Talpaki

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Siedlung
Talpaki/Taplacken
Талпаки
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Gwardeisk
Erste Erwähnung 1338
Frühere Namen Tapelawke (vor 1400),
Taplawken (um 1440),
Tapplauwken (vor 1459),
Taplacken (bis 1946)
Bevölkerung 374 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+3
Telefonvorwahl (+7) 40159
Postleitzahl 238214
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 206 813 001
Geographische Lage
Koordinaten 54° 39′ N, 21° 20′ O54.65091666666721.339525Koordinaten: 54° 39′ 3″ N, 21° 20′ 22″ O
Talpaki (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Talpaki (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad‎

Talpaki (russisch Талпаки, deutsch Taplacken, litauisch Toplaukiai) ist ein Ort am Nordufer des Pregel in Russland im Rajon Gwardeisk (Kreis Tapiau) der Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)). Talpaki ist eine Siedlung der Sorinskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Sorino), die hier ihren Verwaltungssitz hat.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Ortseinfahrt von Talpaki

Talpaki – neun Kilometer nordwestlich von Snamensk (Wehlau) hat regionale Verkehrsbedeutung. So endet hier der autobahnartig ausgebaute Abschnitt der Hauptstraße A229 (Russland), die der ehemaligen Reichsstraße 1 von Königsberg (Preußen) nach Eydtkuhnen entspricht und heute ein Teilstück der Straßenverbindung ins russische Kernland bildet. Außerdem zweigt hier die Fernstraße A 216 (ehemalige deutsche Reichsstraße 138) nach Norden in Richtung Sowjetsk (Tilsit) und Litauen ab.

Name[Bearbeiten]

Erstmals wird der Ort 1388 als Tapelawke erwähnt. Da der Ort 1440 sogar übersetzt Warmfelt genannt wird, geht man davon aus, dass das Erstglied des Namens als *tapja 'warm' zu rekonstruieren ist.[2] Blažiene vergleicht indessen mit litauisch tapoti 'tapsen'[3], lautmalerischen Ursprungs. Der zweite Namensbestandteil ist häufig in Siedlungsnamen und entstammt altpreussisch bzw. litauisch laukas 'Feld'.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste Erwähnung des bis 1946 Taplacken[4] genannten Dorfes erfolgte im Jahre 1338. Zwischen 1874 und 1945 war der Ort namensgebend für einen Amtsbezirk[5], der zum Kreis Wehlau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. In diesen Amtsbezirk waren neben der Landgemeinde Taplacken auch der Gutsbezirk Domäne Taplacken sowie die Nachbarkommunen Petersdorf (heute russisch: Kuibyschewskoje) und Stobingen (Liwny) eingegliedert.

Im Jahre 1910 zählte die Landgemeinde Taplacken 280 und der Gutsbezirk Domäne Taplacken 308 Einwohner[6]. Beide vereinen sich am 30. September 1928 zur neuen Landgemeinde Taplacken. Die Einwohnerzahl belief sich 1933 auf 436 und betrug 1939 noch 415[7].

In Folge des Zweiten Weltkrieges kam Taplacken 1945 mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion und erhielt 1946 den russischen Namen „Talpaki“; der Ort konnte so, als einer von wenigen im ehemaligen Nord-Ostpreußen, seinen historischen Namen nur wenig abgewandelt behalten. 1947 „wechselte“ der Ort vom Kreis Wehlau in den neu geschaffenen Rajon Gwardeisk (Kreis Tapiau), an dessen östlicher Grenze er angesiedelt ist. Gleichzeitig wird Talpaki in den Kuibyschewski selski sowjet (Dorfsowjet Kuibyschewskoje (Petersdorf)) eingegliedert. Aufgrund einer Struktur- und Verwaltungsreform[8] gehört Talpaki heute mit seinen derzeit 374 Einwohnern (Stand: 14. Oktober 2010[1]) zur Sorinskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Sorino (Poppendorf)) mit Sitz in Talpaki.

Ordensburg[Bearbeiten]

Burgruine in Talpaki

Belegt ist ein prußischer Schlossberg 800 Meter nördlich von Taplacken an der Nehme.[9] Der Orden errichtete im 13. Jahrhundert eine erste Burganlage, die von Litauern unter Fürst Kynstut 1376 zerstört wurde. Der spätere Wiederaufbau erfolgte auf einer aus dem Morast hervorspringenden besser zu sichernden Landzunge, die eigentliche Burg Taplacken Auf den Ausbau von Kellern musste wegen des feuchten Grundes verzichtet werden. In der Burg wurde später eine Domäne eingerichtet.

Kirche[Bearbeiten]

Mit seiner fast ausnahmslos evangelischen Bevölkerung war Taplacken bis 1945 in das Kirchspiel der Kirche Petersdorf (Ostpreußen) (heute russisch: Kuibyschewskoje) eingepfarrt, das zum Kirchenkreis Wehlau in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union gehörte. Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung sowie der restriktiven Kirchenpolitik der Sowjetunion brach das kirchliche Leben ein. Erst in den 1990er Jahren bildete sich in Talpaki eine neue evangelisch-lutherische Gemeinde, eine Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) in der Propstei Kaliningrad[10] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Blažiene, Grasilda: Hydronymia Europaea, Sonderband II, Die baltischen Ortsnamen im Samland, Wolfgang Schmid Hrsg., Steiner Verlag Stuttgart 2000
  • Salemke, Gerhard: Lagepläne der Wallburganlagen von der ehemaligen Provinz Ostpreußen, Gütersloh, 2005

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Vytautas Mažiulis. Prūsų kalbos etimologijos žodynas Bd. 4, R-Z. Vilnius
  3. Blažiene, Grasilda: Hydronymia Europaea, Sonderband II, Die baltischen Ortsnamen, Wolfgang Schmid Hrsg., Steiner Verlag Stuttgart 2000, S.159
  4. D. Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Taplacken
  5. Rolf Jehke, Amtsbezirk Taplacken
  6. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Wehlau
  7. Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch, Landkreis Wehlau
  8. Nach dem Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni/1. Juli 2009, nebst Gesetz Nr. 502 vom 24. Februar 2005, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 vom 1. Juli 2009
  9. Salemke, Gerhard: Lagepläne der Wallburganlagen von der ehemaligen Provinz Ostpreußen, Gütersloh, 2005, Karte 35/15
  10. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad

Siehe auch[Bearbeiten]