Talsi

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Talsi (dt.: Talsen)
Wappen von Talsi
Talsi (Lettland)
Red pog.svg
Basisdaten
Staat: Lettland
Landschaft: Kurland (lettisch: Kurzeme)
Verwaltungsbezirk: Talsu novads
Koordinaten: 57° 15′ N, 22° 35′ O57.24666666666722.588611111111Koordinaten: 57° 14′ 48″ N, 22° 35′ 19″ O
Einwohner: 11.201 (1. Jan. 2010)
Fläche: 7,8 km²
Bevölkerungsdichte: 1.436,03 Einwohner je km²
Höhe:
Stadtrecht: seit 1917
Webseite: www.talsi.lv
Postleitzahl:
ISO-Code:
Talsi panorama.jpg
Blick auf Talsi

Talsi (deutsch: Talsen, livisch: Tālsa) ist eine Stadt im westlichen Lettland, in der Region Kurland (lettisch: Kurzeme). Sie bezeichnet sich gerne als „Perle Kurlands“ oder als „Stadt der neun Hügel“.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort war im 10. Jahrhundert von Liven und später von Kuren besiedelt. Talsi (villa Talse) taucht erstmals 1231 im Rahmen der baltischen Kreuzzüge in einer Urkunde auf. 1422 wird eine Siedlung beim Burgberg erwähnt (pilsahten to Talsen) und 1434 eine Burg des Livländischen Ordens. Ab dieser Zeit siedelten auch deutsche Handwerker und Händler bei der Burg. Ab 1609 bestand eine gemauerte Kirche.

Im 16. Jahrhundert war der Ort ein kleiner Marktort im Herzogtum Kurland, dessen Wirtschaft hauptsächlich auf der Eisengewinnung gründete. Talsi wurde von zwei Pest-Epidemien (1657 und 1710) heimgesucht. 1710 sollen noch zehn Menschen hier gelebt haben. 1733 wurde die Stadt durch einen Großbrand zerstört.

Kirche in Talsi

Nachdem Kurland 1795 zum Russischen Kaiserreich kam, siedelten sich viele polnisch-litauische Juden an. Später stellten sie mehr als die Hälfte der Bevölkerung und dominierten den Handel der Stadt.

Im 19. Jahrhundert begann die Alphabetisierung und die ersten russischen und deutschsprachigen Schulen wurden eingerichtet. Die Stadt war 1819 Zentrum der Hauptmannschaft Talsen und erhielt 1894 beschränkte Stadtrechte. Es gab unter anderem Fabriken für Streichhölzer, Liköre und Wolle sowie eine Bierbrauerei und eine Druckerei. Während der russischen Revolution 1905 ging die Macht im Dezember auf die revolutionären Komitees über, bevor die zaristische Strafexpedition eintraf.

Im Ersten Weltkrieg erhielt Talsi 1917 unter deutscher Besatzung das Stadtrecht. Die Stadt zählte zu diesem Zeitpunkt infolge der Zwangsevakuierung wenig mehr als 4000 Einwohner, 12 % davon waren Juden.

Mit der lettischen Unabhängigkeit setzte ein wirtschaftlicher Aufschwung ein. Es gab auch ein kleinstädtisches Kulturleben; die Stadt war bis zum Zweiten Weltkrieg Durchgangsort für Wandertheater. 1939 begann die Rote Armee infolge des Stationierungsvertrages mit dem Bau eines Flugplatzes bei Talsi, bevor dann 1940 ganz Lettland besetzt wurde.

Während des Deutsch-Sowjetischen Krieges war Talsi vom 1. Juli 1941 bis zur deutschen Kapitulation von der Wehrmacht besetzt. 1945 befand sich das Hauptquartier der Heeresgruppe Kurland in Talsi. Der Großteil der ansässigen Juden wurde in den Kriegsjahren deportiert und umgebracht.

1965 entschied die Lettische SSR, in Talsi eine Anlage zur Eisenverhüttung zu bauen. Zu ihren Hochzeiten beschäftigte die Fabrik mehr als 350 Arbeiter und exportierte ihre Produkte in die gesamte Sowjetunion und sogar nach Großbritannien und in die Mongolei. Der neue Reichtum erlaubte die Umsetzung eines neuen Entwicklungsplans, der ein Kino, ein Hotel, das Verwaltungszentrum und ein Parkhaus umfasste, in der Stadt wurden auch mehrere Parks angelegt.

Derzeit profitiert Talsi vom Anwachsen des Dienstleistungssektors in den meisten Hauptorten der Region sowie vom Anstieg des Tourismus in Kurland.

Talsu novads[Bearbeiten]

Seit 2009 besteht der Bezirk Talsi (Talsu novads), dem sich die meisten Gemeinden des ehemaligen Landkreises anschlossen. 2010 lebten 34443 Einwohner in den vier Städten und 14 Landgemeinden des Bezirks (Siehe: Verwaltungsgliederung Lettlands).

Über 95 % der Einwohner bezeichnen sich als Letten. Russen sind die größte der 22 Minderheiten.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Feldmann, Heinz von zur Mühlen (Hrsg.): Baltisches historisches Ortslexikon, Teil 2: Lettland (Südlivland und Kurland). Böhlau, Köln 1990, ISBN 3-412-06889-6, S. #.
  • Astrīda Iltnere (Red.): Latvijas Pagasti, Enciklopēdija. Preses Nams, Riga 2002, ISBN 9984-00-436-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Talsi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien