Tai-Kadai-Sprachen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Verbreitungsgebiete der Tai-Kadai-Sprachen.
  • Kadai
  • Kam–Sui
  • 
  • Hlai
  • Tai-Sprachen:
  • Nördliche Tai
  • Zentrale Tai
  • Südwestliche Tai

Die Tai-Kadai-Sprachen (auch Dai-Sprachen) sind eine Sprachfamilie von etwa 70 in Südostasien und im Süden Chinas verbreiteten Sprachen mit insgesamt 83 Millionen Sprechern. Tai-Kadai gliedert sich in die drei Hauptzweige Hlai, Kadai und Kam-Tai.

Klassifikation[Bearbeiten]

Die Tai-Kadai-Sprachen gliedern sich sehr ungleichmäßig in die drei Hauptzweige Hlai, Kadai und Kam-Tai. Dabei macht Kam-Tai etwa 99 % der Gesamtsprecherzahl aus und gliedert sich seinerseits in Kam-Sui und Tai, außerdem die beiden Einzelsprachen Lakkia und Ong-Be. Die Südwest-Tai-Gruppe bildet den eigentlichen Kern der Sprachfamilie. Sie ist die mit Abstand größte Gruppe, die auch die Nationalsprachen Thai (in Thailand) und Lao (in Laos) beinhaltet.

Tai-Kadai (insgesamt 69 Sprachen, 83 Mio. Sprecher)

  • Hlai (2 Sprachen, 800.000; im zentralen Bergland von Hainan (China))
  • Kadai (9 Sprachen, 95.000; in Hainan (China), kleinere Sprachenklaven im äußersten Norden Thailands, in Guizhou (China) und entlang der chinesisch-vietnamesischen Grenze)
  • Kam-Tai (58 Sprachen, 82 Mio.)
    • Kam-Sui (8 Sprachen, 3 Mio.; in Guangxi, Guizhou und Hunan, (alle China))
    • Lakkia (1 Sprache, 10.000)
    • Ong-Be (1 Sprache, 500.000)
    • Tai (48 Sprachen, 78 Mio.)
      • Nord-Tai (5 Sprachen, 12 Mio.; in Guangxi, Yunnan, Guizhou und Hainan, (alle China))
      • Zentral-Tai (6 Sprachen, 6 Mio.; in Nordostvietnam und Guangxi (China))
      • Südwest-Tai (30 Sprachen, 60 Mio.; in Thailand, Laos, Nordkambodscha, Nordwestvietnam, Yunnan (China) und im Norden und Osten Myanmars)

Wichtige Tai-Kadai-Sprachen[Bearbeiten]

Die folgende Liste enthält alle Tai-Kadai-Sprachen mit mehr als einer Million Sprechern und ist nach Sprecherzahl sortiert. Angegeben ist die Sprecherzahl, falls bekannt die Zahl inklusive der Zweitsprecher (S2), und die Zuordnung zu der jeweiligen Unterfamilie des Tai-Kadai.

Der unten angegebene Weblink enthält sämtliche Tai-Kadai-Sprachen mit ihren aktuellen Sprecherzahlen und ihrer genetischen Klassifikation.

Verwandtschaft mit anderen Sprachfamilien[Bearbeiten]

Früher wurde angenommen, dass die Tai-Kadai-Sprachen eine Untergruppe der sinotibetischen Sprachen bilden. Diese These gilt heute als endgültig widerlegt. Durch die arealen Kontakte sind allerdings typologische und lexikalische Gemeinsamkeiten entstanden.

Die meisten Forscher vertreten heute die Ansicht, dass die Tai-Kadai-Sprachen eine eigene Sprachfamilie bilden, die keine nachweisbare genetische Verwandtschaft zu anderen Familien aufweist.

Manche Forscher – z. B. Paul K. Benedict und Roger Blench – haben die Hypothese aufgestellt, dass das Tai-Kadai (oder Daic) mit dem Austronesischen verwandt sei und mit ihm zusammen die sog. Austro-Thai-Sprachfamilie bilde. Der Ursprung des Proto-Daic, einer Sprache einer Reis anbauenden Bevölkerung, liegt nach Blench[1] in Taiwan, von wo aus die Verbreitung über Südchina erfolgte. Die austronesischen Sprachen wiederum wurden – z. B. von Pater W. Schmidt – mit dem Austroasiatischen und den Hmong-Mien-Sprachen zur Makrofamilie Austrisch zusammengefasst.

Alle diese größeren Gruppierungen sind bisher nicht nachgewiesen. Vor allem, weil die austronesischen Sprachen nicht-tonal sind und im Unterschied zu Tai-Kadai komplexe Suffixe aufweisen, sollte man Tai-Kadai vorläufig als eigenständige genetische Einheit betrachten, was allerdings nicht ausschließt, dass später weitere Verbindungen aufgezeigt werden könnten.

Typologische Bemerkungen[Bearbeiten]

Die Tai-Kadai-Sprachen sind Tonsprachen mit drei bis neun kontrastierenden Tönen. Sie sind in der Regel monosyllabisch (einsilbige Wörter) und besitzen kaum Morphologie (Deklination, Konjugation). Die meisten Tai-Kadai-Sprachen haben die Satzstruktur SVO (Subjekt-Verb-Objekt), in Ausnahmefällen auch SOV. Attribute und andere nominale Ergänzungen stehen hinter dem Nomen, das sie näher beschreiben.

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul K. Benedict: Thai, Kadai and Indonesian: A New Alignment in Southeastern Asia. In: American Anthropologist. Bd. 44, Nr. 4, 1942, ISSN 0002-7294, S. 576–601, doi:10.1525/aa.1942.44.4.02a00040.
  • Paul K. Benedict: Austro-Thai. Language and Culture. HRAF Press, New Haven CT 1975.
  • Anthony V. N. Diller, Jerold A. Edmondson, Yongxian Luo: The Tai-Kadai Languages. Routledge, Oxford/New York 2008, ISBN 978-0-7007-1457-5
  • Sören Egerod: Far Eastern Languages. In: Sydney M. Lamb, E. Douglas Mitchell (Hrsg.): Sprung from Some Common Source. Investigations into the Prehistory of Languages. Stanford University Press, Stanford CA 1991, ISBN 0-8047-1897-0, S. 205–231.
  •  Ernst Kausen: Tai-Kadai-Sprachen. In: Die Sprachfamilien der Welt. Teil 1: Europa und Asien. Buske, Hamburg 2013, ISBN 978-3-87548-655-1, S. 915-961.
  • S. Robert Ramsey: The Languages of China. Princeton University Press, Princeton NJ 1987, ISBN 0-691-06694-9.
  • Merritt Ruhlen: A Guide to the World's Languages. Band 1: Classification. With a Postscript on recent Developments. Arnold, London 1991, ISBN 0-340-56186-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Blench 2008