den Ort mit der nigrischen Hauptstadt Niamey verbindet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Éric Komlavi Hahonou: Le pouvoirs locaux à Balleyara. In: Jean-Pierre Olivier de Sardan, Mahamam Tidjani Alou (Hrsg.): Le pouvoirs locaux au Niger. Tome 1: À la veille de la decéntralisation. Karthala, Paris 2009, ISBN 978-2-8111-0306-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Répertoire National des Communes (RENACOM). Website des Institut National de la Statistique, abgerufen am 8. November 2010.
  2. Republik Niger: Loi n° 2002-014 du 11 JUIN 2002 portant création des communes et fixant le nom de leurs chefs-lieux (Online-Version; PDF; 108 kB).
  3. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 84 und 101.
  4. Éric Komlavi Hahonou: Le pouvoirs locaux à Balleyara. In: Jean-Pierre Olivier de Sardan, Mahamam Tidjani Alou (Hrsg.): Le pouvoirs locaux au Niger. Tome 1: À la veille de la decéntralisation. Karthala, Paris 2009, ISBN 978-2-8111-0306-4, S. 223.
  5. Situation des dégâts causés par les inondations (2008). Website des Centre d’Information et de Communication, veröffentlicht am 18. November 2008, abgerufen am 31. März 2012.
  6. Situation des besoins des populations victimes d’inondations (2010). Website des Centre d’Information et de Communication, veröffentlicht am 23. September 2010, abgerufen am 31. März 2012.
  7.  Une nouvelle loi sur le redécoupage administratif. In: L’Arbre à Palabres. Nr. 13, 11. August 2011, S. 2 (PDF-Datei, abgerufen am 28. Januar 2014).
  8. Institut Nationale de la Statistique du Niger (Hrsg.): Annuaire statistique des cinquante ans d’indépendance du Niger. Niamey 2010 (Online-Version; PDF; 3,1 MB), S. 56.
  9. Présentation de la commune de Tagazar. Website der ANIYA Coopération Décentralisée Niger-France, abgerufen am 27. Januar 2011.
  10. Éric Komlavi Hahonou: Le pouvoirs locaux à Balleyara. In: Jean-Pierre Olivier de Sardan, Mahamam Tidjani Alou (Hrsg.): Le pouvoirs locaux au Niger. Tome 1: À la veille de la decéntralisation. Karthala, Paris 2009, ISBN 978-2-8111-0306-4, S. 222.
  11. Aghali Aboulkader: Le « bien » sécurité dans trois communes (Guidan Roumdji, Balleyara et Say). Des logiques de l’Etat aux logiques locales, ou la diversité d’acteurs. LASDEL, Februar 2013, S. 18, abgerufen am 24. September 2013 (PDF-Datei; 966 kB, französisch).
  12. Livelihoods Zoning “Plus” Activity In Niger (PDF; 2,5 MB). S. 39, Website des Famine Early Warning Systems Network, veröffentlicht im August 2011, abgerufen am 19. Januar 2012.
  13. Jolijn Geels: Niger. Bradt, Chalfont St Peter 2006, ISBN 1-84162-152-8, S. 112.