Taharqa

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Namen von Taharqa
Horusname
G5
q
N28
w
Srxtail2.svg
Qai-chau
Q3j-ḫˁ.w
(mit) erhabenen Erscheinungen
Nebtiname
G16
q
N28
w
Qai-chau
Q3j-ḫˁ.w
(mit) erhabenen Erscheinungen
Goldname
G8
x w tA
tA
Chui-taui
Ḫwj-t3.wj
Beschützer der beiden Länder
Thronname
Hiero Ca1.svg
ra nfr U15 x w
Hiero Ca2.svg
Chui-Nefertem-Re
Ḫwj-Nfrtm-Rˁ
Schützling des Nefertem, ein Re
Eigenname
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N17
h
rw
q
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Taharqa
Thrq

Taharqa, auch Taharka, Taharqo, Tiharka oder Tarakos, war der 5. Pharao (König) der kuschitischen 25. Dynastie in Ägypten. Seine Regierungszeit ist von 692/691–664 v. Chr. anzusetzen. Er ist der Nachfolger von Schebitko und Sohn des Pije und der Abale. Die Schwestergemahlinnen von Taharqa sind unter anderem Tekahatamani, Naparaja, Tabaketenamun, Atakhebaskeñ. Söhne von Taharqa sind Nisuonuris, ein Prinz Nesschutefnut und Atlanersa, der Begründer der Dynastie von Napata. Als Töchter sind bekannt Amenirdis II., Jeturow (Gemahlin des Atlanersa) und Peltaseñ. Sein Nachfolger als letzter kuschitischer Herrscher Ägyptens wird Tanotamun.

Leben[Bearbeiten]

Die Politik von Taharqa ist maßgeblich bestimmt vom Kampf gegen Assyrien unter seinem König Asarhaddon. Dieser Kampf endet mit der Eroberung von Ägypten durch die Assyrer.

Aus einer Inschrift von Taharqa geht die Höhe der Nilschwemme hervor. In seinem sechsten Regierungsjahr (686 oder 685 v. Chr.) erreichte der Nil in Theben mit etwas mehr als 21 Ellen (10,5 Meter) den höchsten Stand, der zwischen 950 und 650 v. Chr. gemessen wurde, im Vergleich zum Durchschnitt der Nilfluten im Alten Ägypten jedoch ein Normalwert im oberen Bereich. So erreichte beispielsweise die Nilschwemme unter Ramses X. einen höheren Pegelstand.

Außerdem geht aus dem Bericht ein Besuch der Mutter von Taharqa in Memphis hervor. Nachträglich wird die Erwählung von Taharqa durch Schebitko (nach anderer Meinung dessen Sturz) und seine Thronbesteigung nach dem Tod von Schebitko mitgeteilt. Ebenso wird der Auftrag Amuns zur Unterwerfung aller Länder erwähnt (Flut und Thronbesteigung auch auf Gedenkskarabäen festgehalten). Der hohe Leistungsstand des Heeres wird auf der 1977 gefundenen sogenannten Laufstele erwähnt. Dort wird von einem Lauf der Soldaten von Memphis ins Fayyum und zurück und der Inspektion der Truppen von Taharqa berichtet.

Der Grund für das Vorgehen von Assyrien gegen Taharqa bildet dessen antiassyrische Politik in Palästina zur Zeit des Sanherib. Assyrien möchte die Herrschaft der Kuschiten in Ägypten beenden. Vorerst werden nur von Assyrien abgefallene und zu Ägypten übergelaufene Städte angegriffen und erobert. Schließlich greift Assyrien unter Asarhaddon im Februar 673 v. Chr. Ägypten direkt an, um die ägyptische Förderung des palästinensischen Widerstandes zu brechen. Der Angriff wird von Taharqa zurückgeschlagen.

671 v. Chr. belagert Asarhaddon erst Tyros, dessen König Baal zu Taharqa übergelaufen ist, und führt dann am 16./29. Juni[1] und 1. Juli[2] drei siegreiche offene Feldschlachten gegen das ägyptische Heer. Nach der dritten Schlacht wird am 5. Juli[3] Memphis eingenommen. Taharqa flieht und sein Sohn Nisuonuris und ein Bruder werden gefangengenommen.

Nachdem Asarhaddon abgezogen war, ergriff Taharqa wieder die Macht. Asarhaddon zog 669 v. Chr. erneut gegen Ägypten, starb aber unterwegs. 667/666 v. Chr. schlägt der Nachfolger von Asarhaddon Assurbanipal das ägyptische Heer und unterwirft Ägypten bis nach Theben. Zunächst wird die assyrische Oberhoheit von den ägyptischen Fürsten anerkannt. Dann verbünden sie sich aber mit Taharqa. Nachdem die Abfallsbewegung aufgedeckt wurde, werden die beteiligten Prinzen nach Ninive deportiert und hingerichtet (weitere Hinrichtungen in Sais, Mendes und Pelusium oder Tanis).

Nur Necho von Sais, der von den Assyrern noch gebraucht wird, bleibt verschont und wird in seiner Herrschaft bestätigt. Der Sohn Nechos wird unter dem Namen Nabu-šēzibani (Psammetich I.) in Athribis als Gaufürst eingesetzt. Die Zeit des assyrischen Vorstoßes ist eine Zeit der Unruhen und Rebellion in Ägypten. Aus der Inschrift einer Serapeum-Stele geht hervor, dass im 26. Regierungsjahr Taharqas am 4. Septembergreg. (9. Peret IV) 666 v. Chr. jener Apis-Stier geboren wurde, der am 7. Januargreg. (20. Schemu IV) 644 v. Chr. im 20. Regierungsjahr Psammetichs I. starb.

