Taktstock
Ein Taktstock ist ein Stab, mit dessen Hilfe der Dirigent einem musizierenden Ensemble den Takt anzeigt, Einsätze gibt sowie Betonungen und musikalische Bewegungen verdeutlicht.
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Herkunft und Bedeutung [Bearbeiten]
Der Taktstock in seiner heutigen Form kam im 19. Jahrhundert in der Zeit der Romantik auf, als größer werdende Orchester und Chöre einen Dirigenten erforderten. In Wien beispielsweise wurde erstmals der Taktstock 1812 vom Dirigenten Ignaz Franz von Mosel verwendet. Häufig waren die Entfernungen zwischen manchen Musizierenden und dem Dirigenten so groß, dass ein Utensil erforderlich wurde, das die Bewegungen des Dirigenten „vergrößert“ und „verdeutlicht“. Mit Hilfe des Taktstockes ist ein Dirigent also in der Lage, insbesondere kleine Bewegungen über eine größere Distanz sichtbar zu machen. Auch ist seine Benutzung bei Dirigenten in der Oper aufgrund der schlechten Lichtverhältnisse im Orchestergraben fast immer notwendig [1], da der fast vollständig in schwarz gekleidete Dirigent schlecht zu sehen ist und der helle Taktstock für die Musiker ein guter Orientierungspunkt ist. Längst ist der Taktstock über seine Funktion hinaus Symbol für den Dirigenten geworden.
Form und Material [Bearbeiten]
Die Länge des Taktstockes beträgt ca. 20–45 cm, der Durchmesser 2–4 mm. Für den spitz auslaufenden Stab werden verschiedenste Materialien wie z. B. Holz, Elfenbein oder aber das sehr leichte und äußerst stabile Fiberglas verwendet; der Griff besteht meistens aus Kork und kann verschiedene Formen annehmen (Walze, Birne, Kegel, ...). In manchen Fällen findet man auch Taktstöcke ohne zusätzliche Verdickung des Griffs, hier wurde das Holz des Taktstocks beim Schliff lediglich etwas dicker belassen.
Für besondere Einsatzgebiete (z. B. sehr dunkler Orchestergraben) kann der Taktstock mit einem nachleuchtenden Material, ähnlich den Zeigern und Markierungen einer Armbanduhr, versehen sein. Auch gibt es Taktstöcke mit einer Lichtquelle (meist eine LED) an der Spitze und der Stromversorgung im Griff. Neben der klassischen weißen Farbe werden auch Signalfarben (rot oder grün) auf Taktstöcken verwendet.
Die „ideale“ Länge des Taktstocks (ohne Griff) erhält ein Dirigent für sich selbst aus der Entfernung zwischen Ellenbeuge und dem Fingeransatz des Mittelfingers der Dirigierhand/Handfläche; es spielen jedoch auch persönliche Vorlieben und die Größe und Proportionen des Dirigenten eine Rolle. Im Allgemeinen werden kleinere Taktstöcke bevorzugt.
Da der Taktstock für den Dirigenten eine vergleichbare Bedeutung wie das Instrument für den Musiker hat, wird es als sehr persönliches Gerät betrachtet, das oft nach den Wünschen des Besitzers gefertigt ist und ein Zeichen des Besitzers trägt.
Historisches [Bearbeiten]
Der früheste Nachweis in der Literatur für die Verwendung eines Taktstocks scheint ein Bericht des Bologneser Patriziers Ercole Bottrigari zu sein. Er beschreibt ein Konzert in Ferrara Ende des 16. Jahrhunderts, in dem die Nonne und maestra di concerto Vittoria Raffaella Aleotti mit einem polierten Stab ihr Ensemble dirigiert.[2]
In Deutschland zur Barockzeit wurde eine Notenrolle zum Dirigieren benutzt, wie auf Bildern der Zeit festgehalten wurde.
Eine absolutistische Geste bedeutete das Stampfen mit dem Taktstock auf den Boden, eine französische Sitte. Diese Taktstöcke waren also wesentlich größer und zum Teil reich und prachtvoll verziert. Der Takt wurde damit durch das Stampfen hörbar gemacht. Der französische Musiker und Komponist Jean-Baptiste Lully verletzte sich mit einem solchen Taktstock beim Dirigieren den Fuß, verweigerte die medizinische Behandlung und starb einige Monate später an Wundbrand.
Einen Stab zwischen 90 und 130 cm benutzt auch der Tambourmajor zum Dirigieren.
Von 1924 bis 1930 erschien die Fachzeitschrift Pult und Taktstock[3] bei Universal Edition Wien.
Quellen [Bearbeiten]
- ↑ Eckhard Roelcke: Der Taktstock: Dirigenten erzählen von ihrem Instrument. P. Zsolnay, Wien 2000, ISBN 3-552-04985-1.
- ↑ *Karin Pendle (1): The Nuns of San Vito. und Vittoria/Raffaella Aleotti. In: Women & Music, a History. Indiana University Press, Bloomington/Indianapolis 1991, ISBN 0-253-34321-6, S. 44-45 und S. 49–51.
- ↑ ZDB-ID 717124-9