Bautätigkeit[Bearbeiten]

Seine Bautätigkeit ist die umfangreichste seit der des Neuen Reiches. Sie reicht vom Sudan bis ins Nildelta. Die wichtigsten Stätten und Denkmäler sind:

Gebel Barkal (Bautätigkeit am großen Amuntempel von Napata; Felsabbruch mit gigantischen Königsfiguren?), Sanam (Amun-Re-Tempel), Kawa (Vollendung des Tempels von Tutanchamun und Bau des Amun-Tempels mit Prozessionsstraße, Pylon und Widderstatuen; Hypostylsaal mit Kapelle im Nordosten), Tabo (Insel Argo; Tempel), Semna-Ost (Ziegeltempel; Barkenuntersatz; Verehrung des vergöttlichten Sesostris III.), Buhen (Reliefs, Säulen und Kapelle des Südtempels), Gezira-Dabarosa und Faras (Blöcke), Qasr Ibrim (Tempel), Bab Kalabscha (Inschriften des 19. Jahres), Philae (Blöcke und Barkenuntersatz des Amun von Takompso), Elkab (Amulett), Hefat/Asfun-Matana (Stele; Bronzestatue Taharqas vor dem Falkengott Hemen).

Karnak ist ein Zentrum der Aktivitäten von Taharqa: Rampe und Gebäude Taharqas zum Schöpfen des Wassers am Neujahrsfest; sog. Kiosk vor dem 2. Pylon (und ähnliche Bauten im Norden, Süden, Osten); Gründungsdepots am Eingang zum Monthtempel, Fassade des Harpre-Rettaui-Tempels, östlichste Kapelle der Südmauer des Monthbezirks; Kapelle für Osiris-Herrn-der-Ewigkeit mit Schepenupet II., Tordurchgänge zum 2. und 10. Pylon, Inschrift im Hof vor dem 6. Pylon, Bau des Taharqa beim Heiligen See; im Süden des Tempelbezirks Kapelle Taharqas und Tanotamuns für Osiris-Ptah-Herrn-des-Lebens, Tor im Bezirk des Mut-Tempels, verschiedene Blöcke von weiteren Bauten Taharqas. Im Vorhof des Luxortempels errichtet Taharqa eine Kapelle. Auf der thebanischen Westseite baut Taharqa in Medinet Habu (Umfassungsmauer des Kleinen Tempels, Vollendung der Dekoration des Pylons).

Nördlich von Theben bis ins Delta ist Taharqa dagegen schlecht bezeugt. Qus (Granitlöwe), Memphis (u. a. Heiligtum für Amun-Re-der-dem-Tempel-vorsteht), Bronzetür (aus Sais), Serapeum-Stelen [u. a. Jahr 26], Athribis (Heiligtum), Tanis (Statue). Eine Stele aus Kawa erwähnt die Umsiedelung libyscher Prinzen und Einwohnern Bahrijas nach Nubien.

Auch die Königsplastik Taharqas ist gut bezeugt (Kolossalstatue von Gebel Barkal; Granitkopf Kairo; Statuen aus Karnak, Kawa und Tanis, Sphinx des Tahaqa aus Kawa).

Wo Taharqa bestattet wurde, ist nicht ganz geklärt. In seiner Pyramide, die nicht mehr in El-Kurru, sondern in Nuri liegt, fanden sich keine Spuren eines Begräbnisses, außer 1070 Uschebtis. Ein Pyramidengrab im Westfriedhof von Sedeinga enthielt (vermutlich wiederverwertete) Blöcke des Taharqa sowie die Überreste eines etwa 50 Jahre alten Mannes.

Literatur[Bearbeiten]

  • Erhart Graefe/F. Mohga Wassef: Eine fromme Stiftung für den Gott Osiris - der-seinen-Anhänger-in-der-Unterwelt-rettet aus dem Jahre 21des Taharqa (670 v. Chr.). In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. (MDAIK) 35, von Zabern, Mainz 1979, S. 103–118.
  • Karl Jansen-Winkeln: The Chronology of the Third Intermediate Period: Dyns 22–24. In: Erik Hornung, Rolf Krauss, David A. Warburton (Hrsg.): Ancient Egyptian Chronology (= Handbook of Oriental studies. Section One. The Near and Middle East. Band 83). Brill, Leiden/ Boston 2006, ISBN 978-90-04-11385-5, S. 234–264.
  • Ahmed M. Moussa : A Stela of Taharqa from the Desert Road at Dahshur. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo (MDAIK) 37, von Zabern, Mainz 1981, S. 331–337.
  • Karol Mysliwiec: Das Königsporträt des Taharka in Napata. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo (MDAIK) 39, von Zabern, Mainz 1983, S. 151–157.
  • Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Albatros, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-96053-3, S. 281–283.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Taharqa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gemäß Angaben der Königschronik von Asarhaddon: Die erste Schlacht wurde am 3. Du'zu geschlagen. Der Beginn des 3. Du'zu fiel 671 v. Chr. auf den Abend des 23. Juni und der Frühlingsanfang auf den 29. März im proleptischen julianischen Kalender. Zum gregorianischen Kalender beträgt die Zeitdifferenz acht Tage, die vom 23. Juni in Abzug gebracht werden müssen. Berechnungen nach Jean Meeus: Astronomische Algorithmen - Anwendungen für Ephemeris Tool 4,5 -, Barth, Leipzig 2000 und Ephemeris Tool 4,5 Umrechnungsprogramm.
  2. Zwei Tage nach der zweiten Schlacht.
  3. Vier Tage nach der dritten Schlacht.
Vorgänger Amt Nachfolger
Schebitko Pharao von Ägypten
692/691 v. Chr.–664 v. Chr.
Tanotamun
Vorgänger Amt Nachfolger
Schebitko König von Nubien
692/691 v. Chr.–664 v. Chr.
Tanotamun